Berichte

Glückliche Schweine - Mythos oder Realität?

  • © Ann Saurma

     

    "Ich esse auch nur Biofleisch“

    Wie oft habe ich diesen Satz schon gehört…

    Und doch hat sich mir immer die Frage gestellt: „Haben Tiere in einer biologischen Haltung ein artgerechtes Leben? Wie geht es den Tieren dort? Hat ein Tier ein erfülltes Leben in einer Biohaltung?

    In der Ernährungsgruppe des 2° Campus forschten wir nun auch zur Schweinehaltung und so konnte ich meiner Frage auf den Grund gehen. Wir widmeten wir uns der Frage: „Wie unterscheidet sich das Wohlbefinden der Schweine in den verschiedenen Haltungssystemen und inwiefern können sie artgerecht gehalten werden?“

    Um unsere Frage zu beantworten forschten wir mit drei verschiedenen Forschungsmethoden: Der Literaturrecherche, mit einer Umfrage und mit Tierbeobachtung.

    1. Literaturrecherche zur Teilfrage:

    „Was steckt hinter den verschiedenen Siegeln?“

    Dazu untersuchten wir die Richtlinien von 6 verschiedenen Ökosiegeln unter den Kriterien: Platzangebot, Futter, artgemäßes Verhalten, Tiertransport und Schlachtung. In unserer Recherche fanden wir heraus, dass Demeter die strengsten Richtlinien aufweist. Wir verglichen alle Siegel anhand des EU-Biosiegel. Nach Demeter kamen: Biokreis, Biopark, Bioland, Verbund Ökohöfe (absteigend angegeben).

     

    1. Umfrage zur Teilfrage: 

    „Was wissen Menschen über das Siegel in Bezug auf das Tierwohl?“ 

    Leider haben nur 35 Menschen an unserer Umfrage teilgenommen und so ist unser Ergebnis nicht repräsentativ. Und doch war es für uns ein spannender Einblick.

    Der Median betrag 15,5 Jahre und auch fast 75% waren unter 18 Jahre alt.

    Die meisten Menschen gaben an, dass sie am meisten auf regionale und saisonale Produkte achten und teilweise auch auf artgerechte Tierhaltung. Als wir die Bekanntheit der Siegel abfragen wollten, bauten wir als Kontrollabfrage das erfundene Siegel „Natura Ecoland“ ein. Fünf Menschen gaben sogar an, dass sie das erfundene Siegel kennen würden. Am bekanntesten bei unseren Teilnehmenden war das EU-Biosiegel und das DE-Biosiegel. Zusätzlich gaben die Menschen noch an, dass auch die Bedeutung der Richtlinien der beiden Siegel ihnen am bekanntesten seien. Auch beim Vertrauen in die Siegel lagen EU-Biosiegel und DE-Biosiegel am weitesten vorne. Demeter lag vergleichsweise weiter hinten, obwohl sie die strengsten Richtlinien aufweisen. Beim Kaufverhalten gaben die Teilnehmer:innen auch an, dass sie am meisten EU-Biosiegel- und DE-Biosiegel-Produkte einkaufen.

    Auch bei der Verständlichkeit der Richtlinien lagen EU-Biosiegel und DE-Biosiegel wieder weit vorne.

    Bei der letzten Frage, ob die derzeitigen Richtlinien der Siegel ausreichen würde, waren sich fast alle einig: Nein, sie sind verbesserungsfähig.

    © Melina Hürzeler

     

       3. Tierbeobachtung zur Teilfrage:

    „Wie verhalten sich die Tiere in den verschiedenen Haltungsformen?“

    Da auch der zweite Block des 2° Campus digital stattfinden musste, schauten wir uns zuvor aufgenommene Videos aus Bio- und Freilandhaltung an. Unsere wissenschaftliche Mentorin Ann Saurma filmte auf den beiden Höfen die Schweine. Wir beobachteten verschiedene Verhalten, wie gehen, rennen, suhlen usw. Alle zwei Minuten stoppten wir das Video und dokumentierten, was in diesem Moment passierte. Diese Methode wird „scan sampling“ genannt. Natürlich konnten wir durch die Methode des scan sampling nicht alle Verhaltensweisen einfangen. Insgesamt können wir trotzdem sagen, dass wir sichtbare Unterschiede im Verhalten der Schweine je nach Haltungsform erkennen konnten. In der Freilandhaltung hatten die Schweine eine Suhlecke, sie haben z.B. mehr gespielt und sind auch mehr gerannt.

     

     

     

    Nach diesen drei Forschungsmethoden konnten wir zu einem fundierten Fazit kommen und somit auch unserer letzte Forschungsfrage beantworten:

    „Was wären angemessene Kriterien für ein Siegel?“

    Was wir eindeutig gesehen haben,  dass es zu wenig Wissen in der Gesellschaft über Unterschiede der Ökosiegel gibt. Außerdem haben wir festgestellt, dass es bereits viele Siegel mit zielführenden Anforderungen gibt. Allerdings ist in unseren Augen noch kein Siegel vorhanden, welches eine artgerechte Schweinehaltung garantiert.

    Nach unseren Recherchen war uns bewusst, was es brauchte und so konnten wir unsere letzte Forschungsfrage ganz leicht beantworten:

    • Das Tierwohl muss an erster Stelle stehen.
    • Außerdem braucht es höhere Anforderungen bei der Schlachtung und beim Transport. Es müssen längere Ruhezeiten vor der Schlachtung eingebaut werden, stärkere Betäubung muss verabreicht werden und es müssen kürzere Strecken beim Transport zurückgelegt werden.
    • Es muss ausreichende Beschäftigungs-, Bewegungs- und Wühlmöglichkeiten geben, beispielsweise ein Außenbereich mit z.B. Erde, Laufmöglichkeiten, Möglichkeiten zum Suhlen etc.
    • Spalten- und Betonböden müssen verboten sein.
    • Die Schweine müssen eine Möglichkeit zur Durchführung von Hygiene bekommen, wie zum Beispiel Bäume zum Scheuern etc.
    • Es sollen Rassen gehalten werden, die auch zur Witterung passen.
    • Die Schweine müssen in einer Gruppe bzw. Familienverbänden gehalten werden. Dabei schlagen wir vor eine bestimmte Mindestgröße festzulegen. Zusätzlich dürfen die Ferkel so lange wie möglich bei der Muttersau bleiben.
    • Sie sollen naturnahes Futter erhalten.
    • Das Siegel muss transparent sein. Hierbei schlagen wir vor, dass eine Beziehung zwischen Konsument:in und Tier hergestellt werden muss, z.B. mit einem Bild der Haltung des Schweins auf den Verpackungen.

    Mir persönlich hat unsere Forschung gezeigt, dass eine Biohaltung kein artgerechtes Leben ist. Ich kann keinem Lebewesen so etwas zumuten. Mich hat der geringe Platz ziemlich geschockt und ich wünsche jedem Schwein, frei oder möglichst in einer Freilandhaltung zu leben. Ich wünsche mir natürlich, dass Tiere nie als Produkte gelten, sondern als unsere Artgenossen. Falls das doch nicht möglich sein sollte, fangen wir am besten mit einem artgerechten Leben für alle Lebewesen an.

Kommentare

4 Kommentare
  • lenalotta
    lenalotta Cool, dass der 2°Campus auch digital so produktiv ist und so spannende Themen bearbeitet! Ich glaube auch, dass selbst die strengsten Richtlinien, die wir für die Tierhaltung haben, noch weit von der Utopie entfernt sind. Aber das Problem ist halt,...  mehr
    31. Juli - 4 gefällt das
  • TomBurde
    TomBurde Toller Beitrag! Ich denke auch das mangelnde Aufklärung das Problem ist. Viele verdrängen beim Konsum, dass dafür ein Tier gelitten hat und gestorben ist. Man muss sich bewusst werden was man ist und welche Konsequenzen darauf für Tiere und Umwelt resultieren.
    31. Juli - 1 gefällt das
  • TomBurde
    TomBurde *isst
    31. Juli - 1 gefällt das
  • stellasophies
    stellasophies Über Bio- & Fairtraide Siegel habe ich auch schonmal eine Hausarbeit verfasst und bin zu ähnlichen Ergebnissen gekommen. Spannende Idee ein "Fake"-Logo in die Umfrage zu schmuggeln! Habt ihr eine Erklärung/Vermutung warum vgl.weise viele Teilnehmende...  mehr
    3. Aug.