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"Make Earth Cool Again!" Pioneers of Change Jugendcamp - Teil 1

  • Sally Liu/WWF

    „KEEP COOL, OIDA!“ Oder etwas weniger österreichisch ausgedrückt: "MAKE EARTH COOL AGAIN!"

    So lautete das Motto des diesjährigen Pioneers of Change Jugendcamps, bei dem ich eine Woche lang gemeinsam mit 16 engagierten Jugendlichen aus allen Ecken Österreichs und Deutschlands spannende Workshops zum Thema Klimaschutz und Nachhaltigkeit erleben durfte.  

    Passend dazu fand das Camp auf dem LebensGut Miteinander in Rohrbach an der Gölsen, Niederösterreich statt – was diesen Ort so besonders macht und warum wir uns für dieses Camp keinen besseren Ort hätten wünschen können, erfahrt ihr im Ersten Teil meines Berichts.

    Die Vision 

    Gegründet wurde das LebensGut auf einem ehemaligen Klostergut.

    Als Gemeinschaftsprojekt verfolgt es sieben Projekte, die vor allem das nachhaltige, generationenübergreifende Zusammenleben und Arbeiten aller Bewohner/innen zum Ziel haben. So gibt es neben einer biologischen Gemüselandwirtschaft auch eine therapeutische Praxisgemeinschaft und einen Kindergarten, in welchem den Kindern von klein auf die Grundlagen eines nachhaltigen Lebens vermittelt werden. Auch eine weiterführende Schule sowie ein Tageszentrum für ältere Menschen, die Ruhe und Nähe zur Natur suchen, sind derzeit in Planung.

    Wie die konkrete Umsetzung einiger Visionen aussieht, nehmen wir uns im Folgenden genauer unter die Lupe:

    Die LebensGut Landwirtschaft (LeGuLa)

    Das LebensGut umfasst 15 ha landwirtschaftlich nutzbare Fläche, darunter 8 ha Wald und 7 ha Grünland. Seit 2015 werden Teile des Grünlands schrittweise für den Gemüsebau umgewandelt.

    Ziel ist es, eine ganzjährige biologische Gemüseproduktion zur Versorgung der LebensGut Bewohner/innen sowie der umliegenden Region aufzubauen. Dabei erfolgt der Anbau bodenschonend auf kleiner Fläche mit sparsamem Maschineneinsatz.

    Seit dem Sommer 2016 betreibt die LeGuLa eine solidarische Landwirtschaft. Konsument/innen aus der Region übernehmen gemäß dieses Prinzips eine Mitverantwortung für die Produktion, sowohl wirtschaftlich durch den Kauf von festen Ernteanteilen als auch durch aktive Mitarbeit.

    Dabei steht auch die Wertschätzung im Vordergrund, wie uns Tom Vogel, Gründer und Bewohner des LebensGuts auf einer geführten Tour erklärte. Demnach sollen die Menschen weg von der „Zahlenmentalität“ kommen und den Wert eines Produkts nicht lediglich auf dessen Preis reduzieren. Vielmehr soll eine Annäherung von Produkt und Konsument durch das aktive Mitwirken am Anbau- und Ernteprozess ermöglicht werden, sodass dem Produkt und der damit verbundenen eigenen Arbeit eine höhere Wertschätzung entgegengebracht wird.

    Leben am LebensGut

    Ein weiteres wichtiges Ziel ist es, ein freudvolles, sinnstiftendes sowie nachhaltiges Miteinander aller Generationen zu ermöglichen. Dies bedeutet beispielsweise, Wohnen und Arbeiten wieder an einem Ort zu verbinden und somit Verkehr und Pendelzeit zu reduzieren und gleichzeitig den Zusammenhalt der Familie und der Bewohner/innen zu stärken. Zudem leistet die Arbeit vor Ort einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung des Gesamtprojekts.

    Um den ökologischen Fußabdruck der Bewohner/innen so gering wie möglich zu halten, steht diesen lediglich eine verhältnismäßig kleine Wohnfläche von 32-70 Quadratmeter zur Verfügung. Außerdem gibt es mehrere Gemeinschaftsräume, bpsw. Groß- oder Waschküche, die von allen Bewohner/innen genutzt werden können und das Miteinander fördern. Dennoch sollte bei bestehendem Bedürfnis jederzeit auch ein Rückzug möglich sein. Aus diesem Grund verfügt jede Wohnungseinheit über eine komplette Infrastruktur (Küchenanschlüsse, Bad, Toiletten etc.).

    Das Wohnen gestaltet sich zudem nach dem Prinzip der Dynamischen Wohnungsgröße. Veränderungen in der Lebenssituation (z. B. Gründung einer Familie oder Trennung vom Partner) gehen oft mit einem veränderten Bedarf an Wohnfläche einher. Aus diesem Grund erklären sich alle Bewohner/innen bereit, bei Bedarf mit einer anderen Person die Wohnung zu tauschen. Auf diese Weise wird sichergestellt, dass jede Person nur so viel Platz bewohnt wie sie auch benötigt.

    Meine Highlights auf dem LebensGut

    Zugegebenermaßen haben wir Campteilnehmer während unseres verhältnismäßig kurzen Aufenthalts weder die LeGuLa noch das Wohnprojekt des LebensGuts am eigenen Leibe erfahren können.

    Dennoch ging die besondere Lebensform des LebensGuts nicht an uns vorbei: Für uns bedeutete die Teilnahme am Camp unter anderem, auf konventionelle Dusch- und Zahnpflegeprodukte zu verzichten. Alle verwendeten Produkte mussten biologisch abbaubar sein.

    Grund dafür ist das besondere Wasserkreislaufssystem: Das LebensGut verfügt über eine eigene biologische Kläranlage, die das Abwasser filtert und reinigt. Trink- und Duschwasser entstammen sowohl einem eigenen Teich (in dem die Bewohner/innen übrigens auch baden durften!) als auch einer etwas höher gelegenen Quelle. Beide füllen sich nach ergiebigen Niederschlägen mit Regenwasser, das vom LebensGut und seinen Bewohner/innen genutzt werden kann. Umgekehrt bedeutet dies aber auch, dass es beim Duschen nicht nur auf das Duschgel, sondern auch auf die Dauer ankommt: Wer zu lange duscht und zu viel Wasser verbraucht, tut dies auf Kosten der Allgemeinheit, denn gerade in trockenen Monaten mit wenig Niederschlag kann es durchaus zu Wasserknappheit kommen. Ein Grund mehr, bewusst mit unseren Ressourcen umzugehen!

    Insgesamt kann ich nur sagen, dass die Tage auf dem LebensGut unglaublich inspirierend waren. Oder, wie meine österreichischen Freunde wohl sagen würden: "Ur leiwand!"

    Ob bei meinem morgendlichen Lauf im Wald, beim Verzehren der regional und biologisch zubereiteten Gerichte oder beim Spaziergang entlang des Sees: An diesem Ort habe ich mich der Natur so nah gefühlt wie schon lange nicht mehr. Vor allem hat es mir aber auch gezeigt, dass ein nachhaltiges Leben nicht so aufwendig sein muss, wie es auf den ersten Blick scheint: In dieser Woche haben wir alle kaum Abfall produziert, nur biologisch abbaubare Artikel benutzt, größtenteils vegan gegessen – und trotzdem nie das Gefühl gehabt, zu verzichten!

    Das lag natürlich nicht zuletzt auch an dem vielfältigen Programm und den tollen Erfahrungen, die wir beim Jugendcamp sammeln durften. Was ich dort alles erlebt habe und welche Erkenntnisse ich daraus für mein weiteres Leben mitnehmen konnte, erfahrt ihr im Zweiten Teil meines Berichts.

    Bleibt dran! :)

    PS: Das LebensGut freut sich immer über Gäste und neue Bewohner/innen! Falls ihr also nun Lust bekommen habt, diesen wundervollen Ort selbst aufzusuchen, findet ihr hier alle wichtigen Infos.

    Außerdem sucht das LebensGut derzeit dringend nach Experten, die sich mit Forstwissenschaft auskennen und bei der Gestaltung des 8 ha großen Walds beraten oder mithelfen können – vielleicht kennt ihr jemanden, der Unterstützung leisten kann oder seid sogar selbst motiviert, zu helfen? Dann nehmt gerne Kontakt auf.

    Bildquellen: 

    https://pixabay.com/photos/path-away-singletrail-hike-nature-234424/

    https://pixabay.com/illustrations/board-font-chalk-enlightenment-953154/

     

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