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Illegaler Holzabbau - diskutiert mit!

  • Privet, Community!

    Der heutige Tag war fast ganz dem Thema des (illegalen) Holzeinschlags gewidmet. Nach einer etwas feuchten Nacht im Zelt und einem ausgiebigen Frühstück mit Suppe, Nudeln und Ei ging es erst im vollbesetzten Pick-up (6 Leute drinnen, 6 auf der Ladefläche) und dann zu Fuß zu einer illegal gerodeten Fläche im Wald. Eigentlich hatte ich gehofft, in den drei Tagen im Wald auch ein paar größere Tiere zu sehen, aber das einzige, was uns über den Weg lief, bzw. hüpfte und kroch, waren Frösche und kleine Schlangen. Aber auch über die wusste Sergey vom WWF Russland einiges zu erzählen. Beispielsweise wird die Froschart, die wir gefunden haben, in China gegessen. Das Fett ist besonders wertvoll und wird für mehrere Tausend Euro pro Kilo verkauft. Um es zu gewinnen werden die Frösche am Bein aufgehängt bis sie sterben und alles Fett Richtung Kopf gesunken ist. Die kleine Schlange, die wir mit unserer Neugier sicher zu Tode erschreckt haben, gehörte zu einer Art der Klapperschlange, auch wenn sie statt der Rassel eine Klaue am Ende ihres Schwanzes hatte. Ihr Biss ist zwar nicht tödlich, beschert einem aber trotzdem drei Wochen im Krankenhaus. Unterwegs lernten wir auch, wie sich die illegale Holzfällerei auf die Tierwelt auswirkt. Eine Mineralienstelle neben der Holz gerodet wurde, wird auch jetzt – ein Jahr nach Abzug der Arbeiter – von den Tieren nicht mehr genutzt.
    Am „Tatort“ angekommen erklärte uns Sergey die Problematik des illegalen Holzabbaus. Auf den Gebieten der Jagdgesellschaften darf mit Lizenz Holz abgebaut werden, aber häufig passiert es, dass Lizenzinhaber auch an Orten abbauen, an denen sie es eigentlich nicht dürften, oder aber, dass sie auch Bäume schlagen, für die sie keine Erlaubnis haben. Besonders schlimm ist das im Fall der Koreanischen Kiefer, die bedroht ist, aber in Russland nicht auf der Roten Liste steht, und die alleine mindestens 80 Jahre braucht, bis sie überhaupt Früchte trägt. Die Samen der Kiefer sind wichtig für die Tierwelt, da Wildschweine, Rotwild und Sikahirsche, also die Beutetiere des Tigers, sie fressen. Das Verschwinden der Koreanischen Kiefer trägt also auch zum Verschwinden des Tigers bei. Seit Langem arbeitet der WWF Russland daran, den Schutz der Kiefer gesetzlich zu verankern, und nach einem langen Kampf besteht nun die Hoffnung, dass zum Tigersummit im November auch ein Gesetz zum Schutz dieses seltenen Baumes unterzeichnet wird. Das wird auch Zeit, denn bisher kann von staatlicher Unterstuetzung auf dem Gebiet keine Rede sein. Als die Jagdgenossenschaft und der WWF den Berg an Baumstaemmen an dieser Stelle entdeckten, wollten die zustaendigen Behoerden, die natuerlich bestochen worden waren, nichts von illegalem Abbau wissen. Also schlugen unsere Naturschuetzer einen anderen Weg ein und brachten Journalisten an den Ort des Geschehens, um auf diese Weise Druck auszuueben. Drueckt die Daumen, dass dieser Einsatz im November endlich Fruechte traegt!
    Zurück bei der Jagdgesellschaft wurden wir mit einem leckeren Mittagessen belohnt und durften uns anschauen, wo ein Schwarzbaer den Container mit dem gelagerten Wildfutter aufgebrochen hat. Dabei wollte er – wie der Leiter der Jagdgesellschaft, Anatoli, es ausdrueckte – zivilisiert vorgehen und hat es zuerst mit der Tuer versucht. Erst als er daran scheiterte, riss er kurzerhand das Fenster aus der Angel und zerrte die Saecke mit dem Getreide auf diesem Weg nach draussen. Ueberhaupt zeigen Baeren ein interessantes Verhalten, wenn sie irgendwo einbrechen (und das tun sie haeufig, da sie einen nicht zu zuegelnden Forscherdrang aufweisen). Sie betreten die Huetten immer durch die Tuer und verlassen sie durchs Fenster. Warum weiss niemand so genau. ;)
    Ausserdem brachte Sergey uns bei, wie man sich verhalten muss, wenn einem ein Baer oder ein Tiger begegnet (reichlich spaet finde ich, schliesslich haetten wir ja schon waehrend den Tagen vorher im Wald das Vergnuegen haben koennen). Also hier ein Auszug aus dem Tiger- und Baeren-Benimm-Buch:
    - Baeren sind unberechenbar. Oft wollen sie nur mit einem spielen, aber leider sind Menschen fuer diese Art von Unterhaltung nicht gemacht. Will dir ein Baer liebevoll von hinten auf die Schulter klopfen, kann es leicht passieren, dass du ein Auge, deinen Oberkiefer oder dein ganzes Gesicht verlierst.
    - Triffst du einen Baeren, zeig ihm wie gross du bist. Nimm die Arme hoch oder halte deinen Rucksack ueber den Kopf. Rede mit ihm mit lauter und fester Stimme. Es hilft auch, ihn zu beschimpfen.
    - Eine andere Methode ist, sich tot zu stellen. Baeren moegen ihr Fleisch gerne leicht verfault. Haelt der Baer dich fuer tot, zieht er dich hinter sich her und begraebt dich im Wald mit etwas Laub und Erde, damit du noch ein bisschen weiter vor dich hin rotten kannst.
    - Im Gegensatz zu Baeren sind Tiger berechenbar. Dass ein Tiger grundlos angreift wie ein Baer, passiert kaum. Will ein Tiger dich jedoch toeten, hast du keine Chance.
    - Der Tiger weiss, dass du da bist, lange bevor du ihn bemerkst.
    - Tiger moegen es nicht, wenn man ihren Spuren folgt. Er wird einen Bogen machen und dich von hinten angreifen, wenn du es tust.
    - Es gibt drei Situationen, in denen Tiger Menschen angreifen: wenn es ein Weibchen mit Jungen ist, wenn du ihn beim Fressen stoerst, oder wenn sie bereits schlechte Erfahrungen mit Menschen gemacht haben. Tiger haben ein gutes Gedaechtnis und wenn du einen verletzt wird er sich auch Jahre spaeter noch an dir raechen.
    - Laeuft ein TIger auf dich zu und bleibt 20m vor dir stehen, um sich zur Seite zu drehen und dir zu zeigen wie gross er ist, waere es zu spaet auf ihn zu schiessen. Auch ein toedlich verwundeter Tiger kann dich in 10 Sekunden umbringen. Was also sollte man machen, wenn ein Tiger einem entgegenkommt? Schiessen kommt fuer uns TIgerretter sicher alle nicht in Frage und eine wirkliche Strategie fuer so eine Begegnung hat uns Sergey auch nicht verraten. Habt ihr eine Idee?

    Beim Mittagessen wurde uns uebrigens eine Ueberraschung eroeffnet: unsere Rueckreise zum Gelaende der Jagdgesellschaft Orlinoe (unserer Basisstation quasi) sollte nicht in einem klapprigen Auto ueber einen hubbeligen Feldweg stattfinden, sondern in einem Helicopter, der die Gegend nach illegalen Holzeinschlagstellen absuchte. Statt um 4 kam unsere «Mitfluggelegenheit» erst um halb 6, aber das Warten hatte sich gelohnt. Wir drei Tigerbotschafter (Julia war ja leider nicht dabei) und unsere russischen Kollegen durften zuerst einen Rundflug in weichen Ledersesseln geniessen, mit professionellem Headset (oho), Wasser, Saft, Tee und Schokolade (letzteres aber nur fuer die Maedchen ;)). Anschliessend wurde der Rest des Teams eingesammelt und es ging zurueck nach Orlinoe. Bewaffnet mit Karten, bemuehten wir uns, unsere Route zu verfolgen und hileten natuertlich auch eifrig nach «logging places» Ausschau. Stellen, an denen Holz geschlagen wurde, bzw. vor laengerem worden war, haben wir tatsaechlich mehrere gesehen, ohne jedoch von oben feststellen zu koennen, ob der Abbau erlaubt war oder nicht.

    Interessant war der Tag auf jeden Fall und in unserer Gruppe hat sich zu dem Thema auch eine spannende Diskussion ergeben, zu der ich gerne eure Meinung wuesste. Und zwar wurden die illegal gerodeten Baumstaemme, die wir am Morgen gesehen haben, nicht abgeholt, da die Holzfaeller inzwischen Angst haben, erwischt zu werden. Daher liegt das Holz, unter anderem das der wertvollen Koreanischen Kiefer, ungenutz dort rum und fault vor sich hin. Christoph schlug vor, dass der Staat (dem das Holz im Wald gehoert) die Staemme doch verkaufen und das Geld in den Naturschutz stecken sollte. Die anwesenden WWFler lehnten das ab und das Beispiel des in anderen Laendern konfiszierten Elfenbeins kam auf. Wuerden die Staaten dies verkaufen, entstuende ein neuer Markt und die Nachfrage und damit auch die Wilderei stiege an. Also wird es verbrannt. Diese Gefahr sahen wir im Fall der Koreanischen Kiefer nicht (die uebrigens positive Eigenschaften wie einen angenehmen Geruch aufweist, wenn man beispielsweise Innenwaende damit verkleidet. Aehnliche Qualitaeten haben jedoch auch andere Nadelbaeume). Einerseits waere es nur logisch den Gewinn aus dem Verkauf des Holzes wieder in die Zukunft dieser Pflanze zu investieren. Andererseits waere es auch inkonsequent, wenn eine Organisation, die sich dem Naturschutz widmet, den Verkauf von Holz einer bedrohten Baumart anregt.

    Was sagt ihr dazu? Eure Meinung ist gefragt! Wir freuen uns auf eure Kommentare!

    Bis bald! Franka
     

Kommentare

6 Kommentare
  • Gluehwuermchen
    Gluehwuermchen Total spannender Bericht :) Mit dem Holz sehe ich das ähnlich wie Uli. Eigentlich wäre es sinnvoll, dieses Holz an Stellen zu geben, wo es gebraucht wird, denn verbrennen ist meiner Meinung nach totale Verschwendung. Aber solange nicht jeder den Natursch...  mehr
    15. September 2010
  • Morgan
    Morgan spannend...ich möchte zwar nicht allzu dumm scheinen,aber wo wird das holz verbrannt?Eher nicht im Wald,oder?(nur aus reiner Neugier...)
    15. September 2010
  • Johannes11
    Johannes11 Das Holz, das im Wald illegal geschlagen wird und von den WWF-Rangern gefunden wird, wird überhaupt nicht verbrannt (wäre viel zu gefährlich), sondern verrottet mit der Zeit einfach... Gruß aus Sibirien - Johannes
    17. September 2010
  • Gluehwuermchen
    Gluehwuermchen Uuups, ich habe es beim ersten Lesen irgendwie falsch verstanden. Es ist ja das Elfenbein gemeint, das verbrannt wird. Sorry ^_^ Finde ich gut, dass das Holz nicht verbrannt wird, obwohl verrotten ja auch nicht viel besser ist. Aber es ist echt schwierig....  mehr
    17. September 2010