Berichte

Zero Waste - ein Bericht aus dem Alltag (Teil 1)

  • Null-Abfall, Kunststoff Frei, Minimalismus


    In den letzten Wochen haben einige von uns beim Plasticfree July mitgemacht und sich der Challenge gestellt, Plastik zu reduzieren.

    Am Freitag folgte mit dem Film "The Story of Plastic" noch ein inspirierender Filmabend.

    Zusammen konnten wir im Film die unglaubliche Menge an (Plastik-)Müll überall auf der Welt sehen, Fakten zu Recycling und Umweltverschmutzung durch Plastik lernen und auch mutmachende Ansätze wie Zero-Waste-Städte kennenlernen.

    Wie ist es nun aber, Zero Waste zu leben, und keinen (bzw. möglichst wenig) Müll zu verursachen? Ist das im Alltag praktikabel? Ist es nicht furchtbar umständlich, unbequem, unrealistisch?

    Ich sage: Nein. - Und um euch eine kleine Vorstellung zu geben, wie so ein "ganz normaler Alltag" mit Zero Waste aussehen kann, möchte ich euch mit auf die Reise in einen Zero-Waste-Tag nehmen.

    Legen wir also los...


    Nach dem Aufstehen, Waschen und Anziehen mache ich mir erstmal ein leckeres Frühstück. Meist gibt es Müsli aus Flocken, Leinsamen, Rosinen, Obst, Sojajoghurt, Zimt und Nüssen.
    Das Obst bekomme ich unverpackt auf dem Wochenmarkt oder, je nach Sorte und Jahreszeit, im Bioladen. Jetzt im Sommer nehme ich auch selbstgesammelte Brombeeren, Mirabellen etc.
    Die Flocken, Leinsamen, Zimt und Rosinen habe ich aus dem Unverpacktladen. Auch Sojajoghurt bekomme ich dort - im Pfandglas, von einem kleinen, regionalen Hersteller nur wenige Kilometer entfernt.

    Außerdem brühe ich noch eine Kanne Tee für den Vormittag auf. Den Tee habe ich teilweise selbst gesammelt, teilweise im Unverpacktladen geholt. Je nach Sorte gebe ich die Blätter direkt in die Kanne oder ich verwende ein wiederverwertbares Teesieb aus Edelstahl.

    Auch wer keinen Unverpacktladen in der Nähe hat, kann plastikfrei frühstücken: Marmelade kann man z.B. selber einkochen (oder sich von fleißigen Omas, Tanten usw. bei Gelegenheit schenken lassen). Wer kein Obst im Garten hat, hat vielleicht einen Nachbarn mit Beeren- oder Obstschwemme. Oder ihr schaut unter https://mundraub.org/, was es in eurer Nähe zu Ernten gibt.
    Brot und Brötchen lassen sich beim Bäcker gut in mitgebrachte Stoffbeutel legen. Haferflocken gibt es in Supermärkten zumindest in der Papierverpackung, und Obst lose auf dem Wochenmarkt oder im Supermarkt.
    Und zumindest Kuhmilch und (Kuhmilch)Joghurt gibt es auch in vielen Supermärkten im Pfandglas.
    Losen Tee findet ihr z.B. in Teeläden, manchmal auch auf dem Wochenmarkt.


    Nach dem Frühstück gehe ich auf den Balkon. Ich schreibe meiner Brieffreundin einen Brief. Kürzlich habe ich alte Schulhefte aussortiert. Die leeren Seiten dienen mit nun als Briefpapier. Wem das zu öde ist: Man kann es gut mit schönen Bildern aus der Zeitung etc. aufpeppen. Als Kleber verwende ich dazu Verpackungschips aus Maisstärke. Wenn man sie etwas anfeuchtet, kann man damit gut kleben. Sie waren vor einigen Jahren einmal als Polsterung in einem Geburtstagspäckchen und dienen mir seitdem als Kleberalternative.
    Zum Schreiben verwende ich meinen Füller. Dort steckt ein wiederauffüllbarer Konverter drin. Mit einem Tintenfass kann ich ihn immer wieder auffüllen, ohne dabei Müll zu verursachen. Tintenfass und Konverter bekommt ihr im Schreibwarenladen/-abteilung, in der Regel sogar unverpackt.
    Das Tintenfass ist sehr ergiebig und hält bei mir schon 3 Jahre. Es ersetzt somit wirklich sehr viele Einwegpatronen oder Kugelschreiberminen. Und günstiger ist es auch noch.
    Die Briefumschläge habe ich aus alten Kalenderblättern gebastelt. Auch ausgediente Landkarten, Stadtpläne oder alte Atlanten eignen sich wunderbar dazu.

    Zwischendurch löse ich einige Sudoku. Das Sudoku-Buch habe ich aus einer Verschenkekiste. Es waren nur sehr wenige Rätsel bereits gelöst.
    Mein Bleistift ist schon kurz. Damit ich besser schreiben kann, steckt er in einem Stiftverlängerer aus Holz. So kann ich Bleistifte nahezu komplett aufbrauchen. Stiftverlängerer bekommt ihr für wenig Geld ebenfalls im Schreibwarengeschäft/-abteilung.

    Später am Vormittag lese ich. Der Nachschub kommt dabei aus der Bücherei. Die liefert mir nahezu unbegrenzten Zugang zu Büchern und DVDs, CDs, Spielen usw. Die Bücher werden von vielen Leuten genutzt. Das spart Ressourcen.
    Auch Fachbücher zum Lernen finde ich dort. So kann ich mich gut zu selbstgewählten Themen informieren, die mich gerade interessieren.


    Nun wird es aber Zeit fürs Mittagessen.
    Ich mache mir Provenvialischen Salat. Die Kartoffeln und das Gemüse habe ich wieder vom Wochenmarkt. Essig, Öl, Salz etc. kommen aus dem Unverpacktladen.
    Neben ein paar Gemüsestünken fällt auch hier keinerlei Müll an.

    Anne hat eine schöne Übersicht erstellt, welche Gerichte man auch aus einem "normalen" Supermarkt unverpackt bzw. plastikfrei zubereiten kann. Und einen Wochenmarkt gibt es auch in den meisten Orten.

    Ich koche gerne für 2-3 Tage vor. Die Reste bewahre ich in meinen Auflaufformen aus Glas auf. Sie habene einen passenden Deckel und passen wunderbar in den Kühlschrank. Oder ich lasse es im Kochtopf. Kleinere Reste kommen in Schraubgläser. Diese eignen sich auch wunderbar zum Einfrieren oder fürs Vesper unterwegs und lassen sich nahezu unbegrenzt wiederverwenden.

    Für den Nachmittag bereite ich noch eine Kanne erfrischendes Zitronenwasser vor. Dazu gebe ich einfach den Saft einer 1/2 Zitrone in einen Liter Leitungswasser.

    Nach dem Mittagessen bereite ich den Einkauf im Unverpacktladen vor: Ich packe einige Gläser und verschiedene Stoffbeutel für Linsen, Flocken etc. in den Rucksack. Die Stoffbeutel habe ich aus durchgelegener Bettwäsche selbst genäht. Sie haben eine Kordel zum zuziehen und verschiedene Größen, Je nach dem, was und in welcher Menge ich einkaufen möchte.
    Auch die leeren Pfandgläser packe ich ein.
    Die Einkaufsliste ist bereits fertig, ich führe sie die Woche über - immer wenn etwas leer wird, kommt es für den nächsten Einkauf auf die Liste. Dazu benutze ich kleingeschnittene alte Briefumschläge.

     

    ... Interessiert, wie der Zero-Waste-Tag weitergeht? Dann schau in Teil 2 rein.

     

    Bildquellen:
    Titelbild: https://pixabay.com/de/photos/null-abfall-kunststoff-frei-4221633/ (Zugriff am 15.8.2020)
    weitere Bilder: © eigene Aufnahmen

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