Berichte

Die Zukunftsmutigen - das allervierte Treffen

  • Kaum zu glauben wie schnell die Zeit vergeht. Am letzten Freitag haben wir uns bereits das vierte Mal getroffen. Die Gesichter auf dem Bildschirm wirken inzwischen vertaut, man kann den Stimmen und Bildern der anderen Zukunftsmutigen einen Namen zuordnen. Und auch die Stimmung ist so schön, dass sich viele von uns wünschten, wir würden uns nicht nur für zwei Stunden pro Woche treffen. Auch wenn wir andererseits natürlich oft durch Schule, Uni, Arbeit oder einen Freiwilligendienst sehr beschäftigt sind, sodass wir mit den Aufgaben für die jewilige Woche sehr beschäftigt waren. Da letzte Woche keiner von uns die Zeit hatte, einen Bericht zu schreiben, der sich auch nur annähernd mit den ersten zwei messen lassen würde, gehe ich noch kurz auf das dritte Treffen ein.

    Wie bereits im letzten Bericht angekündigt, haben wir uns beim dritten Treffen in Kleingruppen in den Breakout-Räumen mit verschiedenen Mythen zum Thema Nachhaltigkeit auseinandergesetzt, beispielsweise der Vorstellung eines "Grünen Wachstums", welches zwar umweltfreundlicher, nachhaltiger und ressourcenschonender sein solle, bei dem aber das Augenmerk immer noch auf ein grenzenloses Wachstum gerichtet wäre. Zudem konnten wir Marcel, einen weiteren haupamtlichen Mitarbeiter des WWF mit allen möglichen Fragen bezüglich der Kampagne löchern :)

    Für das vierte Treffen hatten wir eine Wertelandkarte zugeschickt bekommen, mit Werten wie "wahre Freundschaft", "teu", "gesund", über "soziale Grechtigkeit", "Welt in Frieden" und "Natur schützen" zu "erfolgreich", "Zugehörigkeit", "Reichtum". Unsere Aufgabe war es jeweils zehn Werte davon auszuwählen, welche uns persönlich wichtig sind und zehn auszuwählen, von denen wir glauben, dass sie unseren MitbürgerInnen besonders wichtig sind. Danach sollten wir uns mit unserem Buddy zusammen setzten und überlegen wie wir damit umgehen können, dass anderere Personen andere Werte vielleicht als wichtiger erachten. 

    Das Treffen begann mit einer Berüßungsrunde in den Breakout-Räumen, wo wir unter anderem auch die Frage diskutierten, was es für jeden einzelnen von uns bedeute, zukunftsmutig zu sein, wobei sehr spannende und abwechslungsreiche Antworten kamen die viel Optimismus zeigten. Unsere Werte haben wir dann auf der Wertelandkarte makiert, wobei es recht weit gefächert war. Denn wie in der Vorbereitung bereits festgestellt, fällt es doch recht schwer, sich auf die zehn wichtigsten Werte festzulegen. Als wir die vermutlichen Werte unserer MitbürgerInnen einzeichnen sollten, waren wir uns schon deutlich einiger. Diesmal waren viele Makierungen bei Werten wie "soziale Macht", "erfolgreich" und "Reichtum", aus unserer Sicht haben wir die Werte unsere MitbürgerInnen also prinzpiell negativer eingeschätzt als unsere eigenen. 

    Im Folgenden lernten wir, dass sich die Wertelandkarte in veschiedene Felder aufteilen lässt, welche miteinander interagieren. So können Werte aktiviert und deaktiviert werden, was sich auch konkret auf das Verhalten von Personen auswirke. Insbesondere sei eine Wippe zwischen intrinsischen und extrinsichen Werten zu beobachten. Bei intrensischen Werten handelt es sich um äußere Werte wie "Welt in Frieden" und "Natur schützen", während es sich bei extrinsischen Werten um innere bzw. auf sich bezogenene Werte wie "erfolgreich" handle. Daraufhin kam die Vermutung auf, dass wir allgemein oft das Schlechteste von unseren Mitmenschen denken. Dieser Gedanke wurde auch durch eine englische Studie bestärkt, welche zeigt, dass unabhänig von Alter, Herkunft oder politischen Orientierung stehts vermehrt intrensische Werte von den Testpersonen für sich selbst gewählt wurden und primär extrinsische Werte für die vermeindlichen Werte der MitbürgerInnenn, sodass sich kaum Unterschiede zwischen unseren Wertelandkarten aus dem Treffen und denen der Studie zeigen würde.

    Des weiteren sprachen wir über den Begriff "Framing", dessen Bedeutung jedenfalls mir zuvor noch nicht bekannt war. Framing bedeutet ungefähr, dass eine Wertevermittlung aktiviert werde, indem ein Bedeutungszusammenhang zwischen organisierten Fakten und persönlichen Erfahrungen hergestellt werde (falls ich es falsch wieder gegeben habe, darf man mich gerne korrigieren). Dies werde insbesondere in der Werbung verfolgt, oft auch mit dem Versprechen, an einer Stelle Geld einzusparen, z.B. durch eine Wärmedämmung am Haus, um sich andere Wünsche zu erfüllen (womit wir zugleich beim Rebound-Effekt wären). Dadurch kam auch bei uns die Frage auf, wie Framing sich auf die Kampagne auswirken kann. Ob es vertretbar wäre, Framing zu nutzen um mehr Menschen durch die Kampagne zu erreichen, oder ob dies Manipultion sei und somit nicht vertretbar.

    Kurz vor Schluss wurde noch das Thema "Koloniale Kontinuitäten" von zwei Zukunftsmutigen vorgestellt, welche den ca. 30-seitigen Text gelesen haben. Zunächst wurde über die Entstehung der Kolonien und deren Funktionsweise berichtet, wobei der Kapitalismus eine Triebfeder der Ausbeutung der Kolonien und Schaffung neuer Absatzmärkte gewesen sei. Auch heute noch führe die willkürliche Grenzziehung in den ehemaligen Kolonien oft zu Problemen zwischen den jeweiligen Volksgruppen. Zudem bestehe noch immer eine oft erhebliche Einflussnahme der ehemaligen Koloniemacht. Ob durch die Sprache der Kolonialherren, welche sich oft als Landessprachen insbesondere in den Schulen bis heute durchgesetzt hat, bis hin zur Öffnung von Absatzmärkten in den jeweiligen Ländern, nach den Spielregeln, die von Europa vorgegeben werden. Dies nutzen insbesondere internationale Firmen, um Menschen in Ländern des globalen Südens auszubeuten und wertvolle Rohstoffe mittels Durchsetzung von Maßnahmen, welche für die Bevölkerung teil verheerende Folgen hat, zu gewinnen. Jedoch gäbe es verschiedene Organisationen, welche sich gegen diese Strukturen zur Wehr setzten würden. Und auch wir als Verbraucher im globalen Norden haben die Möglichkeit mit dem bewussten Kauf von Produkten die fair gehandelt wurden, im begrenzten Rahmen Einfluss zu nehmen. Auch wenn dies natürlich nicht davon befreit, sich intensiv mit den jeweiligen Sigeln auseinander zu setzen, da diese sich selbst oft sehr unterschiedliche Verpflichtungen auferlegt haben.

    In unserer Aufgaben für das nächste Treffen (leider erst in zwei Wochen, dafür mit einem besonderen Gast, mit Alfred Schumm) sollen wir uns mit uns bekannten, praktische Beispielen nachhaltigen Wirtschaftens aus unserem Erfahrungshintergrund beschäftigen, uns mit unserem Buddy Gedanken darüber machen, wie "Gutes Leben" für uns, unsere Familie oder andere Personen aussehen könnte und natürlich sollen wir auch Fragen an Alfred Schumm vorbereiten. 

    Kurz zu mir: Ich heiße Jasmin, bin 20 Jahre alt und komme aus einem Dorf in der Nähe von Darmstadt (Südhessen). Aktuell studiere ich im zweiten Semester Jura, auch wenn ich mir den typischen Anwaltsberuf nicht als Ziel gesetzt habe, sondern davon träume, später für eine NGO tätig zu sein und diese in juristischen Belangen zu beraten und zu vertreten. Auf dem Bild seht ihr mich auf einem großen Baum am Randes des Marktplatzes in Balanka, einem Dorf in Togo, in dem ich 2018/19 meinen Freiwilligendienst verbracht habe. Dort bin ich auch aktiv auf das Thema Umweltschutz und die Endlichkeit des Wachstums aufmerksam geworden. Denn ohne Müllabfuhr, wenn man den Plastikmüll auf der Straße verbrennen muss, dann ist jedes Gramm Plastik wirklich zuviel. In Balanka konnte ich von meiner Gastfamilie lernen, wie man ohne Kühlschrank, Waschmaschiene und fließend Wasser lebt und wie viel Wasser gespart werden kann, wenn man mit einem Wassereimer statt mit einer Brause duscht. Meine (Gast-)Schwester hat mir zudem viel von ihrem Handwerk, der Recyclingschneiderei beigebracht. Sie sammelt Plastiktüten, in denen Trinkwasser verkauft wurde, reinigt diese und fertigt daraus Taschen an.

    Besonders geprägt hat mich jedoch der krasse Kontrast zwischen den Welten des globalen Südens und des globalen Nordens. Wieso kommen Politiker im globalen Norden auf die Idee, einen Weltraumbahnhof zu planen, wenn in anderen Teilen der Erde Frauen bei der Geburt verbluten, weil zu wenig Blutkonserven verfügbar sind, täglich Menschen auf der Flucht sterben.. Als Zukunftsmutige verfolge ich auch die Hoffnung, neben den Themen wie Klimawandel auch insbesondere den Fokus auf diese unterschiedlichen Lebensumstände rund um den Globus zu richten. Ich bin überzeugt, dass wir viel von dem Leben im Globalen Süden lernen können und dass zugleich die Menschen im Globalen Norden anfangen müssen, ihre wachsenden "Bedürfnisse" und ihren Konsum deutlich zu reduzieren.

    Wie viele anderen in der Kampagne, liebe ich es zu Lesen und habe früher wirklich (fast) alles gelesen, was mir unter die Finger kam. Coronabedingt spiele ich momentan lediglich mit meiner Schwester Flöte und packe ab und an meine Geige aus. Ohne Corona hätte ich in diesem Sommer wahrscheinlich meinen Rettungsschwimmer Silber aufgefrischt und wäre somit regelmäßig ins Schwimmtraining gegangen.

    [Im Sinne der Barrierefreiheit: Das Bild zeigt im Vordergrund einen hohen Baum mit heller, zerfurchter Rinde und länglichen, dunkelgrünen Blättern. Auf einem, vom Hauptstamm abzweigenden Ast sitzt eine junge Frau mit Brille. Sie hat ein weißes Tuch um den Kopf gebunden, trägt ein ärmelloses, weiß-blaues Kleid und eine schwarze Leggins, an den Füßen sieht man verblassendes Henna. Im Hintergrund befinden sich einzelne, mit Palmzweigen gedeckte Marktstände und eine Lehmhütte mit Wellblechdach]

Kommentare

4 Kommentare
  • SteffiFr
    SteffiFr Vor wenigen Wochen habe ich einen Ethik-Kurs mitgemacht. In der Einführung ging es auch um Werte, wir sollten uns auf 3 für uns wichtige Werte festlegen. Da wurde, wie bei euch, auch bei vielen teilnehmern deutlich, dass das recht schwierig ist, aus...  mehr
  • JasminV7
    JasminV7 Liebe SteffiFr,
    Es freut mich sehr, dass du bezüglich der Werte ebenfalls so eine interessante Erfahrung gemacht hast. Ich fand es auch super spannend, sich einmal bewusst mit seinen Werten auseinanderzusetzen.

    Djembe habe ich in Balanka nicht...  mehr
  • viviberlin
    viviberlin Ich finde es echt super interessant jedes Mal von euren Treffen zu hören und euch so gleichzeitig besser kennenzulernen. Ich bin gespannt, was ihr als nächstes zu berichten habt und wünsche euch ganz viel Spaß!
    13. Juli - 2 gefällt das
  • annewi
    annewi Danke Jasmin für die ausführliche Zusammenfassung! Wer noch mehr über das Thema Werte in der sozial-ökologischen Transformationsbewegung und Framing wissen möchte, schaut mal auf die Website www.diegemeinsamesache.org - da haben wir viele...  mehr
    24. Juli