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1,5 Grad sind unverhandelbar! Das WWF Jugend Positionspapier

  • Im Vorfeld des morgen anstehenden EU-Gipfels, auf dem über das weitere Vorgehen der Regierungen in Sachen Klimaschutz beraten werden soll, bezieht die Jugend nochmals klar Stellung.

    In unserem heute veröffentlichten WWF Jugend Positionspapier zum Thema Klimaschutz, richten wir  klare Forderungen an die Bundesregierung und zeigen, was aus unserer Sicht notwendig ist, um das Pariser Klimaschutzabkommen einzuhalten und gleichzeitig einen fairen Beitrag zum 1,5-Grad-Ziel zu leisten.

    Bereits gestern, am 13.10.2020, veröffentlichte Fridays for Future Deutschland zusammen mit dem Wuppertal Institut eine Machbarkeitsstudie, die darlegt, wie das 1,5-Grad-Ziel von Deutschland noch erreicht werden kann. Es werden konkrete Maßnahmen aufgezeigt, die die Bundesregierung, insbesondere während der nächsten Legislaturperiode ab 2021, zügig umgesetzen sollte, wenn sie es mit dem 1,5-Grad-Ziel ernst meint.

    Aber warum stehen 1,5-Grad im Mittelpunkt der Diskussion? Die 1,5-Grad beziehen sich auf die mittlere Erderwärmung bis 2050 im Vergleich zu 1990, die der IPCCC in seinem Zielpfad aufzeigt. So können die schlimmsten Folgen einer Erderhitzung noch verhindert werden. Deshalb positioniert sich die Jugend hier ganz klar für das 1,5-Grad-Ziel.



    Deutschland hat nun die Chance, entschlossen voranzugehen und damit andere Länder und Staaten zum Handeln zu bewegen. Wenn es in Deutschland gelingt, den Klimaschutz entschieden voranzubringen und das 1,5-Grad-Ziel als Entscheidungsgrundlage zu etablieren, wird dies auch die Entscheidungen anderer Länder und Regierungen beeinflussen, klimapolitisch mitzuziehen.

    „Als reiche und fortgeschrittene Volkswirtschaft“, heißt es im WWF Jugend Positionspapier, „hat Deutschland durch einen hohen CO₂-­Ausstoß über Jahrzehnte die Klimakrise mitverursacht, unter der Menschen in Schwellen- und Entwicklungsländern schon heute besonders stark leiden.“ Weiter heißt es: „Wir fordern, dass Deutschland mehr Verantwortung übernehmen muss als viele glauben, die sich vorwiegend auf Deutschland beziehen. Deutschland muss neben den nationalen auch die weltweiten Emissionen reduzieren. Wir fordern daher, dass fortgeschrittene Volkswirtschaften saubere Energie bis zur Marktreife fördern und diese Technologien dann mit Schwellen- und Entwicklungsländern teilen.“

    Auf der EU-Ebene kommt Deutschland auch insofern eine besondere Verantwortung zu, als dass die Bundesrepublik aktuell die EU-Ratspräsidentschaft innehat. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat auf dem EU-Gipfel die Chance, eine ambitionierte Klimazielerhöhung zu erwirken. Die von EU-Parlament und EU-Kommission vorgeschlagenen Ziele sind zwar ein Fortschritt, aber immer noch zu gering. Der WWF fordert eine Reduktion der Treibhausgasemissionen um mindestens 65 Prozent bis 2030.

    Unser WWF Jugend Positionspapier beinhaltet viele konkrete Forderungen, wie z. B. dass bis 2030 möglichst 75 % des Bruttostromverbrauchs durch erneuerbare Energien gedeckt werden sollen. Außerdem fordern wir ein nationales Bekenntnis zur Abschaffung des Verbrennungsmotors, ein Verbot von Inlandsflügen, eine drastische Reduktion der Lebensmittelverschwendung, die Abschaffung der klimaschädlichen Massentierhaltung und ein wachstumsunabhängigeres Wirtschaftssystem innerhalb planetarer und sozialer Grenzen! Den gesamten Forderungskatalog kannst du hier nachlesen.

    Die Schlussfolgerung aus der von Fridays For Future beauftragten Studie kommen ebenfalls zu dem Ergebnis, dass keine weitere Zeit verloren werden darf: „Ein fairer Beitrag zur Einhaltung der 1,5-°C-Grenze kann nur noch geleistet werden, wenn die kommende Bundesregierung die Transformation in der (…) beschriebenen Geschwindigkeit angeht. Ohne eine historische Fokussierung auf die Reduktion der CO2-Emissionen und eine Priorisierung von Klimaschutz in allen Politikbereichen dürfte das nicht zu schaffen sein.“ Dies verdeutlicht die historische und gewaltige Aufgabe, vor der wir alle und insbesondere die Regierung steht.

    Wir von der WWF Jugend, Fridays For Future und auch viele weitere Jugendverbände und -organisationen fordern schon lange eine stärkere Jugendbeteiligung. „Die Klimakrise betrifft die jungen Generationen am stärksten“, erklärt die 25-jährige Sarah, eine der Mit-Autorinnen des WWF Jugend Positionspapiers. „Daher müssen wir bei der Klimapolitik ein umfassenderes Mitspracherecht erhalten. Die Möglichkeiten reichen von Jugendbeiräten bis zu Generationentests, die politisch Entscheidungen auf ihre Zukunftsfähigkeit prüfen und sicherstellen, dass nachfolgende Generationen nicht davon benachteiligt werden.“

    Wir lassen uns nicht mit leeren Worten von Politiker:innen zufrieden stellen, sondern fordern sofortige Maßnahmen im Kampf gegen die Klimakrise und deren Folgen. Nur, wenn das 1,5-Grad-Ziel als unbestreitbare Grundlage angesehen und angenommen wird, besteht überhaupt noch die Chance, die Klimakrise zu verhindern. Daran wird sich die Politik heute und zukünftig messen lassen müssen.

    Mit unserem Positionspapier gehen wir einen neuen Schritt: das erste Mal in unserer zehnjährigen Geschichte formulieren wir ein Positionspapier mit konkreten Forderungen, die wir als Maßstab an eine zukunftsfähige Politik ansetzen. Du hast Lust in Zukunft an ähnlichen Projekten mitzuwirken? Dann komm in unser Team und gestalte mit uns gemeinsam einen lebenswerten Planeten von morgen! :)

    Fotos: Eisbär © Richard-Barrett-WWF-UK; Windkraftanlage © pixelnest / iStock / Getty Images Plus; Halde von Neuwagen © gargantiopa/iStock/Gettyimages Plus; Klima-Demo © Alexander Paul Brandes / WWF

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