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Artenvielfalt - warum sterben immer mehr Arten aus? (Teil 3)

  • Tropical Rainforest Parrot | Jaime Olmo | Flickr


    Immer wieder wird über das Artensterben berichtet, das so viel schneller fortschreitet als alle vorherigen in der Erdgeschichte. Aktuell befinden wir uns im 6. Massenaussterben. Breitmaulnashorn, Goldkröte, Pinta-Riesenschildkröte - das sind nur drei der Arten, die es auf unserem Planeten nicht mehr gibt.

    Das Massenaussterben ist genauso schwerwiegend und bedrohlich für den Planeten wie die Klimakrise. Und auch das Überlegen der Menschheit hängt davon ab. Unsere Luft, Wasser, die Nahrung die wir essen - für all das brauchen wir die Artenvielfalt.

     

    Doch warum ist das so? Welche Gründe hat das rasante Aussterben verschiedener Arten?

    HIPPO, sagt der Entomologe und Biodiversitätsforscher Edward O. Wilson. Wie, Hippopotamus, das Nilpferd?
    Nein - HIPPO steht für

    - Habitatzerstörung (Teil 1)
    - Invasive Arten (Teil 2)
    - Pollution (Verschmutzung)
    - Population (Bevölkerung)
    - Overharvesting (Übernutzung)

    In dieser Berichtsreihe werden wir uns diese Punkte genauer anschauen.

    Verschmutzung, Umwelt, Drohne, Luft, Klima, Ändern

     

    3) Pollution (Verschmutzung) - Plastik

    Wir Menschen verschmutzen die Erde auf vielfältige Weise.

    Da ist zum einen Plastik, um das es hier in der Community immer wieder geht. Bis 2015 wurden weltweit 8.300 Millionen Tonnen Plastik produziert. Ein kleiner Teil davon ist weiterhin in Gebrauch, doch 6.300 Millionen Tonnen wurden zu Müll. Nur etwa 9% davon wurde recycelt, 12% wurden verbrannt und die restlichen 79% landeten auf den Müllhalden, in Böden oder Gewässer.
    Wenn der Trend in der Plastikproduktion weiter so anhält, wird sich die Menge an insgesamt produziertem Plastik bis 2050 verdoppelt haben - aktuell werden rund 300 Millionen Tonnen Plastik pro Jahr neu produziert.
    Etwa ein Fünftel des Plastikmülls, das sich im Meer befindet, wird über Flüsse in die Meere transportiert. Das Meiste davon gelangt über die großen Flüsse in Asien und Afrika ins Meer - aber das ist nicht der einheimische Müll, sondern zum größten Teil importierte Plastikabfälle aus Europa und den USA.

    Neben Plastikteilen aus Verpackungen und anderem sind die Meerestiere insbesondere durch weggeworfene Fischernetze gefährdet. In weggeworfenen oder verlorenen Fischernetzen, Langleinen, Fischfallen und Fangkörben verfangen sich jedes Jahr über 100.000 Wale, Delfine, Robben und Schildkröten.
    Im Sommer 2018 wurden in Mexiko z.B. 300 gefährdeten Oliv-Bastardschildkröten gefunden, die sich in einem Fischernetz verfangen hatten und gestorben waren.

    Tiere verwechseln Plastik immer wieder auch mit Nahrung. So haben z.B. 90% der Seevögel bereits Plastikteile im Bauch. Früher oder später sterben sie daran - durch innere Verletzungen, oder fehlende Nahrung. Sie verhungern trotz gefülltem Magen.

    Fangnetz, Geisternetz, Plastikmüll, Meeresverschmutzung


    Hinzu kommt die Gefährdung durch Mikroplastik. Der Zerfall geht bis hin zu Nanoteilchen, die sich in der Nahrungskette anreichern und alle Tiere (und Menschen) der Nahrungskette betrifft. Durch ihre Struktur ziehen Mikroplastikteilchen andere Gifte und Schadstoffe an, die sich so ebenfalls in den Organismen und in der Nahrungskette anreichern.
    Folgen sind u.a. Fortpflanzungsstörungen und Veränderungen im Hormonhaushalt. Für gefährdete Arten kann das gravierend sein.

    Mikrofasern sind eine spezielle Form des Mikroplastik. Sie stammen aus synthetischer Kleidung, Teppichen u.ä. Am meisten setzen Kleidungsstücke aus Acryl frei: Bis zu 730.000 Fasern pro Waschgang. Da die Fasern weder in der Waschmaschine noch in den Kläranlagen heruasgefiltert werden können, gelangen sie ins Meer und andere Gewässer.
    Mikrofasern lösen sich auch beim Tragen der Kleidung und in großem Stil auch durch den Wäschetrockner. So gelangen die Fasern in die Atmosphäre und kommen als Fall-Out später in die Böden und Gewässer.

    Die Mikrofasern vergiften die Nahrungsketten und sammeln sich im Verdauungstrakt vieler Tiere. Die Tiere können dann weniger Energie aus der Nahrung gewinnen, die betroffenen Tiere zeigen z.B. Appetitverlust und wachsen weniger.
    Fische haben mitunter nur noch halb so viel Gewicht wie früher, z.B. Lachse in West-Kanada.

    Eine weitere bekannte Form des Mikroplastik sind Mikrokügelchen aus der Kosmetik. Alleine in Großbritannien gelangen jedes Jahr 86 Tonnen in die Natur - alleine aus Gesichtspeeling. DUschgel, Zahncreme und vieles mehr kommt noch hinzu.
    Auch diese Mikrokügelchen aus Kosmetikprodukten werden von Tieren aufgenommen. Sie beeinträchtigen ebenfalls das Wachstum und verändern das Verhalten der Tiere. Einige Fische werden davon sogar getötet, bevor sie ins fortpflanzungsfähige Alter kommen. All das trägt dazu bei, dass Tiere in ihrer Art gefährdert werden oder gar aussterben.

    Meeresschildkröte, Wurf, Sand, Tod, Gefährdet


    Mikroplastik sammelt sich seit den 1960ern in der Natur an und ist inzwischen die meistverbreiteste Form von festem Müll auf der Erde.
    Jede Form des Mikorplastiks sammelt sich auch in den tiefen Schichten der Ozeane. Die dort lebenden Krustentiere sind ebenfalls bereits mit Mikroplastik kontaminiert, ebenso wie die erst kürzlich entdeckte Flohkrebs-Art.
    Leider nimmt die Konzentration mit der Tiefe der Ozeane zu, bis hin zu einer Konzentration von 2.200 Teilchen pro Liter Wasser am Meeresboden.

    Die Hälfte der weltweiten Population der Schwertwale (Orcas) ist durch polychlorierte Biphenyle (PCBs) bedroht. Das PCB hat sich in den Ozeanen und den maritimen Nahrungsketten angesammelt und schädigt das Immunsystem der Schwertwale und deren Fortpflanzsfähigkeit. Tragischerweise gibt gerade die sehr fettreiche Muttermilch eine sehr hohe Menge an PCB an die neugeborenen Schwertwale weiter.
    Die Zukunft der Schwertwale ist dadurch weltweit bedroht. - Und da auch der Lachs, von dem sich die Schwertwale ernähren, stark abgenommen hat, sind sie einer doppelten Bedrohung ausgesetzt.
    Bei weiblichen Tieren führt eine zu hohe PCB-Belastung zu einer Verengung bzw. Verschluss der Gebärmutter. Das wurde bei Ringelrobben und Seehunden in der Ostsee nachgewiesen.
    Auch der Rückgang des Fischotters wird auf PCB zurückgeführt.
    Zwar sind PCBs seit 2004 verboten, aber die Verbindungen halten sich noch lange in der Natur.

    Großer Schwertwal, Orca, Verletzung, Ozean, Säugetier


    Neben Meereslebewesen sind auch Süßwasserfische von der Bedrohung durch Plastik betroffen. Auch in Insekten wurde Mikroplastik nachgewiesen. Und über die Insekten werden nachfolgende Tiere in der Nahrungskette kontaminiert: Vögel, Frösche, und alle weiteren Tiere, die sich von Insekten ernähren.

    Wir Menschen sind ebenfalls betroffen: 2017 wurden in mehreren Ländern Proben von Leitungswasser untersucht. 83% waren mit Plastikfasern belastet. Die höchste Belastung hatte die USA (94% der Proben).
    Auch in Bier, Honig, Meersalz und Zucker wurde Mikroplastik gefunden.

     

    Was wird getan?

    Die amerikanische Umweltschutzbehörde EPA hat durch milliardenschwere Programme erreicht, dass die PCB-Werte in den Gewässern der USA beständig sinken. In Europa dagegen wurden PCBs nur verboten.
    Das Bewusstsein für Plastikmüll nimmt zu. 2017 haben fast 200 Ländern eine UN-Resolution unterschrieben. Diese soll die Plastikflut in den Ozeanen eindämmen. Es ist allerdings nicht rechtsverbindlich und hat keinen Zeitplan.
    Von großen Umweltverbänden wie dem WWF oder Greenpeace gibt es Plastikkampagnen und Friends of the Earth forderte 2018 die britische Regierung auf, Maßnahmen zur Bekämpfung durch die Verschmutzung durch Autoreifen in die Wege zu leiten.
    In mehreren Ländern gibt es Initiativen zur Reinigung der Meere, wie das Ocean CleanUp und weitere.

    Die Reinigung der Meere und Gewässer ist aber nur ein Teil der Lösung. Plastik im Meer muss von Anfang an vermieden werden. Laut UNEP ist eine bessere Sammlung und Wiederverwertung der Abfälle, besonders in Entwicklungsländern, ein zentraler Punkt. Auch Filtersysteme in Waschmaschinen und in der Abwasserbehandlung müssen verbessert werden.
    Notwendig ist eine grundlegende Umstrukturierung und langlebigere Produkte, die am Ende ihrer Nutzungsphase vollständig recycelt werden können. Beispiele sind z.B. Produkte nach dem Cradle to cradle-Prinzip.

    Und nachdem europäische Wissenschaftler die Automobilhersteller aufgefordert haben, das Reifenmaterial weiterzuentwickeln, hat die EU bei der Reifenkennzeichnung ein Kriterium hinzugefügt: Langlebigkeit.

    Müllsack, Abfall, Restmüll, Müll, Umwelt, Behältnis
     

    Was können wir tun?

    - Vermeiden, vermeiden, vermeiden: Benutze so wenig Plastik wie möglich. Verzichte insbesondere auf Einweg-Plastik. Hole dir bei Bedarf in der Bücherei oder im Internet Tipps oder schau hier in die Berichte zu Zero Waste und plastikfreiem Leben.
    - Nutze keine "biologisch abbaubaren" Tüten. Für den Biommüll kannst du z.B. einfach Zeitungspapier nehmen.
    - Informiere auch deine Nachbarn, Freunde, Familie darüber. Motiviere sie, ebenfalls Plastik zu reduzieren und insbesondere kein (Bio-)Plastik in die Biomülltonne zu werfen.
    - Unterstütze Petitionen und Aktionen für sauberes Wasser und/oder gegen die Plastikflut.
    - Ihr entdeckt ein Geisternetz? Informiert den WWF darüber (geisternetze[at]wwf.de). Wenn Gefahr für Tiere droht, wendet euch an die Wasserschutzpolizei vor Ort. Oder nutzt die Geisternetze-APP und tragt gefundene Netze ein.
    - Wenn du Kosmetik kaufst: Achte darauf, dass kein Mikroplastik enthalten ist. Eine ausführliche Liste gibt es z.B. in diesemBUND-Ratgeber. Wähle z.B. zertifizierte Naturkosmetik oder mache dir Kosmetik selber.
    - Falls ihr raucht: Werft die Zigarettenstummel nicht einfach in die Natur. Ein einziger FIlter kann 500 Liter Grundwasser verseuchen. Informiert auch euer Umfeld darüber.
    - Benutzt beim Wäschewaschen eurer Kleidung mit Synthetik(anteil) einen speziellen Waschbeutel, z.B. den Guppyfriend-Waschbeutel.

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    Neben Plastik gibt es gibt noch weitere Faktoren, wie die Verschmutzung der Umwelt die Artenvielfalt beeinträchtigt. Darum wird es im nächsten Bericht gehen.

     

    -- Fortsetzung folgt --

     

    Quellen:

    Fred Hageneder: "Happy Planet - Jetzt handeln für eine glückliche Erde", Neue Erde GmbH, 1. Auflage 2019 (S. 69-77)


    Titelbild
    : © Jaime Olmo, Tropical Rainforest Parrot, CC BY 2.0

    Weitere Bilder: (Zugriff jeweils 19.3.2020)
    https://pixabay.com/de/photos/verschmutzung-umwelt-drohne-luft-4796858/
    https://pixabay.com/de/photos/fangnetz-geisternetz-plastikm%C3%BCll-3289548/
    https://pixabay.com/de/photos/meeresschildkr%C3%B6te-wurf-sand-tod-615405/
    https://pixabay.com/de/photos/gro%C3%9Fer-schwertwal-orca-verletzung-3933327/
    https://pixabay.com/de/photos/m%C3%BCllsack-abfall-restm%C3%BCll-m%C3%BCll-850874/
    https://pixabay.com/de/photos/tropf-regen-tropfen-wasser-nass-871152/

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