Berichte

Mein erster Plastic-Free-July - Erfahrungsbericht

  • Im Folgenden möchte ich gerne über den Plastic Free July aus meiner Perspektive berichten. Erkenntnis: wirklich plastik-frei ist gar nicht so easy...

    Hier gab es auch Brombeeren am Wegerand zu pflücken, unverpackt und kostenlos. Außerdem wachsen hier Schlehen, Holunder, Hagebutte, Haselnuss, Äpfel und Kirschen. Manchmal geben auch Nachbarn Obst/Gemüse ab, ggf. gegen Hilfe beim Pflücken.

     

     

    Im letzten Herbst habe ich aus Kastanien, die wir im Wald gesammelt haben, Waschmittel hergestellt. Frische Kräuter kann ich einfach im Garten pflücken.

    Für die Spülmaschine nutze ich Pulver anstelle von Tabs, die zum Teil noch einzeln eingepackt sind. Ich kann nur bestätigen, dass man mit Essig und Wasser gut ein eigenes Putzmittel herstellen kann.

    Eine Maske hat meine Tante mir ebenfalls aus altem Stoff genäht (im Gegenzug habe ich eine Software zur Überwachung der Solaranlage geschrieben). Ich habe außerdem im Juli versucht, Kleidung von mir zu nähen/reparieren, mit mäßigem Erfolg, aber Übung macht den Meister…!

    Seit einer Weile kaufe ich Brot und Backwaren hauptsächlich abends über too good to go kurz vor Ladenschluss beim Bäcker um die Ecke. Damit kann ich Geld sparen, habe viel Abwechslung und reduziere Lebensmittelverschwendung. Man weiß allerdings nicht was man bekommt, habe auch schon mal belegte Brötchen mit Fleischkäse bekommen – wenn man sich vegetarisch ernähren möchte nicht ideal.

    Ich habe leider weder einen Unverpacktladen noch ein Bio-Supermarkt in meiner Nähe. Ein Wochenmarkt gibt es zwar in meiner Nähe, aber unter der Woche muss ich leider arbeiten und schaffe es nicht dorthin. Obst, Gemüse und Nüsse bekomme ich unverpackt im Supermarkt. Zwar sind einige Bio-Lebensmittel extra verpackt, aber z.B. Bananen, Äpfel, Tomaten, Zucchini, Aubergine, Paprika und Birnen bekomme ich auch so. Bei Kartoffeln habe ich mich dennoch für die Bio-Kartoffeln im Netz anstelle der konventionellen unverpackten entschieden. Am Wochenende bin ich dann doch einmal mit dem Rad in die Stadt gefahren und habe dort im Unverpacktladen eingekauft. Der Unverpackladen ist nicht sehr groß, aber hier bekomme ich Nudeln, Reis, Kichererbsen oder Hafer unverpackt. Hier bringe ich einfach alte (Plastik-)verpackungen mit, in die ich die Zutaten füllen kann. Mir erscheint es sinnvoller, das was ich schon habe, weiter zu verwenden, auch wenn es Plastik ist. Keksdosen aus Metall, oder z.B. Eiscreme-Verpackungen funktionieren ganz gut. Ich nutze schon seit einer Weil Holzzahnbürste, Zahnpulver und Haarseife, die man dort bekommt, aber zum Teil auch in der Drogerie. Für den Körper nutze ich auch feste Seife, die ich in meinem Auslandsaufenthalt in Japan selbst hergestellt habe.

     

     

    Dort habe ich im Übrigen auch an einer Beach-Cleaning Aktion teilgenommen, bei der wir einiges an Plastik gesammelt haben. Es ist schon ein wenig ernüchternd, wenn man sieht was sich an Stränden an Müll sammelt. Ein Teil des Plastikmülls konnte zumindest wieder verwendet werden.

    Zu Hafer-/Sojadrink, -joghurt, -sahne oder Tofu habe ich leider keine Alternative gefunden. Hafer-/Reisdrink habe ich versucht, selber herzustellen, allerdings war ich bisher vom Ergebnis geschmacklich noch nicht so überzeugt. Vielleicht bekomme ich es noch besser hin… Ansonsten trinke ich viel Leitungswasser. Ich habe mir ein Tee-Ei gekauft und für meine Pad-Maschine gibt es auch wiederverwendbare Filter. Loser Tee und Kaffee ist definitiv etwas, an das ich mich gewöhnen kann.

    Wenn ich etwas Zeit habe, esse ich im Imbiss/Restaurant vor Ort. Dadurch vermeide ich Verpackungsmüll im Gegensatz zum Mitnehmen. Oft koche ich aber 6 Tage selbst, und gehe nur am Sonntag essen. An den Tagen, an denen ich am Institut arbeiten musste, habe ich mir im Juli vorgenommen, abends vor zu kochen und etwas mitzunehmen, da die Mensa momentan geschlossen ist. Das geht auch ohne großen Aufwand, wenn man abends einfach etwas mehr kocht. Als Student habe ich mir oft Kaffee in einer Thermoskanne gemacht, das ist günstiger und man braucht keine Einmal-Becher.

    Meine Bücher lese ich schon seit längerem meist auf einem eBook-Reader. Die Bücher kaufe ich manchmal, bekomme aber auch vieles über die onleihe (eine öffentliche Online-Bibliothek).

    Bei uns gibt es das Café4you, bei dem man Kleidung spenden kann und diese zu einem kleinen Preis gekauft werden können. Nebenbei wird Kaffee angeboten und die Erlöse fließen in soziale Projekte. Es handelt sich um ein Angebot der katholischen Kirche, ist aber offen für alle. Alternativ bieten sich auch Börsen im Internet oder Kleidertauschpartys an, um alter Kleidung ein 2. Leben zu ermöglichen. Ich versuche Kleidung aus Kunststoff zu vermeiden, da beim Waschen Mikroplastik entsteht. Bei Outdoor-Kleidung zum Wandern z.B. finde ich Materialien aus Kunststoff hingegen oft ganz praktisch, da diese sehr schnell trocknen.

    Über Social Media konnte ich eine Person dazu bewegen, ebenfalls am Plastic Free July teilzunehmen. Ich denke, dass ich mittlerweile mehr darüber nachdenke, welche Produkte ich kaufe, und wo ich möglichst einfach Plastik vermeiden kann.

Kommentare

4 Kommentare
  • viviberlin
    viviberlin Dein Plastic Free July klingt doch toll. Man muss ja nicht dirket zu 100% auf Plastik verzichten. Wenn sich alle einfach ein paar mehr Gedanken über ihren Konsum machen würden, wäre den Ozeanen schon ein bisschen geholfen.
    18. August 2020 - 4 gefällt das
  • stellasophies
    stellasophies Danke fürs Teilen deiner persönlichen Eindrücke! Ich finde, für einen ersten, komplett plastikfreien Monat erscheint mir deine Umsetzung sehr gelungen
    18. August 2020 - 3 gefällt das
  • Cookie
    Cookie Danke für den schönen Bericht! Ich finde es super, wie viele Plastikfrei-Ideen Du während des Plastic Free July und auch schon vorher in Deinen Alltag integriert hast! Was das Weiterverwenden von Plastikgegenständen angeht, bin ich absolut Deiner...  mehr
    18. August 2020 - 3 gefällt das
  • SteffiFr
    SteffiFr Das sind schon sehr viele tolle Ansätze!
    Ich finde auch total interessant, dass du Seife selbst gemacht hast, das habe ich noch nie ausprobiert.
    Gegenseitig "Dienstleistungen" zu tauschen, ist eine super tolle Sache (wie bei dir PC-Hilfe gegen...  mehr
    18. August 2020 - 4 gefällt das