Berichte

Tipp der Woche: Durch Fasten zur Nachhaltigkeit

  • Wir wollen die Welt verändern und fangen deshalb bei uns selbst an. Bewusst zu konsumieren und sich den Auswirkungen des eigenen Konsumverhaltens klar zu sein, passieren nicht von einem Tag auf den anderen. Wichtig zu wissen ist aber, dass jede Salami, die ich kaufe, jedes Stück Alufolie, das ich wegschmeiße und jedes Flugzeug, in dem ich sitze, seine Spuren in dieser Welt hinterlässt.

    © WWF

    Wir leben im Überfluss. Nicht ohne Grund sind die ersten zwei Punkte der Leitlinien für Zero Waste Refuse und Reduce. Häufig wird uns gar nicht bewusst, was wir alles nicht brauchen. Eine Zeitspanne festzulegen, in der man bewusst auf etwas verzichtet, hilft deshalb vielen, das eigene Konsumverhalten nachhaltig zu verändern.

    Die Idee des Fastens entstand in der Religion. Das deutsche Wort leitet sich vom althochdeutschen fastēn ab, das so viel bedeutet wie „(an den Geboten der Enthaltsamkeit) festhalten“. Buddhismus, Islam, Christentum, Judentum – so unterschiedlich die Glaubensrichtungen auch sind, sie alle haben Elemente des Fastens, in ganz unterschiedlichen Formen: zu bestimmten Jahreszeiten, für festgelegte Zeitabschnitte, als Kollektiv oder auf`s Individuum zugeschnitten, mit dem völligen Verzicht auf Nahrungsmittel oder dem teilweisen Verzicht auf Fleisch, Alkohol oder Sexualität etc..

    Doch wie gestaltet sich die Fastenzeit konkret im Glauben?

    Buddhismus

    Buddha suchte den Weg der Mitte. Sowohl Völlerei als auch Hunger sollte man meiden. Wenig essen erleichtert aber die Meditation auf dem Weg zum inneren Frieden und der Erleuchtung. Deshalb verzichten auch buddhistische Mönche und Nonnen täglich nach zwölf Uhr mittags auf jegliche Nahrung.

    Islam

    Im Islam gibt es einen eigenen Fastenmonat, den Ramadan, den neunten Monat des islamischen Mondjahres. Zwischen Anfang Mai und Anfang Juni in der Zeit zwischen Sonnenauf- und Sonnenuntergang dürfen Gläubige nicht essen, trinken, rauchen oder Sex haben. Die Seele werde somit gereinigt. Dadurch, dass  das abendliche Fastenbrechen in größeren Gruppen stattfindet, soll nicht nur die Beziehung zu Gott, sondern auch zu den Mitmenschen gefestigt werden. Dieses Prinzip geht darauf zurück, dass es in der Erzählung heißt, Mohammed fastete, bevor ihm der Koran offenbart wurde.

    Judentum

    Im Judentum ist Jom Kippur der große Fastentag. An diesem Tag dürfen die Gläubigen weder essen, noch trinken oder rauchen. Man wäscht sich nicht, ist sexuell enthaltsam und geht nicht zur Arbeit, denn alle zuvor begangenen Sünden sollen an diesem Tag gesühnt werden. Darüber hinaus gibt es weitere Fastentage, an denen die Juden traurigen Ereignissen der jüdischen Geschichte gedenken. Einige Gläubige fasten auch am Vorabend des monatlichen Neumonds, am eigenen Hochzeitstag oder am Todestag der Eltern. Denn auch Moses hat sich dem Verzicht verschrieben. Er soll auf den Berg Sinai gestiegen sein und 40 Tage gefastet haben, bevor er Gottes Wort empfing.

    Christentum

    Auch Jesus habe 40 Tage gefastet, und zwar alleine in der Wüste. Viele Christen fasten heute noch mit dem Ziel, sich neu zu besinnen und Gottes Nähe zu suchen. Jeder Gläubige kann für sich selbst entscheiden, wie er die Fastenzeit gestalten will. Hauptsache, die Menschen nutzen die Zeit, um ihren Lebensstil zu überdenken und neue Perspektiven zu finden. Die christliche Fastenzeit dauert von Aschermittwoch bis Ostern, sprich: Sie beginnt in fünf Tagen.

     Das Heiligtum von Nuestra Señora del Rocío, an der Grenze des Nationalparks Doñana, Andalusien © Diego López / WWF

    Fasten hat längst nicht mehr rein religiöse Gründe. Seit langem werden auch therapeutische Formen des Fastens praktiziert, z.B. um Trauer zu überwinden. Auch der Hungerstreik als Form des politischen Protestes spielt in der Geschichte eine nicht unbedeutende Rolle. Und natürlich beruhen auch die meisten Diäten auf Abstinenz gewisser Nahrungsmittel.

    Viele Umweltverbände rufen zum alljährlichen Klimafasten auf. Für sieben Wochen sollen die Gewohnheiten überdacht und eine neue Lebensweise ausprobiert werden. Ziel ist es hierbei natürlich, den ökologischen Fußabdruck zu verringern.

    Somit ist ein Fasten in ganz verschiedenen Bereichen möglich, z.B. in der Ernährung. Du wolltest schon immer mal ausprobieren, auf tierische Produkte zu verzichten? Jetzt ist die Zeit dafür! Möchtest Du herausfinden, was mit deinem Körper passiert, wenn Du sieben Wochen lang auf Zucker verzichtest? Leg los! Interessiert es Dich, wie schwer es tatsächlich ist, sich vollkommen saisonal und regional zu ernähren? Wann, wenn nicht jetzt!

    Im Junior Camp 2016 © Friedemann Goral

    Du kannst das Klimafasten natürlich auch nutzen, um Deinen Beitrag dazu zu leisten, die Emissionen des Verkehrssektors (der für 1/5 der gesamten Emissionen in Deutschland verantwortlich ist), zu senken. Setz Dir z.B. das Ziel, 50 % Deiner Wege durch die Stadt zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurückzulegen. Oder schaffst Du sogar 100 %? Hier kannst Du nachlesen, wie klimafreundlicher Verkehr in Deutschland ausehen kann.

    © Laurence Garon

    Wenn Dich aber der Müll stört, der tagtäglich anfällt, probiere doch mal, kaum oder keinen Plastikmüll zu produzieren, so wie wir es auch im Plastic Free July gemacht haben. Eine ähnliche Challenge haben wir uns im Rahmen des Plastic Free July gestellt. Die Erfahrungsberichte bereiten Dich vielleicht auf Deine Plastik-Fasten-Zeit vor. Schau doch mal in Teil 1 und Teil 2 des Erfahrungsberichtes von Sarah vorbei.

    Kein unnötiger Plastikmüll im Badezimmer © Sarah K.

    Viele Gewohnheiten lassen sich in der Fastenzeit umstellen. Wie wäre es z.B. mit einer sportlichen Challenge? Probiere z.B. in den sieben Wochen sieben neue Sportarten aus. Und passend dazu: Setzte Dir das Ziel, jeden Tag drei Liter Wasser zu trinken.

    Und was hältst Du davon, die Zeit vor Fernseher, Smartphone oder Laptop zu reduzieren? Du kannst auch ein Maximum an Zeit festlegen, die Du täglich auf Social Media oder Netflix verbringen willst.

    Wenn Du neues ausprobieren willst, kannst Du ja auch sieben Wochen lang auf Deine Lieblingssongs verzichten. Höre nur Dir unbekannt Musik und entdecke deine neuen Lieblings-Alben.

    Probier`s doch auch mal mit Stress-Fasten. Entschleunige Deinen Alltag, indem Du Dich jeden Tag für 45 Minuten irgendwo hinsetzt und nichts tust.

    Auch Deine Sprachverwendung lässt sich verändern. Verzichte doch mal sieben Wochen lang auf Schimpfwörter oder das Wort „müssen“ und finde heraus, wie es sich auf Deine Laune ausübt.

    Souverän ist nicht, wer viel hat, sondern wenig braucht. - Niko Paech  © Andreas Hohl

    Werde kreativ und überleg Dir, worauf Du verzichten willst. Wir freuen uns auf Erfahrungsberichte und Anregungen. Auch die BUNDjugend ruft zum Klimafasten auf. Auf ihrem Blog findest Du Beiträge von Teilnehmer*innen, die ihre Erfahrungen, Erlebnisse und Tipps weitergeben. Schau mal rein.

    Hier kannst Du nachlesen, wie Ivonne in ihrer Fastenzeit 60kg CO2 einsparen konnte und warum z.B. der Verzicht auf Fleisch, einen solchen Einfluss auf das Klima haben.

Kommentare

7 Kommentare
  • SteffiFr
    SteffiFr danke für die tollen Anregungen. Ich wurde sogar von meinen Eltern vor ein paar Tagen auf das Klimafasten aufmerksam gemacht, und ihr Plan ist "kein Auto für Freizeitaktivitäten". Und auch weniger Fleisch.
    Im Rahmen des Klimafit-Kurses bin ich auch...  mehr
    1. März - 1 gefällt das
  • SteffiFr
    SteffiFr ;-)
    Durch die Aufgabe aus dem Kurs wurde ich aber angeregt, genauer zu schauen, wo denn meine Lebensmittel herkommen (ich habe bisher z.B. nicht so bewusst darauf geachtet, wo mein Getreide oder Nudeln herkommt, das ich im Unverpackt-Laden besorge, bei...  mehr
    1. März - 1 gefällt das
  • JohannaK
    JohannaK Danke für die Anregung! Ich finde vor allem den letzten Absatz mit einer “Habit-Challenge” spannend. Denn nur, wenn wir unsere Gewohnheiten und unser Bewusstsein langfristig ändern, dann können wir auch unseren ökologischen Fußabdruck ändern.
    2. März - 1 gefällt das
  • Ivonne
    Ivonne Vielen Dank für den tollen Artikel. Schön, dass ich mich dadurch an meinen Artikel mit den 60kg Co2 erinnert habe. Ich faste dieses Jahr natürlich auch wieder und ich werde dieses Jahr jeden Tag min. 20 min meditieren, also mich in Achtsamkeit üben....  mehr
    4. März