Berichte

FRIDAYS FOR FUTURE Ulm - Ein Erfahrungsbericht

  • © Sally Liu/WWF

    Frühling

    2019

    Früher erwacht der Morgen

    Geweckt vom sanften Sonnenlicht

    Es weichen vom Herze die Sorgen

    Die Welle der Wonne sich über mich bricht

    2119

    Ach! Könnt‘ ich sie einmal noch spüren

    Die Freud‘, die Herz und Seele beglückt!

    Doch Nebel und Gase entführen

    Die Sonne uns, bis sie langsam erstickt.

     

    Dieses Gedicht habe ich irgendwann einmal in der Schule geschrieben.

    Schule.

    Der Ort, an dem über alles geredet wird – Ableitungen, Textanalysen, all das, was man angeblich „in Zukunft“ brauchen wird – nur nicht über das, was uns in der Gegenwart, im Hier und Jetzt, betrifft: der Klimawandel und seine Konsequenzen, die nicht erst „in Zukunft“, sondern bereits jetzt spürbar sind!

    © Sally Liu/WWF In Heidelberg wurde der Streik verboten, doch in Ulm zeigen wir: Wir lassen uns nicht aufhalten! 

    Hintergrund

    Greta Thunberg stellte in ihrer Rede bei der UN Klimakonferenz bereits die Frage: “Why should I be studying for a future that soon may be no more, when no one is doing anything to save that future?”

    Nach dem Vorbild von und in Solidarität mit der 16-jährigen Schwedin streiken im Rahmen der Fridays For Future Aktionen Schüler/innen und Studenten weltweit.

    Welche Regionen in Deutschland mitmachen, könnt ihr hier nachschauen. Dort findet ihr auch die entsprechenden Links für die WhatsApp-Gruppen.

    Organisation

    Nachdem ich der WhatsApp-Gruppe meiner Region beigetreten bin, galt es natürlich, die wichtigsten organisatorischen Aspekte abzuklären. Neben Beginn, Abschluss und Ort der Veranstaltung waren dies vor allem: Wer möchte eine Rede halten? Wer bringt Plakate und Banner mit? Welche Sprüche sollen im Chor gerufen werden?

    Zugegebenermaßen lief die Planung teilweise recht chaotisch ab, weniger als eine Woche vor dem Streik war noch immer nicht endgültig geklärt, wie und ob überhaupt Flyer gedruckt werden können, um diese an entsprechende Schulen zu verteilen. Das Endergebnis war dann auch einigermaßen ernüchternd: Vor allem in meiner Schule hatte ich das Gefühl, dass nur ein Bruchteil aller Schüler überhaupt von der Aktion gehört hatten. Es gab weder Durchsagen noch Infoaushänge, zumal besonders uns Oberstufenschülern und Abiturienten wiederholt gesagt wurde, die Teilnahme am Streik müsse als „unentschuldigtes Fehlen“ eingetragen werden. Persönlich hätte ich wohl auch nie vom Streik erfahren, hätten mich nicht Mails vom BUND und Termine der WWF-Jugend Community erreicht, und auch der Rest meiner Schule – zumindest der Teil, der überhaupt Bescheid wusste – hatte die Informationen nicht über die Schule selbst, sondern auf anderem Wege erhalten.

    Insgesamt wurde in der WhatsApp-Gruppe leider auch oft gespammt, was wohl ein Grund dafür war, dass von den letztendlich 200 Teilnehmenden nur etwa 50 in der Gruppe geblieben sind. Ständig betraten und verließen irgendwelche Mitglieder die Gruppe, sodass es schwierig war, alle Mitglieder auf den aktuellen Stand zu bringen und Vereinbarungen zu treffen.

    Ablauf des Streiks

    Angesichts der Schwierigkeiten bei der Organisation hatte ich ehrlich gesagt schon damit gerechnet, dass der Streik extrem unorganisiert ablaufen würde. Und so war es dann auch, zumindest zu Beginn des Streiks. Niemand schien eine Ahnung zu haben, was zu tun oder zu sagen war, wir waren lediglich eine große Anhäufung von jungen Menschen, die schweigend und frierend in der Kälte herumstanden. Dennoch war ich vom ersten Moment an sehr positiv überrascht: Hatte ich mit etwa 50, höchstens jedoch 100 Teilnehmern gerechnet, so füllte sich zu meiner großen Freude der Platz im Laufe der Aktion mit ca. 200 Schüler und Studenten. Ein beträchtlicher Anteil führte kleinere Plakate mit sich, einige hatten auch größere Schilder und meterlange Banner dabei.

    Anfangs übernahmen einige wenige Studenten sowie Vertreter verschiedener Parteien oder Organisationen wie Greenpeace oder der BUND das Reden und Mobilisieren, im Laufe des Streiks trauten sich dann zunehmend andere Jugendliche, aus der „großen Masse“ herauszutreten und selbst einige Worte zum Klimaschutz loszuwerden. Je länger ich inmitten der Menschenmasse stand, umso besser begann ich, sie zu verstehen. Wirkten unsere Sprechchöre anfangs noch asynchron, unkoordiniert und schüchtern, so wurden sie mit der Zeit immer fordernder, stärker und einheitlicher. Gegen Ende hin bildete sich gar eine kleine Warteschlange mit Schülern, die ihrerseits auf der Bühne noch einige aufmunternde, motivierende oder auch kritisierende Worte zu sagen hatten.

    © Sally Liu/WWF

    Öffentlichkeitsarbeit

    Die Presse hatte noch vor dem offiziellen Beginn des Streiks damit begonnen, verschiedene Teilnehmer zu interviewen. Sie stellten dabei unter anderem Fragen nach den Forderungen der Jugendlichen, ihrer Motivation, ihren Befürchtungen und ihren Hoffnungen. Zahlreiche Radiosender übertrugen ebenfalls Interviews, sogar der regionale Fernsehkanal war anwesend und filmte einen Großteil der auf der Bühne vorgetragenen Reden.

    Auf Twitter, Instagram, Facebook & Co wurde ebenfalls fleißig gepostet. Derzeit werden in unserer WhatsApp-Gruppe alle aufgenommenen Fotos und Videos zusammengestellt, um sie an verschiedene Zeitungen zu schicken oder im Internet zu veröffentlichen.

    Bilanz

    Fridays For Future war meine erste Demo und ich kann nur sagen: Es war eine wundervolle Erfahrung, die ich heute gemacht habe! Zwar gab es vor allem bei der Organisation immer wieder kleinere Komplikationen, dennoch lief die Aktion nahezu reibungslos ab und trotz des Informationsmangels an vielen Schulen erschienen annähernd 200 Personen zum Streik – „so viel wie normalerweise in den großen Städten wie Köln“, lobte uns Yannik, der für den überwiegenden Teil der Organisation sowie das Gründen der WhatsApp-Gruppe verantwortlich war.

    Ich denke, allen Teilnehmern ist heute vor allem eins klar geworden: Der Klimawandel ist ein ernstzunehmendes Problem, aber es ist auch eines, das wir nicht alleine zu bewältigen brauchen! Natürlich können wir nicht erwarten, dass allein durch solche Streiks der Kampf gegen den Klimawandel bestritten werden kann. Aber es ist ein Schritt in die richtige Richtung, es ist ein Schritt, der Hoffnung und Mut gibt und den vor uns liegenden Weg ein bisschen weniger steil erscheinen lässt.

    Worin der nächste Schritt für mich besteht, steht jedenfalls fest: Ich möchte dafür sorgen, dass auch die Schüler und Schülerinnen an meiner Schule die Chance bekommen, beim Fridays For Future mitzuwirken – denn eine informierte und engagierte Jugend ist ein unentbehrlicher Grundpfeiler für eine lebenswerte Zukunft.

    © Sally Liu/WWF

    In diesem Sinne: Danke an alle, die Teil dieser wundervollen Aktion waren und sind!

    Welche Erfahrungen habt ihr selbst mit Fridays For Future oder auch anderen Demonstrationen gemacht? Ich freue mich sehr, in den Kommentaren mehr über die Streiks in eurer Region zu erfahren!

Kommentare

8 Kommentare
  • TrafalgarLaw03
    TrafalgarLaw03 Und ich hoffe, dass du in deiner Schule noch ordentlich Werbung machen kannst, sodass beim nächsten mal noch mehr Schüler zum Streik gehen :) kämpf' weiter so aktiv! ^^
  • shapinghorizons
    shapinghorizons Hey David,
    vielen lieben Dank für deine motivierenden Worte! Klar, als Schülerin hab ich momentan noch den Luxus, relativ viel Zeit und eben auch die Möglichkeit für solche Streiks zu haben - ich finde es auf jeden Fall unglaublich toll, dass du trotz dei...  mehr
  • FranziL
    FranziL @Anne: Der Streik in Heidelberg wurde nicht verboten, aber die Versammlungsleiterin hat die Auflage bekommen, sich von jeder*m Schüler*in einen Entschuldigungszettel zeigen zu lassen, um sicherzustellen, dass niemand der Schule unentschuldigt fernbleibt. ...  mehr
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    Cookie Danke für die Info Franzi!