Berichte

Togo: Ich musste meinen Plastikmüll im Garten verbrennen..

  • Im Rahmen eines entwicklungspolitischen Freiwilligendienstes habe ich 2018/19 ein Jahr in dem Dorf Balanka in Togo (Westafrika) gelebt und in einem Bildungs-und Kommunikationszentrum gearbeitet. 

    Vor dem Abflug hatte ich auf dem Vorbereitungsseminar und von den Vorfreiwilligen, welche vor mir in Balanka waren, einige hilfreiche Tipps bekommen. So sei es sinnvoll, einen Jahresvorrat an Haarshampoo mitzubringen, da das vor Ort erhältliche Shampoo nicht für glattes Haar geeignet sei. Auch Zahnbürsten und Zahnpasta sollte ich mir am besten selbst einpacken. Diese seien vor Ort nicht immer zu erhalten und sehr hart. Da ich zu diesem Zeitpunkt bereits auf dem besseren Auge nur noch 10 % und auf dem anderen Auge 5% Restsehvermögen hatte, war ich vorsichtig und packte gleich noch einen Vorrat an Duschgel und Deo ein. Schließlich befürchtete ich, dass ich diese Produkte vielleicht aufgrund meines geringen Sehvermögens vor Ort gar nicht finden würde.

    Im Sommer 2018 waren festes Haarshampoo, Seife und Bambuszahnbürsten jedenfalls mir noch nicht sehr bekannt und in dem Glauben, den anfallenden Plastikmüll einfach wie gewohnt in den Müll entsorgen zu können, flog ich los.

    In Togo angekommen lernte ich schnell, dass es nur in wenigen Bereichen in der Hauptstadt tatsächlich eine Müllabfuhr gibt. Selbst bei meiner Gastschwester, welche in Lomé in einem anderen Viertel lebt, wird der Müll einfach im Hof verbrannt.

    Und genau das musste ich auch in Balanka machen. Alle ein bis zwei Monate, je nachdem ob sich durch Besuch zusätzlicher Müll ergeben hatte, trug ich also den Plastikmüll nach draußen auf eine Betonplatte, häufte ein paar trockene Äste und Tüten mit Toilettenpapier (ja, das durfte man im Gästehaus nach der Verwendung nicht ins WC schmeißen, das hätte die Rohre verstopft, vor allem, da man meist mit dem Wassereimer nachspülen musste) darauf und zündete das Ganze an. 

    [Bild eines brennenden Müllhaufens, den ich nach einem Besuch von Ingenieuren anzünden musste]

    Ganz ehrlich, ihr wollt den Geruch von brennendem Plastik nicht riechen! Die Shampoo- und Duschgelflaschen sind gar nicht verbrannt, sondern geschmolzen und zu einer schwarzen, klebrigen Masse geworden, die noch tagelang danach sichtbar war. Zahnbürsten habe ich dann erst gar nicht verbrannt und auch sonst versucht, möglichst viel Müll wieder mit zurück zu nehmen. Trotzdem musste ich leider immer wieder etwas verbrennen und musste mich erstmals intensiv mit diesem Thema auseinandersetzen.

    In Balanka selbst gelang es mir eigentlich recht gut, auf das Verursachen von weiterem Plastikmüll zu verzichten. Ich hatte zwar weder Brotdose noch eine Trinkflasche mitgenommen, schließlich wohnt meine Gastfamilie nur ein paar Meter von meinem Arbeitsplatz entfernt, aber wenn ich frische Lebensmittel, wie beispielsweise Brot für das Frühstück gekauft habe, habe ich eine bestimmte Plastiktüte dafür gehabt, welche ich nach Gebrauch ausgespült, getrocknet und wiederverwendet habe.

    Für Einkäufe auf dem Markt habe ich eine Baumwolltasche verwendet, in welche ich dann die unverpackten Orangen, Ananas oder Wassermelonen gepackt habe. Auch Seife zum Wäschewaschen und Stoffe für Kleidung konnte ich dort unverpackt kaufen. Meine Gastgeschwister, welche mich stets zum Markt begleitet haben und mich oft sehr zielsicher zu den entsprechenden Ständen geführt haben, waren zwar oft etwas verwundert, dass ich einen großen Wert darauf lege, so vieles unverpackt zu erhalten, allerdings wird inzwischen auch durch einen Lehrer am Collegé im Rahmen einer Umwelt-AG auf das Thema Umweltverschmutzung aufmerksam gemacht und dazu aufgerufen, weniger Plastiktüten zu verwenden.

    Jedenfalls im Bezug auf Essen wird tatsächlich viel weniger Plastikmüll bei „Essen to go“ verursacht als in Deutschland. Morgens, Mittags und Abends gibt es überall in Balanka Essensstände, an denen Frauen frisch gekochten Reis, Nudeln, Soßen, Soja, Produkte aus Bohnen aber auch Fufu oder Maisbrei verkaufen. 

    [Das Bild zeigt eine Bekannte von mir, welche Mittags und z.T. auch abends gegenüberer meiner Gastfamilie Reis, Nudeln oder Bohnen verkauft. Links ist ein Holzkohleofen aus Lehm zu sehen, auf dem eine Metallschüssel mit Soße warm gehalten wird, rechts steht ein Plastiksieb mit Spagetti, dahinter ein Warmhaltebehälter mit Bohnen und Reis, als welchem sie gerade Essen in eine Plastikschüssel füllt. Sie steht an einem überdachten Stand vor dem Gebäude der Frauenbank.]

    Auch meine Nachbarin hat morgens, abgesehen vom Ramadan, Reis, Bohnen, Nudeln und Soße verkauft und während ich mittags und abends bei meiner Gastfamilie mitgegessen habe, so war ich morgens für mein Essen selbst verantwortlich. Fast immer habe ich mich also mit einer Metallschüssel und 100 CFA (0,15 €) in der Hand in die Reihe aus Kindern, Frauen und Männern eingereiht. Alle entweder mit einem Topf oder eine Schüssel in der Hand, um das Essen in diesen nach Hause zu tragen oder sie haben eine Plastikschüssel bekommen, sich neben den Stand auf eine Bank gesetzt und diese nach dem Essen wieder am Stand abgegeben.

    Ein ganz besonderes Projekt hat meine Gastschwester Sambia durchgeführt. Sie nutzt die in Togo üblichen Wassertüten (0,5 Liter, meist sauberes Wasser für unterwegs, deutlich billiger als Wasserflaschen), sammelt die verwendeten Tüten, schneidet sie auf, wäscht und trocknet diese. Danach fertigt sie daraus Geldbeutel, Taschen verschiedener Größe und sogar Rucksäcke, die über den Verein „Bildung für Balanka“ in Deutschland verkauft werden.

    [Meine Gastschwester Samsia bei der Arbeit an einer mechanischen Nähmaschiene, sie näht gerade jeweils vier Wassertüten zusammen, aus denen dann die Taschen gefertigt werden. Sie lächelt in die Kamera,trägt ein weißes Kleid und ein goldenes Tuch um den Kopf]

    In meiner Freizeit habe ich sie oft beim Sammeln der Tüten begleitet, gerade bei unseren Joggingrunde am Samstagmorgen haben wir oft Säcke mitgenommen und auf dem großen Marktplatz und auf den Fussballplätzen die weggeworfenen Wassertüten aufgesammelt.

    [Hier ein Bild einer Straße in Lomé, wo wir ebenfalls Wassersäckchen auf einer Reise eingesammelt haben. Im Sinne der Barrierefreiheit: Das Bild zeigt eine rote, ausgewaschene Lehmstraße, rechts davon befinden sich Strächer, in denen sich Plastikmüll verfangen hat. Ein weiterer Haufen liegt in einer Kuhle am Straßenrand. Im Hintergrund befinden sich Häuser]

    Auch ich habe die Wassersäckchen auf Reisen sowie im Dorf genutzt. Morgens habe ich mir immer einen Liter Tee mit Wasser aus der Leitung gekocht (wenn Wasser gekommen ist und Strom da war), im Laufe des Tages habe ich jedoch auch zwei Wassersäcken verbraucht, weil sich diese ehrlich gesagt echt gut mit auf die Arbeit oder zur Gastfamilie nehmen ließen. Die leeren Wassertüten habe ich natürlich an meine Gastschwester gegeben, auch wenn ich mich im Nachhinein echt ärgere, trotzdem so viele Wassertüten verbraucht zu haben.

    Meinen Nachfolgern habe ich dann gleich die Mitnahme von Haarseife, fester Seife für den Körper, Holzzahnbürsten und einer Metallwasserflasche sowie Brotdose empfohlen. Schließlich sollen immerhin sie aus meinen Fehlern lernen.

    Zurück in Deutschland war ich entsetzt, wie viel in den Supermärkten mit Plastik verpackt ist. Das trug ebenfalls dazu bei, dass ich heute bei den Zukunftsmutigen dabei bin, mich für Unverpacktläden interessiere und wenigstens zuhause versuche, dass wir so wenig Plastikmüll wie möglich verursachen.

    (Alle Bilder wurden von mir während es Jahres aufgenommen)

Kommentare

6 Kommentare
  • SteffiFr
    SteffiFr Danke für den wirklich interessanten Einblick!
    Haarseife, feste Seife für den Körrper etc. mitzunehmen, ist eine gute Idee. Nicht nur wegen dem Plastik, es braucht auch weniger Platz im Koffer als ein Jahresvorrat Duschgel- und Shampooflaschen...  mehr
    28. August 2020 - 3 gefällt das
  • Laura
    Laura Vielen lieben Dank auch von mir für diesen wahnsinnig spannenden Bericht! Toll, dass du uns an deinen Erfahrungen teilhaben lässt.
    30. August 2020 - 1 gefällt das
  • JasminV7
    JasminV7 @SteffiFr Danke dir, da hast du Recht. Hätte ich damals festes Shampoo verwendet, hätten locker noch 2-3 Bücher mehr in den Koffer gepasst ^^
    Allgemein sind noch Hölzer einer bestimmten Pflanze weit verbreitet, welche sich nach etwas kauen wie eine...  mehr
    12. September 2020
  • JasminV7
    JasminV7 @Greenworld Meine offizielle Partnerorganisation war ijgd (Internationale-Jugend-Gemeinschaftsdienste), mit denen ich am weltwärts-Programm teilgenommen habe. Die Stelle in dem Bildungszentrum wurde jedoch von "Bildung für Balanka e.V." geschaffen und...  mehr
    12. September 2020