Berichte

Plastic Free July - Woche 1

  • Ein Erfahrungsbericht 

     

    Am 01. Juli fiel der Startschuss für den diesjährigen Plastic Free July.

    Millionen von Menschen aus mehr als 150 verschiedenen Ländern nehmen teil, und sie haben alle ein gemeinsames Ziel: einen Monat lang auf Plastikprodukte aller Art verzichten.

    Die erste Woche der Challenge ist nun vorbei – eine Woche der Achtsamkeit, der Planung und des Umdenkens. Ein Bericht über gemeisterte Herausforderungen, verkraftete Niederlagen und den Willen, trotz allem dranzubleiben und durchzuhalten.

    Das Motto der Plastic Free July Aktion könnte treffender nicht sein: „Choose to Refuse“ – wer sich einmal für die Teilnahme registriert hat, der weiß, dass er keineswegs eine nebensächliche Entscheidung getroffen hat.

    Es ist traurig, aber wahr: Plastik ist aus der heutigen Gesellschaft kaum noch wegzudenken. Und genau hier liegt auch das Problem. Von Antibiotika bis Zahnpasta – nahezu jedes Alltagsprodukt enthält Plastik oder Kunststoff, sei es als Verpackung, als Überzug oder gar als Hauptinhaltsstoff. Wer sich aktiv für einen Verzicht entscheidet, sollte also im Voraus seine Einkaufsliste durchchecken und nach geeigneten Alternativen suchen.

    Plastikfreier Einkauf – von Leitungswasser und Tupperdosen

    Beginnen wir mit den grundlegendsten Dingen im Leben: Essen und Trinken.

    Mit Entsetzen denke ich zurück an meine Grundschulzeit, als ich noch literweise abgepacktes Mineralwasser in Einwegflaschen mit mir rumschleppte. Heute weiß ich, dass eine Mehrweg-PET-Flasche immerhin bis zu 25-mal, eine Mehrweg-Glasflasche sogar bis zu 50-mal wiederbefüllt werden kann.

    Aber es geht noch umweltfreundlicher: indem man Leitungswasser trinkt und dieses bei Bedarf in wiederverwendbare Trinkflaschen – zB aus Edelstahl – abfüllt. So spart man sich die Plastikflaschen gänzlich. Eigentlich die perfekte Lösung – wäre da nicht die Sache mit der Kohlensäure. Doch auch dieses Problem lässt sich beheben: mittlerweile greifen immer mehr Menschen auf Sprudelmaschinen zurück, mit denen man ganz einfach das Leitungswasser mit Kohlensäure versetzen kann.

    An ein plastikfreies Mittagessen zu kommen, war ebenfalls nur eine kleine Hürde. Als Schüler oder Student hat man die Möglichkeit, in die Mensa zu gehen. Glücklicherweise wird dort in aller Regel das Geschirr mehrfach verwendet und es entsteht kaum Abfall in Form von Plastik.

    Anders sieht es aus, wenn man der Imbissbude oder dem Supermarkt nebenan einen Besuch abstattet: haufenweise abgepackte Salate, Plastikgeschirr und Verpackungsfolien.  Während der gesamten Woche bin ich deshalb darauf umgestiegen, mein Mittagessen am Abend davor zuzubereiten und es in wiederverwendbaren Tupperdosen mitzunehmen. Besteck nicht vergessen, damit man kein Plastikgeschirr kaufen muss!

    Im Allgemeinen würde ich euch die Benutzung von wiederverwendbaren Stofftragetaschen sehr ans Herz legen. Ihr umgeht somit relativ unkompliziert den unnötigen Verbrauch von Plastiktüten und Plastiktragetaschen. Wenn möglich, vermeidet es, abgepacktes Obst und Gemüse aus Supermärkten zu kaufen und geht mit eurer Stofftasche zum Wochenmarkt; dort sind Obst und Gemüse nur selten in Plastikfolien eingepackt.

    Klimafreundliche Kosmetik – von Zahnputztabletten und Zahnputzpulver

    Das war eine der größeren Herausforderungen.

    Unverpackte Kernseifen, Badebomben und sogar Haarseife (festes Shampoo ohne Plastikbehälter) gibt es in Hülle und Fülle, aber habt ihr schon einmal Zahncremes gesehen, die nicht in Plastiktuben verpackt waren? Ich nicht. Und obwohl es Zahnpasta in Aluminiumtuben gibt, so ist doch auch bei diesen Produkten zumindest der Deckel aus Kunststoff.

    Ein unlösbares Problem? Nur, wenn man nicht weiß, dass die Lösung nicht darin besteht, nach Alternativen innerhalb der Kategorie Zahncreme zu suchen, sondern eine neue Kategorie zu erforschen: Zahnputzpulver und Zahnputztabletten. Zugegebenermaßen sind diese Zahncreme-Alternativen nur selten in Supermärkten oder Drogeriemärkten erhältlich. Man kann sie allerdings problemlos im Internet bestellen (mehr dazu hier) oder sogar selbst herstellen (ein Rezept findet ihr hier).

    Das Problem der Plastiksünden

    Habe ich es nun tatsächlich geschafft, eine ganze Woche lang auf Plastik zu verzichten?

    Ich will ehrlich mit euch sein: zu 100% habe ich es nicht geschafft.

    Da wäre zum Beispiel die Packung Sojamilch mit dem Kunststoffdeckel. Oder die Sache mit dem Tofu: in keinem Supermarkt habe ich bislang unverpackten Tofu gefunden. Dass das keine gute Ausrede ist, ist mir bewusst: schließlich hätte ich den Tofu auch selbst herstellen können. Mit viel Geduld, Zeit, Nigari und Sojamilch nämlich. Apropos Sojamilch: auch die hätte ich selbst herstellen sollen, schließlich besitze ich sogar eine Sojamilchmaschine. Doch auch dann hätte es noch ein Problem gegeben: wo bekomme ich unverpackte Sojabohnen her?

    Ihr seht das Problem: Es ist einfach verdammt schwer, vollkommen plastikfrei zu leben!

    Diese bittere Erfahrung habe ich in der ersten Woche der Plastic Free July Challenge immer wieder machen müssen. Und doch kann ich guten Gewissens sagen, dass diese Woche trotz der „Plastiksünden“ unglaublich bereichernd, motivierend und erkenntnisreich war.

    Ich habe gelernt, mich intensiv mit einer der größten Herausforderungen des 21. Jahrhunderts auseinanderzusetzen.

    Ich habe gelernt, mein Bewusstsein für meinen eigenen Konsum und meine Lebensweise zu schärfen.

    Ich habe gelernt, sorgfältig zu planen und ich habe Alternativen entdeckt, von denen ich bislang noch nie gehört hatte.

    Ich habe gelernt, Verantwortung für mein eigenes Handeln zu übernehmen und dessen Tragweite ins Auge zu fassen.

    Ich habe gelernt, was es bedeutet, umzudenken und zu verzichten.

    Aber vor allem habe ich gelernt, dass es in erster Linie nicht darum geht, ein bestimmtes Ziel auf Anhieb zu erreichen, sondern darauf zuzusteuern, in die richtige Richtung zu gehen.

    Dass es in Ordnung ist, manchmal einen Schritt rückwärts zu gehen, wenn einem die dadurch gewonnene Erkenntnis hilft, zwei vorwärts zu gehen.

    Dass es auch angesichts der scheinbar unüberwindbaren Hindernisse kleine Schritte gibt, die jeder von uns mit Leichtigkeit gehen kann und die uns ebenfalls voranbringen.

    In 20 Tagen endet die Challenge – mein Verzicht auf Plastik nicht.

    Plastic Free July war eine Aktion für einen Monat, aber eine Entscheidung fürs Leben.

     

    Auch Teil der Plastic Free July Aktion? Teile deine Erfahrungen in den Kommentaren mit uns! :)

Kommentare

3 Kommentare
  • TobiS
    TobiS Das Fazit ist dir sehr gelungen und es steckt viel Wahrheit drin! :)
  • Cookie
    Cookie Danke für diesen wundervollen Erfahrungsbericht! Ich freue mich sehr, dass Du beim Plastic Free July dabei bist und auch über den Juli hinaus dabeibleiben willst und wünsche dir noch ganz viel Freude dabei, plastikfreier zu leben!
    Tofu habe ich übrigens b...  mehr
  • SteffiFr
    SteffiFr zur Sojamilch - wenn es nicht unbedingt Sojamilch sein muss, wäre evtl. Haferdrink eine Alternative. Der lässt sich ziemlich einfach selber machen, und Haferflocken bekommt man je nach Marke in der Papiertüte (z.B. 100g auf 1l Wasser, zuerst mit einem Tei...  mehr