Berichte

Neu entdeckt und weggenascht

  • Manche Naturwunder kennen wir noch gar nicht - trotzdem riskieren wir ihr Verschwinden. Indem wir achtlos Nüsse knabbern oder Schokolade essen. Eines von zahllosen Beispielen, wie unser einkaufskorb die Umwelt verändern kann, bietet das Mekong-Gebiet.

    Innerhalb eines Jahres wurden nach einem aktuellen Bericht des WWF in der Mekong-Region über 140 bisher unbekannte Spezies entdeckt - darunter skurril anmutende Exemplare wie etwa ein Singvogel mit federlosem Gesicht oder ein Fisch, der sich an Felsbrocken festsaugt, um in schnellfließenden Flüssen aufwärts schwimmen zu können.

    Verblüfft waren die Forscher außerdem von einer bisher unbekannten, zahnlosen Schlange, einem Frosch, der Grillenzirpen imitiert und einem Fisch mit Vampir-ähnlichen Fangzähnen. Hinzu kommen eine bis zu sieben Meter große, fleischfressende Pflanze, zwei neue Fledermausarten und eine hochgiftige Grubenotter.

    "Die biologische Vielfalt am Mekong ist enorm. Im Durchschnitt wurden drei neue Arten pro Woche entdeckt", sagt WWF-Experte Petr Obrdlik. Doch zahlreiche der nur hier vorkommenden Tiere und Pflanzen seien durch den Bau von Straßen, Dämmen und wachsenden Städten bedroht. Auch die 140 Neuentdeckungen könnten daher schon bald für immer verschwinden.

    So mussten nach WWF-Angaben in Südostasien seit 1990 jährlich 2,7 Millionen Hektar Dschungel den Monokulturen riesiger Plantagen weichen, in denen Kakao, Kaffee, Tee, Cashew-Nüsse oder Kautschuk angebaut werden. Außerdem sollen rund 150 neue Wasserkraftwerke am Mekong entstehen. Bereits heute sind 70 Prozent der endemischen Säugetierarten aus dem Gebiet auf der Roten Liste der IUCN, darunter der Indochinesische Tiger, das Java-Nashorn oder der Asiatische Elefant.

    Auch das Maß der Überfischung ist nach WWF-Angaben besorgniserregend. "Wir können nur erahnen wie viele Tiere und Pflanzen noch darauf warten, entdeckt zu werden. Doch wir laufen Gefahr, dass zahlreiche Arten verschwinden, bevor sie überhaupt beschrieben wurden", warnt Petr.

    Um die hohe biologische Vielfalt der Region zu bewahren will der WWF die Chance nutzen, die sich durch die anstehende UN-Konferenz zur Biodiversität (CBD) im japanischen Nagoya vom 18. bis 29. Oktober ergibt. Mit der Konferenz geht die zweijährige CBD-Ratspräsidentschaft Deutschlands zu Ende. Ziel muss es sein, dass die einmalige Mekong-Region von der internationalen Staatengemeinschaft grenzüberschreitend und dauerhaft geschützt werde. Ein gesundes und intaktes Ökosystem käme, so der WWF, auch den Millionen von Bewohnern der Region zugute. So würden etwa viele der geplanten Mega-Staudämme nicht nur die Artenvielfalt bedrohen, sondern auch die Ernährungssicherheit in Laos, Kambodscha und Vietnam unmittelbar gefährden.

    Hintergrund: Der aktuelle WWF-Bericht "New Blood - Greater Mekong Species Discoveries" ist der dritte WWF-Report zu neu entdeckten Arten seit 2008. Insgesamt wurden seit 1999 über 1.300 neue Tier- und Pflanzenarten in der Region „Greater Mekong“ erstmalig wissenschaftlich beschrieben.
     

Kommentare

6 Kommentare
  • UnsereGeneration
    UnsereGeneration Ich finde es enorm zu lesen, wie viele Tierarten jährlich entdeckt, aber wie viele auch ausgerottet werden. Es sind enorme Zaheln, die ich mir so gar nicht vorstellen kann.
    Es ist zu komisch.
    Ich möchte etwas dagegen unternehmen und will auch, dass unse...  mehr
    7. Oktober 2010
  • Heiko
    Heiko @ lolfs: Eine genaue Zahl kann ich dir nicht sagen. Aber es dürften mehrere tausend Tierarten jährlich weltweit sein. Gerade mit dem Vorstoß in immer tiefere Meeresgebiete ist in den letzten Jahren sehr viel entdeckt worden.
    Also sind diese Entdeckungen n...  mehr
    7. Oktober 2010
  • mindreCLOVER
    mindreCLOVER Es ist total faszinierend, was für,, Überraschungen``, die Erde noch für uns bereithält.
    Doch wenn die Menschheit so weitermacht wie bisher, werden vieler dieser ,,Überraschungen`` wohl nie entdeckt werden ...
    10. Oktober 2010
  • oekopower
    oekopower seeh ich genauso miindreCLOVER ! -.- *kizz*
    11. Oktober 2010