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Waldaufgabe 3/6

  • Kraftvoll, verwunschen, mystisch - der Wald hat auf uns eine magische Anziehungskraft. Die überwiegende Zeit unserer Entwicklungsgeschichte lebten wir Menschen im und vom Wald. Doch inzwischen scheinen wir die Verbindung zur Natur zu verlieren. Wird der Wald uns fremd? Nicht, wenn wir uns wieder auf das Abenteuer einlassen, ihn neu zu entdecken.

    In diesen Wochen bekommst du bei uns viele Inspirationen und Anregungen, wie du wieder mehr Zeit im Wald verbringen kannst. Wir laden dich ein, diesen Frühling zu deinem Waldfrühling zu machen! 

    Sind dir beim Wandern schon einmal aufeinander gestapelte Steine in der Landschaft aufgefallen? Vielleicht hast du sogar selbst schon einmal versucht Steine in einen Turm zu verwandeln. Selbst wenn dir dieses Phänomen noch nie über den Weg gelaufen ist, wird es dir zumindest in Form eines Bildschirmschoners, Desktophintergrunds oder Bildmotivs begegnet sein. 

    [Das Bild zeigt ein Steintürmchen in der Natur. Dahinter sitzt eine Person und gibt ein Daumen-Hoch-Zeichen.] Bild: Silke Müller

    Doch was verbirgt sich hinter diesen Steintürmchen? Der ursprüngliche Grund, weshalb Menschen in zahlreichen Ländern Steine stapeln, ist vor allem kulturell und religiös motiviert.

    Einige Türmchen erfüllen die Funktion einer Wegmarkierung oder den eines Grenzpunktes, bspw. an Grundstücken. In Skandinavien sind diese sogenannten Steinmännchen verbunden mit dem Volksglauben an boshafte Trolle. Steinmännchen sollen hier Wanderer vor ihnen schützen; deshalb legen viele einen weiteren Stein auf bereits existierende Steinmännchen.

    Ein Großteil der heute existierenden Steintürme hat jedoch keine besondere Bedeutung, sondern wurde einfach von Wandernden aus Spaß an der Freude errichtet. Es ist geradezu meditativ die einzelnen Steine in die Balance zu bekommen und das Ergebnis ist ein Kunstwerk. Ein Kunstwerk der Natur, sogenannte “Landart”. Landart ist Kunst in der Natur mit der Natur.

    Der Begriff "Landart" entstand Ende der 1960er Jahre in Amerika, wo Künstlerinnen und Künstler oft großflächige Installationen und Werke aus Naturmaterialien weit abseits der Zivilisation in oft "unberührten" Landschaften aufstellten. Sie verstanden Landart auch als Protestform gegen Künstlichkeit und Kunststoffe. 

    [Das Bild zeigt die Land Art Installation "7 Magic Mountains" in der Mojave Wüste in Nevada, USA.] Bild: Franz Hajak über Pixabay

    In Europa entwickelte sich in den 1970er Jahren daraufhin eine naturorientierte Kunstform, die hauptsächlich mit Naturmaterialien in einer oft auch relativ kultivierten Landschaft experimentierte.

    Landart-Kunstwerke haben meist eine kurze Lebensdauer. Die Flut spült sie weg, der Regen wäscht sie fort, der Wind verweht sie. Sie laden dazu ein, für den Augenblick zu gestalten und nicht für die "Ewigkeit".

    [Das Bild zeigt Blätter in einem Spektrum von Grün bis Rot entlang einer mit Steinen gelegten Form.] Bild: Lisa Prast

    Wir laden dich in der dritten Waldaufgabe dazu ein, dein eigenes Kunstwerk zu erstellen. Lass deiner Kreativität freien Lauf und gestalte etwas für den Augenblick. Zur Inspiration haben wir einige Beispiele für dich, wie du die Natur in deinem Waldstück in Kunst verwandeln kannst. Eine kurze Bildsuche “Landart” in der Suchmaschine deiner Wahl gibt dir noch mehr Anregungen und lässt dich staunen wie einfallsreich Menschen sind und wie bunt die Natur.

    [Das Bild zeigt Blätter in einem Kreis angeordnet. Sie werden zur Mitte hin immer farbenfroher.] Bild: Lisa Prast

    Du hast überhaupt keine Idee und bist der Meinung nicht künstlerisch veranlagt zu sein? Es ist auch schwierig vor dem Bildschirm inspiriert zu werden ;) Lass dich von der Natur leiten. Sobald du über die Schwelle in dein Waldstück gehst, schau dich um. Welche Farben erkennst du? Welche Formen umgeben dich? Ist vielleicht schon irgendwo eine Form zu erkennen, die du als Grundlage für deine Kreation verwenden kannst? Dein Kunstwerk muss nicht groß sein, es genügen auch ein paar Gegenstände auf dem Waldboden in einer Anordnung, die du schön findest. Die für dich etwas bedeutet. Die für dich etwas ausdrückt. Denn letztendlich ist Kunst eine Form des Ausdrucks. Was möchtest du ausdrücken? Vielleicht möchtest du auch gar nichts ausdrücken, sondern einfach nur etwas Schönes erschaffen. 

    Die Natur erschafft große Kunstwerke. Wir sind ein Teil der Natur, somit steckt in jedem von uns auch die Fähigkeit Kunst ins Leben zu rufen. 

    [Das Bild zeigt Beeren in einem Quadrat umgeben von Nadeln auf dem Waldboden.] Bild: Lisa Prast

    Wenn dein Kunstwerk fertig ist, kannst du es für dich genießen bis die Natur wieder Chaos verbreitet. Vielleicht läufst du in den nächsten Tagen sogar einige Male daran vorbei und kannst beobachten wie die Natur sich ihre Materialien nach und nach zurückholt. 

    Wenn du magst, kannst du vorher noch ein Bild aufnehmen und das vergängliche Kunstwerk so festhalten. Vielleicht möchtest du es auch hier in der Community teilen und die anderen daran teilhaben lassen. Wir würden uns freuen, wenn die Community voller bunter Naturkunstwerke wird. 

    Dieser Bericht ist Teil des Waldfrühlings. Alle Infos dazu findest du hier.

    In der letzten Woche gab es einen Waldwissen-Bericht zum Wald als Ressource. Im nächsten Waldwissen-Bericht haben wir einen Förster für euch ausgefragt. Nächsten Sonntag geht es weiter!

    Titelbild: © Marcel Gluschak / WWF [Das Bild ist eine Nahaufnahme von weißen Blümchen.]

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