Berichte

"Eine Zukunft mit den Qualitäten der Vergangenheit...

  • Quelle: Arnold Morascher/WWF

     ...und den Möglichkeiten der Zukunft."

    Ein Interview mit Susanne Hendel

    Susanne Hendel war dieses Jahr das erste Mal als wissenschaftliche Mentorin beim 2°Campus mit dabei. Sie arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Fakultät für Architektur und Bauingenieurwesen an der Bergischen Universität Wuppertal. Dort hat sie auch ihren Master of Science gemacht und schreibt im Moment an ihrer Doktorarbeit. Die gemeinsame Arbeit an der Forschungsfrage hat uns sehr viel Spaß gemacht.

    Damit ihr die Mentorin des diesjährugen Gebäude-Teams ein bisschen kennen lernt, haben Marie (Buddie) und Ich dieses Interview mit ihr geführt.

    Lukas & Marie: Was gefällt dir besonders am Forschen?

    Susanne Hendel: "Besonderes gefällt mir das selbstständige Arbeiten an selbst gesetzten Zielen."

    Wann hast du deine Leidenschaft für dein aktuelles Forschungsthema entwickelt? Gab es dazu einen ausschlaggebenden Moment oder ein besonderes Ereignis?

    "Im 4. Semester meines Architekturstudiums habe ich an einer EnOB (Forschung für Energieoptimiertes Bauen) Sommerakademie teilgenommen. Das Thema, die Umnutzung einer alten Schule bei Dresden unter den Aspekten der Nachhaltigkeit und Energieeffizienz war eine willkommene Abwechslung zu den zahlreichen Entwürfen, die ich im Studium bearbeiten musste. Das Thema Energieeffizienz, mit dem Hintergrund einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten, ist aktuell und lässt sich fundiert wissenschaftlich untersuchen. Die EnOB Sommerakademie 2010 hat mir zum einen die Themen Energieeffizienz und Nachhaltigkeit nähergebracht und zum anderen gezeigt, dass mir die wissenschaftliche Art zu arbeiten näherliegt, als rein kreativ Bauwerke zu entwickeln. Obwohl letzteres immer schon ein Kindheitstraum war."

    Wenn du ganz allein entscheiden könntest, woran du die nächsten Jahren forschen könntest, was wären deine wichtigsten Fragen, die du gern herausfinden wollen würdest?

    "Die Frage ist nicht leicht zu beantworten. Ich bin momentan in der Phase meiner Promotion, dass ich ein Thema definiert habe, was eine große Bandbreite an Fragestellungen und zahlreichen Anknüpfungspunkten zu anderen internationalen Forschungsprojekten und Forschergruppen mit sich bringt. Ich habe also aktuell ein selbst gewähltes Thema mit dem ich mich in den nächsten Jahren beschäftige: "Weiterentwicklung des Solar Decathlons zu einem Forschungsprojekt für Gebäudeperformancestudien.""

    Welchen Tipp würdest du Jugendlichen geben, die auch einmal gern in deinem Bereich forschen wollen?

    "Für die Bearbeitung von Fragestellungen zur Gebäudeperformance und Energieeffizienz ist ein ganzheitlicher Blick auf die Untersuchungsobjekte (Gebäude) essenziell. Hierbei ist die eigene Spezialisierung zweitrangig, solang man offen ist für die Einflüsse der anderen Fachrichtungen bleibt. Ein Gebäude ist die Summe aus verschiedenen Gewerken, die alle ihr Spezialwissen einbringen. Es ist nicht unüblich, dass bei diesen Themen Bauingenieure, Architekten, Maschinenbauer, Wirtschaftsingenieure und andere Spezialisten an einem Tisch sitzen."

    Welche berühmte Persönlichkeit würdest du gerne einmal persönlich kennenlernen bzw. hättest du gerne einmal kennengelernt (wenn er nicht mehr lebt)? Und warum?

    "Samuel Beckett: "Try again. Fail again. Fail better." Er war Autor. Er war Minimalist. Er war ein Visonär."

    Was wünschst du dir für den 2°Campus?

    "Der 2°Campus soll die Qualität der Themen, Bearbeitung und Betreuung beibehalten und dies für noch viele Jahre. Es gibt kaum einen optimaleren Weg um junge Interessierte für die Forschung zu begeistern. Der 2° Campus ist ein Vorzeigebeispiel, was es zu erhalten gilt."

    Wenn du alle Möglichkeiten der Welt hättest, was wäre das erste was du tun würdest?

    "Ich würde die Welt bereisen um sie verstehen zu lernen. Der Einblick in fremde Kulturen öffnet den Geist für neue Möglichkeiten und Wege."

    Was ist deine Vision der Zukunft?

    "Meine Vision wäre eine Zukunft mit den Qualitäten der Vergangenheit und den Möglichkeiten der Zukunft. In der Zukunft sollen autofreie Städt mit besserer Luft und Lebensqualität den Menschen wieder die Möglichkeit geben sich gefahrenfrei den Außenraum zurückzuerobern und den Bezug zur Natur zu stärken. Eine noch viel weiter ausgebaute Vernetzung von Energie, Verkehr und Daten soll paralell den Komfort der heutigen Zeit erhalten und erweitern. Unseren heutigen Standards (Mobilität, Erreichbarkeit und Verfügbarkeit von Produkten) wurden mit einer Geschwindigkeit erreicht, die zu Laste der Umwelt ging. In der Zukunft sollte dies mit den Erkenntnissen von heute besser umgesetzt werden."

    Mit welcher Einstellung begegnest du "Klimakritikern"?

    "Um Klimakritiker zu sein, muss man wissenschaftliche Erkenntnisse leugnen, was meist auf ein offensichtliches Bildungsdefizit zurückzuführen ist. Hier wäre es fraglich ob eine Diskussion überhaupt zielführend ist."

     

    Vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast uns die Fragen zu beantworten!

Kommentare

2 Kommentare
  • Buchenblatt
    Buchenblatt Danke für das Interview! Ich freue mich immer, hier vom 2°Campus zu hören.
    17. September
  • Ivonne
    Ivonne Ein sehr schönes Interview! Toll, danke für den Beitrag! Freu mich auf den III. Block! :-)
    19. September