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Artenvielfalt - warum sterben immer mehr Arten aus? (Teil 3d)

  • Tropical Rainforest Parrot | Jaime Olmo | Flickr


    Immer wieder wird über das Artensterben berichtet, das so viel schneller fortschreitet als alle vorherigen in der Erdgeschichte. Aktuell befinden wir uns im 6. Massenaussterben. Breitmaulnashorn, Goldkröte, Pinta-Riesenschildkröte - das sind nur drei der Arten, die es auf unserem Planeten nicht mehr gibt.

    Das Massenaussterben ist genauso schwerwiegend und bedrohlich für den Planeten wie die Klimakrise. Und auch das Überlegen der Menschheit hängt davon ab. Unsere Luft, Wasser, die Nahrung die wir essen - für all das brauchen wir die Artenvielfalt.

     

    Doch warum ist das so? Welche Gründe hat das rasante Aussterben verschiedener Arten?

    HIPPO, sagt der Entomologe und Biodiversitätsforscher Edward O. Wilson. Wie, Hippopotamus, das Nilpferd?
    Nein - HIPPO steht für

    - Habitatzerstörung (Teil 1)
    - Invasive Arten (Teil 2)
    - Pollution (Verschmutzung) (Teil 3), (Teil 3b), (Teil 3c)
    - Population (Bevölkerung)
    - Overharvesting (Übernutzung)

    In dieser Berichtsreihe werden wir uns diese Punkte genauer anschauen.

    Nano-Technologie, Bau, Mikroskopische

     

    3d) Pollution (Verschmutzung) - Nanoteilchen, Genveränderungen, Lärm

    Puh, wir Menschen haben ganz schön viele Möglichkeiten gefunden, wie wir die Umwelt verschmutzen und den Lebensraum der Tier- und Pflanzenarten gefährden können.
    Die Verschmutzung durch Plastik und Dünger, Pestizide sowie Arzneimittel haben wir uns bereits angeschaut, ebenso die Gefährungen durch Radioaktivität und Mobilfunkstrahlung. Aber das ist noch immer nicht alles.

    Potentielle Gefahr droht der Artenvielfalt auch durch sogenannten Nano-Müll. Ein Nanometer ist der millionste Teil eines Millimeters. Wir haben es also mit winzig kleinen Teilchen zu tun. Bei der Nanotechnologie wird Materie auf atomarer und molekularer Ebene verändert. Hauptmaterial ist Kohlenstoff.
    Die hergestellten Materialien werden hauptsächlich eingesetzt, um Kunststoffe im Flugzeugbau und der Elektrotechnik zu verstärken. Naomaterialien sind kaum wasserlöslich und haben eine Lebensdauer von mehreren Tausend Jahren. Weltweit werden bereits über 1000 Tonnen/Jahr produziert, die Tendenz steigt stark an.
    Bisher sind die Materialien bzw. deren Folgen für die Umwelt und Artenvielfalt wenig erforscht. Man kann aber davon ausgehen, dass sie Auswirkungen auf Lebensräume und ihre Bewohner haben.

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    Auch durch die Genetik ist die Artenvielfalt stark bedroht. Der Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen ist insbesondere in Südamerika und den USA weit verbreitet und nimmt weltweit zu. Das kommt einem großen, globalen Experiment gleich: Welche Auswirkungen hat die unnatürliche DNA auf die Ökosysteme?
    Unsere Artenvielfalt ist über Jahrtausende entstanden, und hat einen natürlichen Genpool ausgebildet. Der Eingriff durch gentechnisch veränderte Organismen gefährdet diese natürliche Existenz an Genvarianten.

    Es hat sich gezeigt, dass sich gentechnisch veränderte Pflanzen über Pollenflug auch auf andere Grundstücke ausweiten. Auch das Versprechen, GVO-Pflanzen bräuchten weniger Pestizide, hat sich als unwahr erwiesen. Im Gegenteil, der Pestizideinsatz hat sich stark erhöht. Durch GVOs haben sich auch die Ernteerträge nicht erhöht, wie anfangs angenommen wurde.
    Angebaut werden GVOs insbesondere für die Futtermittelindustrie, aber auch Baumwolle ist zunehmend gentechnisch verändert, oder z.B. Bäume von Eukalyptusplantagen und weitere. Auch Äpfel, Tomaten gibt es mittlerweile in genveränderten Variationen.

    Tierarten kommen beim Bestäuben mit den GVOs in Kontakt, und/oder ernähren sich von den Pflanzen, und nehmen die veränderten Gensequenzen so in sich auf, und unter den Pflanzen mischen sich unter Umständen diejenigen mit natürlichen Gensequenzen mit den veränderten Genen.

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    Forscher gehen davon aus, dass bestimmte Genveränderungen/Technologien geeignet sind, um ganze Arten auszulöschen. Die Tiere und Pflanzen eines Ökosystems sind gut aufeinander abgestimmt und haben sich im Laufe der Zeit gegenseitig angepasst. Wenn hier eingegriffen wird, entsteht ein Ungleichgewicht und ein ganzes Ökosystem kann unter Umständen kippen.

     

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    Besondere Beachtung sollten wir auch der Sonar- und Lärmbelästigung geben. Diese betrifft sowohl Land wie auch Meer/Gewässer.

    In der Luft wird der Lärm über Schallwellen ausgebreitet, und ähnlich funktioniert das auch unter Wasser über Druckunterschiede. Lebewesen spüren die Druckveränderungen auf der Haut oder in den Ohren. Unter Wasser breitet sich Schall sogar noch weiter aus, insbesondere die Frequenzen zwischen 10Hz und 1MHz. Die Schallgeschwindigkeit im Wasser ist viermal so hoch wie die in der Luft. Hinzu kommt, dass sowohl die Wasseroberfläche als auch der Meeresboden reflektierende und streuende Grenzen bilden, die Schallausbreitung also verstärken und lenken.

    Daraus ergibt sich, dass Wasserlebewesen besonders von Belästigungen durch Lärm betroffen sind. Leider haben gerade Fische und die meisten Meeresbewohner ein sehr empfindliches Gehör. Delfine und Zahnwale haben z.B. eine besonders hohe Hörsensitivität, vorallem im Bereich von 5 bis 50 kHz.

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    Wale sind für ihre Rufe und Gesänge bekannt, mit denen sie sich verständigen. Buckelwalmütter verfügen z.B. über eine intime Form, wie sie mit ihren Jungen kommunizieren oder das Säugen einleiten. Da die Brutgewässer der Buckelwale von Schwertwalen bevölkert sind (diese jagen Buckelwalkälber), "flüstern" die Mütter mit ihren Kälbern um keine Aufmerksamkeit auf sich und ihre Jungen zu ziehen. Auf diese Weise können sie auch Männchen meiden, die noch auf der Suche nach einer Gefährtin sind.

    Leider sind inzwischen viele Bereiche der Meere von Lärm durchzogen: Der Lärm von Motoren und großen Schiffsschrauben der kommerziellen Schifffahrt ist drastisch angestiegen. Er schadet den Walen uns Delfinen. Robben werden dadurch sogar vorübergehend betäubt.

    Neben der Schifffahrt sind die Meerestiere besonders von den Bohrungen bei der Suche nach neuen Öl- und Gasfeldern betroffen. Es werden Sprengstoff und Luftdruckgeräte eingesetzt, welche niederfrequente Geräusche erzeugen.
    Wenn die Suche nach einem neuen Standort positiv erläuft, wird die neu errichtete Ölplattform zu einer ständigen Lärmbelästigung für die Bewohner der Meeresumgebung.

    Das Militär setzt darüber hinaus Sonargeräte ein. Damit werden U-Boote geortet. Für Wale und Delfine kommt das laute Sonar einer Folter gleich, sie reagieren sehr empfindlich darauf. Sonar gilt als Hauptgrund für die unnatürlichen Massenstrandungen von Walen und Delfinen. Die Massenstrandungen sind seit dem Beginn des militärischen Sonars in den 1950er Jahren stark in die Höhe geschnellt.
    Schnabelwale sind die häufigsten Opfer von Massenstrandungen. Sie fliehen nachweislich vor Sonareinsatz. Auch Blauwale stellen ihre Nahrungsaufnahme ein und schwimmen umgehend vom Sonargeräusch weg. Werden Wale vom Sonar überrascht, steigen sie zu schnell aus tieferen Gewässern auf und erleiden durch den Druckwechsel innere Verletzungen.

    Außerhalb des Meeres können Wale nicht lange überleben. Bedrohte Arten schrumpfen durch Massenstrandungen weiter in ihrem Bestand.

    Lärmbelästigung betrifft alle Lebewesen im Meer, Wale sind nur ein kleiner, sichtbarer Teil.

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    Was wird getan?

    Im Bereich der Biotechnologie/Gentechnik gibt es verschiedene Gesetze, die den Genveränderungen Grenzen setzen sollen. Hier geht es auch um ethische Aspekte. Die neue Technologie CRISPR/CAS9 hat allerdings neue Möglichkeiten geschaffen, die bisher noch nicht reguliert sind.

    Die Auswirkungen von Nanomaterialien sind noch unzureichend erforscht. Verschiedene Umweltorganisationen warnen vor dem Einsatz, insbesondere in Lebensmitteln.

    Im Jahr 2018 haben die spanische wie auch kanadische Regierung ein Schutzgebiet eingerichtet. Spanien hat ein Schutzgebiet für die Walwanderung, zwischen den Balearen und dem Festland beschlossen. Die Dauer war jedoch enorm: Das UNEP-Übereinkommen zum Schutz der Meere ist von 1978, erst 2018 wird nun ein kleiner Teil davon umgesetzt.
    Kanada hat entland der Südwestküste einen Küstenstreifen, 45 Seemilen lang und etwa 6 Seemeilen breit, für die kommerzielle und auch die Freizeitfischerei gesperrt. Er soll der bedrohten Orcapopulation helfen, mehr Lachs fressen zu können. Die beabsichtigte "Ruhe" wird jedoch durch häufige Schussübungen der Marine und US-Küstenwache gestört.

    Ein großes Meeresschutzgebiet wird von Umweltorganisationen gefordert, bisland jedoch nicht erreicht.

    Auch wenn die Folgen von Sonareinsatz auf Massenstrandungen von Walen und Delfinen bekannt sind, hat die US Navy 2015 136.000 neue Sonarbojen bestellt, um sie überall auf den Weltmeeren zu verteilen. Feindliche U-Boote sollen damit rasch entdeckt werden.

     

    Was können wir tun?

    - Verfolgt die Entwicklung von Nanomaterialien kritisch. Diskutiert vielleicht mal mit Freunden, Mitbewohnern, Familie darüber. Das schärft das Bewusstsein für dieses vielfach unbeachtete Thema.
    - Achtet beim Kauf von (Baumwoll-)Kleidung, Bettwäsche, anderen Textilien auf gentechnikfreie Sorten. Für Bio-Baumwolle darf z.B. kein genverändertes Saatgut eingesetzt werden.
    - Setzt euch gegen Gentechnik ein. Unterschreibt z.B. Petitionen und verbreitet sie. Oder nehmt an einer Demo teil.
    - Seid wachsam, achtet darauf, was in euren Lebensmitteln drin ist, und (wenn ihr Fleisch esst, Milch trinkt etc.), womit die Tiere gefüttert wurden. Auch hier ist Bio eine gute Wahl, denn hier sind Futtermittel aus gentechnisch veränderten Pflanzen tabu.
    - Unterstützt die Meeresbewohner. Setzt euch für großflächige Meeresschutzgebiete ein. Unterstützt Umweltorganisationen bei diesem Anliegen. Sammelt z.B. Unterschriften für Petitionen und macht euer Umfeld auf das Problem aufmerksam.
    - Informiert eure Freunde, Familie, Mitbewohner über die Folgen von Sonareinsatz und Massenstrandungen.
    - Vergrößert die Lärmbelästigung für die Meeresbewohner nicht noch zusätzlich. Verzichtet auf Yachtfahrten und lärmintensive Aktivitäten auf dem Meer.

    Hinweisschild, Naturschutz, Umweltschutz, Schutzgebiet
     


    -- Fortsetzung folgt --

     

    Quellen:

    Fred Hageneder: "Happy Planet - Jetzt handeln für eine glückliche Erde", Neue Erde GmbH, 1. Auflage 2019 (S. 77, 80-84)



    Titelbild
    : © Jaime Olmo, Tropical Rainforest Parrot, CC BY 2.0

    Weitere Bilder: (Zugriff jeweils 19.4.2020)

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    https://pixabay.com/de/photos/hinweisschild-naturschutz-3726676/

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