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Artenvielfalt - warum sterben immer mehr Arten aus? (Teil 3c)

  • Tropical Rainforest Parrot | Jaime Olmo | Flickr


    Immer wieder wird über das Artensterben berichtet, das so viel schneller fortschreitet als alle vorherigen in der Erdgeschichte. Aktuell befinden wir uns im 6. Massenaussterben. Breitmaulnashorn, Goldkröte, Pinta-Riesenschildkröte - das sind nur drei der Arten, die es auf unserem Planeten nicht mehr gibt.

    Das Massenaussterben ist genauso schwerwiegend und bedrohlich für den Planeten wie die Klimakrise. Und auch das Überlegen der Menschheit hängt davon ab. Unsere Luft, Wasser, die Nahrung die wir essen - für all das brauchen wir die Artenvielfalt.

     

    Doch warum ist das so? Welche Gründe hat das rasante Aussterben verschiedener Arten?

    HIPPO, sagt der Entomologe und Biodiversitätsforscher Edward O. Wilson. Wie, Hippopotamus, das Nilpferd?
    Nein - HIPPO steht für

    - Habitatzerstörung (Teil 1)
    - Invasive Arten (Teil 2)
    - Pollution (Verschmutzung) (Teil 3), (Teil 3b)
    - Population (Bevölkerung)
    - Overharvesting (Übernutzung)

    In dieser Berichtsreihe werden wir uns diese Punkte genauer anschauen.

    Atomkraftwerk, Atommeiler, Kraftwerk, Kühltürme, Akw

     

    3c) Pollution (Verschmutzung) - Radioaktivität, Mikrowellen/Mobilfunkstrahlung

    Die Verschmutzung der Lebensräume durch Plastik und Dünger, Pestizide sowie Arzneimittel haben wir uns in den letzten beiden Teilen bereits angeschaut.

    Nun sind das leider noch nicht alle Faktoren, wie Menschen den Lebensraum der Arten bedrohen oder sogar vernichten können.

    Bestimmt erinnern sich die meisten von uns an die großen Atomunglücke wie z.B. in Fukushima/Japan (2011) oder Tschernobyl/Ukraine (1986). In beiden Fällen traten erhebliche Mengen Radioaktivität aus. Ganze Landstriche wurden für Jahrzehnte unbewohnbar, es wurden Sperrzonen eingerichtet, Menschen umgesiedelt. In umliegenden Gebieten sind sie weiterhin erhöhter Strahlenbelastung ausgesetzt.

    Nicht nur Menschen sind von solchen Super-GAUs betroffen, sondern auch die Tier- und Pflanzenwelt. In der Folge kam es zu genetischen Veränderungen, Fehlgeburten, Fehlbildungen/Mutationen, Tumore und weiteren Beeinträchtigungen der heimischen Flora und Fauna. Insekten, Vögel, Säugetiere, Pflanzen, Bäume - alle können davon betroffen sein. Und im Gegensatz zu Menschen, die das Gebiet nach einem Atomunglück verlassen, bleiben Tiere und Pflanzen im betroffenen Gebiet und sind so über einen langen Zeitraum einer unglaublich hohen Strahlung ausgesetzt.

    Biologen um Timothy Mousseau berichten z.B. von einer Exkursion ins Tschernobyl-Gebiet 2011: Sie fanden "unter jedem Stein, den wir umgedrehten, Anzeichen von mutagenen Eigenschaften der Strahlung" .

    Margarite, Mutation, Leichtigkeit, Sommer, Engelsflügel


    Im Zusammenhang mit der Klimadiskussion wird Atomenergie bisweilen als Beitrag zur CO2-Reduktion aufgeführt. Atomunglücke wie oben, mit all ihren gravierenden Folgen für Menschen und Natur, lassen aber berechtigte Zweifel daran, dass es sich bei Atomenergie wirklich um so eine "saubere" Energiequelle handelt. Hinzu kommen ja auch ungelöste Probleme der Endlagerung radioaktiven Materials über viele Jahrhunderte und die enormen Kosten, die dabei anfallen.

    Funkmasten, Telefon, Telefonmasten, Mast, Blau


    Neben radioaktiver Strahlung ist die Artenvielfalt durch weitere Strahlen bedroht: Mikrowellen/Mobilfunkstrahlung.
    Der Markt mit Handys und Smartphones boomt seit Jahren - weltweit werden immer mehr davon genutzt, Sendemasten entsprechend ausgebaut und erweitert. Es gibt immer weniger Regionen, in denen kein Mobilfunkempfang möglich ist, und somit immer weniger Gebiete ohne Mobilfunkstrahlung.

    Die Mobilfunk-Lobby ist stark: Strahlengrenzwerte werden nicht immer überprüft (oder nur für bestimmte Auswirkungen), und kritische Studien finden kaum ein breites Echo.

    Beim Menschen sehen einige Studien einen Zusammenhang zwischen Mobilfunkstrahlung und einer erhöhten Rate für Tumore im Gehirn, den Nebennieren oder im Herzgewebe. Auch Schlaf- und Konzentrationsstörungen, Müdigkeit usw. können im Zusammenhang mit Mobilfunkstrahlung auftreten.

    In geringerem Maße gilt das auch für Mikrowellenherde. Deren Strahlung ist ebenfalls weit über die Wohnung hinaus messbar.

    Die Belastung durch Mikrowellen- bzw. Mobilfunkstrahlung bekommen auch Tiere und Pflanzen zu spüren. Besonders die hochfrequente Strahlung beeinflusst das Verhalten von Insekten wie Honig- oder Wildbienen oder Vögeln. Die motorische Aktivität sinkt beispielsweise, oder es kann zu Unruhe und Massenmigration ganzer Bienenvölker kommen. Außerdem wurden Stoffwechselveränderungen beobachtet (Proteine und Kohlenhyrate stiegen z.B. an).

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    Bienen reagieren besonders sensibel auf elektromagnetische Strahlung: In ihrem Körper haben sie Magnetidgranulat, das ihnen bei der Orientierung hilft. Das Außenskelett der Bienen hat zudem Halbleiterfunktion und die Antennen - als feine Sensoren für Geruch, Geschmack, Feuchtigkeit oder Temperatur - sind Teil des bioelektrischen Nervensystems.
    Bei Bienen führt Mobilfunkstrahlung z.B. dazu, dass sie nach einem Erkundungsflug nicht oder schlechter nach Hause finden, der Wabenbau gestört wird und die Bienen insgesamt unter stärkerem Stress stehen. Auch das Immunsystem wird geschwächt, was die Bienenvölker deutlich anfälliger für Schädlinge wie die Varroamilbe macht.

    Während bei Tieren insbesondere Orientierung und Navigation sowie das Immunsystem und die Fortpflanzung gestört werden, stehen bei Pflanzen inkl. Bäumen ein vermindertes (teilweise auch vermehrtes) Wachstum, Störungen der Zellfunktion oder Auswirkungen auf die Chlorophyllproduktion im Vordergrund. Die Anzahl toter Pflanzen nimmt unter dem Einfluss bestimmter Signalwerte zu und auch eine Anzahl verschiedener Baumschäden wird auf elektromagnetische Strahlung zurückgeführt: vorzeitiger Blattabfall, Verlichtung der Kronen, Braunverfärbungen der Blätter, Abplatzen und/oder Verfärben der Rinde, starke Ausbreitung von Pilzen und Flechten oder Veränderungen des Obstes.

    All das beeinflusst das (Über)Leben einzelner Insekten und anderer Tiere und Pflanzen und somit die Artenvielfalt.

    Der BUND hat zu den Folgen für Tiere und Pflanzen eine Publikation herausgegeben. Hier findet ihr weitere Infos, welche Auswirkungen Mobilfunk auf Tiere und Pflanzen hat. (S. 15 ff)

     

    Was wird getan?

    Im Bereich der Atomenergie haben einige Länder Pläne für einen Ausstieg aus der Atomenergie erarbeitet. Sie sollen zu einer Stilllegung bestehender AKWs in den nächsten Jahren/Jahrzehnten führen.
    Allerdings werden parallel weitere Atomkraftwerke gebaut, unter anderem in Frankreich und Großbritannien.

    Die Forschung zu Auswirkungen der Mobilfunkstrahlung auf Tiere und Pflanzen ist bisher eher wenig verbreitet. Von staatlicher Seite werden Forschungen leider selten gefördert und Empfehlungen nicht oder unzureichend umgesetzt.

    Weltweit existieren diverse Grenzwerte für Strahlung, je nach Land jedoch in teils sehr unterschiedlicher Höhe. Eine internationale Vereinbarung zu einheitlichen Grenzwerten besteht bislang nicht.

     

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    Was können wir tun?

    - Setzt euch für ein Ende der Atomenergie ein, seid bei Petitionen gegen den Bau neuer Atomkraftwerke aktiv.
    - Erinnert auch Freunde, Unikollegen, Familienmitglieder, Nachbarn an die verheerdenden Folgen atomarer Unglücke.
    - Bezieht am besten reinen Ökostrom, verzichtet möglichst aus Strom aus Atomkraftwerken. Bringt evtl. auch eure Freunde, Eltern, Einrichtungen in denen ihr regelmäßig seid dazu, atomkraftfreien Strom zu beziehen.

    - WLAN, Router, Handy, ... - gönnt ihnen mal einen Pause. Zumindest in der Nacht wird es nicht benötigt und kann komplett ausgeschaltet werden (KOMPLETT aus, nicht nur Ruhe-/Flugzeugmodus). Die Insekten in eurer Umgebung werden sich freuen. Und euer Stromverbrauch sinkt auch.
    - Bringt auch Nachbarn, Mitbewohner, eure Eltern dazu, Router, Handy usw. nachts auszuschalten und informiert in Gesprächen über die Auswirkungen auf Insekten und andere Tiere. Sensible Menschen werden vielleicht sogar besser schlafen.
    - Und wenn ihr WLAN, Router und Co. nachts ausgeschaltet habt: Vielleicht ja auch tagsüber weniger anschalten? Z.B. Internet über Kabel statt WLAN (oder nur einschalten, wenn man wirklich gerade im Internet ist).
    - Bluetooth-Kopfhörer, kabellose Drucker, ... - falls eine Neuanschaffung notwendig ist, wählt kabelgebundene Varianten. Das reduziert die Strahlung.
    - Informiert euch tiefgehender, welche Auswirkungen Mobilfunkstrahlung auf Tiere und Pflanzen hat. Informiert auch andere darüber, regt zum Nachdenken und zu Diskussionen an.
    - Besucht vielleicht auch mal eine Veranstaltung, die sich kritisch mit Mobilfunk auseinandersetzt. Hört Menschen zu, die über negative Folgen für Tiere/Pflanzen berichten oder setzt euch mit einer Studie auseinander. Informiert euch, bildet euch eine eigene Meinung. Was bedeutet das für die Artenvielfalt?

     

     

    -- Fortsetzung folgt --

     

    Quellen:

    Fred Hageneder: "Happy Planet - Jetzt handeln für eine glückliche Erde", Neue Erde GmbH, 1. Auflage 2019 (S. 81-86)

    BUND Deutschland (2008): "Für zukunftsfähige Funktechnologien" (S. 19-22), unter https://www.bund.net/fileadmin/user_upload_bund/publikationen/bund/position/ressourcen_elektrosmog_fuer_zukunftsfaehige_funktechnologien_position.pdf (Zugriff am 13.4.2020)



    Titelbild
    : © Jaime Olmo, Tropical Rainforest Parrot, CC BY 2.0

    Weitere Bilder: (Zugriff jeweils 13.4.2020)

    https://pixabay.com/de/photos/atomkraftwerk-atommeiler-kraftwerk-261119/
    https://pixabay.com/de/photos/margarite-mutation-leichtigkeit-4273463/
    https://pixabay.com/de/photos/funkmasten-telefon-telefonmasten-600837/
    https://pixabay.com/de/photos/honigbienen-bienenstock-honig-326334/
    https://pixabay.com/de/photos/sonnenblume-sommer-gelb-natur-1127174/

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