Berichte

Ein Jahr wie kein anderes - FÖJ mit der WWF Jugend

  • „`Ich will niemals einen Schreibtischjob.` Hast du bestimmt auch schon mal gesagt? Die Angst vor dem ewig langweiligen Alltag. Ich habe mein FÖJ und meinen Schreibtisch beim WWF geliebt. Es gab viel Abwechslung und „Außeneinsätze".

    Für eine Aktion gegen Lebensmittelverschwendung durfte ich zum Kirschen pflücken fahren.
    Raus aus der Stadt. Ein Feld mit Kirschbaumallee so weit das Auge reicht.
    Niemand will die Kirschen. Die hängen da einfach so.
    Gemeinsam mit einer Schulklasse heißt es jetzt: pflücken, pflücken, pflücken und essen!
    So viel wie geht.
    Unsere Eimer sind voll. Den Bäumen sieht man es kaum an.

    Zwei Tage später findet die Aktion am Eingang zum Hauptbahnhof Berlin statt. Mit geretteten Lebensmitteln wollen wir 5000 Menschen verköstigen. Wer kocht? Wam Kat, eh klar. Und hunderte Hände helfen mit!
    Schälen, Schnippeln, Kochen, Würzen, Servieren, Abwaschen.

    Ich laufe im Hauptbahnhof rum und lade Menschen zu unserem Essen ein.
    Überrascht, manchmal misstrauisch, meist interessiert begegnen sie mir. Besonders schön war für mich, dass meine Tante und mein Onkel an dem Tag in Berlin waren. Bevor sie zurückfahren, speisen sie noch an unserer Tafel.
    Aus unseren Kirschen wird Marmelade vor Ort gekocht. Die gibts dann noch die ganze Woche, wenn wir wieder am Schreibtisch sitzen.“

    - Cosima, FÖJlerin im WWF Bildungsteam, 2015/16

    Wir feiern 10 Jahre WWF Jugend – und blicken daher auch auf inzwischen 9 Jahre FÖJ beim WWF zurück. Ein wichtiger Bestandteil der WWF Jugend waren immer die FÖJler*innen im WWF Büro in Berlin. 2011/12 waren Lisa und Katharina die ersten FÖJlerinnen beim WWF. Gearbeitet haben die beiden im Kampagnen- und Bildungsteam, erst später hat dann das Kinder- und Jugendteam auch FÖJties bekommen. Die Konzeption dieser FÖJ Stellen hat sich also in den letzten Jahren immer wieder geändert. Aktuell gibt es drei FÖJ Stellen im Berliner Büro:
    1.    FÖJ im Bildungsteam
    2.    FÖJ im Kinder- und Jugendteam mit Fokus auf WWF Junior sowie dem Campbereich
    3.    FÖJ im Kinder- und Jugendteam mit Fokus auf der WWF Jugend

    Aber ich will in diesem Artikel nicht das FÖJ erklären und trockene Werbung machen. Die groben Aufgabenbereiche, Konditionen und Möglichkeit, sich zu bewerben, findet ihr auf der Seite der Stiftung Naturschutz. Ich will diesen Bericht nutzen, um diese pure Aufgabenbeschreibung um das zu erweitern, was das FÖJ eigentlich ausmacht. Dazu werdet ihr die Gedanken und Geschichten einiger FÖJlerinnen lesen. Ihre Erzählungen werden Werbung genug sein.

    Formal bedeutet FÖJ: „Freiwilliges Ökologisches Jahr“, 39h die Woche, 26 Urlaubstage, 480€ monatliches Taschengeld, 4 Seminarwochen und -tage mit FÖJler*innen anderer Einsatzstellen. Aber eigentlich bedeutet FÖJ: Selbstständigkeit, die Dir in der Schule niemand beibringen kann; Engagement, das Dir die Augen öffnet; Freundschaften, die Dich noch lange, lange begleiten werden; Erfahrung, die unbezahlbar ist. Und oben drauf `ne große Kanne Spaß. Und FÖJ beim WWF bedeutet nicht nur, seinen eigenen Horizont zu erweitern, sondern auch andere zu begeistern - doppelt sinnvoll!

    Das beweist uns Senya, FÖJlerin der WWF Jugend 2016/17, indem sie mir ganz spontan aus Frankreich einen O-Ton für diesen Artikel schickt und ihre bedeutsamsten Momente des FÖJs so zusammenfasst: “Ich habe durch das FÖJ ein Festival organisiert, eine Rede vor 50.000 Demonstrierenden gehalten, eine Freundin für's Leben gefunden...“

    (c) Björn Obmann / BUNDjugend Berlin // Senya auf der Bühne der TTIP-Demo 2017 in Berlin

    Unsere aktuelle FÖJlerin des Bildungsteams Matilda schreibt:

    „Als ich mein FÖJ anfing, kam ich frisch aus der Schule. Meine ganzen Jahre davor habe ich mich immer mit den gleichen Lehrer*innen und Schüler*innen umgeben. Natürlich auch dort tolle Erfahrungen gesammelt und doch hat mein Herz nach etwas anderem als Schule und Uni geschrien.

    Und dann kam ich hier an beim WWF. Ich wurde von meinem Team sehr herzlich aufgenommen und gleich wie eine Kollegin behandelt. In der Schule hatte ich immer das Gefühl nicht auf der gleichen Ebene mit Lehrer*innen zu stehen und nur nach meiner Leistung gesehen zu werden. Diese Gefühle gab es nicht einen Augenblick beim WWF.

    Es gibt nicht den einen schönsten Moment. Ich danke einfach allen Menschen, die ich kennenlernen durfte. Sie sind es, die mein FÖJ beim WWF so wunderschön machen. Sie begleiten mich nun 6 Monate und ich habe so viel Neues gelernt. Von Naturverbindung zu Exceltabellen. Ich denke auch bis zum Ende des FÖJ werden mich immer die Ansichten, Lebensweisen und Perspektiven auf das Leben der Menschen hier begeistern. Ganz besonderer Dank und Liebe geht dabei natürlich an das Bildungsteam! <3"

    (c) WWF // Unsere aktuellen FÖJties Vivi, Marlene und Matilda.

    Nina hat letztes Jahr ihr FÖJ im Kinder- und Jugendteam gemacht und schreibt darüber:

    „Wenn ich an meine FÖJ- Zeit beim WWF zurückdenke, fallen mir sofort die Mittagessen im Büro mit den KollegInnen ein. Im Sommer draußen im Gras auf der Picknickdecke, im Winter drinnen am runden Tisch oder oben in der großen Küche. Zwar immer in verschiedenen Konstellationen, aber nie alleine. An Themen hat es uns auf jeden Fall nie gefehlt: über Haushalt (#Handstaubsauger), Hunde und Hochzeiten, zu Festivals, Fridays-For-Future, Freizeit und Frida (Luises Hund) war jedes erdenkliche Thema dabei. Das ist das Schöne am gemeinsamen Essen; es verbindet.

    FÖJ bedeutet für mich mit vielen (neuen) Menschen über viele (neue) Themen diskutieren. In Austausch zu kommen und dabei, manchmal ganz bewusst, aber häufig auch unbewusst neue Dinge zu lernen und den eigenen Horizont zu erweitern.“

    (c) David Schülke / WWF // Nina, Anne, Pia, Sina und Ich beim Treffen des Redaktions-/Aktionsteam im Frühjahr 2019

    Lea, FÖJlerin des gleichen Jahrgangs im Bildungsteam, schreibt:

    „Mein FÖJ 2018/19 war voller schöner und toller Momente, an die ich mich gerne erinnere. Zwischen Büroalltag und Meetings gab es viele schöne Momente, an die ich mich gerne erinnere, zwei davon möchte ich mit euch teilen.

    Im Bildungsteam habe ich den 2°Campus mit betreut und nachdem wir alle Bewerbungen gesichtet haben, die Jury die 20 Teilnehmenden ausgesucht hat und der erste Block fertig geplant war, kam der Moment als die 20 Teilnehmenden durch die Tür kamen und ich die Menschen zu den Namen, die ich bisher nur aus unseren Tabellen und den Bewerbungen kannte, kennenlernen durfte.

    Außerdem erinnere ich mich gern an die Mittagspausen im Frühling und Sommer, die ich gemeinsam mit meinem Team und oft auch leckerem Kuchen oder Eis im Park verbracht habe. Die Entspannung, die netten Gespräche und die Sonne waren immer eine schöne Abwechslung zur Arbeit am Computer.“

    (c) Paul Hahn / WWF // Nina und Lea (2. und 3. von links) auf der Klima-Kohle-Demo 2018 in Berlin

    Katharina, allererste FÖJ-Generation beim WWF, schreibt über eine besonders schöne Erinnerung, die auch nach vielen Jahren immer noch nicht verblasst ist:

    "Gedämmtes Licht, Kerzenschein und ein Hauch von Spekulatiusgewürz durchflutet das kleine Büro. Das ganze Bildungs-Team sitzt geimansam zu Tisch. Jeder hat für die Bescherung eine Kleinigkeit vorbereitet: Ob Gedicht oder Geschichte. Ja, es gibt sogar ein Ständchen auf der Gitarre. Es wird gelacht und geplauscht. Alle sind willkommen, auch Lisa und ich als FÖJler. Es fühlt sich fast an wie Weihnachten zu Hause. Auch im Kampagnen-Team gibt es eine kleine Feier. Es wird gewichtelt. Drei Tage die Woche verbrachte ich in diesem Team, zwei in der Bildung. Abwechslung pur. Am Ende des FÖJ gab es einen riesen Panda, der noch heute zu mein Hab und Gut gehört. Die 12 Monate waren eine super schöne Zeit, an die ich gerne zurück denke und nicht mehr missen möchte."

    (c) WWF // Katharina bei einer WWF Aktion

    Ich (Lena) habe gemeinsam mit Nina und Lea letztes Jahr mein FÖJ gemacht. In der Inspirationssuche zu diesem Artikel bin ich auf meinen FÖJ Abschlussbericht gestoßen, aus dem ich gerne einen Abschnitt mit euch teilen möchte:

    „Auf dieses Jahr blicke ich zurück und empfinde Freude und tiefe Dankbarkeit. Ich bin dankbar für die Reisen mit dem WWF, die mich an Orte wie den Hambacher Wald geführt haben, an denen Geschichte geschrieben wird. Ich bin dankbar für die Reisen mit dem FÖJ, die mir die Schönheit der Uckermark und die Komplexität Brüssels gezeigt haben. Ich bin dankbar für die Aufgaben, die mich Leidenschaften und Qualitäten haben entdecken lassen. Ich bin den Menschen dankbar, die ich in den letzten 12 Monaten kennen und lieben lernen durfte. 12 Monate von so interessanten, so schönen, so humorvollen und so wertschätzenden Menschen umgeben zu sein, ist die Grundlage für alles, was ich aus diesem FÖJ mitnehme. Ihr habt mir mehr gezeigt, als ich überhaupt in der Lage bin, wahrzunehmen."

    (c) WWF // Ich, Marcel, Lea, Laura und Nina bei der WWF Weihnachtsfeier 2018

    Die Erinnerungen an unsere FÖJs sind alle individuell, dennoch werden sie von einem gemeinsamen Gefühl der Dankbarkeit durchzogen. Wir möchten uns bei allen bedanken, die das FÖJ über die letzten Jahre möglich gemacht und so liebevoll begleitet haben! Auf hoffentlich noch ganz viele Generationen FÖJties beim WWF!

    (c) Paul Hahn / WWF // Sophia, Sabine und Luise bei der Klima-Kohle-Demo im Dezember 2018

    Letztes Frühjahr ist die WWF Jugend 10 Jahre alt geworden. Unser Jubiläumsjahr begleiten wir mit einer Berichtereihe. Lea hat uns schon von der Gründung der WWF Jugend berichtet: im Interview mit Community Manager und Herz der WWF Jugend Marcel (Teil 1) und im Interview mit Aktionsteamerin, Redakteurin und Urgestein der WWF Jugend Anne (Teil 2). Anne selber hat uns dann in diesem Bericht die Geschichte des Aktionsteams erzählt. Und eine ganz persönliche Geschichte, nämlich die von Aktionsteamer Tobi, könnt ihr hier nachlesen.

    Titelbild: (c) Peter Jelinek / WWF (bearbeitet)

Kommentare

5 Kommentare
  • Marcel
    Marcel Oh, was für ein schöner Bericht, liebe Lena. Total schön, eure vielen Stimmen zu lesen, und was das Jahr euch bedeutet hat. Für uns im WWF seid ihr FÖJis immer eine Riesenbereicherung, mit eurer großartigen Unterstützung, euren kreativen Ideen und...  mehr
    3. März - 1 gefällt das
  • Sunlight
    Sunlight Auch von mir noch ein herzliches Dankeschön für die tollen Einblicke! das klingt nach soo einzigartigen Erfahrungen... und ich fand es total schön, seit dem ersten Jahrgang Euch allen kennenlernen zu dürfen!
    7. März - 2 gefällt das
  • Ivonne
    Ivonne Oh, da geht mir ja das Herz auf! Danke für den schönen Bericht! Ich finde es jedes Jahr eine Bereicherung mit euch FÖJties zusammenzuarbeiten. Vor 18 Jahren (OMG!) habe ich selbst ein FÖJ bei der NAJU Brandenburg gemacht und erinnere mich auch heute...  mehr
    9. März - 2 gefällt das
  • Luise
    Luise Was für ein sooooo schöner Bericht! Dankeschön fürs Teilen und Herz öffnen. Ich denke so gerne an alle Jahre zurück, die mit allen FÖJties und DIR und Nina verbringen durfte.
    10. März - 1 gefällt das