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Artenvielfalt - warum sterben immer mehr Arten aus? (Teil 1)

  • Tropical Rainforest Parrot | Jaime Olmo | Flickr

     

    Heute ist Tag der Artenvielfalt.

    Immer wieder wird über das Artensterben berichtet, das so viel schneller fortschreitet als alle vorherigen in der Erdgeschichte. Aktuell befinden wir uns im 6. Massenaussterben. Breitmaulnashorn, Goldkröte, Pinta-Riesenschildkröte - das sind nur drei der Arten, die es auf unserem Planeten nicht mehr gibt.

    Das Massenaussterben ist genauso schwerwiegend und bedrohlich für den Planeten wie die Klimakrise. Und auch das Überlegen der Menschheit hängt davon ab. Unsere Luft, Wasser, die Nahrung die wir essen - für all das brauchen wir die Artenvielfalt.

     

    Durch den Verlust der Arten verändern sich auch Lebensräume. Landschaften und Meeresräume verlieren ihre ökologische Komplexität, sie werden homogener.

    Im Living Planet-Report von 2018 heißt es, dass seit 1970 bereits 60% der Säugetiere, Vogel-, Fisch- und Reptilienarten verschwunden sind. Fluginsekten gingen seit 1990 um 76% zurück.

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    Doch warum ist das so? Welche Gründe hat das rasante Aussterben verschiedener Arten?

    HIPPO, sagt der Entomologe und Biodiversitätsforscher Edward O. Wilson. Wie, Hippopotamus, das Nilpferd?
    Nein - HIPPO steht für

    - Habitatzerstörung
    - Invasive Arten
    - Pollution (Verschmutzung)
    - Population (Bevölkerung)
    - Overharvesting (Übernutzung)

    In dieser Berichtsreihe werden wir uns diese Punkte genauer anschauen.

     

    1) Habitatzerstörung

    Eine Ursache für das Aussterben von Arten liegt daran, dass die natürlichen Lebensräume in den letzten Jahrzehnten zunehmend zerstört werden.
    Das ist zum einen die Besiedlung durch die Menschen. Unsere Dörfer, Städte brauchen immer mehr Platz. Die Bevölkerung wächst, es wird mehr Wohnraum benötigt - und auch jeder einzelne Mensch verbraucht im Durchschnitt immer mehr Wohnfläche.
    Neben den Dörfern und Städten zerstören wir natürliche Lebensräume durch unsere Infrastruktur: Es werden Straßen gebaut, Flughäfen, Logistikzentren, Kraftwerke, Dämme und vieles mehr. Wir breiten uns immer mehr aus.
    Bis zum Beginn der Industrialisierung war die Erde noch ein Muster aus zusammenhängenden, wilden Lebensräumen, es gab vergleichsweise wenig Anbaufläche. Heute ist das anders.

    Neben der Fläche für menschliche Siedlungen spielt auch die Agroindustrie eine wesentliche Rolle. Die Flächen für den Anbau unserer Lebensmittel zerstören ebenfalls den natürlichen Lebensraum vieler Arten. Die Agroindustrie gilt gar als der größte Treiber für den Verlust und die Zerstückelung von Lebensräumen.
    In Europa und den USA werden etwa 45% der Landfläche für die Landwirtschaft genutzt. Auf vielen dieser Flächen herrscht Monokultur vor, es werden Agrargifte ausgebracht, und für die natürliche Flora und Fauna bleibt kein Raum.
    Nicht nur Insekten sind dadurch bedroht, auch Beutetiere, die sich von Insekten ernähren wie Fledermäuse oder Vögel.
    Bereits in den 1960er Jahren, als der großflächige Einsatz von Pestiziden begann, wurde ein deutlicher Rückgang der Ackervögel bemerkt.

    File:Kartoffelanbau acker.jpg

    Foto: Topfklao~commonswiki assumed (based on copyright claims), Kartoffelanbau acker, als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf Wikimedia Commons


    Auch Süßwasserarten sind durch die Agrarindustrie gefährdet: Für die Bewässerung der Felder werden große Mengen an Wasser entnommen, es gelangen Ackergifte in die Gewässer, und es werden Dämme gebaut.

    Zusätzlich werden Lebensräume auch durch die Klimaerwärmung zerstört. Dies betrifft insbesondere Bäume. Sie werden durch Überschwemmungen und Stürme, Erosion etc. gschädigt. Im Gegensatz zu manch anderen Tiere und Pflanzenarten können sie nicht im erforderlichen Tempo polwärts, in kühlere Habitate, wandern. Ihre bisherigen Lebensräume werden zu warm und zu trocken, ggf. kommen noch Schädlinge etc. hinzu.

    Der Hauptfaktor des Verlusts an Artenvielfalt und Biomasse ist jedoch die Entwaldung. 2018 wurde hier ein neuer Rekord erreicht. Die Entwaldung am Amazonas nimmt stetig zu, ebenso sind enorme Flächen in Indonesien und anderen asiatischen Ländern betroffen, die für Palmölplantagen, Kokospalmen, Eukalyptus, Kautschuk usw. gerodet werden.
    Ein Verlust an Lebensraum in den Tropen ist für die Artenvielfalt besonders hart: Denn in den tropischen Regionen ist die Artenvielfalt mit Abstand am größten.

    In Amerika kam es aber auch zu einem massiven Absterben von Kastanien und Pinokiefern: In den betroffenen Regionen gingen daraufhin die Populationen an Vögeln drastisch zurück.

    Durch all diese Faktoren wie menschliche Siedlungen und Infrastruktur, industriell genutzte Agrarflächen und Entwaldung kommt es zu einer Fragmentation der natürlich vorhandenen Lebensräume. Egal, ob es sich um Wälder, Tundra, Moore, Mangrovensümpfe, Grasland handelt - regelmäßig sind sie durchschnitten von menschlichen Aktivitäten.
    Die Stellen dazwischen werden zu den Zufluchtsorten der bedrohten Tiere, oft sind sie jedoch zu klein, um genügend Futter und eine ausreichende Population an den verschiedensten Arten zu bieten. Die Tiere sind quasi eingekesselt und können nicht mehr wie bisher frei herumstreunen.

    https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/9/96/Rheintal..jpg

    Foto: Scops~commonswiki assumed (based on copyright claims), Rheintal., CC BY-SA 2.5

     

    Was wird getan?

    Es ist wichtig, Naturschutzgebiete zu schaffen, so groß wie nur irgend möglich. AUßerdem müssen Wildtierkorridore eingeplant werden, die diese Gebiete verbinden.
    Die UN arbeitet auf den Biodiversitätskonferenzen daran, das Artensterben und den globalen Verlust an Natur einzugrenzen und umzukehren. Die nächste Konferenz findet noch 2020 in Peking statt. Leider finden diese Konferenzen wenig Beachtung, und auch die Staatschefs bleiben ihr oft fern. Oft sind dann z.B. nur eine Staatssekretäre aus dem Umweltamt anwesend.
    Die UN setzte sich zum Ziel, bis 2020 die Naturreservate auf 17% der globalen Landfläche anzuheben (von bisher 10%). Viele Ländern verfehlen dieses Ziel jedoch.
    Viele Naturschützer sind jedoch der Ansicht, dass auch 17% der Landfläche für Schutzgebiete zu wenig ist, um das Artensterben effektiv mindern zu können.
    Nature Needs Half setzt sich z.B. dafür ein, dass die Natur bis im Jahr 2050 50% der Fläche auf unserem Planeten bekommt - es sollte nicht darum gehen, was der Mensch bereit ist zu geben, sondern darum, was zum Schutz der Natur notwendig ist.

     

    Was können wir tun?

    - Sprecht mit euren Freunden, Kollegen über die Artenvielfalt und was sie für die Natur und uns Menschen bedeutet
    - Unterschreibt Petitionen und motiviert andere, ebenfalls zu unterschreiben, oder schreibt an eure Abgeordneten und lokalen Politiker
    - Setzt euch gegen Pestizide und andere Acker- und Umweltgifte ein
    - Unterstützt Bio-Landwirte aus eurer Region
    - Protestiert gegen unnötige Bebauung und Zerstörung von Naturflächen
    - Setzt euch für den Erhalt von Schutzgebieten ein. Bei euch vor Ort und weltweit. An Land und im Meer.
    - Wenn ihr einen Garten oder Balkon habt: Säät heimische Blumen mit viel Nektar. Mäht Rasenflächen nicht alle kurz, lasst etwas für Vögel, Insekten, Kleintiere stehen. Wer keinen Garten/Balkon hat, kann (in der Regel in Absprache mit der Stadt/Gemeinde) auch Baumscheiben mit Wildblumen bepflanzen. Oder unterstützt einen Bienengarten etc. in eurer Nähe mit eurer Mithilfe.
    - es wird eine Baumpflanz-/Aufforstungsaktion angeboten? Super - unterstützt sie durch eure Mithilfe. Oder spendet für Organisationen, die sich um Aufforstung kümmern (z.B. Plant for the planet) und erzählt auch euren Freunden, Verwandten, Bekannten davon.

    https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/0/00/Bl%C3%BCtenmeer_Park_der_Sinne.JPG

    Foto: © Kristina Walter, Blütenmeer Park der Sinne, als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf Wikimedia Commons

     

    -- Fortsetzung folgt --

     

    Quellen:

    Fred Hageneder: "Happy Planet - Jetzt handeln für eine glückliche Erde", Neue Erde GmbH, 1. Auflage 2019 (S. 56-64)

    Titelbild: © Jaime Olmo, Tropical Rainforest Parrot, CC BY 2.0

Kommentare

2 Kommentare
  • lenalotta
    lenalotta Danke für diesen super Überblick und auch die Infos, was man selber tun kann!!
    4. März
  • AntoniaB
    AntoniaB Danke für die vielen Tipps und dass du das Thema nochmal so gut zusammengefasst hast!
    7. März