Berichte

Es werden Decken gebracht.

  • Holen wir uns im Frühherbst doch schon mal eine Anregung für den Winter!

    Wer sich über die kalte Jahreszeit beschwert (wie ich) kann sich immer noch eine oder auch zwei warme Decken holen gehen. Doch stelle sich einer vor, am Nordpazifik ohne Decke überwintern zu müssen. Ja, ohne Decke. Kein Erbarmen, eisige Stürme und keinen Kakao. Vielleicht mal einen Tintenfisch.

    Aber das war's. In dieser Vorbereitung, kann man sich als Mensch doch bei der Natur bedanken...

    Der Winter ist die dramatische Saison der Geburten und der Aufzucht- Eines der größten Spektakel von Mutter Natur deren Zeuge man an der kalifornischen Küste werden kann. Eine Kolonnie einer vor nur einem Jahrhundert fast ausgestorbenen Elefantenart der unterseeischen Kelpsavannen trifft sich jedes Jahr an den Piedras Blancas - 15.000 Tiere. Keine einzige Decke.

    Ein starker Wind weht, dennoch kann man das laute Brummgeschnarche der Seelelefanten einige hundert Meter weit hören. Kein Wunder, denn Sie schnarchen ohrenbetäubend, die Jungen tolllen (im Sinne von Rollen) umher.Zwei Bullen kämpfen, und blöken dabei. Eine Babyrobbe erblickt das Licht der Welt, während Möwen den nährstoffreichen Schleim abfressen...

    Ihren Namen haben die imposanten Tiere ihrer Leibesfülle und ihrem genialen vergrößerten Riechkolben zu verdanken. Der bis zu 30 Zentimeter lange Hautlappen, den nur ausgewachsene, männliche Tiere haben, erinnert nämlich an den Rüssel eines Elefanten.

    Die nördliche Art war einst lückenlos entlang der Westküste Nordamerikas von Alaska bis Baja California verbreitet. Im 19. Jahrhundert setzte die massenhafte Abschlachtung der Tiere ein, da man ihren Tran kommerziell nutzen wollte. Jedes Jahr fielen Tausende See-Elefanten den Jägern zum Opfer, so dass man die nördliche Art letztlich für ausgestorben hielt. Eine einzige winzige Herde von weniger als hundert Tieren aber hatte auf der mexikanischen Insel Guadalupe überlebt. Als diese entdeckt wurde, wurde die Art unter Schutz gestellt. In den 1930er Jahren gingen erstmals See-Elefanten zur Paarung auf den kalifornischen Channel Islands an Land. Inzwischen gibt es die Art wieder auf zahlreichen der Küste vorgelagerten Inseln nordwärts bis zu den Farallon-Inseln, außerhalb der Paarungszeit sogar bis Vancouver Island. Am Pacific Coast Highway zwischen Los Angeles und San Francisco stellen die See-Elefanten an bestimmten Stellen heute wieder eine größere Kolonie dar und können von speziellen Aussichtspunkten am Point Piedras Blancas beobachtet werden. Die dort 1990 angesiedelte Kolonie hat sich inzwischen (2010) auf mehr als 15.000 vergrößert. Die Bestände nehmen jährlich um etwa 15 % zu, so dass man den Nördlichen See-Elefanten nicht mehr für ernsthaft gefährdet hält. Also, eine echte Erfolgsgeschichte.

    Nun zum spannenden Sozialen Gefüge der Elefantenherde.

    Ein dominanter Bulle kann zehn bis vierzig Kühe in seinem Harem haben. Zur Paarung nutzt er seine körperliche Überlegenheit. Balzen wäre hier Zeitverschwendung. Die Kuh wird mit der Vorderflosse festgehalten und in den Nacken gebissen, damit sie sich nicht wegbewegen kann. Schwächere Bullen werden, sowie sie sich den Kühen nähern, rabiat vertrieben.

    Dennoch bleiben diese Tiere am Rande der Kolonien in Wartehaltung, um sich möglicherweise doch noch zu paaren. So entstehen immer wieder neue Kämpfe zwischen den männlichen Tieren, die brutal ablaufen können. Da kann schon mal ein Stück Nase abgebissen werden oder ein Augapfel im Sand landen. Allerdings stirbt bei dem Kampf keiner der Rivalen. Sie sind dennoch sehr sehenswert :) und sollten bei Gelegenheit im Fernsehen übertragen werden. Was nicht nur uns sondern auch die Wissenschaftler verwundert, ist dass See-Elefanten bei ihren blutigen Auseinandersetzungen keine Art von Schmerzempfinden von sich geben.

    Auch die unbeteiligten Jungtiere, die bei den Kämpfen oder bei Paarungen nicht selten aus versehen zu Tode gequetscht werden, (Uuuups) geben keinen Laut von sich. Dieses Phänomen kann bisher nicht erklärt werden. Ich würde diese fehlende Sensibilität entweder auf die enorme Fettschicht der Elefanten oder eine eventuelle (sehr) ferne Verwandtschaft zu Genosse Nacktmull aus Afrika (da wären schon zwei Gemeinsamkeiten, Elefanten-Afrika-und das fehlende Schmerzempfinden) zurückführen, bin mir aber darüber im Klaren, dass es sich sich hierbei nur um eine dem WildBlog fernstehende wilde Spekulation handeln kann, distanziere mich also davon.

    Und für die Freaks, krasse Informationen: Typische Tauchtiefen der See-Elefanten liegen, je nach Tageszeit zwischen 200-600 m. Es können jedoch auch deutlich größere Tiefen erreicht werden, so wurde See-Elefant in einer Tiefe von 2.388 m registriert. Das Erreichen derartiger Tiefen wird ihnen dadurch ermöglicht, dass sie aufgrund ihrer Körperfülle (ähnlich wie die Wale) ein enormes Blutvolumen haben, das viel Sauerstoff aufnehmen und speichern kann. Außerdem wird die Tätigkeit von Organen (z.B. der Leber und der Niere) wiederum wie bei Walen während der Tauchgänge heruntergefahren, um den Sauerstoff-Verbrauch einzuschränken. Ich übersetze: Organisches U-Boot.

    Die natürlichen Feinde der See-Elefanten sind der Weiße Hai sowie der Orca, die ihm vor allem in der Nähe der Wasseroberfläche gefährlich werden können.

    Die Rangkämpfe, die Geburten und das Geschnarche geben ein eindrückliches Panorama ab. Hier hat man die seltene Gelegenheit, die Kolosse in ihrem natürlichen Umfeld zu beobachten, ohne sie bei ihren Geschäften zu stören.

    Eine Plattform und ein Zaun der "See-Elefanten-Freunde" schützt die Tiere vor nervigen und zu aufdringlichen Besuchern, die zahlenmäßig sowieso weit unterlegen sind und aufgrund ihrer Geräuschärme kaum einen Störfaktor darstellen. Nachweislich haben die Besucher keinen Einfluss auf die Tiere, solange sie die Regeln befolgen (Wer schon immer mal auf einem Elefanten reiten wollte, ist hier falsch am Platz!). Auch ohne den Ritt, handelt es sich bei dem Anblick um eine einmalige Sache, die ich jedem einmal wünschen würde.

    Ein link zu meinem Blog! Mit viel mehr Bildern!

    http://www.wilderness-international.org/wild-blog/karl/berichte/es-werden-decken-gebracht/

    Alle Fragen zu Nasengröße und Haiangriffen beantwortet: 

    www.elephantseal.org/E-Seals/seal_faq.htm

    Kontakt an: Friends of the Elephant Seal

    PO Box 490, Cambria, CA 93428 

Kommentare

4 Kommentare
  • midori
    midori Das klingt echt putzig! :o)
    Auch wenn ich das Paarungsverhalten nicht grade frauenfreundlich finde! oÔ
    Interessante Tiere! Ist schön zu hören, dass sich die Bestände wieder erholt haben! :o)
    2. September 2010
  • Morgan
    Morgan : )
    2. September 2010
  • Bienenkoenigin
    Bienenkoenigin toller bericht ;) das sind echt tolle tiere ;)
    2. September 2010
  • Gluehwuermchen
    Gluehwuermchen Finde ich auch. Interessant und kurzweilig geschrieben ;-)
    3. September 2010