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Raupe macht (N)immersatt?

  • Wenn man das Wort "Klimawandel" hört, denkt man als erstes an Schadstoffausstoß von Autos und qualmenden Industrieschornsteinen. Dabei sind 51% aller weltweit ausgestoßenenen Treibhausgase auf die Viehzucht zurückzuführen. Deshalb werden immer wieder Ansätze entwickelt, um Fleisch in unserer Ernährung zu reduzieren. Der Klassiker ist der Rückgriff auf vegane Lebensmittel wie Tofu oder Grünkern. Eine neue, eher unkonventionelle Idee allerdings will nicht das Fleisch ersetzen, sondern das Tier: Sind Madenkompott, geröstete Grillen und Fliegeneintopf Hirngespinst oder tatsächliche Zukunftsmusik?

    Quelle: https://www.krautundrueben.de/raupen-an-kohl

    Nein, du hast dich nicht verhört. Insekten wären tatsächlich aus mehreren Gründen eine gute Alternative. Doch warum ist das so, und ist die Idee wirklich zukunftsfähig?

     

    Wir Deutschen lieben Fleisch. Durchschnittlich essen wir 59 Kilogramm pro Person innerhalb eines Jahres und das ist eindeutig zu viel. Das größte Problem daran ist, dass Unmengen an Vieh dafür gezüchtet werden muss. Ein Hausrind stößt täglich zwischen 150 und 250 Liter Methan aus, mit steigender Tendenz. Aufgrund des nährstoffarmen Futters in wärmeren Gebieten der Erde, an denen die Hauptstandorte für Viehzucht sind, müssen die Tiere mehr essen und somit mehr verdauen.

    Das wäre bei Insekten sehr viel unkomplizierter. Sie produzieren nicht nur kein Methan, sondern brauchen ebenfalls weniger Futter, wodurch die benötigte landwirtschaftliche Fläche schrumpfen würde. Im Vergleich: Für ein Kilo Rindfleisch muss 25 Kilo Futter aufgewandt werden, während für die selbe Menge Insektenfleisch nur 2 Kilo Futter verbraucht würden.

    Zudem sind Insekten sehr viel platzsparender. Natürlich bräuchte man im Verhältnis zu konventionellen Tieren eine sehr viel größere Anzahl an Insekten, dennoch brauchen jene nur 8% der Fläche. Dadurch könnte gleichzeitig die Zerstörung von Wäldern, insbesondere in den Tropen, eingedämmt werden.

    Bei entsprechender Auswahl geeigneter Insektenarten könnte man zusätzlich artgerechte und Massentier-Haltung miteinander vereinbaren. Viele Insekten leiden nicht unter einer hohen Populationsdichte im Vergleich zu Wirbeltieren.

    Neben dem Umweltaspekt sind die Krabbeltiere außerdem durchaus gesund. Die nussig schmeckenden Wirbellosen enthalten Vitamin B12, die wichtigsten neun Aminosäuren und andere Mikronährstoffe. Auch der große Proteingehalt der Tierchen ist bemerkenswert. Es gibt bereits Proteinriegel zu kaufen, in denen Grillen verarbeitet wurden.

    Ein Nachteil des Konzepts ist allerdings, dass das Auge bekanntlich mitisst. Kaum einer würde gerne eine handvoll gebratener Maden auf seinem Teller haben wollen. Deshalb wird bei vielen Start-Up Unternehmen, die sich auf Nahrung aus Insekten spezialisiert haben, versucht, die Insekten so zu verarbeiten, dass sie nicht mehr an ihr ursprüngliches Aussehen erinnern.

    Quelle: https://www.goethe.de/de/kul/mol/21051740.html

    Das zweite Problem, welches sich ergibt, ist, dass man sich nicht einig ist, womit die Insekten in einer hypothetischen Zuchtstation gefüttert werden sollen. Manche Arten sind sehr empfindlich was das Futter angeht und ihre Lebensdauer verändert sich entsprechend. Zusätzlich sterben wegen der industriellen Haltung auf engem Raum viele der Tiere (Test nur bei Langfühlerschrecken durchgeführt, deshalb nur bedingt richtig), bevor sie ein passendes Gewicht erhalten haben.

    Solange man auf eine korrekte Auswahl der Insektenarten, die sich zur Zucht eignen, achtet, sind die oben angeführten Nachteile zu vernachlässigen. Das benötigte Futter darf selbst keine ökologischen Probleme mit sich bringen und die Insekten dürfen nicht leiden.

    Trotz gewisser Risiken überwiegen die positiven Faktoren der Insektenzucht gegenüber der konventionellen Tierzucht. Umwelttechnisch wäre es auf jeden Fall ein Fortschritt und es gibt per Onlineversand in Deutschland schon einige Insektenfleischprodukte zu kaufen, die in kleinen Unternehmen hergestellt werden. Ich persönlich finde die Idee ist auf jeden Fall weitere Überlegungen wert, und das Potential sollte wirtschaftlich ausgeschöpft werden. Das Optische ist außerdem nur eine Frage der gesellschaftlichen Gewöhnung. So oder so gilt hier meiner Meinung nach genauso wie beim herkömmlichen Fleisch: In Maßen, nicht in Massen.

    Ob die Fliege zukünftig nicht mehr ein unerwünschtes Versehen sondern die Hauptzutat sein wird - warten wir's ab.

    Quelle: https://www.ebay.de/itm/Deko-Blech-Metall-Schild-Cartoon-Miguel-Fernandez-Ober-Fliege-in-der-Suppe-20x30-/400335863465

     

    Quellen:

    -https://www.simply-live-consciously.com/deutsch/ern%C3%A4hrung-umwelt/51-der-treibhausgase/

    -https://www.wiwo.de/technologie/green/methan-wie-rinder-dem-klima-schaden/19575014.html

    -https://www.goethe.de/de/kul/mol/21051740.html

    -https://www.watson.ch/Wissen/Gesundheit/563710242-Insekten-als-Fleischersatz-der-Zukunft--Funktioniert-nicht-- behauptet-neue-Studie

    -http://www.general-anzeiger-bonn.de/news/wirtschaft/ueberregional/Die-Deutschen-essen-zu-viel-Fleisch- article3743825.html

     

Kommentare

6 Kommentare
  • Puma
    Puma Ich hab davon auch schon gehört und finde das Thema eigentlich auch super interessant. Aber ich kann mir trotzdem nicht vorstellen, Insekten zu essen...
    15. Mai
  • PikaRu
    PikaRu @LiaLioky Ja, Insekten sind, wie ich im Bericht erwähnt habe, sehr gesund. Sie bestehen hauptsächlich aus Eiweiß und enthalten viele Vitamine und Aminosäuren. Und Fett enthalten die Tiere praktisch gar nicht.
    Ich finde für Milch gibt es eigentlich genug E...  mehr
  • JohannaK
    JohannaK Ich bin eigentlich (nahezu) vegan, würde aber tatsächlich Insekten essen. Ich denke, das ist reine Kopfsache, Insekten eklig zu finden und Muttermilch von Kühen und Fleisch von niedlichen Schweinen ok oder eben auch umgekehrt.
  • LiaLioky
    LiaLioky @Ruth: Naja, die meisten, die ich kennenlerne, sagen eher, dass sie nie auf Käse verzichten könnten. Ich glaube, dass Fleisch in weiten Teilen gar nicht mehr so DAS Thema ist. Und ich habe den Abschnitt schon gelesen, mit ging es halt nur um diese Sachen ...  mehr
    17. Mai