Berichte

Ökologische Nutztierhaltung - Ergebnisse des 2°Campus 2019

  • Um 58% müssten wir in Deutschland unseren Fleischverbrauch reduzieren, um ihn allein durch ökologische Nutztierhaltung decken zu können. Das ist eines der Ergebnisse unserer Forschung beim 2°Campus 2019.

    Ein ökologischer Betrieb baut sein Futter selbst an und bringt seinen Festmist auf seinen eigenen Feldern aus. Das nennt man flächengebundene Tierhaltung. Doch damit können viel weniger Tiere pro Hektar gehalten werden.

    Das Forschungsteam Ernährung: (Experte Gerriet Trei), Isabel Braun, (Junior-Mentorin Helena Schübel), Janne Rosenbaum, (Teamerin Hanna Sierk), Amelie Hugo und Aila Christ - (c)Ann-Kristin Saurma-Jeltsch

    Wir, das Forschungsteam Ernährung des 2°Campus, haben berechnet, wie viele Tiere das genau sind. Wenn ein ökologischer Betrieb sein gesamtes Futter selbst anbaut, wären das 4,85 Schweine pro Hektar. Bei einem konventionellen Betrieb wären es 9,75 Schweine. Doch die Schweine brauchen nicht nur Futter, sie machen auch ordentlich Mist und Gülle. Der konventionelle Betrieb könnte die Gülle von 10 Schweinen auf einem Hektar ausbringen. Beim ökologischen Betrieb fällt durch die Einstreu auf dem die Schweine leben Festmist an. Da Festmist viel stickstoffhaltiger ist, könnte der Bauer nicht so viel wie anfällt auf seine Felder ausbringen.

    Durch konventionelle Tierhaltung könnte man mehr Tiere pro Hektar halten und wir müssten unseren Fleischkonsum nicht so stark einschränken. Doch welchen Unterschied macht die Art der Tierhaltung für Tiere und Umwelt?

    Um das zu verstehen, haben wir einen konventionellen und einen ökologischen Schweinemastbetrieb besucht. Beim konventionellen Betrieb werden die Schweine in Masse und unter deutlich schlechteren Bedingungen gehalten: Sie leben auf Spaltenböden, ihre Schwänze werden kupiert (also abgeschnitten) und sie haben ein sehr kurzes Leben. Einigen von uns wurde schon nach ein paar Minuten im Maststall übel.

    Sau des Bio-Betriebs - (c)Ann-Kristin Saurma-Jeltsch

    Beim ökologischen Betrieb wurden die Schweine artgerechter gehalten und wirkten viel glücklicher. Auch uns ging es dort wieder besser.

    Doch die Art der Tierhaltung hat nicht nur Einfluss auf das Tierwohl, sondern auch auf Umwelt und Klima. Konventionelle Betriebe kaufen das Futter meistens ein und füttern viel Soja. Das kommt aus Ländern wie Brasilien, in denen für den Anbau von Soja immer mehr Regenwald abgeholzt wird.

    Wenn wir nicht auf das Fleisch, das wir heute verbrauchen, verzichten wollen und unseren Fleischverbrauch nicht reduzieren, aber nur noch ökologisch produziertes Fleisch essen wollen, welche Fläche bräuchten wir dann? Im Moment werden in Deutschland auf einer Fläche, die so groß ist wie Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz Futtermittel angebaut (grün; Quelle: Deutscher Bauernverband (2014)). Um das Futter für alle Schweine in Deutschland ökologisch anzubauen, bräuchten wir diese Fläche und zusätzlich noch die Fläche von Brandenburg (rot). Brandenburg ist mehr als doppelt so groß wie Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz zusammen. Um den Futterbedarf für alle anderen Tiere zu decken, wäre der Flächenbedarf noch höher. Um zum Beispiel unser Geflügel ökologisch ernähren zu können, bräuchten wir die Fläche von Schleswig-Holstein und Sachsen (gelb).

    Benötigte Ackerfläche - (c)eigene Darstellung; (c)Wikipedia

    Diese Fläche steht nur für Ackerland, auf dem Tierfutter angebaut wird, nicht zur Verfügung. Wir können also Deutschlands Tierhaltung nur vollständig ökologisch machen, wenn wir unseren Fleischkonsum reduzieren. Diese notwendige Reduktion liegt bei 58%. Dadurch könnten wir 12 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente einsparen.

    Um dieses Ergebnis zu erreichen, haben wir viel recherchiert und mit verschiedenen Daten und Fakten gerechnet. Dabei hatten wir Unterstützung von unserer Mentorin Ann-Kristin Saurma-Jeltsch von der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde. Unsere Ergebnisse beruhen teilweise auf Annahmen und durchschnittlichen Werten. Dennoch sind wir, für die wenigen Tage, die uns für unsere Forschung zur Verfügung standen, sehr zufrieden mit den Ergebnissen!

     

Kommentare

2 Kommentare
  • SteffiFr
    SteffiFr Vermute ich richtig - fester Mist ist nicht geeignet, um ihn sp#ter in Biogasanlagen zu verwerten?
    6. Aug.
  • EmmaBeyer
    EmmaBeyer Echt eindrucksvolle Forschungsergebnisse
    23. Okt.