Berichte

2°CAMPUS 2018 - FORSCHUNGSGRUPPE GEBÄUDE, Ergebnisse


  • © WWF/Arnold Morascher

    „Bis 2050 strebt die Bundesregierung einen nahezu klimaneutralen Gebäudebestand in Deutschland an", so heißt es auf der offiziellen Seite der Bundesregierung.
    Dieser Schritt ist für das Erreichen des 2-Grad-Zieles wichtig, denn der Anteil des Gebäudesektors am deutschen Energieverbrauch beträgt fast 40% und gleichzeitig ist der Gebäudesektor für ca. 30% der Treibhausgasemissionen in Deutschland verantwortlich. Zu bedenken ist, dass bis zum Jahr 2050 82% der Wohnfläche in Deutschland Bestandsgebäude sein werden, also vor 2005 gebaut wurde.

    Wir stellten uns die Forschungsfrage:
    „2°Quartier – Wie verändert konsequenter Klimaschutz unser Wohnen?“
    Dazu haben wir untersucht, welche Maßnahmen notwendig sind, ein Bestandsquartier klimaneutral umzugestalten. Ganz bewusst haben wir nicht an Maßnahmen für einzelne Gebäude gearbeitet, sondern für ein gesamtes Wohnquartier, also eine Häusergruppe von 5 bis 30 Gebäuden, da sich beim gemeinschaftlichen Vorgehen neben den ökologischen auch ökonomische Vorteile, z.B. durch Mengeneffekte, ergeben können. Durch vernetztes Denken und Handeln, beispielsweise im Rahmen von Solarpartnerschaften, sind stärkere Einsparpotenziale möglich, als wenn nur für einzelne Gebäude geplant wird.

    In unserer Forschungsgruppe haben wir drei unterschiedliche Wohnquartiere in drei Bundesländern untersucht. Die Baujahre (zwischen 1960 und 2011) sowie die Gebäudearten (Einfamilien-, Reihen-, Doppel- und Mehrfamilienhäuser) waren sehr unterschiedlich. Grundlage unserer Forschung waren Feldstudien in den untersuchten Quartieren durch Befragung der Einwohner sowie kommunalen Versorger und Verwaltungen. Zur besseren Veranschaulichung sowie Simulation des Sonnengangs bauten wir Modelle der Quartiere, wobei wir die genauen Maßstäbe beachten mussten.

    Angekommen im zweiten Block des 2°Campus arbeiteten wir an der Bergischen Universität Wuppertal für Architektur. Dort analysierten wir die von uns erhobenen Daten. Durch unsere nachgebauten Modelle der Quartiere konnten wir anschaulich sehen, wo es mögliche Solarpotentiale gibt. Interessant hierbei war auch das Experimentieren, inwieweit sich die Sonneneinstrahlung auf das Quartier verändert, je nach Breitengrad und Jahreszeit.

    © WWF/Arnold Morascher

    © WWF/Arnold Morascher

    Nach diesem sehr anschaulichen Modellversuch ging es an das genaue Bestimmen des Solarpotentials, wobei wir unser Quartier mit dem Computer nachstellten. Diese sogenannte Solarpotenzialanalyse simuliert die Sonneneinstrahlung auf den verschiedenen Flächen unter Einbeziehung des exakten Standortes und gibt anschließend die kumulierte Globalstrahlung in Kilowattstunden je Quadratmeter pro Jahr aus. Dabei werden mögliche Potenzialflächen für Solaranlagen in Relation zu einem Referenzgebäude ermittelt.

    Quelle: Solarpotenzial Lernnetz Screenshot

    Quelle: Solarpotenzial Lernnetz Screenshot

    Diese neuen Daten konnten wir für das Lernprogramm DECA (District Energy Concept Adviser) verwenden, in welchem auch unsere anderen Daten zum Einsatz kamen. Das Programm dient zur Bilanzierung von Energiebedarfen sowie der CO2-Äquivalente. Hier simulierten wir zunächst den sogenannten Ist-Zustand, der den momentanen Energiebedarf widergibt. Danach konnten wir, ausgehend vom Ist-Zustand, verschiedene Faktoren verändern, um deren Auswirkungen zu sehen, wie zum Beispiel das Baujahr, die Wohnfläche, Heizungsanlage und Warmwasseraufbereitung, Solarthermie und Photovoltaik, Lüftung und Kühlung, sowie Geräte und Beleuchtung. Anschließend probierten wir verschiedene Varianten aus.

    Unsere Untersuchungen führten zu folgendem Fazit:
    Ein Null-Emissionsquartier ist zwar theoretisch möglich, jedoch nur sehr aufwendig zu realisieren. Neben dem finanziellen und zeitlichen Aufwand ist auch die Frage zu klären, in welchem Maße die Einwohner bereit sind, die notwendigen Maßnahmen durchzuführen. Die Einwohner müssen auf jeden Fall mit einbezogen und für die Ziele überzeugt werden. Realistische Umsetzungsvarianten können die CO2-Emissionen bereits deutlich reduzieren (im Durchschnitt auf 21% des Ist-Zustands unserer untersuchten Quartiere). Zusätzlich könnten weitere geeignete Flächen wie Garagendächer, Bushaltestellen etc. für die Solarenergiegewinnung bereitgestellt werden. Nach unserer Meinung sollte das Reduktionspotenzial von Quartieren auch mit den anderen Lebensbereichen einhergehen, z.B. durch nachhaltiges Reisen und E-Mobilität (mit überschüssiger erneuerbarer Energie).
    Insgesamt haben uns die Forschungsergebnisse gezeigt, dass auch mit realistischen Umsetzungsvarianten zur CO2-Reduzierung in Bestandsquartieren ein effektiver Beitrag zur Erreichung des 2-Grad-Zieles geleistet werden kann.

Kommentare

3 Kommentare
  • peacemeinfreund
    peacemeinfreund Wow. Vielen Dank für den Artikel.
    Mich würden folgende Sachen noch genauer interessieren:
    Habt ihr auch unterschiedliche Dämmstoffe verglichen und Varianten für die jeweiligen Häuser?
    In einem Diagramm wird immer Klassa A aufgeführt? Wofür steht das?
    Wis...  mehr
    2. Oktober 2018
  • SteffiFr
    SteffiFr super Artikel, vielen Dank. Sehr interessant, was ihr da geforscht habt. DIe möglichen CO2-Einsparungensind teilweise wirklich bedeutsam, super dass ihr das dargestellt habt!
    5. Oktober 2018
  • Cornelius
    Cornelius Hey, coller Artikel, wie setzen sich den die "realistsichen" CO2 Äquivalente zusammen? Die hängen ja eigentlich von zwei Faktoren ab, dem Energieverbrauch während der Nutzung und die Investierte Energie/Materialen während der Herstellung. Hätten...  mehr
    16. Oktober 2018