Berichte

LCOY- Was soll das denn sein?

  • Gruppenbild von allen Teilnehmenden (copyright: k. osberghausen)

     

    Eine Gesamtschule in Heidelberg- es ist Wochenende und das Tor steht weit geöffnet. Was ist hier passiert? Waren Einbrecher am Werk?

    Beim Betreten der Eingangstür kommen dir lachende junge Menschen entgegen - die Klassenräume sind voller Isomatten und Schlafsäcke - überall findest du Informationen zum Klimawandel und Klimaschutz, Plakate zu Workshops und Umweltorganisationen. Herzlich Willkommen bei der ersten LCOY Deutschland!

     

    LCOY ist die lokale Form der COY. Nein, das ist keine neue Fischart, die nach Deutschland eingewandert ist. Das Kurzwort COY steht für den englischen Ausdruck "Conference of Youth" (übersetzt: Jugendkonferenz). Dies ist eine Konferenz für junge Vertreter*innen aus Ländern der ganzen Welt, die immer vor der UN Klimakonferenz stattfindet. Die "lokale" COY ist genau dasselbe nur mit jungen Menschen eines Landes, die versuchen im Vorfeld der Klimakonferenzen Forderungen zu erarbeiten und über die internationale Klimapolitik zu diskutieren. Die über drei Tage erarbeiteten Forderungen werden anschließend über die UN- Jugenddelegierten an die weltweiten Klimakonferenzen weitergegeben. Hoffentlich hat dich das nicht noch mehr verwirrt ;).

    Ich war bei der LCOY 2019 dabei und möchte euch mit meinem kleinen Erfahrungsbericht motivieren euch die nächsten Jahre auch einzubringen und vorbeizukommen.

    Hier eine kleine Übersicht über die Rahmendaten:

     

    - Was bedeutet LCOY? – Local Conference of Youth

    - Zeitraum: 04.-06.10.2019

    - Teilnehmer*innen: 400 Menschen aus ganz Deutschland

    - Altersgruppe: 16-30 Jahre

    - Programm: über 180 Workshopangebote in verschiedensten Themenbereichen

    - Ziel: gemeinsame Entwicklung von Forderungen an die internationale Klimapolitik, die an die UN (über die deutschen Jugenddelegierten) weitergegeben werden sollen

     

    Es ist Freitag, 16Uhr: während viele Schüler*innen den Anfang des Wochenendes genießen, füllt sich die Aula allmählich. 400 junge Menschen aus ganz Deutschland, in Gruppen oder alleine angereist, treffen sich zum ersten Mal, um gemeinsam zu diskutieren und sich auszutauschen. Viele Jugendorganisationen sind vertreten, aber auch Studierende verschiedenster Bereiche sowie viele Professor*innen und Wissenschaftler*innen sind vor Ort, um ihr Wissen zu teilen und Workshops anzubieten.

    Drei Tage werden die Teilnehmenden nun gemeinsam verbringen, um über aktuelle politische Themen zu diskutieren, sich gemeinsam weiterzubilden und Forderungen für die Klimapolitik zu entwickeln. Auch ich bin dabei! Die Aufregung ist dementsprechend groß, als die Moderatoren die Bühne betreten und alle zu „der ersten Jungen Klimakonferenz Deutschlands“ begrüßen. Neben vielen Reden, lustigen Fakten und einer Aufführung des schulischen "Müllorchesters" bekommen wir die ersten Infos zu den Workshops und den bevorstehenden Tagen. Genug Zeit, um die Sitznachbarn noch näher kennenzulernen gibt es aber nicht. Schließlich müssen bis zum Ende der Konferenz mehrheitlich getragene Forderungen stehen. Also ab an die Arbeit!

    Von Workshops über E-Mobilität, Erneuerbare Energien und Ernährung gibt es alles was das Klimaschützerherz begehrt! Besonders interessant sind hierbei die Beiträge von Menschen, die sonst nicht unbedingt im Vordergrund stehen: bei dem Workshop "Simulation einer UN Klimakonferen" konnte ich einen jungen Mann kennenlernen, der in der Delegation der Schweiz bei den UN Klimakonferenzen mitverhandelt. Außerdem habe ich viele engagierte junge Menschen getroffen, die von ihrem Engagement berichteten. Beispielsweise waren die deutschen Jugenddelegierten für Nachhaltigkeit als Schirmherren der LCOY vor Ort und haben von ihrem Einsatz für den Klimaschutz berichtet. Neben der Möglichkeit interessante Persönlichkeiten kennenzulernen, entstanden kontroverse Debatten über die Zukunft der Klimabewegung, die Klimapolitik oder über erneuerbare Energien.

    https://jugenddelegierte.dbjr.de/wp-content/uploads/2018/11/jd@kristoffer-schwetje-cc-by-sa-WEB-1-1024x557.jpg

    Felix Kaminski und Rebecca Freitag, aktuelle Jugenddelegierte für Nachhaltige Entwicklung und Schirmherren der LCOY (copyright: https://jugenddelegierte.dbjr.de/ )

     

    Grundsätzlich konnte man sich bei der Auswahl der Workshops immer zwischen drei grundlegenden Arten entscheiden: praktische Workshops (DIY etc.), Debatten, in denen die Forderungen diskutiert und erarbeitet wurden und Workshops in denen man von Wissenschaftler*innen und Expert*innen genau auf diese Diskussionen inhaltlich vorbereitet wurde.

    Um ehrlich zu sein war bei mir die Auswahl der Workshops immer der schwierigste Teil des Tages: Soll ich lieber etwas zum Workshop mit dem Thema "Wirtschaft" gehen, bevor ich in die Debatte über Wirtschaft gehe? Ist nicht doch der Workshop zum Klimaschutzgesetz interessanter? Mit teilweise 12 gleichzeitig liegenden Informations- und Diskussionsveranstaltungen war der Wunsch groß sich halbieren oder vierteln zu können. Schließlich wollte man nichts Wichtiges verpassen!

    Nach einem Tag voller Diskussionen und neuen Erkenntnissen, stand das gegenseitige Kennenlernen auf dem Plan für den Abend:  egal ob beim Kartenspielen, bei einer gemeinsamen Jam Session mit vielen Liedern oder bei Powerpoint-Karaoke - wir lernten uns immer besser kennen und hatten unglaublich viel Spaß! Mein persönlicher Höhepunkt im Abendprogramm war der Swingkurs, bei dem viele Teilnehmende versucht haben möglichst geschickt und elegant den Anweisungen des "Tanzlehrers" zu folgen. Bei dem ein oder der anderen mit mehr oder weniger viel Erfolg ;).

    Aber wir waren natürlich nicht nur da, um nett zu diskutieren, viel zu lernen und danach noch gemeinsam Spaß zu haben. In der Zeit von knapp zweieinhalb Tagen haben wir es geschafft über 40 Forderungssätze zu formulieren, mit Politiker*innen von lokaler, landesweiter und internationaler Ebene zu diskutieren und eine zweistündige Diskussion über die Zukunft unserer Ernährung mit verschiedensten Expert*innen durchzuführen. Denn es reicht nicht nur zu reden, es muss auch umgesetzt und das Wissen angewandt werden!

    Am Samstag nach der Konferenz (12. Oktober 2019) wurde zur Beteiligung an einem deutschlandweiten Aktionstag “Klima geht lokal!” aufgerufen. An diesem Tag fanden dezentral in ganz Deutschland an verschiedenen Orten Veranstaltungen statt, die von Teilnehmenden der Konferenz organisiert werden. Dort sollten Teilnehmende als Klimabotschafter*innen eigene Ideen verwirklichen und auch die Ergebnisse und Eindrücke der LCOY 2019 – Junge Klimakonferenz Deutschland präsentieren. Somit konnten mit möglichst vielen Menschen gemeinsame Diskussionen gestartet werden, Energie und Ideen wurden weitergeben. Viele Menschen wurden zum nachhaltigen Handeln ermutigt bzw. darin bestärkt!

    Insgesamt war die Zeit bei der LCOY eine riesige Bereicherung für mich. Ich habe innerhalb der kurzen Zeit viel erleben dürfen. Ich hoffe die LCOY kann sich auch langfristig als Plattform für junge Menschen etablieren, die sich auch auf politischer Ebenefür unsere Erde und das Klima einsetzen möchten. Nächstes Jahr bin ich auf jeden Fall wieder dabei, wenn es diesmal heißt: "Herzlich Willkommen zur zweiten LCOY Deutschlands" - bist du es auch?

     https://www.lcoy.de/wp-content/uploads/2019/04/lcoy_logo_4c.png

    (copyright: lcoy deutschland)

Kommentare

2 Kommentare
  • SteffiFr
    SteffiFr Das hört sich sehr spannend und toll an. Die Workshop-Auswahl wäre mir wahrscheinlich auch so schwer gefallen ;-) Bei so vielen tollen Angeboten!
    30. Okt.
  • Matilda
    Matilda Hört sich echt super spannend an! Da werde ich echt neidisch, da ich nicht dabei war. Danke, dass Du Deine Erfahrungen geteilt hast
    4. Nov.