Berichte

Große und kleine Insektenfreunde im Großen und Kleinen

  • Insekten sind in einer großen Vielfalt in unserer Natur anzutreffen, allerdings ging ihre Zahl, untersucht anhand der „Biomasse“ der Fluginsekten, in den letzten 30 Jahren um etwa drei Viertel zurück.

    Alarmierend!!!

    Viele Arten sind gefährdet oder vom Aussterben bedroht. Das ist ein großes Problem, auch für uns Menschen, denn die wichtigsten Aufgaben der Insekten sind zum einen die Bestäubung der Pflanzen (80% unserer heimischen Nutz- und Wildpflanzen sind auf eine Bestäubung angewiesen). Und zum zweiten als Nahrungsgrundlage für viele andere Tiere zu dienen. Bereits Albert Einstein soll auf den Nutzen der Bienen und Insekten mit der Aussage verwiesen haben: „Wenn die Bienen aussterben, sterben vier Jahre später auch die Menschen.“ Es soll verdeutlich, wie wichtig Insekten für das Leben jedes einzelnen von uns sind. Für das massenhaften Verschwinden der Insekten und deren Lebensräume sind viele Aspekte verantwortlich:

     

    -             Verarmung der Landschaft - führt zu einem Verlust an Biodiversität

    -             Lichtverschmutzung –die meisten Insekten sind nachtaktiv

    -             Einsatz chemischer Mittel in der intensiven Landwirtschaft

    -             naturfeindliche Gestaltung von Privatgärten

    -             Überdüngung von Böden und Gewässern

    -             intensive Forstwirtschaft

    -             Versiegelung von Böden

     

    Das alles führt zu dem Verlust der Artenvielfalt. Viele Insekten sind auf eine einzige Pflanzenart spezialisiert, wenn diese verschwindet haben sie keine Lebensgrundlage mehr.

    In China kam es zu der Notsituation, dass es Regionen gibt, in denen kaum noch bestäubende Insekten leben. Um trotzdem Obst ernten zu können, müssen die Menschen die Pflanzen künstlich in Handarbeit bestäuben. Das ist nicht nur mühsam, sondern auch gefährlich und die Leistung der Insekten wird lange nicht erreicht. Wenn man diesen Aufwand und die Anstrengung sieht, lernt man die Arbeit der Insekten und Bienen sehr zu schätzen. Die fleißigen Bienen zählen zu unseren wichtigsten Nutztieren und befinden sich hinter dem Rind und Schwein auf dem dritten Platz (siehe Abb.1). Ohne ihre unermüdliche Bestäubungsarbeit würden unsere Einkaufläden ganz anders aussehen, da eine ertragreiche Ernte von der Qualität der Bestäubung abhängt (siehe Abb. 2). Für ein 500 Gramm Glas Honig müssen sie eine Strecke von insgesamt 120.000 Kilometer zurücklegen, was einer dreimaligen Weltumrundung entspricht. Was für eine Leistung! Früher fanden die Bienen durch die unterschiedlichen, zeitlich versetzten Trachtquellen bis in den Herbst genügend Futter und waren nicht auf das Zufüttern des Imkers angewiesen. Heutzutage sieht das aufgrund von oben genannten Faktoren und den Klimawandel – zunehmende Trockenheit und Temperaturanstieg- leider anders aus. Oft müssen die Imker bereits Ende Juli zufüttern. Diese Unterstützung finden die Wildbienen (in Deutschland leben über 560 Wildbienenarten) und andere Insekten nicht. Wenn es nicht ausreichende Nahrungsangebote und Lebensräume gibt, sterben sie.

    Diesem Problem kann man begegnen! Zumindest privat… Es gibt einige grundlegende Tipps und Tricks auf die man achten sollte, wenn der eigene Garten insektenfreundlich sein und bleiben soll:

    So sollte man bei der Auswahl der verpflanzten Pflanzen darauf achten, dass diese zu unterschiedlichen Zeiten im Jahr blühen. Kombiniert man etwa Frühblüher wie Krokusse mit Spätblühern wie Prachtkerzen und pollenreiche Pflanzen wie Rosen mit nektarreichen, z.B. Sonnenbraut, kann man seinen 6-beinigen Besuchern fast das ganze Jahr über ein abwechslungsreiches und ausgewogenes Buffett zur Verfügung stellen. Auch Beerensträucher bieten sich hierfür an. Brom-, Him-, und Johannisbeeren blühen sehr reichhaltig und stellen viel Nektar und Pollen her. Außerdem locken die Früchte Vögel an, was vielleicht den Insekten zuwider sein mag, aber zu einem ausgewogenen, stabilen und gesunden Mini-Ökosystem des heimischen Gartens beiträgt. Man mag denken, dass das alles viel Arbeit bedeuten muss, aber keineswegs! Viele der Pflanzen, welche großartigen Lebensraum und Futterquellen für viele Insekten darstellen, sind sehr robust und vertragen auch heiße und trockene Sommer und kalte Winter recht gut. In Zeiten des Klimawandels und der Extremwetterphänomene ein nicht zu unterschätzender Bonus. Das Jäten von Unkraut kann man sich ebenfalls sparen: viele Unkräuter (wie zum Beispiel Brennnesseln) gehören zu den wichtigsten Futterpflanzen für Insekten, besonders für Schmetterlinge. Und man muss noch nicht einmal jäten, wenn man seine Blumenerde ganz zu Anfang gut entjätet hat und dann mit einer Schicht feinem Kies bedeckt: die gewollten Pflanzen werden durchkommen, doch es wird sich kein neues Unkraut pflanzen. Großartig!

    Eine große Hilfe, bei der man nicht einmal etwas machen muss, kann es auch sein, einfach mal eine Woche länger als bisher den Rasenmäher stehen zu lassen. So gibt man Löwenzahn, Gänseblümchen und Co. Zeit, den Rasen in eine vollkommen natürliche Blumenwiese zu verwandeln. Ganz sicher sollte man jedenfalls keinen Rasenmäherroboter verwenden, welcher in kalter Effizienz alles an Pflanzen und Tieren weghäckselt, was ihm in die Quere kommt. Frösche auf Wanderung, flugunfähige Insekten und viele mehr danken es einem…

    Der „Klassiker“ ist natürlich noch immer bewährt: Insektenhotels. Sie werden sehr gut von vielerlei Insekten aufgenommen, denn nicht nur an Nahrung fehlt es denen immer mehr, sondern auch an geeignetem Lebensraum. Dieser kann so zur Verfügung gestellt werden.

    Der starke Rückgang der Insekten wirkt sich unmittelbar auf das gesamte Ökosystem aus, mit weitreichenden Folgen, denn sie bilden einen elementaren Bestandteil in dem natürlichen Nährstoffkreislauf der Natur. An den weiter oben genannten Auswirkungen wird nochmal ersichtlich, wie wichtig es ist, sich für den Insekten- und Artenschutz einzusetzen und andere darauf aufmerksam zu machen. Jeder kann seinen Beitrag leisten. Sei dabei: Wahrnehmen! Verstehen! Handeln!

     

    Von Stella und Jonas

Kommentare

3 Kommentare
  • Jojahanna
    Jojahanna Ich kann das Buch "Anstiftung zum gärtnerischen Ungehorsam" von Christiane Habermalz sehr empfehlen, wenn man noch mehr Beispiele für insektenfreundliche Gartenpflanzen braucht.
  • HannahKoenig
    HannahKoenig Eine interessanter Roman zu dem Thema wäre „Die Geschichte der Bienen“ von Maja Lunde, der die Problematik des Insektensterbens sehr gut verdeutlicht
  • Marcel
    Marcel Danke für diesen sehr schönen und wichtigen Beitrag!