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Ozean gegen Klima?

  • Zugegeben, die Idee hat was: Du machst einfach aus den Ozeanen einen großen Kohlenstoff-Speicher, der das Treibhausgas aufsaugt wie ein Schwamm, und schon ist der Klimawandel ein gutes Stück gebremst. Die Arbeit erledigen die CO2-hungrigen Algen. Die Hoffnung mancher Forscher: Durch Megadüngung die Algen vermehren und somit noch mehr Treibhausgas im Meer einschließen. Ob das funktioniert? Wird das Meer zum Bio-Reaktor?

    Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung (AWI) wollten es herausfinden. Am 7. Januar machten sie sich mit dem größten deutschen Forschungsschiff, der „Polarstern“, auf den Weg, von Kapstadt aus in Richtung Südpolarmeer. Das Schiff war beladen mit 20 Tonnen Eisensulfat – dem Stoff, der das Algenwachstum anheizen soll.

    altDie kleinsten Pflanzen der Welt leisten Großes: Seit drei Milliarden Jahren bauen Algen aus Sonnenenergie und CO2 Biomasse auf und bilden dabei Sauerstoff. Schon jetzt schätzen die Forscher, dass die Ozeane ein Drittel der CO2-Mengen binden, die wir in die Luft blasen. Doch im Südpolarmeer ist pflanzliches Plankton sehr knapp. Das lässt sich vielleicht ändern, so die Hoffnung der Wissenschaftler. Auf einer Meeresfläche von 200 bis 300 Quadratkilometern schütteten sie das Eisensulfat in die kalte See – und dann hieß es abwarten und die Algen beobachten. Retten wir so das Klima? Die Ozeandüngung klingt verlockend, ist aber auch umstritten.

    altWenn wir die Meere mit Dünger überschütten, verändert sich nicht nur die Zahl der Algen. Das ganze Ökosystem kann durcheinander kommen, fürchtet der WWF. Die Megadüngung kann andere Arten verdrängen. Und auch schädliche Planktonarten können sich ausbreiten und zu Sauerstoffmangel führen. Außerdem hat der Versuch gezeigt: Klimaschutztechnisch funktioniert das ganze gar nicht. Mittlerweile haben die AWI-Polarforscher ihre Ergebnisse veröffentlicht – und die sind eindeutig:

    Das Südpolarmeer mit Eisen zu Düngen ist klimaschutztechnisch nicht die Zukunft. Es haben sich zwar Algen vermehrt, nicht aber die besonders aktiven Kieselalgen, die man sich gewünscht hätte. Und die Algen, die dazukamen, wurden direkt von Ruderfußkrebsen vertilgt. So fand kein erwarteter Kohlenstoff-Transport in die Tiefsee statt. Anstatt die Tiefsee als Endlager für unsere Abgase zu nutzen, sollten wir lieber den Klimawandel mit entschlossener Politik und Erneuerbaren Energien bekämpfen.
     

Kommentare

2 Kommentare
  • Jessy1
    Jessy1 super text ,hat mich weitergebildet :) danke
    6. Mai 2009
  • Sim94
    Sim94 super text. damit waere diese moeglichkeit auch ausgeschlossen. aber was will man machen. die ozeane heizen sich auch immer mehr auf. aufheizen bedeutet CO2 abgabe und was das wiederum heisst wissen wir alle...
    27. Oktober 2009