Berichte

Flashmobs

  • An einem ganz normalen sonnigen Samstag im April dieses Jahres, war die Kölner Domplatte ziemlich gut besucht. Auffällig war allerdings, dass just an diesem Tag sehr viele der Menschen, die scheinbar grundlos in der Gegend herum standen, entweder einen sehr dicken Bauch hatten, oder gerade einen Großeinkauf gemacht zu haben schienen, denn viele von ihnen hatten dicke Plastiktaschen oder auch vollgestopfte Rucksäcke bei sich.
    Je weiter die Zeit voranschritt, desto voller und enger wurde es. Kaum jemand konnte sich noch durch die Massen hindurch bewegen. Trotzdem behielten alle Leute ihre Laune und lachten sogar immer wieder laut auf. Dies war seltsam, da im Gedränge oft eher schlechte Laune dominiert.
    Als sich gegen 16 Uhr ca. 2500 Menschen versammelt hatte, begann jemand zu brüllen. Ich habe nicht verstanden, was genau gerufen wurde, aber den lauten Worten folgte die größte Kissenschlacht, die Köln je gesehen hatte. Die großen Bäuche verschwanden und verwandelten sich in weiche Kissen, die sofort eingesetzt und nach links und rechts geschleudert wurden. Jeder versuchte sein Kissen so gut wie möglich einzusetzen, ob als Rammbock, Schutzschild, oder Wurfgeschoss.

    Bald waren die ersten Kissen zerrissen und Federn bedeckten nun den großen Platz vor der steinernen Kirche. Knöcheltief standen die Kissenfreunde in den weißen Daunen. Bald wurde es auch schwer zu atmen, denn bei jedem Zug durch die Nase nahm man eine kleine Menge an Federstaub auf, der die Atemwege zu verstopfen schien. Das störte aber die Wenigsten und so wurde die Schlacht munter fortgesetzt.
    Ich weiß nicht mehr wann, oder warum es genau geschah. Aber ganz plötzlich, wie aus dem Nichts, von einem Moment auf den anderen, nahmen alle Teilnehmer ihre Kissen fest in die Hand, hielten sie kurz fest, nur um sie einen Augenblick später gen Himmel zu katapultieren. Die Kissenschlacht war vorbei. Unter großem Jubel und einem starken Kissenregen breitete sich ein Grinsen in den Gesichtern der Teilnehmer aus.

    Was an diesem Tag in Köln stattfand, war ein sogenannter Flashmob. Definieren kann man einen Flashmob wohl am besten als eine "zufällige Massenverabredung". Meist wird im Internet ein Aufruf gestartet und ein paar Tage später finden ominöser Ereignisse wie diese Kissenschlacht statt.
    Sehr oft liest man auch von einem "Freeze", bei dem ein paar Menschen plötzlich grundlos einfrieren, einige Minuten verharren und danach ihren Alltagsgeschäften nachgehen, als sei nichts passiert.
    Ein Flashmob hat meistens keine tiefere Bedeutung. Er vermittelt nur den Spaß an der Sache selbst.
    In Köln war es allerdings so, dass die Stadt am Ende der Kissenschlacht mit Sorgen- anstelle von Lachfalten im Gesicht dastand. Denn die vielen Federn, die kaputten Kissen und den hinterlassenen Müll mussten die Abfallwirtschaftsbetriebe in einer Sonder-aufräum-Aktion bereinigen, die einiges an Kosten mit sich zog. Belangt wurde von den Teilnehmern aber niemand.

    Ein sinnvolles Nutzen von Flashmobs ist natürlich auch denkbar. Zum Beispiel könnte man durch sie auf Notstände und Umweltverunreinigungen aufmerksam machen. Flashmobs erregen Aufmerksamkeit, gerade weil sie so unerwartet stattfinden und keiner weiß was eigentlich gerade passiert.

    Habt ihr Ideen, wie man Flashmobs sinnvoll nutzen könnte?

     

    Hier ein Video zur Kissenschlacht in Köln.

Kommentare

10 Kommentare
  • Ellaa
    Ellaa Vielleicht könnte man ja auch eine Fahrradkette im Kreisverkehr organisieren, bei der alle ein grünes T-shirt tragen, auf dem irgendwas zum Thema CO2-Ausstoß von Autos steht, z.B. \\\"Wisst Ihr eigendlich, was Ihr der Natur gerade antut?!\\\" , \\\"Radfah...  mehr
    28. Juni 2009
  • Janine
    Janine @ kris: Ja, die Kreisverkehraktion find ich gut. Allerdings würde ich nicht solche Sprüche wie \"Wisst ihr eigentlich, wie scheiße ihr seid?!\" nehmen ;) Also eher Tipps auf die T-Shirts drucken, so wie du sagtest zum Beispiel \"Radfahren für die Umwelt\"...  mehr
    28. Juni 2009
  • Janine
    Janine @ Seraphim: Die Kissenschlacht fand auf Grund des \"International Pillow Fight Day\" statt, ja, den gab es wirklich ;) Ein Freund von mir hat bemerkt, dass in Köln noch niemand die Organisation übernommen hatte und dann das Ruder selbst in die Hand genomm...  mehr
    1. Juli 2009
  • Konsti
    Konsti Sehr interessant!
    Ich habe vorher schon mal das Wort \"Flashmob\" gehört, und konnte jetzt mein Wissen auffrischen ;)
    Das Video kann man aber leider nicht mehr ansehen, denn es \"enthält Content von Sony Music Entertainment\"... Schade
    20. April 2010