Berichte

Insektensterben - Wenn die Sechsbeiner ins Gras beißen

  •  

    Summ, summ, summ, Bienchen summ herum...

    Na schön wäre es, aber so einfach ist es leider nicht. Um Bienen, Hummeln & Co steht es im Moment überhaupt nicht so rosig, wie es in diesem Kinderlied beschrieben wird.

    Insekten machen etwa 60% aller bekannten Tierarten aus und sind somit die artenreichste Klasse des gesamten Tierreichs. Insekten dienen als Pflanzenbestäuber, Schädlingsbekämpfer und sie sind für viele Tierarten, wie Vögel, Frösche, Eidechsen,... die wichtigste Nahrungsquelle. Somit kann man sie als Fundament eines intakten Ökosystems betrachten.

    Doch eine im Oktober 2017 veröffentlichte Studie zeigt ein erschreckendes Ergebnis:                             
    27 Jahre lang wurden in über 60 Standorten in Deutschland Insektenfallen aufgestellt und ausgewertet. In dieser Zeit ging die Masse der gefangenen Tiere um über 75% zurück. Die Zahlen sprechen dabei für sich:

    2017 standen 7 802 Insektenarten auf der Roten Liste, davon gelten schon 358 als "ausgestorben oder verschollen" und bei 42% der aufgelisteten Arten wurde eine negative Bestandsentwicklung vorhergesagt.

    Gründe für diesen dramatischen Rückgang gibt es viele: Zu kleine, verstreute Rückzugsgebiete, naturferne Gärten, Lichtverschmutzung und nicht zuletzt der Klimawandel.

    Doch der vermutete Hauptverursacher ist die intensive Landwirtschaft. Monokulturen, Grünlandumbruch und eine zu hohe Stickstoffdüngung verringern den Lebensraum und das Nahrungsangebot vieler Insekten, hinzu kommt noch der  vermehrte Einsatz von Herbiziden (gegen Pflanzen) und Insektiziden.

    Die Politik ist in diesem Themengebiet allerdings sehr träge. Zwar wurden im Frühjahr dieses Jahres Neonicotinoide (höchst wirksame Insektizide, die v.a. Auswirkungen auf das Nervensystem der Bienen haben), von der EU verboten, das geht aber nicht weit genug. Es sollte mehr Geld für Schutzmaßnahmen zu Verfügung gestellt werden und die Landwirtschaft sollte sich allgemein umorientieren,  zu weniger Gift und mehr Artenvielfalt. Dies funktioniert aber nur mit Hilfe der Politik und mit einem Umdenken der Verbraucher.

    Weiteres Insektensterben wird fatale Folgen haben. Nicht nur, dass wir die Frontscheibe unseres Autos weniger oft putzen müssen, weil weniger Insekten daran kleben, sondern auch die Anzahl von z.B. Vögeln wird zurück gehen, da ihre Nahrungsgrundlage wegstirbt. Merken werden wir es dann an "stummen Frühlingen", wenn kein Vogel mehr singt.

    Was kann ich gegen das Insektensterben tun?

    Ein guter Ansatz ist z.B. biologisch angebaute Produkte zu kaufen, da bei der Produktion keine Pestizide eingesetzt werden dürfen und auch oft insektenfreundliche Pflanzen in der Fruchtfolge angebaut werden.                                    Ein weiterer Punkt ist, den eigenen Garten insektenfreundlich zu gestalten, d.h. weniger Kies und Rasen und mehr Blumenwiesen und Büsche wie beispielsweise Flieder.   Das sieht viel schöner aus und ist auch deutlich besser für die Umwelt.                                                                                                            
    Insektenwiesen sehen aber nicht nur in Gärten gut aus, sie können auch in den Städten für Verschönerung sorgen.  Mein Tipp: Einfach mal bei der Stadtverwaltung anfragen, dort sind sie häufig sehr offen für solche Anfragen. So wurde z.B. vor unserer Schule ein breiter Streifen Blumenwiese eingesät.
    Außerdem müssen wir unsere Mitmenschen darauf aufmerksam machen, wie wichtig Insekten für uns sind und was man tun kann, um sie zu schützen.

    (Bild:Eigene Aufnahme)

Kommentare

3 Kommentare
  • TobiS
    TobiS Ein wichtiges Thema, das du da ansprichst! Daher ist es wichtig, dass wir den EU-Politikern signalisieren, dass wir eine nachhaltige Landwirtschaft wollen, die die Arten- und Insektenvielfalt bewahrt: https://www.wwf.de/aktuell/insektensterben-stoppen/
    25. Juli
  • SteffiFr
    SteffiFr bei uns in der Stadt wurde auch angefangen, Gründflächen gezielt insektenfreundlich zu gestalten. Unter anderem eine Fläche am Rathaus. Zeitungskommentar: "und es wurde auch schon EINE Biene gesichtet" (Hervorhebung von mir) Ich wusste nicht, ob...  mehr
    25. Juli
  • Ivonne
    Ivonne Danke für deinen Bericht!! :-)
    30. Juli