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Kernkraft kann auslaufen

  • Klimaschutz ist wichtig - keine Frage. Doch genau aus diesem Grund bekommt in den letzten Jahren auch die Atomkraft überraschend Aufwind. Zahlreiche Länder in Europa bauen oder planen den Bau neuer Reaktoren. Deutschland hält - wie Spanien, Österreich und Belgien - bisher am Atomausstieg fest. Die schwarz-gelbe Regierung will allerdings die Laufzeiten der Kernkraftwerke verlängern. Wie genau die Verlängerung der AKW-Laufzeiten aussehen könnte, darüber gibt es in der Regierung noch keine Klarheit. Immerhin nannte Kanzlerin Angela Merkel mit einer möglichen Zeitspanne von zehn bis 15 Jahren erstmals Zahlen. Währenddessen kritisiert die Opposition, die Regierung beschwöre damit einen "gesellschaftlichen Großkonflikt" herauf.

    Dich interessiert bestimmt, wie der WWF dazu steht. Hilft die Kernkraft vielleicht doch dem Klimaschutz? Sollten wir nicht die Kraftwerke nutzen, wo sie doch schon da sind? Stimmt es, dass die Erneuerbaren Energien alleine die Stromversorgung in Deutschland nicht stemmen können?

    Der WWF erkennt in dem Gutachten für die zukünftige deutsche Energieversorgung, das die Regierung vorgestellt hat, gar keine stichhaltigen Argumente für eine verlängerte Laufzeit der Kernkraftwerke. Die Dokumente verdeutlichen: Wenn man einen hohen Sicherheitsstandard der Anlagen als Mindeststandard voraussetzt, wird der Weiterbetrieb der Kernkraftwerke keinen spürbaren Einfluss auf das Erreichen der Klimaschutzziele haben. Auch die Effekte auf Beschäftigung und Bruttoinlandsprodukt sind bei hohen Nachrüstkosten für Kernkraftwerke nicht sichtbar. Bei der Entwicklung der Strompreise sind die Auswirkungen ebenfalls vernachlässigbar.

    Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte dennoch die Verlängerung der Laufzeiten um zehn bis 15 Jahre als „fachlich vernünftig“ bewertet. Eberhard Brandes, Vorstand des WWF kritisiert diese Haltung: „Eine Verlängerung der Laufzeiten ist das genaue Gegenteil von vernünftig. Sie erhöht die Risiken, ohne die versprochenen ökonomischen und energiepolitischen Versprechungen einlösen zu können.“

    Wenn sich die Bundesregierung vom geordneten Ausstieg aus der Kernenergie verabschiedet, spült dies zwar zusätzliche Milliardengewinne in die Kassen der vier Energiekonzerne, für die Volkswirtschaft und den Klimaschutz bringt dies jedoch überhaupt nichts. Der WWF ist davon überzeugt, dass jedes Jahr zusätzliche Laufzeit die Investitionen in Erneuerbare Energien blockiert.

    Die Gutachten zeigen darüber hinaus, dass Klimaschutzmaßnahmen unabhängig von einer Laufzeitverlängerung in jedem Fall positive Wachstumsimpulse auslösen. Dies zeigt, dass für Deutschland bis 2020 ein Minderungsziel von 40 Prozent beim Treibhausgasausstoß im Rahmen eines Klimaschutzgesetzes der richtige Weg ist.

    Dass ohne Kohle- und Kernenergie in Deutschland die Lichter ausgehen sollen, ist ein Mythos. Der WWF hat bereits in seinen Studien nachgewiesen, dass die Erneuerbaren Energien bis 2050 so schnell ausgebaut werden können, dass sie den Strombedarf in Deutschland zu 100 Prozent decken. Doch die großen Energieversorger und Teile der Industrie scheuen sich, mutig daran zu gehen, Deutschland zu einem modernen, klimafreundlichen Modellland zu machen. Stattdessen schüren sie im Rahmen der Debatte um das Energiekonzept der Bundesregierung mit Mythen die Angst vor Veränderung und Fortschritt. Dabei bringt uns der Mut zur Veränderung genau das, was alle wollen: Eine sichere, klimaschonende und bezahlbare Energieversorgung.

    Wie ist deine Meinung? Pro oder contra Laufzeitverlängerung?

Kommentare

13 Kommentare
  • Bienenkoenigin
    Bienenkoenigin ach was ich auch noch sagen soll... bei dem ganzen Anti-Atomenergie sachen... dürfen wir auf keinen Fall Braunkohle vergessen, denn die ist mindestens genauso schlimm... und noch tausenma schlimmer für unser Klima!!!!
    2. September 2010
  • Marcel
    Marcel @Carina: Es müssten nicht alle freie Flächen mit Windkraft- und Solaranlagen gepflastert werden. Der WWF hat nachgewiesen, dass es möglich ist, bis 2050 die Kohlenstoffemissionen in Deutschland um 95 Prozent zu reduzieren - und dafür würden keine Wunderte...  mehr
    3. September 2010
  • Gluehwuermchen
    Gluehwuermchen Zupflastern ist hier das Stichwort...ich bin total für erneuerbare Energien, aber wenn ich sehe, wie ganze Landschaften zugestellt werden, anstatt an einer günstigen Stelle EFFIZIENT einen Windpark zu errichten, dann ist das in meinen Augen auch nicht ric...  mehr
    3. September 2010
  • Marcel
    Marcel @Gluehwürmchen: Ich bin vollkommen Deiner Meinung. Leider sind jedoch die politischen Strukturen meistens so dicht verwoben, dass \'einfache\' Lösungen nicht möglich sind. Bei der Frage, wo Windkraftanlagen hingestellt werden, sind der Staat, die Bundeslä...  mehr
    3. September 2010