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Waldwissen - wozu nutzen wir den Wald?

  • Kraftvoll, verwunschen, mystisch - der Wald hat auf uns eine magische Anziehungskraft. Die überwiegende Zeit unserer Entwicklungsgeschichte lebten wir Menschen im und vom Wald. Doch inzwischen scheinen wir die Verbindung zur Natur zu verlieren. Wird der Wald uns fremd? Nicht, wenn wir uns wieder auf das Abenteuer einlassen, ihn neu zu entdecken.

    In diesen Wochen bekommst du bei uns viele Inspirationen und Anregungen, wie du wieder mehr Zeit im Wald verbringen kannst. Wir laden dich ein, diesen Frühling zu deinem Waldfrühling zu machen!

    Nachdem wir uns im letzten Bericht zum Thema Waldwissen damit beschäftigt haben, welche Auswirkungen der Wald auf unseren Körper und Geist hat, widmen wir uns nun der Frage wozu wir den Wald verwenden. 

    Zunächst einmal die Frage: was ist “Wald” überhaupt? Kurz gesagt ist ein Wald ein Ökosystem mit einer Vegetation, die von Bäumen geprägt ist und dessen Fläche so groß ist, dass sich ein charakteristisches Waldklima ausbildet. So vielfältig die Wälder auf der Welt, so vielfältig sind die Definitionen. Fragt man das Bundeswaldgesetz ist jede mit Forstpflanzen bestockte Grundfläche ein Wald. Hierzulande gilt eine Fläche, die 0,1 Hektar groß und 10 Meter breit ist, als Wald. Laut den Vereinten Nationen muss Wald eine Mindestfläche von 0,5 Hektar haben, diese Fläche braucht allerdings nur zu einem Zehntel von Baumkronen überschirmt zu sein. Unabhängig von der genauen Definition, erfüllt der Wald viele Funktionen. 

    Seine wichtigste Funktion ist wohl die als vielschichtiges Ökosystem, als Lebens­raum von Tieren, Pflanzen, Pilzen und Milliarden von Mikro­organismen. Der Wald schützt seine Bewohner, die auf ihn als Lebensraum zwingend angewiesen sind, indem er ihnen Nahrung, Wohnung und Schutz bietet. 

    Zudem ist der Wald ein natürlicher Erosionsschutz, Wasserfilter, eine Klimaanlage und fungiert als Sicht- und Lärmschutz, Schadstofffilter und ist ein bedeutender Kohlenstoffspeicher. Hinzu kommt die Erholungsmöglichkeiten, die er uns bietet. Die lebenswichtigen „Dienstleistungen“ des Waldes sind endlos – vom Klimaschutz über die Bereitstellung von Trinkwasser bis hin zur Bewahrung der biologischen Artenvielfalt. Doch nicht nur die gute Luft und das Ökosystem haben ihren Wert, sondern zunehmend auch Raummeter und Ernteerträge in Form des Rohstoffes Holz. Die Waldwirtschaft boomt, deutsche Buche wird bis nach China exportiert. 

    In Deutschland ist ca. ein Drittel der Landesfläche bewaldet. Mit 11,4 Mio. Hektar Wald ist Deutschland das wald- und holzreichste Land der Europäischen Union. Nur logisch, dass nach der Landwirtschaft die Forstwirtschaft die wichtigste Landnutzungsform hierzulande ist. Die vier häufigsten Holzarten in der deutschen Forstwirtschaft sind die Fichte (mit 25%), die Kiefer (22%), die Buche (15%) und auf Platz 4 die Eiche mit 10% gemessen am Anteil der Gesamtfläche des Waldes. 

    Die Fichte wächst schnell und ihr Holz hat ideale Eigenschaften als Baustoff. Daher ist sie der „Brotbaum“ der Forstwirtschaft. Da die Fichte jedoch als besonders anfällig für die Folgen des Klimawandels gilt, setzen die Forstwirte seit ein paar Jahren wieder stärker auf den Aufbau von Misch- und Laubwäldern. Nadelbaumarten wie die Douglasie oder die Küstentanne gelten als besser gewappnet und erfreuen sich bei den Forstwirten zunehmender Beliebtheit.

    Wozu nutzen wir den abgebauten Rohstoff Holz? In Deutschland wird die Hälfte des geernteten Rohholzes stofflich genutzt, die andere Hälfte energetisch. Bei der stofflichen Nutzung wird ein Großteil des Rohholzes in Sägewerken verarbeitet. Rundholz wird als Bau- und Möbelholz verwendet. Faserholz und Sägeabfälle werden in Zellstofffabriken oder Bioraffinerien weiterverarbeitet. Baumkronen, Zweige, Stümpfe oder allgemein Resthölzer, die bei Durchforstungen anfallen, werden häufig als Feuerholz verbrannt - die sogenannte energetische Nutzung. Auch Industrierestholz und Altholz werden meist energetisch genutzt. Neben dem klassischen Brennholz können aus Säge- und Hobelspänen Pellets mit hoher Energiedichte gepresst werden. Grundsätzlich ist die hochwertige stoffliche Nutzung umweltfreundlicher als die direkte energetische Nutzung. Im besten Fall wird die Ressource mehrfach genutzt: zuerst stofflich und dann energetisch.

    Vor allem in Ländern in Afrika, Asien und Lateinamerika ist die energetische Nutzung des Rohstoffs weit verbreitet. Mehr als zwei Milliarden Menschen – vornehmlich in Entwicklungsländern –  verbrennen Holz, um zu kochen oder zu heizen. Laut der Holzrohstoffbilanz wird in Deutschland seit 2009 etwa gleich viel Holz energetisch genutzt wie stofflich.

    Kann Forstwirtschaft nachhaltig sein? Mit Blick auf immer knappere Holzressourcen prägte bereits um 1713 der sächsische Berghauptmann Hans Carl von Carlowitz die bis heute geltenden Prinzipien der nachhaltigen Wald- und Forstwirtschaft. Die Idee dieses Nutzungskonzepts gilt bis heute: es wird im Wald dauerhaft nicht mehr Holz gefällt, als nachwächst. Nachhaltigkeit in der Waldwirtschaft wird heute jedoch noch umfassender definiert: der Wald naturnah, artenreich und vital. Wichtige Ziele einer nachhaltigen Waldwirtschaft sind insbesondere der Aufbau des Holzvorrats und der Aufbau von Totholz, also abgestorbene Biomasse, die als wichtiger Lebensraum für Mikrorganismen, Pilze, Pflanzen und Tiere dient.

    Wie sieht es im Rest der Welt aus? Laut FAO sind weltweit etwa 410 Mio. Menschen direkt vom Wald für die Bestreitung ihres Lebensunterhalts abhängig. Für schätzungsweise 1,6 Mrd. Menschen bildet er einen Großteil ihrer Lebensgrundlage. Holz und industriell hergestellte Holzprodukte tragen jährlich mehr als 450 Mrd. US-Dollar zur Weltwirtschaft bei. Der Wald wird als Ökosystemdienstleister stark beansprucht. Die derzeitige Bilanz ist durchwachsen. Die globale Entwaldungsrate sinkt zwar, ist in manchen Weltregionen aber immer noch hoch. Die größten Verluste waren in den letzten Jahren in Südamerika und Afrika zu verzeichnen. Im Durchschnitt verschwinden pro Jahr etwa 5,2 Mio. Hektar Wald. Seit 1990 sind etwa 129 Mio. Hektar Wald abgeholzt worden, das entspricht einer Fläche ähnlich der von Südafrika.

    Die Gründe für die Abholzungen sind vielfältig. Im Vordergrund steht die Ausbreitung der Landwirtschaft; dabei spielt der Anbau von Soja, Mais, Ölpalmen, Reis und Zuckerrohr eine große Rolle. Etwa die Hälfte der Pflanzen wird weiter zu Tiernahrung verarbeitet. In vielen Regionen führen Bergbau, Verstädterung, Infrastrukturausbau und illegaler Holzeinschlag zu einem Rückgang der Bewaldung. Indirekte Faktoren, die den Waldschwund begünstigen, sind eine unzureichende Waldbewirtschaftung, widersprüchliche politische Vorgaben und sowie deren mangelhafte Umsetzung, Armut und unsichere Landbesitzverhältnisse. Trotz des fortschreitenden Rückgangs gibt es eine positive Tendenz. Immer mehr Wälder werden unter Schutz gestellt und Länder verbessern ihr Waldmanagement.

    Momentan gibt es allerdings keinen umfassenden, rechtlich verbindlichen Vertrag, der sich ausschließlich auf den Schutz der Wälder bezieht. Gleichzeitig fordern immer mehr Verbraucher, Behörden und Unternehmen einen verantwortungsbewussten Umgang mit den Waldressourcen. Zertifizierungssysteme bedienen diese Nachfrage, indem sie einheitliche Standards schaffen und ökologische, soziale und ökonomische Aspekte bei der Waldbewirtschaftung überprüfen. 

    Keine noch so durchdachte Waldwirtschaft kann jedoch die über Jahrtausende herangewachsenen Urwälder ersetzen. Auch in Deutschland sind gerade alte Waldgebiete schützenswert. Die WWF Kampagne zum Waldschutz bietet euch die Möglichkeit selbst aktiv zu werden und euch für den Erhalt unserer Urwälder einzusetzen. 

    Hier findest du die Waldaufgabe der vergangenen Woche: Sinne schärfen.

    In der nächsten Woche erfährst du im Rahmen der dritten Waldaufgabe, wie du durch “Landart” den Wald in ein kleines Kunstwerk verwandeln kannst.

    Alle Infos zum Waldfrühling findest du hier: https://www.wwf-jugend.de/pages/waldfruehling

    Titelbild: © Marcel Gluschak / WWF (Das Bild zeigt die Baumkronen von Erlen, die vom Waldboden aus fotografiert worden sind).

    Quellen

    https://www.un.org/millenniumgoals/2015_MDG_Report/pdf/MDG%202015%20rev%20%28July%201%29.pdf#page=1&zoom=auto,-25,738

    https://biooekonomie.de/themen/dossiers/der-wald-als-ressource

    https://www.umweltbundesamt.de/daten/land-forstwirtschaft/nachhaltige-waldwirtschaft#die-vielfaltigen-funktionen-des-waldes

    https://www.bmel.de/DE/themen/wald/waelder-weltweit/wald-holz-klimaverhandlungen.html

    https://www.waldkulturerbe.de/wald-und-forstwirtschaft-in-deutschland/waldwirtschaft/bedeutung-der-waldwirtschaft/

    https://www.goettinger-tageblatt.de/Nachrichten/Wirtschaft/Regional/Der-Wald-als-wachsende-Ressource

    https://www.forstwirtschaft-in-deutschland.de/waelder-entdecken/waldfunktionen

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