Berichte

Zero Waste - ein Bericht aus dem Alltag (Teil 2)

  • Null-Abfall, Kunststoff Frei, Minimalismus


    In den letzten Wochen haben einige von uns beim Plasticfree July mitgemacht und sich der Challenge gestellt, Plastik zu reduzieren.

    Am Freitag folgte mit dem Film "The Story of Plastic" noch ein inspirierender Filmabend.

    Zusammen konnten wir im Film die unglaubliche Menge an (Plastik-)Müll überall auf der Welt sehen, Fakten zu Recycling und Umweltverschmutzung durch Plastik lernen und auch mutmachende Ansätze wie Zero-Waste-Städte kennenlernen.

    Wie ist es nun aber, Zero Waste zu leben, und keinen (bzw. möglichst wenig) Müll zu verursachen? Ist das im Alltag praktikabel? Ist es nicht furchtbar umständlich, unbequem, unrealistisch?

    Ich sage: Nein. - Und um euch eine kleine Vorstellung zu geben, wie so ein "ganz normaler Alltag" mit Zero Waste aussehen kann, möchte ich euch mit auf die Reise in einen Zero-Waste-Tag nehmen.

    In Teil 1 habe ich über den Vormittag berichtet. Wie ging es nun nach dem Mittagessen weiter?


    Meine Sachen für den Einkauf im Unverpacktladen sind ja bereits im Rucksack fertig gerichtet und ich mache mich auf den Weg.

    Heute bin ich allerdings faul und nehme die Straßenbahn und nicht das Fahrrad. In der Straßenbahn gilt derzeit Maskenpflicht. Dazu benutze ich selbstgenähte Masken aus Stoff. Einwegmasken sind für die Umwelt problematisch - aber Stoffmasken kann ich immer wieder benutzen und waschen und es fällt kein Müll an.
    Genäht habe ich die Masken aus Stoffresten, alten Leintüchern oder nicht mehr tragbaren Kleidungsstücken - Upcycling. Anleitungen findet ihr im Internet. Die Gummibänder sind teilweise aus alten Kleidungsstücken rausgetrennt und wiederverwertet, teilweise aus dem Stoffladen. Dort bekomme ich "Meterware", d.h. verschiedene Gummibänder, Kordeln, und auch Reißverschlüsse von einer großen Rolle. Zipper gibt es einzeln dazu. Ich kann so viel nehmen, wie ich brauche, bekomme es direkt abgeschnitten und es fällt keine Verpackung an. Fündig werdet ihr für Meterware in der Regel in kleineren, inhabergeführten Stoffgeschäften, in den Nähabteilungen größerer Kaufhäuser eher weniger.

    Auf dem Weg in die Stadt komme ich noch beim offenen Bücherregal vorbei, einer umgebauten Telefonzelle, wo man Bücher hinbringen, mitnehmen, tauschen kann. So können Bücher und Zeitschriften von mehreren Leuten gelesen werden, bleiben im Umlauf und es werden Ressourcen gespart. Ich lege einige Zeitschriften dazu. Bei den Büchern werde ich dieses mal nicht fündig und so gehe ich weiter.

    Es ist sehr heiß, und so ist meine nächste Station die Eisdiele. Hier hole ich mir eine Kugel Eis zum Mitnehmen. Ich lasse mir das Eis in der Waffel geben. Die kann ich nämlich aufessen - lecker und müllfrei. Im Gegensatz zum Plastiklöffel und Becher.


    Dann komme ich endlich im Unverpacktladen an und decke mich mit Lebensmittel ein: Linsen, Flocken, Sojajoghurt, Tofu (beides im Pfandglas), Sonnenblumenkerne, Nüsse, Gewürze. Auch ein kleines Glas mit Süßem darf nicht fehlen. Dank Pfandglas, mitgebrachten Gläsern und Stoffbeuteln fällt für den Einkauf keinerlei Verpackungsmüll an.

    Beim Einkaufen merke ich jedoch, dass sich die Naht an meinem Lieblings-Rücksack-Beutel an einer Stelle auftrennt.
    Wieder zu Hause, repariere ich das gleich mit ein paar Stichen. Meine Nähmaschine steht eigentlich immer bereit. Aber auch von Hand kann man vieles reparieren.


    Nachdem alle Lebensmittel verstaut sind, packt mich die Putzwut:
    Zuerst geht es ins Bad. Waschbecken und Badewanne reinige ich mit einem selbstgemachten Essig-Universal-Reiniger. Dazu habe ich einfach etwas Essig und Wasser in eine alte Sprühflasche gefüllt. Zusammen mit einer Bürste aus dem Holzladen und einem Baumwolltuch wird alles mühelos sauber.

    Die Putzlappen habe ich aus alten Betttüchern etc. genäht. Sie lassen sich nahezu unbegrenzt verwenden und geben beim Waschen kein Mikroplastik ab.
    Hier habe ich ein Farbsystem: Weiße Tücher für Waschbecken/Badewanne, grüne fürs WC, und orange für Oberflächen/Duschwand.

    Das WC reinige ich bei Bedarf mit Zitronensäure. Dazu gebe ich etwas Zitronensäure in die WC-Schüssel, verteile und putze mit der Bürste und spüle nach - fertig.

    Auch die Fenster kommen heute an die Reihe. Hier verwende ich ebenfalls meinen Essig-Reiniger - aufsprühen, Fenster mit einem Baumwolltuch putzen und mit einem trockenen Tuch nachwischen.

    Da ich am nächsten Tag Wäsche waschen möchte, habe ich bereits einige Blätter Efeu geholt. Sie dienen mir als Waschmittel.
    Ein paar stärker verschmutzte Kleidungsstücke weiche ich über Nacht ein. Sie kommen in meinen Eimer, Wasser und ein Löffel Soda dazu.

    Zwischendurch mache ich mir Abendessen: Gurke, Tomaten, Brot.


    Nach all dem Putzen bin ich nun aber verschwitzt und freue mich auf eine kühle Dusche. Ich freue mich jedesmal, dass beim Duschen kein "Rest" übrig bleibt:

    Für den Körper benutze ich feste Seife. Die ist sehr ergiebig und riecht fein. Ein Stück Seife ersetzt mühelos mehrere Duschgel-Packungen aus Plastik.
    Die Haare wasche ich mit Haarseife. Auch die Haarseife ist sehr ergiebig und hält bei mir ca. 1/2 Jahr. Danach spüle ich die Haare mit Saurer Rinse durch. Dazu habe ich eine Drahtbügelflasche mit verdünntem Apfelessig im Bad stehen. Das ergibt eine tolle Spülung und sorgt für weiche, glänzende Haare.
    Die Seife, Haarseife und Apfelessig für die Spülung bekomme ich im Unverpacktladen. Aber auch in vielen Drogerien oder Bioläden gibt es inzwischen Haarseifen und feste Seifen für den Körper sowieso.

    Meine Haarbürste ist aus Holz und leistet mir schon viele Jahre gute Dienste. Bei Bedarf reinige ich sie mit Wasser und etwas Natron.

    Später putze ich meine Zähne. Als Zahnputzglas dient mir ein kleines Trinkglas. Meine Zahnbürste ist aus Bambus. Und statt Zahncreme aus der Plastiktube nehme ich Denttabs. Das sind kleine Zahnputztabletten, die man etwas zerkaut und sich dann ganz normal die Zähne putzt. Es gibt sie im Unverpacktladen, aber auch in der Drogerie oder im Bioladen. Ebenso Zahnbürsten aus Holz oder Bambus.

    Mein Deo ist selbstgemacht. Dazu habe ich mir eine Deoflasche aus Glas besorgt, die ich immer wieder nachfüllen kann. Ursprünglich war "gekauftes" Deo in der Flasche.
    Für eine Ladung Deo gebe ich etwas Natron, einige Tropfen ätherisches Öl (ich nehme Zitrus und Salbei) und Wasser in die Flasche - gut schütteln, fertig. Das ätherische Öl hat Demeter- und Lebensmittelqualität. Ihr bekommt es z.B. in der Apotheke oder in Bioläden. Die Anschaffung lohnt sich, dann aus einem Fläschen äther. Öl lässt sich das Deo sehr oft nachfüllen.

    Anstatt WC-Papier nutze ich oft meine "Po-Dusche". Und zum Abtrocknen habe ich kleine Handtücher neben dem WC hängen, die ich aus alten Handtüchern genäht habe.


    Inzwischen ist es schon später. Ich bereite noch eine Verschenkekiste für den nächsten Tag vor. Dort sammel ich Gegenstände, die ich bei mir aussortiert habe, die aber noch gut sind und andere Menschen noch gebrauchen und weiter nutzen können. So bleiben sie in Gebrauch und es muss weniger Neues produziert werden.

    Außerdem gehe ich noch an den PC. Ich muss eine Rechnung überweisen. In meinem TAN-Gerät stecken wiederaufladbare Akkus. Die ersparen mir den ständigen Neukauf von Batterien und deren problematische, energieaufwändige Herstellung und Entsorgung. Auch in meiner Küchenuhr, meinem Wecker und meinen Rauchmeldern sind wiederaufladbare Akkus. Und zum Aufladen kommt Ökostrom zum Einsatz ;-)
    Rechnungen lasse ich mir, wo möglich, digital zusenden.

    Dann möchte ein Amt noch einen Nachweis. Er ist bereits kopiert. Das Anschreiben drucke ich auf die andere Seite des Blatts. So brauche ich nur ein Papier. Denn jedes Blatt hat zwei Seiten.
    Beim Drucken aktiviere ich inzwischen automatisch die Toner-sparen-Funktion. Das spart Tinte - es fällt weniger Müll an und man spart auch ordentlich Geld.
    Als Briefumschlag verwende ich einen bereits benutzen Umschlag. Selbstklebende Umschläge lassen sich gut öffnen und nochmals verschließen, wenn man etwas vorsichtig ist. Zum erneuten zukleben ggf. Verpackungschips oder eine andere Alternative verwenden.
    Das Label entferne ich oder streiche es mit schwarzem Bunststift gut durch. Manchmal verwende ich auch die Rückseite von bereits benutzten Briefumschlägen. Die Post hat damit übrigens keine Probleme - ich gebe die Umschläge auch oft am Schalter ab und hatte noch nie Schwierigkeiten. Achtet nur darauf, falls der Umschlag unten einen Strichcode enthält, dass ihr diesen durchstreicht. Sonst kommt die Maschine beim Sortieren durcheinander (dort ist die Adresse codiert).
    Briefumschläge, die sich nicht mehr verschließen lassen o.ä. verwende ich, wenn ich z.B. Stundennachweise oder andere Unterlagen irgendwo persönlich einwerfe.
    Auf diese Weise habe ich meinen Bedarf an "neuen" Umschlägen auf nahezu Null reduzieren können. Und gleichzeitig meinen Papiermüllberg verkleinert - denn Briefe und Briefumschläge kommen ja immer wieder ins Haus.

    Für Briefe an Ämter verwende ich durchaus auch einseitig bedrucktes Papier, z.B. alte Schulunterlagen. Die Rückseite einfach durchstreichen und den Brief, Antragsformular etc. auf die unbenutzte Seite drucken. Bisher hat sich keiner beschwert und auch hier konnte ich meinen Bedarf an "neuem" Papier auf nahezu Null reduzieren. Und alte Schulunterlagen und andere einseitig bedruckte Papiere erfahren eine direkte Wiederverwertung.
    Ich habe immer einen ganzen Stapel einseitig bedrucktes Papier am Drucker liegen.


    Nach diesn PC-Arbeiten ist es schon spät geworden... Ein weiterer Tag ohne bzw. mit sehr wenig Müll geht zu Ende. - Zeit, um ins Bett zu gehen.

    In diesem Sinne: Gute Nacht!

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    Habt ihr nun Lust bekommen, selbst aktiv zu werden und euren Müll zu reduzieren? Dann schaut euch vielleicht mal in den anderen Beiträgen um:

    Hier findet ihr einige Anregungen, mit denen ich angefangen habe, um in ein Leben mit weniger Plastik einzusteigen. Manches ist gleich geblieben, anderes habe ich im Laufe der Zeit verändert und weiterentwickelt.
    Zero-Waste-Ideen speziell für den Bereich Büro, Schule, Uni und Lernen findet ihr z.B. hier.

    Oder ihr möchtet eure Menstruation müllfrei gestalten? Eine Übersicht mit wiederverwertbaren Alternativen zu Einwegprodukten gibt es in diesem Beitrag. Und wer Lust bekommen hat, sich selbst Stoffbinden zu nähen, kann z.B. bei dieser Anleitung fündig. Stoffbinden zu nähen ist auch eine super Upcycling-Möglichkeit für alte Handtücher, Betttücher, T-Shirts etc.!
    Aber es gibt noch weitere Möglichkeiten, Stoffreste und alte Kleidung zu verwerten: In diesem Beitrag gibt es weitere Anregungen.

    Es steht ein Geburtstag an, ihr sucht müllfreie Ideen für Geschenke und wie man sie verpackt? Dann schaut einmal hier. Dort findet ihr einige Ideen - nicht nur für Weihnachten.
    Eine Anleitung, wie man tolle Geschenkbeutel aus Stoff näht, findet ihr hier. Garantiert wiederverwendbar!

    Und wer mehr Input möchte, wie sich die Geschichte des Plastiks zugetragen hat, findet hier weitere Infos. Das Thema Recycling wird in diesem Bericht betrachtet.

    Müll, Plastikmüll, Strand, Umweltsünde


    Denn wie wir im Film "The Story of Plastic" gesehen haben: Die Müllberge sind erschrecken und gigantisch. Lasst uns alle daran arbeiten, dass sie kleiner werden und irgendwann ganz verschwinden!!

    Jede/r kann etwas tun - worauf warten wir noch? Fangen wir an!

     

     

    Bildquellen:
    Titelbild: https://pixabay.com/de/photos/null-abfall-kunststoff-frei-4221633/ (Zugriff am 15.8.2020)
    weitere Bilder: © eigene Aufnahmen
    letztes Bild: https://pixabay.com/de/photos/m%C3%BCll-plastikm%C3%BCll-strand-umwelts%C3%BCnde-3552363/ (Zugriff am 16.8.2020)

Kommentare

5 Kommentare
  • SaraesaH
    SaraesaH Ein richtig toller Bericht, vielen Dank für diese Anregungen! Ich habe festgestellt, dass ich oft "rückfällig" werde bei der Müllvermeidung - meist aus Bequemlichkeit. Mit deiner Anleitung nehme ich das Projekt jetzt nochmal ernsthafter in Angriff :-)
    17. August 2020
  • stellasophies
    stellasophies Super schöner Bericht mit interessanten Tipps! Ich finde es sehr bewundernswert, mit welchem Maß an Disziplin und Entschlossenheit Du Deine Überzeugung in jeder noch so kleinen, denkbaren Alltagssituation umsetzt. Hut ab & danke für die Inspiration!
    17. August 2020
  • Jayfeather
    Jayfeather Du bist echt Plastikfrei-Expertin! Echt toll!
    19. August 2020
  • SteffiFr
    SteffiFr Freut mich, wenn vielleicht neue Anregungen in dem Bericht waren!
    19. August 2020