Berichte

"Make earth cool again!" Pioneers of Change Jugendcamp - Teil 2

  • Die Teilnehmer des Jugendcamps 2019

    Willkommen zum Zweiten Teil meines Berichts über das Pioneers of Change Jugendcamp!

    In Teil 1 habe ich über das WO geschrieben und dir den inspirierenden Ort LebensGut Miteinander vorgestellt.

    Heute werden wir uns anschauen, WER Pioneers of Change ist, WARUM es das Jugendcamp gibt, WAS wir dort alles erlebt haben und WIE wir unsere Vision umgesetzt haben.

    Über Pioneers of Change

    Pioneers of Change ist ein 2015 gegründeter gemeinnütziger Verein mit Schwerpunkt auf Bildung für Nachhaltige Entwicklung. Ziel ist es, Jugendliche und Erwachsene auf vielfältige Weise in ihrer Potentialentfaltung zu begleiten, sie bei ihren Projekten und zivilgesellschaftlichen Initiativen zu unterstützen und mit Gleichgesinnten im gesamten deutschsprachigen Raum zu vernetzen.

    Zu diesem Zweck veranstaltet Pioneers of Change regelmäßig Seminare und Workshops – so auch das Jugendcamp „Make Earth Cool Again!“, das darüber hinaus Teil der Youth 4 Energy Transition Initiative ist, welche Strategien zur Förderung der Dekarbonisierung des österreichischen Energiesystems entwickelt.

    Ich sah, ich träumte, ich machte!

    Die Woche begann sehr entspannt:

    Eisbären und Pinguine oder Die bewegte Kennenlernrunde

    Am ersten Tag standen vor allem die Anreise und das gemeinsame Kennenlernen im Vordergrund. Nach der herzlichen Begrüßung durch die Campleiter sowie einigen Runden gemeinsamen Spielens und Herumrennens in der Natur verschwand auch der letzte Rest der anfänglichen Anspannung, während gleichzeitig die ersten Namen erfolgreich mit Gesichtern, Hobbys und Wohnorten verknüpft wurden.

    Der zweite Tag begann wie alle darauffolgenden Tage mit einer morgendlichen Meditationsrunde zur Achtsamkeit und Selbstfindung. 

    Im Anschluss daran fand jeden Tag eine kleine Check-In-Runde statt, bei der eine Widmung für den jeweiligen Tag gesprochen wurde und alle Teilnehmer/innen erzählten, wie sie sich fühlten und was sie sich für den Tag wünschten. Auf diese Weise lernten wir uns nicht nur gegenseitig besser kennen; wir erhielten darüber hinaus auch die Möglichkeit, Ideen und Vorschläge für das Tagesprogramm einzubringen, die in der Regel von den Campleitern gewissenhaft berücksichtigt und umgesetzt wurden.

    Check-In-Runde

    Nach unserem morgendlichen „Ritual“ wurde uns dann das Programm für die Woche vorgestellt.

    Es bestand im Wesentlichen aus drei unterschiedlichen Blöcken: Seeing, Dreaming und Manifesting.

    Seeing

    „Lebe dein Ändern!“ – so lautet einer der Grundsätze von Pioneers of Change.

    In Anlehnung an Mahatma Gandhis berühmtes Zitat „Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt“ legt Pioneers of Change großen Wert darauf, Veränderungen nicht lediglich als einen Wandel in der äußeren, sondern insbesondere auch in der inneren Welt zu verstehen.

    Um etwas in der Welt verändern zu können, müssen wir zunächst uns selbst ändern, alte Gedankenmuster hinterfragen, schlechte Gewohnheiten verbessern und uns vor allem bewusst machen, warum wir uns eine bestimmte Veränderung überhaupt wünschen.

    „Seeing“ bedeutet also in diesem Zusammenhang, sowohl Fakten der Außen- als auch Gefühle und Eingebungen der Innenwelt bewusst wahrzunehmen.

    Dies erreichten wir durch sehr vielfältige Übungen:

    Bei einer Vision Quest im Wald beschäftigten wir uns mit der Frage, was unsere Motivation ist und aus welchem Grund wir hier sind.

    Theoretischen Input zum Klimawandel und die gewaltigen Unterschiede zwischen einer 1,5- und einer 3-Grad-Erwärmung der globalen Durchschnittstemperatur erhielten wir im Gespräch mit einer Expertin für Umwelt- und Bioressourcenmanagement.

    Theoretisches Hintergrundwissen zur Klimakrise

    In einem Trust fall, d. h. einem Vertrauensspiel, lernten wir, uns gegenseitig zu vertrauen und über den eigenen Schatten zu springen.

    Der Trust Fall

    Die nötige Energie tankten wir zuvor in einer geführten Meditation, die uns zu unserem inneren Kraftplatz führte.

    Selbstverständlich spielten auch unsere Emotionen eine bedeutende Rolle im Seeing.

    Ob beim Anschauen eines bewegenden und zugleich schockierenden Videos bezüglich der (Klima-)Ungerechtigkeit in der Welt, bei einem intensiven Zweiergespräch („Dyade“) oder beim Zerplatzen von „Emotionsluftballons“: Wir konnten und sollten unseren Gefühlen freien Lauf lassen. Dabei wurde uns erstmals bewusst, wie selten wir uns letzteres im Alltag überhaupt erlaubten oder auf Grund gesellschaftlicher Konventionen erlauben dürfen – und wie wichtig es ist, dies von Zeit zu Zeit trotzdem zu tun.

    Dreaming

    Die erste Phase des Camps ging fließend über in den zweiten Block, das Dreaming.

    Auf der Grundlage dessen, was wir in den ersten Tagen über uns selbst und die Welt um uns herum gelernt haben, sollten wir nun unsere eigene Vision einer lebenswerten Welt im Jahr 2030 entwickeln.

    Zeit zum Träumen!

    Dabei sollten wir unserer Fantasie freien Lauf lassen und sie nicht einschränken – „Dare to dream big“ lautete das Motto, auch völlig unrealistische Szenarien durften und sollten geträumt werden. Erleichtert wurde uns der Zugang zum Jahr 2030 durch die Inszenierung einer Reise mit einer Traummaschine, die uns (selbstverständlich völlig klimaneutral!) in die Zukunft transportieren sollte. Während des langen Flugs blieb reichlich Zeit, sich mit den anderen Passagieren über die unterschiedlichen Visionen auszutauschen und sich voneinander inspirieren zu lassen.

    Zeit zur Verarbeitung der Reise hatten wir dann am Mittwoch (Tag 4), denn es stand ein freier Nachmittag auf dem Programm. Hier hatten die Energiegeladenen von uns dennoch vielfältige Möglichkeiten, sich um die Esel zu kümmern, im Gemüsegarten der LeGuLa mitzuhelfen oder im Kräuterbeet an der Herstellung von Tees und Kosmetikprodukten zu arbeiten.

    Manifesting

    Die dritte und letzte Phase, das Manifesting, wurde mit der Ankunft der Künstler/innen eingeleitet. Diese sollten uns auf kreative und vielfältige Weise bei der Umsetzung unserer Visionen begleiten.

    Dazu boten sie Workshops aus den Bereichen Tanz, Theater, Musik, Fotografie und Mediale Kunst an, die das eigentliche Highlight des Jugendcamps bildeten. Jeder Teilnehmer hatte die Möglichkeit, im Workshop seiner Wahl zu arbeiten und sich dem Thema Klimaschutz und Nachhaltigkeit auf eine völlig neue, kreative Weise jenseits von Streiks und Demonstrationen anzunähern.

    Die Wahl fiel keinem von uns leicht. Ich selbst entschied mich nach langem Überlegen für den Workshop Mediale Kunst, da ich das Programm auf Grund seiner Vielfalt und Variation sehr ansprechend fand.

    Meine Erwartungen wurden nicht enttäuscht: Von spannenden Interviews mit Fachexperten, gemeinsamem Musizieren, Meinungsumfragen in Rohrbach bis hin zur Aufnahme einer Liveshow für einen österreichischen Radiosender konnte ich unglaublich viele neue und interessante Erfahrungen sammeln.

    Das Radioteam bei der Arbeit

    Auch in den anderen Workshops war die Begeisterung groß und alle hatten viel Spaß. Beweis dafür waren die Live-Auftritte der einzelnen Gruppen am vorletzten Tag (Tag 7), zu denen wir auch die Bewohner/innen des LebensGuts einluden und bei denen wir die Ergebnisse der anderen Workshops mit eigenen Augen sehen konnten. Wunderschöne Fotoaufnahmen beeindruckten dabei ebenso wie ein selbst komponierter Rap, während eine Tanzeinlage und ein Impro-Theater Schwung in unsere Runde brachten.

    Abschluss und Höhepunkt des Camps bildete unsere gemeinsam organisierte Abschiedsparty im „Stadl“, die unter dem Motto 2030 stand und bei der wir noch den Rest unserer Kreativität rauslassen konnten, bevor wir dann irgendwann zwischen Mitternacht und Morgengrauen müde ins Bett fielen, um am nächsten Tag fit für eine letzte Abschiedsrunde zu sein.

    Spontaner Karaoke-Abend bei den Musikverrückten ;)

    Fazit

    Insgesamt kann ich nur sagen: Was für eine Woche!

    Ich blicke zurück auf acht Tage voller Inspiration, Fantasie, Input, Liebe – und vor allem Spaß!

    Freundschaften wurden geschlossen, Wissen angehäuft, Kreativität gelebt und beim Abschied auch Tränen vergossen. Viele der Teilnehmer/innen bezeichneten das Jugendcamp als „die schönste Woche“ ihres Lebens, und ich glaube, dem kann ich nur schwer widersprechen.

    Was ich persönlich vom Camp mitnehme?

    • ein unglaublich bereicherndes Netzwerk an Gleichgesinnten
    • eine Menge an Selbstbewusstsein und Wertschätzung
    • witzige österreichische Vokabeln
    • das beste vegane Brownie-Rezept, das ich je gekostet habe…

    … und eine Live-Radiosendung, an der ich selbst mitgewirkt habe und in der ihr neben dem exklusiven selbst komponierten Rap noch mehr über Pioneers of Change, das Jugendcamp sowie Tipps für einen nachhaltigen Lebensstil findet! 

    Hört gerne rein und lasst euch inspirieren! 

    Und vor allem: Wenn ihr nächstes Jahr selbst die Zeit und die Möglichkeit habt, nach Niederösterreich zu diesem Camp zu fahren – nutzt sie! 

    Ich verspreche euch, ihr werdet es nicht bereuen.

     

     

    Bildquelle: © Pioneers of Change CC BY-SA

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