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Fragen über Fragen - Das Interview mit Johannes Betz

  • Quelle: Arnold Morascher/WWF

     

    Ein enspannter Montag-Nachmittag, ein großer Haufen Fragen, und ein spannendes Interview!

    Anfang August haben Kaja (PhilosoFisch) und Ich gemeinsam mit unserem Mentor des Teams Mobilität, Johannes Betz ein interessantes Interview über den diesjährigen 2°Campus geführt, und ihn dabei mit allerhand Fragen gelöchert.

    Was dabei herausgekommen ist lest ihr hier!

     

    Kaja: Was gefällt dir am forschen?

    Johannes: “Am Forschen gefällt mir der “schwarze Abgrund”, vor dem man immer steht, weil das, was man macht, noch nie jemand zuvor getan hat. Man hat die Möglichkeit komplett neues Wissen zu akquirieren und neue Dinge herauszufinden und niemand kann einem sagen, was passieren wird."

     

    Wie bist du zu dem Thema gekommen an dem du gerade forschst? Gab es ein ausschlaggebendes Element, oder wolltest du einfach mal so schauen was passiert?

    “Als ich gesehen habe, dass an der Uni Münster das MEET existiert, ein großes elektrochemisches Batterieforschungszentrum, hat mich das sofort begeistert und dementsprechend habe ich mich dort für meinen Master beworben. Mir hat einfach der Fachbereich gefallen, da der Gedanke der Nachhaltigkeit dahinter steht, elektrische Energie aus regenerativen Quellen speichern zu können. Dies könnte unter anderem helfen irgendwann Verbrennungsmotoren in Autos komplett zu ersetzen.”

     

    Warum würdest du sagen, dass dich Elektrochemie besonders fasziniert?

    “Es interessiert mich zum einen von der fachlichen Seite her; ich mag es die ganzen Prozesse in der Elektrochemie zu verstehen. Aber auch der Aspekt der Nachhaltigkeit ist mir sehr wichtig. Ich könnte mir nicht vorstellen in einem Bereich zu arbeiten, wo kein größerer Sinn dahinter stehen würde.”

     

    Wenn du alleine entscheiden könntest woran du die nächsten Jahre forschen würdest, was wäre das dann?

    Ich habe tatsächlich das Gefühl, genau in dem Bereich zu forschen, in dem ich forschen will: Wie kann man Batterien noch verbessern? Wie kann man mehr Energie auf kleinem Raum chemisch speichern und die Mobilität revolutionieren? Ich habe mich dabei auf die positive Seite der Batterie spezialisiert, die Kathode, und jenes war genau das Thema meiner Wahl.

     

    Hast du in der Wissenschaft/Forschung ein Vorbild, oder eine Person die du gern mal persönlich kennen lernen wollen würdest?

    Also, es gibt da schon ein oder zwei Forscher in der Batterieforschung, z.B. Jeff Dahn, den ich gerne mal kennenlernen würde, einfach weil er dementsprechend viele Dinge zu der Batterietechnologie herausgefunden hat, oder auch Arumugam Manthiram, der in Texas forscht und sich da mit der Materialentwicklung für Batterien beschäftigt.

     

    Denkst du, dass Forschung die Welt verändern könnte?

    Ich denke dass Forschung durchaus die Welt verändern kann, denn wenn nicht die Forschung, was dann? Damit meine ich nicht nur die Forschung in den MINT-Fächern, sondern gerade auch in den Geisteswissenschaften, die essentiell für eine funktionierende Gesellschaft sind.

     


    Wie wird man eigentlich Forscher?

    Forscher muss man nicht werden. Jeder, der mit offenen Augen durch die Welt geht und Dinge hinterfragt, neugierig ist, neue Dinge ausprobiert und herausfindet, ist automatisch ein Forscher, das muss man nicht erst werden.

     

    Welche Verantwortung trägt deiner Meinung nach die Forschung in der heutigen Zeit?

    Eine sehr gute Frage. Ich glaube, dass Forschung heutzutage eine sehr große Verantwortung trägt, beziehungsweise die Forscher selbst.

    Denn als Forscher muss man sich darüber Gedanken machen, was am Ende mit seinen Forschungsergebnissen gemacht wird und wie viel man davon veröffentlichen kann und möchte, da es oftmals dazu kommt, dass diese neuen Erkenntnisse für Zwecke verwendet werden können, die alles andere als im Sinne der ursprünglichen Idee sind. Noch schlimmer ist, wenn ohne Reflexion aktiv an Dingen geforscht wird, die sehr negative Auswirkungen auf Mensch und Umwelt haben können.

     

     

    Was bräuchte es, damit dein Forschungsbeitrag in der Realität umgesetzt wird?

    Es ist gar nicht mal so unrealistisch, dass meine Forschungen irgendwann einmal umgesetzt werden. Zumindest, sobald die Ergebnisse gut genug und entsprechend aussagekräftig sind.

     

    Was ist deine Vision der Zukunft?

    Wenn wir unseren Lebenswandel so fortführen wie bisher, wird es nicht möglich sein, den Schaden, den wir bereits unserer Umwelt angetan haben, auch nur annähernd einzuschränken, geschweige denn aufzuhalten. Wir müssten alle unseren Lebensstil drastisch ändern, aber selbst das ist nur eines von vielen Problemen.

    Gerade in Entwicklungsländern gibt es noch Herausforderungen, die viel massiver sind, als das Problem der Nachhaltigkeit. Dort werden in Zukunft unter anderem Kriege um Wasser stattfinden, einer Ressource, die für uns hier eine Selbstverständlichkeit ist.

    Meine Zukunftsvision ist aktuell daher eher negativ geprägt.

     

    Mit welcher Einstellungen begegnest du Klimakritikern?

    Sie machen es sich zu einfach. Entweder wollen sie die Wahrheit einfach nicht wahrhaben oder sie sind einfach zu schlecht informiert.

     

    Wie engagierst du dich für den Klimaschutz, wenn du nicht gerade forschst?

    Zu wenig. Leider, viel zu wenig, vom 2°Campus einmal abgesehen.

    Aktuell ist gerade alles ein wenig kompliziert, aber ich werde mich bemühen mehr zu tun, sobald ich mehr Zeit habe, mich auch außerhalb der Forschung aktiv für den Klimaschutz zu engagieren.

     

    Kommen wir nun zum 2°Campus - Was hat dich dazu gebracht Mentor beim 2°Campus zu werden?

    Ich wurde direkt angesprochen, und hatte das Gefühl dass das Projekt ohne mich nicht so hätte stattfinden können, da sich wahrscheinlich sonst niemand außer mir dazu bereit erklärt hätte die Verantwortung dafür zu übernehmen. Und das wäre sehr schade gewesen.

     

    Warum willst du Jugendliche für die Forschung begeistern?

    Es gibt unter den Jugendlichen, insbesondere bei jungen Mädchen, viel ungenutztes Potential und es macht mir einfach unfassbar viel Spaß, mit jungen engagierten Menschen zusammen zu arbeiten, die etwas verändern wollen.

     

    Und welche Tipps hast du für junge Forscher?

    Lasst euch nicht abschrecken, und traut euch was.

    Mir wurde auch oft gesagt dass Chemie sehr schwer sei, aber mit ein bisschen Verstand, sehr viel Leistung und ein wenig Begeisterung ist es mehr als machbar. Aber sucht euch für euren Bachelor am besten eine kleine Uni aus, da dort die Betreuung wesentlich besser ist.

     

    Was wünscht du dir für den 2°Campus?

    Ich hoffe das er noch weiterhin stattfinden wird, denn ich finde, dass es eine gute Sache für junge Menschen ist, die sich engagieren wollen. Es wäre sehr schade, wenn es dieses Angebot in Zukunft nicht mehr geben würde.

     

    Was gefällt dir am 2°Campus und was nicht?

    Ich finde es schön zu sehen, dass es so viele junge, engagierte und kreative Menschen gibt, die zusammen kommen und ihre Ideen miteinander teilen wollen, das gibt mir Hoffnung.

    Was mir nicht gefällt? Mir fällt dazu gerade absolut nichts ein *lacht*

     

    Vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast um mit uns dieses Interview zu führen!

     

    Wir hoffen dass wir ein bisschen Licht ins Dunkeln gebracht haben, was das Leben eines Forschers und Mentor im 2°Campus angeht und euch so einen kleinen Einblick verschaffen konnten. 

    Wir freuen uns über Kommentare, konstruktive Kritik und sämtliche Anmerkungen zu diesem Bericht, und versuchen auf alle Kommentare zu antworten und gegebenenfalls aufkommende Fragen so gut es geht zu beantworten.

Kommentare

1 Kommentar
  • Ivonne
    Ivonne Das ist echt ein sehr schönes Interview geworden! Vielen Dank dafür. Macht Spaß mit euch, einen gemeinsamen Wegabschnitt zu gehen. :-)
    19. September