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Chinas heimlichen Katastrophen – Auf zu neuen Ufern

  • Alle Welt blickt nach Amerika. Die USA haben mit der bislang größten Umweltkatastrophe zu kämpfen, die je vom Menschen verursacht wurde. Millionen Liter Öl flossen tagtäglich, über drei Monate lang in den Golf von Mexiko. Das Entsetzen war groß, mittlerweile scheint es fast vergessen. Der Präsident planscht zur Demonstration im Meer. Das Signal ist klar. Die Katastrophe ist vorüber. Die Wahre beginnt allerdings erst jetzt.

    Macht man einen weiten Sprung Richtung Asien, um genau zu sein China, so findet man auch hier eine ähnliche Situation. Nur niemand weiß es wirklich.

    Am 16. Juli explodierten im Nordosten Chinas, in der Bucht von Dalian, zwei Ölleitungen. Offiziell ist das Geschehen bekämpft und Siegesfeiern, unter anderem auch vom Konzern China National Patroleum Corporation sowie dem örtlichen Bürgermeister, sind an der Tagesordnung. Die Realität sieht anders aus.

    Hausfrauen, Studenten und vor allem Fischer werden an Land gerufen, um am Strand Aufräumarbeiten zu leisten. Strohballen werden ins Meer geworfen. Sie sollen das Öl aufsaugen und später entsorgt werden. Doch wo? Wahrscheinlich heimlich, denn der Fortschritt muss weiter gehen. Fortschritt wird groß geschrieben in China. Der kommunistische Staatsapparat kann sich eine Verlangsamung der Wirtschaft nicht leisten. Dem Volk muss versichert werden, dass es auf dem richtigen Weg ist. Da muss die Natur eben mal den kürzeren Ziehen.

    Die Folgen sind klar. Erdrutsche, wie zuletzt im Nordwesten des Landes, werden durch den starken Regen sowie dem Raubbau an der Natur zugeschrieben. Gleichzeitig sind das die Opfer für eine rasand schnelle industrielle Aufholjagt. Drei oder vier Prozent Wachstum wäre für Deutschland ein Segen, für China ein Desaster. Neun, zehn oder elf Prozent scheinen real und die Welt guckt zu. Was bleibt ihr auch anders übrig. Deutschland, ehemaliger Exportweltmeister, profitiert von diesem Wachstum ungemein. Ohne China wäre Deutschland noch immer in der Rezession. Ein drei Prozentwachstum, wie wir es momentan verzeichnen, liegt nicht am Binnenmarkt innerhalb Deutschlands. Deutschland ist eine Exportnation und somit abhängig von der Welt oder eben China.

    China muss weiter wachsen, das ist die Devise. 2000 Tonnen verendeter Fisch in der Provinz Fujian aufgrund von vergiftetem Wasser aus einer Kupfermine, welches in den Fluss strömte, scheint da zur Nebensache zu werden. Ähnlich verheerend aber für die Medien oder den Staat nicht weiter von Bedeutung, war die Verschmutzung eines Flusses in Jilin. Dort wurden 1000 Fässer mit Trimethylchlorsilan, einer brennbaren sowie stinkenden Flüssigkeit, in den Fluss gekippt.

    Die Mengen in Dalian wird auf 1500 Tonnen Öl beziffert – offiziell. Greenpeace-Berater und Meeresbiologe Richard Steiner von der University of Alaska geht von bis zu 90.000 Tonnen aus. Das alles ins Meer geflossen ist lag nicht an der Explosion selber. Das Öl wurde vorsätzlich ins Meer geleitet, um die anliegenden Tanks nicht zu gefährden.

    China selber ist durstig. Der rote Drache braucht Energie. Energie die aus dieser Region kommt. Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Löschung von Öl in der Region um 35,3 Prozent an. Das macht klar, wie durstig dieses Land ist. Die örtliche Bevölkerung wird mit nagelneuen Booten gestillt. Sie scheinen mehr daran zu verdienen als vor der Katastrophe. Der Preis dafür ist die Treue zum Staat. Journalisten mit kritischen Fragen sind natürlich unerwünscht und werden durch Männer in schwarzen Westen abgewiesen.
    Trotz der Katastrophe öffnet der Fischmarkt pünktlich um drei Uhr morgens. Der Fisch, so heißt es, schwimmt ja unten. Das Öl ist oben. Und die paar Muscheln, die will ja eh keiner.

    Mehr zu diesem Thema findet ihr hier: Das Land aus dem wir Leben

    Quelle Bild: http://www.spiegel.de/fotostrecke/fotostrecke-57751-3.html

     

     

Kommentare

6 Kommentare
  • Gluehwuermchen
    Gluehwuermchen Naja, das würde ich nicht so verallgemeinern! Dieses "Verhalten", sage ich jetzt mal ist nicht nur auf China zu beziehen. Eigentlich haben doch alle Industrienationen die starke Tendenz zu Profitgeilheit und Vertuschung...
    Deshalb erfährt man ja oft ga...  mehr
    18. August 2010
  • midori
    midori Super Bericht! ;o)
    18. August 2010
  • Morgan
    Morgan aus den drei Chinesen mit dem Kontrabass sind drei Chinesen mit Ölfässern geworden...
    18. August 2010
  • Peet
    Peet @Marielle

    Wieso sollen die Chinesen alle \"verballert\" sein? Ist es nicht ihr gutes Recht nach Wohlstand zu streben? Das machen wir in unserer westlichen und friedlichen Welt tagtäglich. Selbst unsere Nationalhymne zeigt uns das. Und es ist ganz klar, i...  mehr
    18. August 2010