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Bioethanol - das Benzin der Zukunft?

  • Einige schwören, es sei die Lösung all unserer Probleme, die Rettung vor der globalen Erderwärmung und das Ende der Luftverschmutzung durch Kraftfahrzeuge…

    Bioethanol heißt dieses Wundermittel. Und zugegebenermaßen klingt es auf den ersten Blick tatsächlich „wunderbar“. Ethanol ganz allgemein ist eine leicht entzündliche Flüssigkeit aus der Gruppe der Alkohole, das unter anderem als Kraftstoff für Pkws verwendet wird. Bioethanol wird ausschließlich aus nachwachsender Biomasse wie beispielsweise Zuckerrohr, Zuckerrüben und Mais hergestellt. Das Tolle dabei ist, dass dieser Kraftstoff CO2-neutral ist. Das bedeutet ganz einfach, dass bei der Verbrennung von Bioethanol nur so viel CO2 freigesetzt wird, wie die zur Herstellung verwendeten Pflanzen auch vorher aus der Luft aufgenommen haben.

    Eigentlich gar nicht schlecht, oder?

    Brasiliens Agrarwirtschaft hat sich in den letzten Jahren mehr und mehr auf den Anbau von Zuckerrohr spezialisiert, aus dem dann Bioethanol hergestellt wird. Und das Land fährt damit nicht schlecht – wortwörtlich. Mit dem pflanzlichen Sprit lässt sich Dank der niedrigen Produktions- und Transportkosten richtig Geld machen. Und die Nachfrage nach Bioethanol boomt, unter anderem wegen den steigenden Erdölpreisen. Es wurden sogar spezielle Autos entwickelt, die mit einer beliebigen Mischung von Benzin und Bioethanol im selben Tank fahren können. Das nennt man dann Flex-Fuel, kurz für Flexible-Fuel-Vehicle (FFV). So verdient auch die Automobilindustrie daran.

    Okay, und wo ist der Haken? Kommt sofort…

    Das Geld fließt nämlich mal wieder nur in die Tasche der Leute, die sowieso schon genug haben. Große Konzerne aus Europa und Nordamerika nehmen die meiste Fläche des Landes für sich in Anspruch und die lokalen Bauern erleiden Verluste. Außerdem hungert die Bevölkerung, denn Ackerland, auf dem früher Nahrungsmittel angebaut wurde, dient heute dafür, den Tank zu füllen. So ackern sich die Leute für einen Hungerlohn auf den Plantagen ab. Der Forscher Francisco Alves hat errechnet, dass ein Arbeiter auf einer brasilianischen Zuckerrohrplantage täglich 10.000 Machetenhiebe ausführt und bis zu acht Liter Wasser verliert. Einige brechen vor Erschöpfung unter der heißen Sonne zusammen.

    Und nicht nur die Menschen in Brasilien leiden. Erinnert ihr euch beispielsweise noch an die Unruhen in Haiti im Jahr 2008? Damals wurde heftig gegen die steigenden Lebensmittelpreise protestiert. Und jetzt ratet mal, womit diese mehr oder weniger unmittelbar zusammenhingen…

    Selbst ökologisch ist nicht alles Friede-Freude-Eierkuchen mit dem süßen Kraftstoff. Denn um für die Zuckerrohrplantagen Platz zu schaffen, werden viele Wälder gerodet. Zusätzlich laugt die einseitige Bepflanzung den Boden aus und der viele Dünger belastet das Grundwasser.

    Tja, und zu guter Letzt ist das mit dem „CO2-neutral“ auch so eine Sache. Denn die Schiffe und Transporter, die den Biosprit nachher um die halbe Welt transportieren, sind bestimmt nicht CO2-neutral…

    Quellen:
    Das ZEIT-Lexikon
    „Francisco Cardos, Zuckerrohrschneider aus dem brasilianischen Gueriba“. Rheinischer Merkur Nr. 43, 2006
    http://www.focus.de/politik/ausland/haiti-unruhen-im-karibik-staat_aid_269043.html

    Bilder:
    http://www.flickr.com/people/kramboner/
    http://www.flickr.com/people/dimon11/

     

Kommentare

8 Kommentare
  • Morgan
    Morgan ohne haken,das wär schön...
    18. August 2010
  • nera8
    nera8 Klang ja auch zu schön um wahr zu sein ;) Die sollen lieber mal weiter an den Elektroautos forschen und die Leute nicht mit sonem Mist verarschen!
    22. August 2010
  • Naturtier
    Naturtier Guter Bericht, der auch mal die Schattenseiten von diesem \"BIOSprit\" beleuchtet. Es zeigt sich ja mal wieder, dass häufig nur über den ersten Schritt nachgedacht wird (\"kein Erdöl, sondern nachwachsend = guuuuut\"). Dass dabei auch Menschen sterben ist...  mehr
    25. August 2010
  • Schmusetigerle
    Schmusetigerle ein Aspekt ist auch, dass durch diesen einseitigen Anbau einer Sorte eine Monokultur entsteht. Diese ist wiederum sehr schlecht für die Artenvielfalt, denn welche Tiere können dort überleben? Mäuse sterben vielleicht schon an den Düngern und Greifvögel ha...  mehr
    30. November 2010