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Wasser – alles abgefüllt?

  • Ohne Wasser ist kein Leben möglich. Egal ob Mensch, Tier, oder Pflanze.
    Doch 2030 werden 2/3 der Menschen nicht über sauberes Trinkwasser verfügen.

    Viele Konzerne füllen Wasser in Flaschen ab und machen es so zu einer Handelsware. Was bedeutet das für die Menschen und die betroffenen Regionen?

    75% der Erdoberfläche sind mit Wasser bedeckt. Salzwasser macht dabei den größten Teil aus.
    Etwa 3% des Wassers auf der Erde sind Süßwasser – und nur etwa 1% des Wassers sind für uns Menschen nutzbar.
    Der weitaus größere Teil des Süßwassers ist in Gletschern oder im Grundwasser gebunden.

    Allgemein wird der Zugang zu sauberem Trinkwasser als Menschenrecht angesehen. Doch das ist bei weitem nicht überall gegeben. Einerseits gibt es „natürliche“ Ursachen – in manchen Regionen gibt es sehr wenig Wasser. Andere sind menschengemacht, wie Gifte, Dünger, Abfallstoffe etc. in den Gewässern. Eine große Rolle spielen aber auch Konzerne, welche das Wasser in großem Stil abzapfen, in Flaschen füllen und verkaufen. Was für die Konzerne erheblichen Umsatz bringt, gefährdet die Trinkwasserversorgung in den betroffenen Gebieten und hat weitere Folgen.
    Auch durch die Plastikflaschen, in denen ein Großteil des Wassers angeboten wird.

    A Simple Sustainable Idea - Society 3.0

    Wasser in Flaschen abzufüllen, hat viele ökologische – und andere – Folgen. Hier ein paar Zahlen:

    • Um Plastikflaschen zu produzieren, werden pro Jahr 178 Millionen Liter fossile Treibstoffe gebraucht.
    • Um das abgefüllte Wasser zu transportieren, werden weitere 1,7 Milliarden Liter Treibstoffe pro Jahr gebraucht.
    • Der Müllteppich im Pazifik ist doppelt so groß wie Texas – Plastikflaschen haben einen wesentlichen Anteil am Plastikmüll im Meer. Plastikmüll findet sich überall in unseren Meeren, weltweit. Ein beträchtlicher Teil davon geht auf Plastikflaschen zurück. Die Plastikverschmutzung weitet sich ständig aus und reichert sich auch in der Nahrungskette an. Die Bilder von Plastik im Meer sind uns bekannt.
    • US-Amerikaner kaufen täglich 80 Millionen Einweg-Plastikflaschen. 30 Millionen davon landen auf den Mülldeponien.
    • Nur etwa 20% der Plastikflaschen in den USA werden recycelt. Die Quote hat über die Jahre abgenommen. In Deutschland gelangen durch die Pfandregelung 30% der Flaschen in den „sortenreinen Stoffkreislauf“ im Recycling. In den USA hat sich gezeigt: Ist das Pfand höher, werden mehr Flaschen wieder zurückgegeben als bei niedrigerem Pfand.
    • PET-Flaschen enthalten gesundheitsgefährdendes Bisphenol A (BPA) und weitere Stoffe. Es gilt mitverursachend für Herzerkrankungen, Krebs (besonders Brustkrebs), Diabetes, ADS, Eierstockerkrankungen, hormonelle Störungen und eine reduzierte Spermienanzahl.
    • 80% der PET-Flaschen, die in den USA produziert werden, werden von den großen Konzernen Nestle, Coca-Cola, und Pepsi Cola
    • Nestle ist einer der größten Profiteure am abgefüllten Wasser. Neben Flaschenwasser vertreibt Nestle noch viele andere Lebensmittel und agiert weltweit.
    • Der US-amerikanische Markt an Flaschenwasser wird zu 60% von den Konzernen Nestle, Pepsi-Cola und Coca-Cola Für 3 der 4 größten Marken werden kommunale Wasservorräte benutzt. Die Quellen werden aufgekauft, oder das Wasser „umsonst“ genutzt – je nach gesetzlichen Regelungen vor Ort. In etlichen Orten der Welt kämpfen Bürger dagegen an.
    • Flaschenwasser wird seit den 1970er Jahren in größerem Stil verkauft. Die große Veränderung kam jedoch Ende der 80er, als die PET-Flasche eingeführt Seitdem ist der Außer-Haus-Konsum von Flaschenwasser deutlich angestiegen und nahezu überall im Straßenbild anzutreffen.
    • Trinkt man pro Tag 2 Liter Flaschenwasser, bezahlt man dafür im Schnitt über 1000 € im Jahr. – Während 2 Liter Leitungswasser nicht einmal einen Cent kosten.
    • Flaschenwasser kostet mehr als Benzin.

    Wenn in einer Region der Zugang zu Wasser schwieriger wird, kann es zu politischer Instabilität und sozialen Unruhen kommen. Es wird um das Wasser gekämpft. Mal mit Waffen, mal mit Gerichtsprozessen.
    Und in der Umgebung von Fabriken, die Ausgangsstoffe für PET-Kunststoffe produzieren um das Wasser später abzufüllen, kommt es u.a. zu erhöhten Krebsraten, verseuchtem Grundwasser, verschmutzter Luft. Ein Beispiel ist z.B. die Stadt Corpus Christi in den USA. Indem wir Wasser in Plastikflaschen kaufen, tragen wir zu diesem Zustand bei.

    Durch den Klimawandel gehen Wasservorräte in vielen Regionen zurück. Trinkwasservorräte müssen also besonders geschützt werden. Durch das kommerzielle Abfüllen wird zu viel Wasser verbraucht und die Wasservorräte zusätzlich belastet. Den betroffenen Orten wird also buchstäblich das Wasser abgegraben. Flusspegel sinken, Fischbestände nehmen ab, Feuchtgebiete können bedroht sein.
    Die Profitinteressen der Konzerne stehen im Widerspruch mit den öffentlichen Interessen der Bevölkerung. Selbst wenn in Dürreperioden das Wasser knapp wird, lassen die Konzerne die Produktion meist weiter laufen. Politiker befinden sich jedoch auch im Zwiespalt zwischen Umweltschutz und dem Schutz von Arbeitsplätzen. Denn die Konzerne sind oft für viele Arbeitsplätze sin einer Region wichtig. So wird der Umweltschutz oft hintenan gestellt, wenn überhaupt die Möglichkeit besteht, Einfluss zu nehmen.

    Wasser in Flaschen wird meist als besonders sicher, gesund, rein beworben. In der Realität wird Leitungswasser allerdings strenger und häufiger geprüft. Mehrmals täglich.

    Wasser in Flaschen abzufüllen ist schlecht für die Umwelt, für die örtliche Wasserversorgung und am Ende auch für unseren Geldbeutel.
    Doch die Nachfrage nach einem Produkt beeinflusst auch die Produktion – und hier können wir ansetzen, jeder von uns. Das senkt den CO2-Fußabdruck und verringert Plastikmüll.

    „Die Welt hat genug Wasser für Jedermanns Bedarf – aber nicht genug für Jedermanns Gier.“ Mahatma Gandhi

     

    Quellenangabe und weitere Infos:
    Dokumentationsfilm „Abgefüllt“, atlas-Films (2009)

     

    Bildquellen:
    http://www.wortzummontag.de/predigt/testpredigt.html
    https://society30.com/simple-sustainable-idea/
    https://af.wikipedia.org/wiki/Water

     

Kommentare

6 Kommentare
  • TobiS
    TobiS Da muss man garnicht viel rechnen, kommt aber auch auf das Wasser an, dass man kauft: Im ICE habe ich mir letztens Wasser gekauft, weil ich nicht genug dabei hatte. Da hat der Liter stilles Wasser fast 6 € gekostet. Bei Aldi gibt’s laut Internetseite den ...  mehr
    18. Feb.
  • SteffiFr
    SteffiFr @Lenalotta: vielen Dank für den Hinweis. Da fehlt tatsächlich eine Zahl. Es müsste "1000€" heißen. Werde es gleich ändern.
    Bei den Preisen sind es Durchschnittswerte. Es gibt zwar durchaus Mineralwässer die im Vergleich günstiger sind als Benzin...  mehr
    19. Feb.
  • SteffiFr
    SteffiFr an einem Bahnhof eine Flasche Wasser gekauft habe, und konnte sie am Zielort aber nirgends abgeben. 3-4 Kioske/Geschäfte haben diese Wasser-Sorte leider nicht zurückgenommen.
    19. Feb.
  • SteffiFr
    SteffiFr @MaGaOl: danke für den Link!
    19. Feb.