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Der Kükenmord geht in die nächste Runde

  •                                                                        13. Juli 2019.

    Am heutigen Tage hat das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig die Tötung von männlichen Babyküken in der Legehennenzucht weiterhin als rechtmäßig eingestuft.
    Das sogenannte und damit auch durchgeführte ,,Kükenschreddern“ geht also weiterhin ununterbrochen weiter.
    Dieses Urteil soll jedoch “nur“ als eine “Übergangslösung“ dienen.

                                            Fangen wir jedoch einmal ganz von vorne an:

    Warum werden männliche Babyküken überhaupt getötet?
    Männliche Babyküken legen im Laufe ihres Lebens keine Eier und legen an ihrem Körper weniger Fleisch an. Sprich, sie sind weniger lukrativ als die Weiblichen. Dass es somit rein ums Geschäftliche geht und die Küken somit “nutzlose“ Lebewesen sind, zeigt das Bundesverwaltungsgericht somit in ihren Statement. Man rechtfertigt dies unter anderem damit, dass es ,,mittelfristig zu erheblichen Lücken“ in der Geflügelwirtschaft kommen würde.

    Wie lange dauert dies nun schon an?:
    Das ,Kükenschreddern ist auf der gesamten Welt ein gängiges Verfahren, erntet jedoch seit mehreren Jahren immer mehr Kritik. In Deutschland wurde dieser Vorgang 2013 das erste Mal gerichtlich angegangen. Das damalige regierende Landwirtschaftsministerium in Nordrhein-Westfalen versuchte die örtlichen Behörden davon zu überzeugen, das tägliche Schreddern zu verbieten. Natürlich zum Unmut von Unternehmen, welche auch kurzerhand dagegen Klage eingelegt haben. Der ganze Vorgang zerrte sich drei Jahre bis das Oberverwaltungsgericht für Nordrhein-Westfalen entschied, dass das Kükenschreddern mit dem deutschen Tierschutzgesetz einvernehmbar sei. Ein Armutszeugnis für das deutsche Tierschutzgesetz.

    Das aktuelle Statement:
    Wenn wir nun zu dem aktuellen Statement vom heutigen Tage(dem 13. Juli 2019.) zurück kommen, soll dieser Vorgang nur eine Übergangslösung sein und wie oben bereits angesprochen zu erheblichen Lücken führen. Ebenfalls wurde argumentiert, dass man von den Brutbetrieben nicht eine sofortige Umstellung verlangen könne. Gehen wir mit dieser Aussage im Kopf nun ein paar Zeilen zurück. Bereits 2013 kam die ganze Sache erstmalig mehr Aufmerksamkeit, auch medial. Unternehmen mussten sich das erste Mal rechtfertigen und dafür kämpfen, dass dieses brutale Vorhaben weiter erlaubt sein darf. Bereits da schon, haben sie Erfolg gehabt. Vor sechs Jahren. Sechs Jahre sind eine verdammt lange Zeit, gerade was Forschung angeht, aber noch mehr was Tierleid angeht. Nimmt man die aktuelle Studie, wurden letztes Jahr 45. Mio. männl. Küken geschreddert. Multipliziert man diese Zahl mit den sechs Jahren kommt man auf eine Zahl von 270 Mio. Das sind mehr als drei Mal so viele Einwohner von Deutschland, die da ohne mit der Wimper zu zucken,getötet wurden.


    Wenn man jedoch noch weiter recherchiert und an die Bundestagswahl 2017 zurück denkt, dann findet man auch zu diesem Thema interessantes. Im offiziellen Koalitionsvertrag der aktuellen Regierung ist ein Abschnitt, der folgendes beschreibt. Man möchte das Kükenschreddern bis ,,zur Mitte der Legislaturperiode“ beenden.  Man hat somit vor fast zwei Jahren indirekt offiziell gemacht, dass dieses Leid ein Ende haben soll. Ein erneutes Zeichen an die Betriebe umzudenken und ein Versprechen an die Bürger von der Regierung. Nun schreiben wir ungefähr die Mitte, dieser Periode und das Thema wurde zwar tatsächlich angegangen, jedoch gerichtlich beschlossen, dass diese Themenlage unverändert bleibt, da man aktuell keinen anderen Weg sieht. Schaut man sich die Präsenz des Themas und die vergangenen Jahre an, schleicht sich mir eine leichte, aber nur eine leichte Ähnlichkeit zum Thema Ferkelkastration ohne Betäubung in meinen Kopf.

    Man hat hier also nicht nur die Tiere erneut betrogen, sondern auch die eigenen Bürger, für die man in der Regierung steht.

    Das Gericht verspricht uns jedoch, dass das Kükenschreddern ein Ende hat, sobald eine ,,praxistaugliche Alternative“ vorliegt.

    Wenn man nun ganz gemein der Sache gegenüber stehen will und die wohl am zeitlich reell erscheinende Alternative anschaut, ist diese folgende:
    Zur Zeit wird an einem Forschungsprojekt gearbeitet, dass die Geschlechtsbestimmung im Brutei ermöglichen soll. Somit kann man im voraus sagen, ob aus dem Ei ein weibliches oder männliches Küken schlüpfen würde. Durchgeführt wird dies durch einen kleinen Laser, der durch die Bruteischale dringt und eine Probe entnimmt und auf Geschlechtshormone getestet wird. Somit soll man also direkt das Geschlecht des Kükens bestimmen können.

    Was passiert aber nun, wenn das Brutei ein männliches Küken hergeben würde? Man lässt das Ei und das Lebewesen gar nicht erst schlüpfen, sondern verarbeitet es als Tierfutter. Somit würde den Küken zwar das Schreddern verwehrt bleiben, jedoch das Leben genau so. Noch dazu ist es medizinisch nicht bewiesen, ab wann Embryos Schmerzen empfinden. Man würde also nicht garantieren, dass die Probeentnahme keine Schmerzen am Tier erzeugen würden.

    Eine weitere Alternative wäre es, zur der sogenannten Zweinutzungshüherzucht zurück zu kehren. Bei dieser legen die Hennen Eier, während die Hähne gemestet werden. Es wird jedoch darauf hingewiesen, dass deutlich weniger und kleinere Eier gelegt werden. Noch dazu würden die Rassen langsamer wachsen. Also wieder ein wirtschaftlicher Verlust. 

    Eine Ideologie, die auch die Organisation ,,Bruderhahn“ verfolgt. Sie möchte das Gleichgewicht zwischen ,,Leistung und Tierwohl“ finden. Diese kann man bereits an wenigen Orten mit dem Kauf der ,,Bruderhahn Eier“ unterstützen. Solltet ihr mehr Interesse an dem Projekt haben, dann könnt ihr auf www.Bruderhahn.de ganz einfach nachlesen. Ich denke der Artikel ist lang genug geworden.

    Gleichzeitig, war dies auch mein erster – ich gebe zu: ein sehr meinungsreicher – Artikel hier und überhaupt. Ich hoffe, dass er euch gefallen hat und den ein oder anderen sogar aufklären konnte. Sehr gerne nehme ich Feedback(und somit auch Kritik) an und freue mich eine Unterhaltung mit euch zu finden.

     

    Euer Tizian.

Kommentare

4 Kommentare
  • TobiS
    TobiS Super, dass du dieses top aktuelle Thema so schnell aufgegriffen hast.

    Zum Thema Geschlechterbestimmung vor dem schlüpfen: umstritten ist da vor allem die Seleggt-Methode, bei der das Geschlecht erst nach dem siebten Tag bestimmt wird. Bis zum siebten...  mehr
    14. Juni 2019 - 3 gefällt das
  • Tizianito
    Tizianito @TobiS vielen Dank für dein Kommentar und die ehrliche Kritik. Ich dachte, dass der Artikel schon ausführlich genug bzw zu lang erscheint. Nächstes Mal nehme ich jedes Detail mit ;D

    Die Sache mit der Regierung habe ich dann vielleicht falsch...  mehr
    14. Juni 2019 - 1 gefällt das
  • SteffiFr
    SteffiFr Ich finde den Artikel auch sehr gut gemacht, für ein wichtiges Thema. Weiter so :-)
    Vielleicht noch 1-2 Bilder, als Auflockerung beim Lesen.
    Die Bruderküken-Eier gibt es soweit ich weiß, u.a. in den Alnatura-Märkten.
    14. Juni 2019 - 2 gefällt das
  • Marcel
    Marcel Vielen Dank für Deinen wichtigen und wertvollen Beitrag. Ich finde ihn sehr gut strukturiert und nachvollziehbar. Deine Ungeduld gegenüber der Regierung kann ich durchaus nachvollziehen - auch für meinen Geschmack ziehen sich die Prozesse zu sehr in...  mehr
    18. Juni 2019 - 2 gefällt das