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2°CAMPUS 2018 - FORSCHUNGSGRUPPE GEBÄUDE

  • Einen großen Teil unseres Lebens halten wir uns in Gebäuden auf. Wir arbeiten im Büro, wir wohnen im Ein- oder Mehrfamilienhaus, wir gehen in die Schule oder verbringen den Tag im Urlaubshotel.

    35 Prozent des Endenergieverbrauchs und etwa 30 Prozent der CO2-Emissionen in Deutschland kommen aus dem Gebäudesektor.[1] Obwohl in den letzten Jahren immer mehr energiefreundliche Passivhäuser und gut gedämmte Neubauten erbaut wurden gibt es noch viele Altbauten.

    Dass hier gespart werden kann und muss, liegt auf der Hand.

    Viele Häuser in Deutschland sind nur sehr schlecht gedämmt, denn sie wurden sogar noch vor der Einführung der ersten Wärmeschutzverordnung von 1979 errichtet. Durch Sanierungen und modernere Gebäudetechnik können bis zu 80 Prozent des Energiebedarfs eingespart werden[2]. Das Einsparungspotenzial ist enorm.

    Die „International Energy Agency“ (IEA) arbeitete heraus, dass der Großteil der Energie in den Haushalten der Industrieländer, für das Heizen und die Wassererwärmung verwendet werden.

    Grafik: International Energy Agency (IEA). (2014). Der Energieverbrauch der OECD-Länder im Wohnsektor – Anteil am Energieverbrauch. Abgerufen am 14. Mai 2018 von Statistika: https://de.statista.com/infografik/2723/energieverbrauch-im-wohnsektor/

    Allerdings reicht das Dämmen nicht aus, wenn die Energie für die Heizung immer noch zum Großteil aus fossilen Energieträgern stammt.

    Grafik: Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW). (2016). Wie die Deutschen heizen – Art der Heizung und zum Heizen genutzte Energieträger in Deutschland 2016. Aberufen am 14. Mai 2018 von Statistika: https://de.statista.com/infografik/11385/art-der-heizung-und-zum-heizen-genutzte-energietraeger/

    Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft veröffentlichte Daten zu den Heizgewohnheiten der Deutschen. 75 Prozent der Deutschen heizen noch immer entweder mit Gas oder Öl. Das muss sich dringend ändern.

    Genau hier setzt unser Gebäudeteam an. Im Rahmen des 2-Grad-Campus untersuchen wir beispielhaft 5 Wohngebiete über Deutschland verteilt. Die Gebiete umfassen jeweils 5-30 Häuser. Diese Wohngebiete werden von uns liebevoll als 2-Grad-Quartiere bezeichnet. Ausgehend von unserer Leitfrage: „Wie verändert konsequenter Klimaschutz unser Wohnen?“ haben wir ein Konzept entwickelt, wie wir den Energieverbrauch in den 2-Grad-Quartieren messen und anschließend reduzieren können.

    Mithilfe einer Umfrage erfassen wir den ökologischen Fußabdruck der Bewohner. Die Fragen richten sich an die Themen Mobilität, Energie und Wohnen. Zusammen mit Quadratmeterzahlen, Informationen über Heizart, Bewohneranzahl, Stromverbrauch und Dämmung erstellen wir Modelle zur Effizienz der untersuchten Gebäude. Wir erfassen auch die jährlich getätigten Flugstunden und das Pendlerverhalten, um uns ein Bild über die Mobilität der Bewohner zu verschaffen. Wo lassen sich noch Energie oder Emissionen einsparen? Brauch es noch bessere Anschlüsse zum ÖPNV oder könnte man bei der Straßenbeleuchtung Energie einsparen?

    Im Anschluss dazu erstellen wir ein maßstabgetreues Modell des Wohngebiets, welches im Sommer in der Wuppertaler Universität einer genauen Analyse unterzogen wird. Mit einer künstlichen Sonne, die sich um das Modell bewegt, wird ein Tag simuliert. Aus den gewonnenen Informationen lassen sich dann die optimalsten Standorte und Ausrichtungen für Solarzellen und Photovoltaikanlagen berechnen. Denn je mehr Energie schon vor Ort gedeckt werden kann, desto weniger muss über Kraftwerke bezogen werden. Dadurch gibt es keine Verluste durch den Energietransport und die Dachflächen können sinnvoll genutzt werden.

    Bis zum Sommer hat jedes Mitglied unserer Gruppe zusätzlich noch einige Sonderaufgaben bekommen. Eine Aufgabe liegt im genauen Vergleich der Umweltbilanz von verschiedenen Heizungsarten. Holzpelletheizungen werden oft als eine umweltneutrale Heizungsmöglichkeit angesehen, da der benötigte Rohstoff Holz beim Verbrennen nur so viel CO2 emittiert, wie beim Wachstum eingelagert wurden. Allerdings ist abzuwägen, ob die oft bemängelten, höheren Feinstaubemissionen oder die Abholzung von Waldflächen gegen die Nutzung sprechen.

    Wir freuen uns auf die spannenden Ergebnisse unserer Nachforschungen und hoffen, dass wir einen Beitrag zum 2-Grad-Ziel leisten können.

    [1]Umweltbundesamt (UBA). (22. Februar. 2016). Energiesparende Gebäude - Gebäude: Wichtig für den Klimaschutz. Abgerufen am 14. Mai 2018 vom Umweltbundesamt: https://www.umweltbundesamt.de/themen/klima-energie/energiesparen/energiesparende-gebaeude#eigentuemer

    [2] Presse- und Informationsamt der Bundesregierung: (15. März 2018). CO2-Gebäudesanierung – Gebäudesanierung energieeffizient Bauen und Sanieren. Abgerufen am 15. Mai 2018 von Die Bundesregierung: https://www.bundesregierung.de/Webs/Breg/DE/Themen/Energiewende/Energiesparen/CO2-Gebaeudesanierung/_node.html

Kommentare

4 Kommentare
  • Anticap
    Anticap Wow, das klingt wie ein Mammut-Projekt. Ich bin gespannt, was ihr herausfindet. :D
  • SteffiFr
    SteffiFr interessantes Thema!
  • LiaLioky
    LiaLioky Ich freue mich schon auf eure Ergebnisse! Habt ihr wirklich alle Bewohner befragt, die in den Gebieten wohnen, oder nur einige stichprobenartig?
  • davidkoehn
    davidkoehn Danke für das positive Feedback! Die Befragung läuft aktuell noch. Wir gehen dabei nicht stichprobenartig vor, sondern befragen alle Haushalte im direkten Umkreis.
    28. Mai