Berichte

Ein lautes Brummen im Wald...

  • Nach einer erstaunlich guten Nacht in unserer kleinen ‚gemütlichen‘ Baracke, sind wir eine Stunde verspätet in den Tag gestartet. Denn irgendwie hat niemand seinen Wecker benutzt, weil alle dachten genügend Mitschlafende zu haben, die ihren doch sowieso angemacht hätten ;)

    Nachdem dann alles wasser- und regensicher verpackt war und wir uns von unserem freundlichen Gastgeber, einem 64-jährigen Mann, der uns die Wünsche von den Lippen abzulesen versuchte, machten wir uns auf den Weg zu unseren drei Booten. Jedes Boot wurde von zwei russischen Männern gelenkt, hiervon waren einige vom WWF, Andere - Jäger oder Udegen.

    Die Fahrt war atemberaubend spannend, aufregend und schön. Denn drei Stunden durch unbewohnte Gebiete des russischen Fernen Ostens zu fahren, bis man schließlich an einem Ort ankommt, von welchem der nächste Supermarkt 140 km entfernt ist, ist einfach nur der absolute Wahnsinn und irgendwie auch ein wenig unrealistisch.
    Hier angekommen, habe ich sofort meine durch die halbe Welt gereisten schweren Gummistiefel getestet, da ich dann aber eine scheinbar wohl doch zu schwere Kiste getragen hatte und beim Verlieren des Gleichgewichts schnelle Schritte gemacht habe, nützten mir eben diese leider herzlich wenig – schon war ich nass und habe gleich Ärger von Jakob, einem der Udegen – übrigens der größere Bruder von Iwan (Interview mit ihm gibt's hier!), bekommen, der mir dies bereits vorhergesagt hatte.

    Nach unserer selbstgekochten Kartoffelsuppe ging es dann für eine Wanderung in den Wald. Einige gesammelte Koreanische Kiefernzapfen später, hörten wir plötzlich ein lautes Brummen. Iwan war auch erst einmal verdutzt und überlegte zu wem dieses Geräusch wohl gehören könnte, es variierte von Tiger (JA, TIGER!!) bis hin zu einem Baum.

    Letzten Endes war er sich dann ziemlich sicher, dass wir einen Tiger gehört hatten! Somit machten wir uns dann gen Geräuschursprung. Dieses hörte aber urplötzlich wieder auf und auch nachdem wir noch 20 Minuten später lauschten, war nichts zu hören. Also sind wir zu unserem ursprünglichen Weg zurückgekehrt und versuchten von dort aus, dass Geräusch erneut einzufangen – was uns leider nicht gelang. Aber spannend war es definitiv! Gerade weil Jakob, welcher an unserer Holzhütte zurückgeblieben war, uns erzählte dass er das Brummen eines Tigers kurz zuvor an unserer Toilette wahrgenommen hat. Das heißt, wir haben tatsächlich einen Tiger gehört und waren ihm ganz nah! Was mir, aber, ehrlich gesagt, auch ganz lieb ist – Tiger kann ich im Zoo nah genug sein;) Denn wie Sergej (Seine Tipps zum Verhalten bei einem Treffen mit Tigern könnt ihr hier nachlesen) bereits sagte, wenn ein Tiger einen töten möchte, hat man schon fast gar keine Chance mehr.

    Nach der ganzen Aufregung war eine Stärkung nötig – deshalb haben Franka und ich das Abendessen zubereitet, mit älteren udegischen Herren, welche neben uns saßen und Kommandos von sich gaben;)

    So, ich bin echt so richtig müde und erschöpft – in diesem Sinne: Schlaft gut,

    Eure Tigerbotschafterin Julia!

Kommentare

2 Kommentare
  • midori
    midori Endlich ist auch mal was vom Julchen zu hören! Dass Du auch immer pitschnass werden musst!

    Schlaf schön! ;o) ?
    21. September 2010
  • Taki
    Taki Intressant spannend
    22. September 2010