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Das Waldrapp-Projekt – wie kam es eigentlich zum Flugunterricht

  • Waldrappküken werden von menschlichen Zieheltern aufgezogen.
    Dann wird ihnen mit einem Ultraleichtflugzeug in einer menschengeführten Migration der Weg in ihr Wintergebiet gezeigt und damit kann man eine ganze Vogelart in Mitteleuropa wieder heimisch machen.

    Was alles ein bisschen wie eine Abenteuergeschichte klingt, ist tatsächlich Realität.

    Das Waldrappteam – ein Projektteam bestehend aus Biologen, Wildtierexperten, Umweltingenieuren und Landschaftsplanern, Wissenschaftler aus allen Bereichen der Biologie - arbeiten bereits seit 2002 an genau dieser atemberaubenden Geschichte.

    Der Waldrapp ist ein schwarzer Zugvogel aus der Gattung der Ibise war vor 400 Jahren heimisch in Mitteleuropa und wurde im Mittelalter durch den Menschen ausgerottet. Bis vor ein paar Jahren kam dieser besondere Vogel demnach nur im Zoo vor und nicht in freier Wildbahn.

    Aber wie kommt man dann darauf, dass man ein Wiederansiedlungsprojekt dieses Vogels hier in Mitteleuropa macht?

    »Ich hab mir nicht den Waldrapp ausgesucht und wollte mit ihm ein Wiederansiedlungsprojekt machen. Irgendwie ist der Waldrapp zu mir gekommen.«, erzählt Johannes Fritz.
    Johannes Fritz ist General Project Manager des Waldrappprojekts, der Gesamtmanager für das Projekt sozusagen und auch der Mann, der den Stein ins Rollen gebracht hat.

    In den 90er Jahren war er als wissenschaftlicher Mitarbeiter in einer Forschungsstelle in Oberösterreich tätig und ist dabei auf den Waldrapp gestoßen.
    1997 hat man angefangen Waldrappe per Hand aufzuziehen – also Küken aus Zoohaltung. Diese Vögel sollten für wissenschaftliche Zwecke dort gehalten werden, damit verschiedene Versuche der Verhaltensbiologie mit ihnen durchgeführt werden konnten. Als die Vögel zwei Jahre in Folge von heute auf morgen Mitte August einfach weggeflogen waren, hat man dadurch zwei Erkenntnisse gesammelt:
    Der Waldrapp zeigt Zugverhalten und er kennt den Weg nicht.
    Gerade zu dieser Zeit lief die Hollywood Produktion von »Amy und die Wildgänse« in den Kinos, ein auf einer wahren Geschichte basierender Film, der ein Mädchen zeigt, das Kanadagänsen mit Hilfe eines Ultraleichtflugzeugs den Weg in ihr Wintergebiet zeigt.
    Eine mögliche Methode, um auch dem Waldrapp ein richtiges Zugverhalten beizubringen. Wenige Jahre später hat sich aus der Idee ein Projekt entwickelt und 2001/2002 wurde das dann umgesetzt.  

    13 Jahre lang wurde eine Machbarkeitsstudie durchgeführt: es wurden verschiedene Methoden getestet, ob die Vögel überhaupt dem Fluggerät folgen, ob man Waldrappküken aufziehen kann und besonders wichtig: ob der Waldrapp überhaupt eine Überlebensmöglichkeit im Europa von heute hat.

    Während zu Beginn der Idee ein Leben in freier Wildbahn für den Waldrapp  in Europa noch wie eine ferne Vision erschien, war das dann gar nicht mehr so unmöglich: es gab bereits eine immer wachsende Zahl an Vögeln, mit denen die menschliche Handaufzucht inklusive Flug ins Wintergebiet geklappt hatte.
    »Da war dann irgendwann klar, entweder brauchen wir nachhaltig eine entsprechende Finanzierung um da wirklich ein Wiederansiedlungsprojekt zu machen oder wir müssen es lassen.« (Johannes Fritz)

    Über ein Jahr hat das Waldrappteam einen Projektantrag für „LIFE+-Projekte“ geschrieben und trotz vieler anderer Anwärter auf dieses eine Highendfinanzierungsinstrument Europas die Zuerkennung bekommen. Damit ist nicht nur ein besonders gutes Renommee verbunden, sondern auch entsprechende Budgetmittel, die für sechs Jahre (von 2014 bis Ende 2019) das Waldrappprojekt unterstützen.

    Im Life+-Projekt gibt es den sogenannten Cordinating Beneficiary, den Hauptprojektträger, also unmittelbar der EU gegenüber verantwortlich, das ist der Förderverein Waldrappteam.
    Dazugehören aber auch noch die Associated Beneficiarys, das sind ebenfalls Projektpartner die sowohl operativ, als auch finanziell unterstützen.

    Wir werden im Laufe des nächsten halben Jahres über diese Reise berichten, über die Handaufzucht von Waldrappküken.

    Zeitlich ist alles sehr stark von den Küken abhängig. Ende Mai ist die Übersiedlung ins Trainingscamp geplant, sobald die Küken flügge werden Anfang Juni kann das Flugtraining beginnen und Mitte Juli werden dann auch schon die ersten Flüge unternommen, wenn die Jungvögel entsprechend entwickelt und trainiert sind. Wenn alles gut läuft, startet die menschengeführte Migration Mitte August und der Flug über die Alpen in die Toskana beginnt!

    Das Waldrapp-Projekt ist nur noch bis Ende 2019 ein LIFE+-Projekt. Da ein Wiederansiedlungsprojekt und auch Artenschutz immer etwas langwieriges ist, ist das Team bereits dabei, einen neuen LIFE+-Antrag zu verfassen, der auch die nächsten Jahre abdecken soll, damit die Waldrapppopulationen weiter wachsen können und somit ein Bestehen der Art in Europa in freie Wildbahn wieder möglich ist.

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