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Tipp der Woche: Weniger Technikschrott durch Sharing

  • „Für immer war gestern. Hier kommt Neuland für deinen Entdeckergeist.“
    „Klassisches Eigentum ist in der heutigen Welt eher ein veraltetes Konzept. Wahlfreiheit und die Switching Economy machen viel mehr Sinn!“
    „Unsere Lieblings-Grover-Gründe? Du sparst Zeit, Platz und Geld. Und der Planet freut sich.“

    Mit diesen Slogans werben Anbieter, die Technik Gadgets vermieten, anstatt sie zu verkaufen. Kunden können die Geräte für eine bestimmte Zeit ausleihen und sie nach Ablauf der Mietzeit einfach wiederzurückzusenden. Grover ist hierbei der größte Anbieter. Das Start Up Unternehmen brachte die Idee 2015 auf den Markt, damals noch unter den Namen BYEBUY. Inzwischen vermietet die Firma 400 verschiedene Konsumgüter – von Smartphones, über Tablets bis hin zu VR-Brillen. Zu Weihnachten wirbt Grover auch mit dem Angebot, künstliche Weihnachtsbäume inkl. Lichter zu vermieten.

    Grover funktioniert ganz einfach:
    Man sucht auf der Homepage nach dem Produkt und entscheidet sich für eine Mindestlaufzeit von einem, drei, sechs oder zwölf Monaten. Sobald das Produkt zum Kunden geliefert wird, startet die Miete. Eine Kaution braucht man nicht zu zahlen. Grover erwähnt auf der Homepage mehrmals, sie wollen, dass die Kunden die Leihprodukte behandeln als würden sie ihnen gehören. Man soll mit ihnen also nicht wie mit einer klassischen Leihgabe sehr vorsichtig umgehen, sondern sie z.B. auch mit in den Urlaub nehmen. Für Gebrauchspuren muss der Kunde nicht draufzahlen und die Reparaturkosten übernimmt die Firma zu 90%. Gegen Diebstahl oder Verlust sind die Kunden nicht abgesichert. Am Ende der Mietzeit schickt man das Produkt einfach kostenlos an Grover zurück. Man kann das Produkt nach Ablauf der Miete auch kaufen, dann ist es aber etwas teurer. Das ist quasi der Preis dafür, dass man das Gerät im Vorfeld testen konnte.

    via Grover

    Grover betont immer wieder, dass das Mieten von Technik-Gadgets deutlich umweltfreundlicher sei. Während eine Großzahl der zu kaufenden Produkte nur dem Käufer dienen, haben Grover-Produkte im Laufe ihres Lebens min. drei Besitzer und sind durchschnittlich 18 Monate im Umlauf, bevor sie verkauft oder verwertet werden. Leider existieren noch keine Statistiken darüber, ob das Angebot, Technik billig auszuprobieren, vielleicht eher dazu führt, dass sich mehr Menschen Technik kaufen.

    Die Produktion der meisten Technik-Geräte ist sehr umweltbelastend. In elektronischen Geräten sind seltene Erze wie Coltan verbaut. Zum einen sind beim Abbau die Arbeitsbedingungen katastrophal und zum anderen werden viele Lebensräume, wie der der Gorillas, zerstört. Unsere Smartphones z.B. bestehen aus Materialien, die sich schwer gewinnen lassen: Gold, Platinum, Silber, Kupfer, Aluminium, Graphit, Silikon und so weiter. Die Massenproduktion geht natürlich nicht spurlos an der Umwelt vorbei. Durch einen hohen Kohlenstoffdioxidausstoß und die Verwendung von Erdöl, das zur Produktion von Plastik benötigt wird, ist der Preis, den die Umwelt zahlt, nicht gerade klein. Auch nach dem Gebrauch der Smartphones tun sich ökologische Probleme auf. Ein Smartphone besteht aus etwa 62 verschiedenen Materialien. So einen Misch-Masch zu recyceln, ist sehr schwer. Grover schreibt auf der Internet-Seite, keines ihrer Geräte lande im Müll.

    Das Unternehmen wirbt damit, dass sie Teil des anzustrebenden Kreislaufsystems sind. „Die Circular Economy steht für eine Zukunft, in der Müll nie zu Abfall wird und in der alle Ressourcen optimal genutzt und wiederverwertet werden – und zwar in einem sich wiederholenden Kreislauf. Auf diese Weise können Produkte und Materialien nicht verschwendet werden und nichts wird jemals völlig nutzlos.“. Auch ansonsten tut Grover viel in einen sozial-ökologische Richtung. Bei den Firmenveranstaltungen wird veganes Essen serviert, es finden Extra-Aktionen zum Pride Month statt und Grover unterstützt Lilipad, eine Organisation, die Kinder aus ärmeren Familien ermöglicht, Bücher zu lesen.

    Natürlich will sich Grover wie jede Firma verkaufen und wirbt wie jeder Technik-Anbieter mit verlockenden Preisen. So wirbt die Internetseite z.B. auch mit Technik-Horoskopen die dir sagen, welche Produkte du laut deinem Sternzeichen kaufen solltest. In diesem Blog-Eintrag nennt Grover drei Gründe, warum es keinen Sinn mehr macht, ein Smartphone zu besitzen. Hierbei sind Preis, Umweltfreundlichkeit und Flexibilität ausschlaggebend. Die Geschäftsidee des Unternehmens basiert auf dem Gedanken, dass Menschen gar nicht besitzen, sondern eindach nutzen wollen.

    Der Gründer von Grover, Michael Cassau, schreibt:
    “Menschen geben Geld für Dinge aus, die ihnen einen Wert stiften. Bei uns geht es um Erfahrungen – denn ein Tech-Produkt hat keinen Statuswert mehr. Das kann die Erfahrung sein, die neue Oculus Rift oder GoPro-Kamera auszuprobieren – oder in einem guten Restaurant Essen zu gehen.”

    Seit kurzem besteht nun auch eine Kooperation zwischen Grover und Media Markt Berlin und Hamburg. Bevor man sich nun entscheidet, ein Gerät zu mieten, kann man es vorher in einem der Läden nochmal in der Hand halten und sich von den Mitarbeitern beraten lassen und das Gerät direkt im Geschäft mieten. Dem Geldbeutel und der Umwelt bleiben somit die Lieferungskosten erspart.

    via Grover

    Was ein jeder aus diesem Angebot macht, ist die eigene Entscheidung. Letztlich ist es nur eine Chance, Produkte auszuprobieren, bevor man sich dazu entscheidet, sie zu kaufen. Und wenn man die teure Kamera eigentlich nicht braucht, sich nur mal in diesem einen Urlaub fotografisch austoben will, sind Miet-Produkte eine mögliche Alternative.

    Hier findet ihr ein Interview mit dem CEO und Gründer von Grover.

    Was haltet ihr von diesen Angeboten? Habt ihr das schonmal ausprobiert? Und was waren eure Erfahrungen?

    Schreibt`s gerne mal in die Kommentare.

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