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Die Natur erobert Städte zurück

  • Von den weltweiten Ausgangsbeschränkungen profitiert vor allem die Tierwelt. Während wir die Zeit aktuell hauptsächlich in unseren eigenen vier Wänden verbringen, genießen die tierischen Bewohner die ungewohnte Ruhe und Bewegungfreiheit. Vertauschte Rollen quasi. Wo wir Menschen uns noch vor kurzem mit Freunden getroffen haben oder essen gegangen sind, streifen nun Fuchs, Hase und Co. umher.


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    Außerdem fällt für viele zusätzlich auch der morgentliche Arbeitsweg weg. Laut der Mannheimer Corona-Studie* arbeiten derzeit 21% der Deutschen im Homeoffice. Für den Salamander bedeutet das geringere Verkehrsaufkommen eventuell mehr Nachwuchs. So wie Kröten überqueren sie in der Paarungzeit häufig Straßen und werden bei dem Versuch von den viel schnelleren Autos überfahren. Weniger Verkehr könnte also den Nachwuchs der gefährdeten Amphibie sichern. Auch andere Tiere wie z.B. Vögel können sich durch die stark gesunkene Lärmbelästigung in Ruhe um ihre Jungen kümmern.


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    Doch nicht nur in Deutschland hat die Corona-Pandemie Spuren hinterlassen. Im wahrsten Sinne des Wortes, denn die Wildtiere haben die menschenleeren Städte für sich entdeckt.

    Chile
    In der Haupstadt Santiago streifte vor kurzem ein junger Puma durch die Wohngebiete. Auf der Suche nach Beute kam er offenbar aus nahegelegenen Bergen in die Stadt. Puma sind normalerweise Einzelgänger, die sich von Menschen fernhalten.

    Wales
    Im Seebad Llandudno genießen wilde Kaschmir-Ziegen die leeren Straßen, die sie prompt für sich einnehmen. Sie kommen von einem nördlich gelegenen Berg in Wales. Auf ihrem Speiseplan stehen jetzt die saftig grünen Hecken der Stadtbewohner:innen


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    Italien
    Venedig kennt man als Touristen-Hochburg, worunter die Sauberkeit der Lagunenstadt und die Einheimischen leiden müssen. Seit den Ausgangsbeschränkungen tauchen allerdings vermehrt ganz andere Eindrücke auf. Kristallklares Wasser bis zum Grund, in dem man endlich auch wieder Fische und sogar Schwäne zu Gesicht bekommen kann. Allerdings trügt der Schein. Die Wasserqualität ist laut Stadtverwaltung unverändert. Die Sedimente werden durch den fehlenden Schiffsverkehr lediglich nicht mehr aufgewirbelt und bleiben stattdessen am Boden liegen.

    Sardinien
    Im Hafen von Cagliari wurden Delfine gesehen. Weil keine Fähren mehr fahren trauen sie sich wieder dichter an die Stadt heran. Dafür ist auch der fehlende Unterwasserlärm veranntwortlich, der, wie Steffi im dritten Teil ihrer Berichtereihe "Artenvielfalt - warum sterben immer mehr Arten aus?", erklärt.

    Deutschland
    Der Biber. Zu Gesicht bekommt man meistens nur die Reste des Hausbaus. Auch bei mir in der Gegend fallen mir immer mehr Biberburgen in unmittelbarer Nähe auf. Mitten in Tegel ist sogar ein Biber spazieren gegangen. Eine Polizei-Eskorte hat den kleinen Nager zum sicheren Hafenbecken begleitet.

    So sehr wir uns auch gerade über die positiven Veränderungen unserer Umwelt freuen, umso trauriger ist es, dass dies kein Zustand von Dauer ist. Schon jetzt gibt es einige Lockerungen, die automatisch mehr Menschen auf den Straßen bedeuten. Dass wir die Tiere aktuell vermehrt zu Gesicht bekommen, bedeutet außerdem nicht zwangsläufig, dass es auch mehr von ihnen gibt. Nach wie vor sind unzählige Arten vom Aussterben bedroht. Trotzdem ist es noch nicht zu spät, etwas zu ändern. Die jetzige Situation zeigt uns nur zu deutlich: Wir haben es in der Hand! Für Romain Julliard, Forschungsdirektor am französischen Nationalmuseum für Naturgeschichte (MNHN) "ist das vielleicht wichtigste Phänomen, dass sich unsere Aufmerksamkeit für die Natur verändert: In ihren Häusern eingesperrte Menschen merken, wie sehr sie die Natur vermissen." Ich hoffe sehr, dass er Recht hat und viele die Wichtigkeit vom Schutz unserer Erde endlich erkennen.

    Was meint ihr? Wird COVID-19 einigen die Augen öffnen? Und habt ihr in eurer Gegend auch schon Wildtiere beobachten können?
    Ich freue mich auf eure Antworten!

    Quellen:
    https://www.mdr.de/brisant/natur-erobert-stillgelegte-staedte-zurueck-100.html
    https://www.focus.de/wissen/natur/tiere-und-pflanzen/wegen-ausgangsbeschraenkungen-ein-puma-schakale-oder-seeloewen-wildtiere-erobern-in-corona-zeiten-die-staedte_id_11916518.html
    https://www.n-tv.de/der_tag/Delfine-erobern-italienische-Haefen-zurueck-article21652803.html
    * https://www.uni-mannheim.de/media/Lehrstuehle/sowi/Blom/GIP/01-04-2020_Mannheimer_Corona-Studie_-_Bericht_zur_Lage_in_den_Tagen_20_Mrz-31_Mrz_2020.pdf

Kommentare

3 Kommentare
  • SteffiFr
    SteffiFr Lustige Vorstellung, wie die Ziegen in Wales an der Hecke knabbern ;-)
    Bei meinen Eltern im Dorf streift seit einiger Zeit in Fuchs durch die Straße.
  • viviberlin
    viviberlin @Steffi ja finde ich auch. Füchse sieht man jetzt echt wieder häufiger. Auch Eichhörnchen gibt es bei uns jetzt total viele
    19. Mai
  • Matilda
    Matilda Ich habe leider noch keine neuen Tiere entdecken können, aber ich bekomme so häufig von Freund:innen Bilder von Pfauen im Garten zugeschickt. Das finde ich echt verrückt.
    Mo. um 15:56