Berichte

Türchen 2

  • Unser Weihnachtsmann im Titelbild setzt sich ganz klar für eine lebenswerte Zukunft ein. Das ist gar nicht so unwahrscheinlich, denn sämtliche Darstellungen des Weihnachtsmannes, die es jemals gab, haben eins gemein: Der Weihnachtsmann ist ein gutmütiger und liebender Mensch. Außerdem ist er Christ, also sollte er auch aus dieser Perspektive für Nächstenliebe sein.

    Deswegen möchte ich euch in diesem zweiten Adventskalendertürchen die Geschichte des Weihnachtsmannes erzählen. Wer hat ihn erfunden? Wer diente als Vorbild? Was ist eigentlich mit Mrs. Santa? Und was hat Coca-Cola mit alldem zu tun?

    Bild von Jill Wellington auf Pixaby

    Der Mythos des Weihnachtsmannes geht im Grunde auf den heiligen Nikolaus zurück, der im 4. Jahrhundert Bischof von Myra war und am 6. Dezember gestorben sein soll. Aus seinen Legenden entwickelte sich die Nikolaus-Tradition, nach der er am 6. November in die Häuser kommt und die geputzten Schuhe der Kinder mit Leckereien befüllt.

    Niederländische Auswanderer brachten den Sankt-Nikolaus-Brauch mit nach Amerika. Dort wurde fortan am 5. Dezember das Sinterklaasfeest gefeiert. Sankt Nikolaus war auch der Schutzpatron von Nieuw Amsterdam, dem heutigen New York. Aus dem niederländischen Namen Sinterklaas wurde der englische Name Saint Nicholas oder Santa Claus. Mit der Zeit veränderte sich nicht nur sein Name, sondern die ganze Geschichte. 1823 wird der Weihnachtsmann in dem Gedicht „The Night before Christmas“ als rundlicher, freundlicher Elf mit einem langen weißen Bart und einer Pfeife im Mundwinkel beschrieben. Mit einem von Rentieren gezogenen Schlitten reist er durch die Nacht, stiegt durch den Kamin und verteilt die Geschenke.

    Im Schmelztiegel der Kulturen wurde die Geschichte von St. Nicholas schließlich so modifiziert, dass er nicht mehr in der Nacht vom 5. zum 6. in die Häuser kommt und Geschenke verteilt, sondern erst in der Nacht vom 24. zum 25, seinem Namenstag. Über die USA verbreitete sich der St. Nicholas Mythos wieder nach Europa. Selbst in den Niederlanden tritt Sinterklaas heutzutage in Konkurrenz zu sich selbst auf als Kerstman (= Weihnachtsmann). Im deutschsprachigen Raum wurde die Geschichte des Weihnachtsmannes erst richtig mit dem Schriftsteller Hoffmann von Fallersleben bekannt, der 1835 das Lied "Morgen kommt der Weihnachtsmann" schrieb.

    Das Erscheinungsbild des Weihnachtsmannes – ein alter, freundlicher Mann mit dem grauen Bart und dem roten Mantel – geht auf den deutschen Auswanderer Thomas Nast zurück, der im Jahr 1846 nach New York ausgewanderte und in den USA als Karikaturist bekannt wurde. Er erfand auch das Dollarzeichen und machte die Figur „Uncle Sam“ bekannt.

    Weihnachten 1863 zeichnete er während des Amerikanischen Bürgerkrieges für das Magazin Harper's Weekly einen alten, bärtigen Mann, der vom Schlitten herab die Soldaten der Unions-Truppen beschenkt. Nasts Vorstellung vom Weihnachtsmann ging auf den pfälzischen „Belzenickel“ zurück, eine regionale, Pelz-tragende Weihnachtsmannfigur aus dem 19. Jahrhundert, die er noch aus Kindheitstagen kannte. Dieses Bild verband er mit den patriotischen Klamotten einer Streifenhose und Sternenjacke. Als er bei späteren Zeichnungen dazu aufgefordert wurde, Farbe zu nutzen, wählte er rot und weiß – nach dem Vorbild der roten Bischofsrobe von St. Nicholas.

    Quelle: Von Thomas Nast - Son of the South, Bild-PD-alt, https://de.wikipedia.org/w/index.php?curid=8623663

    Die typischen Farben stammen also wie so oft behauptet gar nicht von Coca-Cola. Dennoch hat der Konzern maßgeblich zur Verbeitung unseres modernen Bildes vom Weihnachtsmann beigetragen. 1920 benutzte der Konzern erstmals Santa Claus in einer Weihnachtswerbung. Damals sah er noch eher streng aus. Sein Nachfolger von 1930 ähnelt zwar eher unserem heutigen Weihnachtsmann, schaffte aber den Durchbruch noch nicht.

    Die heute bekannte Figur des Coca-Cola Santa Claus gibt es seit 1931. Der Cartoonist Haddon Sundblom entwarf den freundlichen Gesichtsausdruck und den weißen Bart und übernahm für seine Kleidung natürlich die Coca-Cola Farben Rot und Weiß. Eigenen Angaben zufolge hat er den Weihnachtsmann dem Aussehen seines Freundes und älteren Coca-Cola Auslieferungsfahrers Lou Prentiss nachempfunden. Nach dessen Tod soll Sundblom sein eigenes Spiegelbild als Vorbild genommen haben. Als er bei einer Zeichnung daher den Gürtel spiegelverkehrt zeichnet, erreichen viele Beschwerde-Briefe den Coca-Cola Konzern. Genauso wie als Sunndblom vergisst, Santas Ehering zu zeichnen und sich in vielen Briefen besorgt nach Mrs. Santa erkundet wird.

    Bild von Alexas_Fotos auf Pixaby

    Bis 1964 zeichnete Sundblom jedes Jahr mindestens einen Weihnachtsmann für die Coca-Cola-Werbung und prägte so nachhaltig die Vorstellung unseres Weihnachtsmannes. Und die Bilder sind auch ein historisches Zeugnis der damaligen Zeit: 1964 zeichnet Sundblom den Weihnachtsmann wie er den Kindern die Bedienung eines Spielzeug-Helikopters erklärt - ein technisches Novum zu der Zeit.

    In dieser Fotostrecke von SPIEGEL ONLINE könnt ihr die Geschichte des Weihnachtsmannes nachverfolgen - vom Bischof zur Werbefigur.

    2. Neujahrsvorsatz: Hinterfrag Alltägliches. Irgendwann wurde mir mal erzählt, Coca-Cola habe den Weihnachtsmann erfunden. Und das hab ich geglaubt. Fortan glaubte ich zwar nicht mehr an den Weihnachtsmann-Mythos, aber an den Coca-Cola Mythos, der nur bestätigt, dass Weihnachten ein durch und durch kommerzielles Fest ist und Bräuche geschaffen werden, um unseren Konsum anzukurbeln. Mit der Recherche zu diesem Bericht habe ich erst entdeckt, dass hinter dem Weihnachtsmann kein Konzern steckt, sondern eine lange, lange Geschichte, die sich wie alle Geschichten im Laufe der Zeit verändert hat. Für mich gewinnt dieses Fest dadurch ein Stück Romantik zurück. Glaub also nicht alles, was man dir erzählt!

    Wenn ihr den ersten Bericht unseres Adventskalenders verpasst habt, könnt ihr ihn hier lesen und euch einen Überblick verschaffen, was im Jahr 2019 so passiert ist.

Kommentare

3 Kommentare
  • Marcel
    Marcel Wow, das hab ich alles nicht gewusst. Danke für die spannende Geschichte. Und der Liedtext ist ja echt ein bisschen gruselig - die Vorstellung, was gutes Spielzeug ist, hat sich auch im Lauf der Zeit verändert...
    Mo. um 11:28
  • Luise
    Luise Dankeschön für dieses Türchen! Ich habe ganz aufgeregt Zeile für Zeile gelesen, was ich alles noch nicht wusste! Und es stimmt, so gewinne auch ich ein Stück Weihnachtsromantik zurück
    Mo. um 12:42 - 1 gefällt das
  • SaraesaH
    SaraesaH Was für ein schönes Türchen, danke dir für die gründliche Recherche und den Gedankenanstoß dazu, wieder mehr zu hinterfragen! :-)
    Mo. um 14:29 - 1 gefällt das