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Nachgefragt: Was macht der Bürgermeister gegen den Klimawandel?

  • Der Klimawandel ist ein globales Problem, gegen den aber lokal viel getan werden kann. Doch was tun die Kommunen wirklich? Da habe ich nachgefragt und zwar bei einem, der es wissen muss. Bei Christian Herfurth (CDU), dem Bürgermeister meiner Stadt, Idstein (Hessen).

    ©https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Idstein-Rathaus.jpg#filelinks/RalfZi/Idstein-Rathaus

     

    Herr Herfurth, der Klimawandel ist ein Problem, der den gesamten lebendigen Planeten gefährdet. Durch die steigende Konzentration von Treibhausgasen in der Atmosphäre steigt auch die Temperatur auf unserer Erde an. Wenn dieser Temperaturanstieg nicht unter einem Level von 2°C, oder besser noch 1,5°C bleibt, wird der Klimawandel zu einem selbstverstärkenden Prozess, auf den wir kaum noch Einfluss haben. Dagegen muss natürlich etwas getan werden. Wo sehen Sie konkrete Möglichkeiten auf regionaler Ebene etwas dagegen zu tun?

    Zunächst möchte ich sagen, dass ich es nicht verstehe, dass es Menschen gibt, die behaupten, der Klimawandel sei nicht menschengemacht. Und ich finde es gut, dass sie, als junge Generation das Heft des Handelns in die Hand nehmen und etwas gegen den Klimawandel tun möchten. Wir müssen gemeinsam umsteuern. Die Stadt Idstein ist gerade dabei ein Klimaschutzkonzept zu erarbeiten. Denn man kann lokal viel in Sachen Klima beitragen. Auf Gebäuden, die der Stadt gehören, wurden bereits einige Photovoltaikanlagen installiert und wir haben zwei E-Autos angeschafft, eins für die städtische Verwaltung und eins für den Bauhof. Außerdem achten wir bei Sanierungen, z.B. von Gemeindehäusern, auf die Energieeffizienz. Allerdings kann man auch noch mehr machen, weswegen wir jetzt eben das Klimaschutzkonzept erarbeiten. Das wiederum beinhaltet viele Punkte. Ich kann mir dabei z.B. Blockheizkraftwerke vorstellen, sodass nicht jedes Haus eine eigene Heizung hat. Man könnte auch mehr Null-Energie-Häuser bauen, wie derzeit schon eines entsteht. Wir sind uns in der Stadtverordnetenversammlung parteiübergreifend einig, dass etwas getan werden muss.

     

    Das klingt schon mal sehr interessant. Aber können sie sich auch beispielsweise im landwirtschaftlichen Sektor Veränderungen vorstellen?

    Darauf haben wir leider keinen Einfluss. Worauf wir aber Einfluss haben, ist der ÖPNV. Da sind wir gerade dabei, die Stadtbuslinien neu zu planen. Ich kann mir auch vorstellen, hierbei ab 2022 komplett auf Elektromobilität umzustellen.

     

    Hat denn die Stadt Idstein, wie z.B. die Stadt Konstanz den Klimanotstand ausgerufen? Damit müsste bei jeder Entscheidung des Gemeinderates die Auswirkungen auf das Klima geprüft werden.

    Nein, darüber werde ich mich noch genauer informieren. Es ist aber auf jeden Fall an der Zeit umzudenken.

     

    Konkret zu Idstein: Sie, als Stadt, haben dieses Jahr das große Freizeitbad in der Stadt aufgekauft. Dieses hat einen extrem hohen Wasser- und Energieverbrauch. Jetzt habe ich mitbekommen, dass Sie auch eine Eisbahn bauen wollen. Das ist doch auch sehr schlecht für das Klima?

    Die Stadt hat in den letzten Jahren die Stromversorgung auf 100% Ökostrom umgestellt. Das müssen wir beim Schwimmbad dann auch tun, wohl wissend, dass der Energieverbrauch sehr groß ist. Das Schwimmbad ist aber vorhanden und ein neues, energieeffizienteres zu bauen, wäre nicht rentabel. Außerdem halten wir es für sinnvoll, dass die Kinder hier vor Ort schwimmen lernen können. Auch das Vereinsschwimmen finde ich sehr wichtig.
     Die Eisbahn ist ein Projekt des Verkehrsvereins, um die Stadt noch attraktiver für den Tourismus zu machen. Dadurch soll dann auch die Innenstadt belebt werden. Natürlich muss man sich fragen, ob es sinnvoll ist, in solchen Zeiten einen so großen Stromverbraucher zu installieren.

     

    Eine Folge des Klimawandels ist auch die Beschleunigung des ohnehin extremen Artensterbens. Die Verringerung der Biodiversität ist, neben dem Klimawandel allgemein, die größte moderne Bedrohung der Menschheit. Was tun Sie dagegen?

    Da machen wir schon ziemlich viel. Wir arbeiten eng mit dem Projekt „Blühendes Idstein“ zusammen. Es ist uns bereits gelungen, einige Blühflächen im innerstädtischen Bereich anzulegen, z.B. auf Mittelstreifen von Fahrbahnen oder im Stadtpark. Damit wollen wir zum Erhalt der Insekten beitragen. Auch bei der Bewirtschaftung unseres stadteigenen Waldes haben wir in dem Konzept für die Zukunft den Fokus nicht auf Wirtschaftlichkeit, sondern auf Nachhaltigkeit und die Nutzung des Waldes als Freizeit- und Erholungsraum gesetzt. Aber natürlich sind in vielen Punkten auch die Bürger gefragt, z.B. wenn es um die ökologische Nutzung des eigenen Gartens geht.

     

    Vielen Dank, Herr Herfurth, dass Sie sich heute die Zeit genommen haben, meine Fragen zu beantworten. Ich freue mich, dass Sie schon einiges an Engagement zeigen. Wenn Sie das noch intensivieren, werden Sie sicherlich Rückhalt durch die Bürger erfahren. Meinen Rückhalt haben Sie diesbezüglich auf jeden Fall.

Kommentare

1 Kommentar
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    Cookie Danke, dass du dieses spannende Interview geführt und mit uns geteilt hast! Man merkt, dass Du Dich gut darauf vorbereitet hast und ich finde es toll, dass der Bürgermeister sich die Zeit dafür genommen hat, aber auch, dass Du den Mut hattest, das...  mehr