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Unser Boden - was ist das eigentlich?

  • Mal ist er rostrot, mal schwefelgelb und manchmal auch pechschwarz. Er ist grob oder fein, nass oder trocken. Wir haben ihn jeden Tag unter unseren Füßen. Aus ihm wächst unser Getreide, auf ihm weiden unsere Tiere. Er ist Speicher von Wasser und lebenswichtigen Nährstoffen. Und auch wenn wir ihn manchmal nicht sehen können - nach ein bisschen schaufeln und buddeln kommt er doch wieder in unser Blickfeld - der Boden.

    Wir kennen ihn als Schlick, Sand, Ton oder Erde. Je nach Beschaffenheit und Feuchtigkeitsgrad wachsen aus ihm Kakteen oder Gänseblümchen, Farne oder Sumpfdotterblumen. Diese Vielfalt macht es schwer das Wort "Boden" präzise zu definieren. In Büchern findet man zum Beispiel Sätze wie "Boden ist die belebte, oberste Verwitterungsschicht der Erdkruste, entstanden unter dem Einfluss von Klima und Lebewesen" oder "Boden ist das mit Wasser, Luft und Lebewesen durchsetzte, unter dem Einfluss der Umweltfaktoren (insbesondere Klima) an der Erdoberfläche entstandene und im Laufe der Zeit sich weiterentwickelnde Umwandlungsprodukt mineralischer und organischer Substanzen, mit einer eigenen morphologischen Organisation, das in der Lage ist, Landpflanzen als Standort zu dienen". Die zweite und viel längere Definition macht deutlich, wie vielseitig der Boden sein kann. Die Körnung, der Feuchtigkeitsgrad, der Nährstoffgehalt und auch die Bestandteile machen jeden Boden zu einem einzigartigen Material. Die verschiedenen Kombinationsmöglichkeiten der unzähligen Eigenschaften bringen eine Vielzahl an Lebewesen hervor, die alle auf ihre individuelle Grundlage angewiesen sind.

    Ein Boden hat sowohl physikalische als auch chemische Eigenschaften. Farbe, Struktur und Feuchtigkeitsgehalt werden zu den physikalischen Merkmalen gezählt. Für die Farben sind zum Beispiel Humus (schwarze Färbung), Eisenoxide (gelblich-braune bis rote Färbung), Calcium und Magnesium (weißliche bis gräuliche Färbung) verantwortlich.

    Eine andere physikalische Eigenschaft ist die Bodenkörnung. Die Körner, die den Boden bilden, werden in drei Kategorien eingeteilt - Sand, Schluff und Ton. Sandkörner haben eine Größe von 0,063 bis höchstens 2,0 Millimetern. Schluff hingegen nimmt Größen zwischen 0,002 und 0,063 mm an. Die feinste Bodenstruktur ist der Ton. Seine Partikel sind kleiner als 0,002 mm. Reibt man Sand zwischen den Fingern, so nimmt man eine körnige Struktur wahr. Schluff fühlt sich ein wenig an wie Mehl. Ton ist schmierig. Eine der wichtigsten Eigenschaften von Ton ist das Wasserspeicherungsvermögen. Im Allgemeinen gehört das Wasserhaltevermögen von Böden zu den entscheidensten Eigenschaften, die darüber bestimmen, wer in und auf ihm leben kann.

    In einem Bodenprofil unterscheidet man fünf Horizonte, wobei die Horizonte die einzelnen Schichten des Bodens darstellen. Hierzu gehören die L, O, A, B und C Schicht.

    L-Schicht: Streuschicht mit unzersetztem Material, wie Blättern, oder Gras.

    O-Schicht: Diese Schicht wurde bereits von Organismen bearbeitet und besteht aus verrottenden Pflanzenteilen, Moosen und Flechten. Sie ist also eine organische Schicht.

    A-Schicht: Sie besteht aus verwittertem mineralischem Material des Ausgangsgesteins und wird auch als Oberboden bezeichnet. In dieser Schicht sammelt sich auch organisches Material, der Humus, der für die typische schwarze Färbung dieses Horizonts verantwortlich ist.

    B-Schicht: Der B-Horizont ist der Unterboden, der weniger organisches Material als der Oberboden enthält. Für gewöhnlich zeigt er auch eine dickere Struktur als die A-Schicht.

    C-Schicht: Sie besteht im Wesentlichen aus dem Ausgangsgestein.

    Für die Produktivität eines Bodens sind die austauschbaren Ionen, wie Kalium, Calcium, Wasserstoff und Magnesium sehr wichtig. Je größer der sattfindende Austausch, desto größer ist die Produktivität, also der Nährgehalt eines Bodens. Man spricht auch von Ionenaustauschkapazität.

    Unsere Böden sind einzigartig. Jeder von ihnen bringt seine ganz eigenen Eigenschaften mit, die Einfluss auf das Leben an der Oberfläche haben und ihr Aussehen bestimmen. Ob Magerrasen, Kalkrasen oder Trockenrasen - jeder dieser Teppiche hat seine individuellen Bewohner. Umgekehrt kann man von den wachsenden Pflanzen Rückschlüsse auf die Beschaffenheit des Bodens ziehen.

    Was die Biodiversität angeht, sind unsere Böden also die eigentlichen Künstler. Ohne sie wäre das heutige Spektrum an Artenreichtum nicht möglich. Der Boden hat also nicht nur bildlich, sondern auch wahrhaftig den Weg der Evolution geebnet. Was noch folgt bleibt ihm überlassen. Und wir, die Zuschauer, dürfen uns immer wieder auf's Neue beeindrucken lassen.

     

     

    Quellen: "Ökologie - Smith und Smith", Titelbild und letztes Bild von Janine Koch, Abbildungen und Bild mit Schichten im Boden aus "Smith und Smith - Ökologie".

Kommentare

1 Kommentar
  • midori
    midori Böden! Ganz ganz schlimme Erinnerungen an die Geographiestunden der Oberstufe und an die Abiturprüfung! :D Aber hast es wirklich sehr schön geschrieben! ;o) Stimmt sogar alles! ;o) Und die Bilder sind hübsch! 1 mit Sternchen! ***
    ;o)
    12. September 2010