Berichte

Adventscarelender 4

  • Weihnachtszeit ist Reisezeit!

    Ob Rodeln, Wandern oder ein klassischer Skiurlaub: die Möglichkeiten des Wintersports sind sehr vielfältig – und leider nicht immer gut für die Umwelt.

    Allein für den Bau einer Skipiste müssen oft kilometerweise Wald gerodet, Bäume gefällt und Waldböden planiert werden. In manchen Fällen ist auch das Sprengen von Felsen oder die Umleitung von Flüssen erforderlich. Und damit nicht genug: Parkplätze, Hotelanlagen, Straßen, Lifte, Gondeln… für all diese Dinge muss Platz geschaffen werden – und das geschieht fast immer auf Kosten der Natur und der in ihr lebenden Pflanzen und Tiere. Mehr zum Thema Skifahren und Umwelt könnt ihr hier nachlesen.

    Aber was tun, wenn man trotzdem nicht auf seinen wohlverdienten Urlaub verzichten möchte? Gibt es eine Möglichkeit, Urlaub und Umweltschutz zu kombinieren?

    Der Sanfte Tourismus (auch: Nachhaltiger Tourismus) soll genau das leisten. Er ist ein Gegenkonzept zum Massentourismus und verfolgt drei wesentliche Anliegen:

    • so wenig wie möglich auf die bereiste Natur einzuwirken bzw. ihr zu schaden,
    • die Natur möglichst nah, intensiv und ursprünglich zu erleben,
    • sich der Kultur des bereisten Landes möglichst anzupassen.

    Der Sanfte Tourismus gehört zum Konzept der Nachhaltigkeit. Wie wir am dritten Punkt sehen können, betrifft letztere nicht nur die ökologischen, sondern auch gesellschaftliche und wirtschaftliche Aspekte. Die Welttourismusorganisation (UNWTO) definiert den nachhaltigen Tourismus als einen Tourismus, der die gegenwärtigen und zukünftigen ökonomischen, sozialen und ökologischen Auswirkungen sowie die Bedürfnisse von Besucher, Industrie, Umwelt und Einheimischen berücksichtigt.

    Damit ihr eine Vorstellung davon bekommt, wie so ein Sanfter Urlaub im Großen und Ganzen aussieht, sind im Folgenden die wichtigsten Aspekte erläutert:

    Anreise zum und Fortbewegung am Urlaubsort

    Der Sanfte Tourismus versucht, die negativen Auswirkungen des Massentourismus in den Urlaubsgebieten zu verringern. Konkret bedeutet das zum Beispiel eine Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln (ÖPNV). Eine Frage, die man sich hierbei auf jeden Fall stellen sollte: Muss es unbedingt ein Flug sein? Oder kann ich auch mit Bus und Bahn anreisen?

    Am Urlaubsort schließlich soll die Nutzung von Verkehrsmitteln aller Art wenn möglich minimiert werden. Stattdessen sollen die Gäste sich auf die ursprüngliche Weise fortbewegen, d. h. überwiegend zu Fuß, ggf. auch mit Booten, Reittieren oder Fahrrädern.

    Unterkunft und Verpflegung

    Viele Hotels unterstützen den nachhaltigen Tourismus, indem sie regenerative Energien nutzen, bei der Einrichtung auf umweltschonende Materialien zurückgreifen, regionales Handwerk fördern sowie verschiedene Maßnahmen zum Sparen von Trinkwasser und zur Vermeidung von Abfall ergreifen. Unter anderem verzichten nachhaltige Hotels z. B. auf das übermäßige Waschen und Auswechseln von noch sauberen Handtüchern.

    Nachhaltige Hotels werden mit entsprechenden Zertifikaten ausgezeichnet. Einige Beispiele findet ihr hier.

    Häufig beziehen die Einrichtungen ihre Produkte aus ökologischem und regionalem Anbau. Besonders beliebt bei Sanften Touristen sind beispielsweise auch Hofläden.

    Programm

    Ziel des sanften Tourismus ist es, die Kultur des bereisten Gebiets unverfälscht und „mit allen Sinnen“ erlebbar zu machen, während gleichzeitig das Leben der ansässigen Bevölkerung so wenig wie möglich beeinträchtigt werden soll. Insgesamt soll dem Besucher dadurch ein möglichst unverfälschter Eindruck des Urlaubsorts ermöglicht werden.

    Die Angebote des Sanften Tourismus sind sehr vielfältig. Sie umfassen unter anderem:

    • Themenwanderwege: geschützte Bereiche mit versteckten Beobachtungsstationen sollen erlebbar gemacht werden
    • Barfußpfade: ursprünglicher Naturkontakt wird mit gesundheitlichem Nutzen verbunden
    • Geführte Schneeschuhtouren: eine ökologisch verträglichere Variante des Wintersports, bei der auf Skilifte, Pistenraupen und Schneekanonen verzichtet wird
    • Stadtführungen: hierbei steht der kulturelle Aspekt im Vordergrund

    Auch nachhaltige Pauschalreisen können gebucht werden.

    Der Anfang aller Nachhaltigkeit: Die Wahl des Urlaubsorts

    Ferne Länder erkunden, exotische Regionen entdecken – wer würde das nicht gerne?

    Aber nicht immer muss es ein weit entferntes Reiseziel sein. Ein schöner Urlaub kann auch in der eigenen Heimatregion stattfinden. Dass Anreise und Unterkunft zugunsten der Natur und des Portemonnaies wegfallen, liegt auf der Hand. Doch ein Urlaubsziel in der näheren Umgebung hat noch einen weiteren Vorteil: Man entdeckt die eigene Region nochmals aus einem völlig anderen Blickwinkel.

    Ich zum Beispiel war immer der Auffassung, in meiner Stadt Ulm gäbe es außer dem Münster nicht wirklich viel Sehenswertes. Aber erst, als ich mich darauf eingelassen habe, Tourist in meiner eigenen Stadt zu spielen, ist mir aufgefallen, wie viele kleine und schöne Gassen, Plätze, Locations und Denkmäler ich noch gar nicht kannte bzw. nie beachtet habe. Oft kommt man gar nicht auf die Idee, Museen oder andere kulturelle Einrichtungen in seiner eigenen Stadt zu besuchen oder an Stadtführungen teilzunehmen; hier lohnt es sich auf jeden Fall, auch die Heimatstadt aus den Augen eines Touristen zu betrachten und auch scheinbar uninteressante Details wahrzunehmen – ich kann es euch nur empfehlen, denn manche von euch werden überrascht sein, dass ihr eure Stadt vielleicht doch noch nicht in- und auswendig kennt. ;)

    Anregung 4: Macht Urlaub in eurer eigenen Stadt!

    "Am schönsten ist Weihnachten zuhaus…"

    Ganz gleich, ob ihr mit Freunden gemeinsam eine Radtour unternehmt, an einer Stadtführung teilnehmt, neue Sehenswürdigkeiten erkundet, im eigenen Garten zeltet, ein neues Restaurant testet oder euch im städtischen Museum über eure Region informiert – legt eurer Fantasie keine Grenzen auf, seid offen für alles und probiert Neues und Unbekanntes aus!

    Vielleicht gibt es in eurer näheren Umgebung sogar spezielle Angebote für den Sanften Tourismus?

    Wofür ihr euch auch immer entscheidet, ich wünsche euch auf jeden Fall ganz viel Spaß dabei! Schreibt uns auch gerne in die Kommentare, was ihr erlebt habt oder ob ihr schon mal einen Sanften Urlaub unternommen habt. :)

    Unser Adventscarelender heißt nicht umsonst "Caring for You and the World" - im dritten Türchen von David geht es vor allem um das "You". 

     

    Bildnachweis: pixabay.com

     

Kommentare

1 Kommentar
  • TrafalgarLaw03
    TrafalgarLaw03 Sehr spannend, bei dem "Heimurlaub" kann ich nur zustimmen, besonders bei Radtouren kann man mit Freunden so schöne Ecken entdecken, die halt wirklich direkt vor der Haustür liegen. Aber auch so ein Urlaub vielleicht in einem fremden Land, in de...  mehr