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Webinarreihe "Ausgepackt"

  • Wie könnten umwelt- und klimafreundliche Verpackungen in der Zukunft aussehen? In der sechsteiligen Webinar-Reihe "Augepackt" organisiert vom Wissenschaftsladen Bonn e.V. und LizzyNet gGmbH ging es genau um diese Frage und Themen wie Recycling, nachwachsende Rohstoffe und Mehrwegsysteme.

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    Im ersten Modul ging es um die verschiedenen Aspekte von Verpackungen. Wofür man sie braucht, welche Materialien es gibt, welche umweltverträglich, welche problematisch sind und wie man sie ersetzen kann. Einen Schwerpunkt bildete das Thema Recycling und die damit verbundenen Problematiken. 


    Der Verbrauch von Verpackungen ist enorm. Laut dem Umweltbundesamt fielen in Deutschland im Jahr 2018 rund 18,9 Millionen Tonnen Verpackungsabfällen an. Verpackungen können eigentlich sehr praktisch sein: Sie halten Lebensmittel frisch und machen sie länger haltbar. Auch für den unbeschädigten Transport von Waren sind Verpackungen nützlich. Doch nicht alle Produkte müssen unbedingt verpackt werden. Viele Lebensmittel wie z.B. Obst und Gemüse kommen auch gut ohne Verpackung aus. 
    Es gibt unzählige Arten von Verpackungen. Materialien wie Metalle und Kunststoffe können die Umwelt sehr belasten. Plastik beispielsweise ist unsterblich. Innerhalb von 500 Jahren zerfällt es langsam in winzige Teilchen, dem sogenannten Mikroplastik. Über Flüsse gelangt der Kunststoff ins Meer und wird zur tödlichen Gefahr für Meerestiere. Insgesamt sind dadurch 260 Tierarten bedroht. Die Fische, die wir zu uns nehmen haben nachweislich Mikroplastik in sich, wodurch es wieder in unsere Nahrungsmittel zurückkehrt. Nachhaltige Alternativen bieten nachwachsende Rohstoffe wie z.B. Gras, Pflanzenstärke oder Hanf. Hanf beispielsweise ist ein natürliches Material und kann zum Isolieren von Ware eingesetzt werden. Die Pflanze ist beim Anbau besonders nachhaltig, da sie kaum Dünger benötigt und schnell wächst, sowie zu fast 100 Prozent verwertet werden kann. Aus den Fasern kann z.B. Vlies gefertigt werden, das nach ihrem Einsatz auf dem Kompost verrottet.
    Laut der Tagesschau wird nur 17% der Kunststoffabfälle nachvollziehbar recycled. Mehr dazu hier. Der Recycling-Code dient der Kennzeichnung verschiedener Materialien, um sie wieder in den Wiederverwertungskreislauf zurückzuführen. Der Code besteht aus drei Pfeilen, die den Verwertungskreislauf widerspiegeln sollen. Eine Nummer kennzeichnet das Material. Meistens wird darunter auch noch ein Kürzel angegeben, das die Werkstoffgruppe angibt. Was denkst du? Lassen sich Chipstüten gut recycling, PET-Flaschen und Joghurt? Die Antworten findest du in diesem spannenden Video von Quarks: 

    Ein weiteres Problem: Ein Teil vom Abfall wird exportiert. Deutschland exportiert jährlich etwa eine Million Tonnen Plastikabfälle ins Ausland z.B. nach Malaysia, Türkei, etc. Die Recyclingstrukturen sind oftmals nicht gut, sodass nur ein Bruchteil recycelt wird. Der Rest wird verbrannt oder deponiert. Das hat wiederum ökologische Folgen in Form von Emissionen durch die Verbrennung. Die Schadstoffen gelangen in die Natur wie z.B. in die Gewässer oder das Meer. Auch die die lokale Bevölkerung leidet unter den Belastungen, wenn Luft, Böden und Gewässer verschmutzt werden. Die Lösung dafür wäre den Export zu stoppen, unverpackte Produkte zu kaufen, bewusster zu konsumieren und ein Gesetz zur Besteuerung von unnötiger Verpackungen.


    Im nächsten Schritt haben wir uns mit Verpackungen aus nachwachsenden Rohstoffen befasst. Der Gastreferent Jan Niklas Frase vom INRES (Nachwachsende Rohstoffe am Campus Klein-Altendorf) hat spannende Einblicke in den Forschungsbereich der Universität Bonn gezeigt. Er beschäftigt sich vor allem um die Entwicklung von nachhaltigen Verpackungsmaterialien und Papierherstellung aus Miscanthus, Silphie oder Heu.


    Miscanthus (Elefantengras) ist ein alternatives Rohmaterial für Verpackungen. Diese Pflanze wächst bis zu 20 Jahre lang und produziert einen Jahresertrag von 20 Tonnen trockener Biomasse pro Hektar. Außerdem bindet sie während ihres Wachstums ca. 30 Tonnen CO2 pro Hektar/Jahr und trägt damit aktiv zum Klimaschutz bei. Dieser Rohstoff findet sogar bereits Verwendung in der Bauindustrie z.B. für Gipsfaserplatten, Dämmstoffe, etc., im Gartenbau für Blumentöpfe und noch vieles mehr. 

     

    © Man Chung auf Unsplash


    Silphie wird derzeit in Deutschland auf einer Fläche von ca. 6.000 ha angebaut. Die Fasern  der Pflanze können den Zellstoff aus Holz ersetzen. Diese kann man zur Papierherstellung nutzten oder für die energetische Verwertung zu Biogas. Das Unternehmen Out Nature produziert sogar schon mittles eines biothermischen Verfahrens Papier-und Kartonage Verpackungen, die in einigen Geschäften zu finden sind. 
    Heu ist ein schnell nachwachsender Rohstoff. Dieser enthält kaum Lignin. Lignin ist ein natürlicher Klebstoff, der die Zellulose-Fasern im Holz zusammenhält und in der Herstellung von Papier entfernt werden muss. Dieses Verfahren ist sehr energieaufwändig. Die Verarbeitung mit Heu braucht nur ein Zehntel der Energie und nur zwei Liter Wasser pro Tonne Grasfasern statt 6000 Liter Wasser für dieselbe Menge Holz. Bereits bekannte Lebensmittelhändler nutzen dieses Produkt für ihre Obst und Gemüseabteilung. 


    Im dritten Modul ging es um Mehrweglösungen. Wie kann man Einweg und Mehrweg unterscheiden? Was ist der Vorteil von Mehrwegverpackungen? Welche Mehrweglösungen gibt es noch? Der Gastreferent Tobias Bielenstein vom Arbeitskreis Mehrweg gab einen spannenden Einblick zu diesem Thema.


    Mehrweg beschreibt Verpackungen, die mehrfach verwendet werden. Das Mehrwegsystem wird seit Jahrhunderten für Getränkeflaschen benutzt. Die Flaschen aus Glas werden mehr als 50-mal und die aus PET bis zu 25-mal wiederbefüllt. Das schont die Umwelt und spart wichtige Rohstoffe und Energie ein. Dadurch, dass die Wiederbefüllung der Flaschen weniger aufwändig ist, als sie neu herzustellen, werden auch weniger CO2-Emissionen verursacht. 
    Doch wie kann man Mehrweg und Einweg überhaupt unterscheiden? Vor allem am Material. Wenn die Flaschen aus Glas oder hartem Kunststoff bestehen oder sich im Kasten befinden, handelt es sich um eine Mehrwegflasche. In Folie eingeschweißte PET-Flaschen sind meistens Einwegflaschen. Diese werden nicht mehr befüllt, sondern zerkleinert und recycelt. Es gibt dafür auch spezielle Zeichen, an denen man sich orientieren kann. Auf Mehrwegflaschen befindet sich das Zeichen des blauen Engels oder „Mehrweg - Für die Umwelt“, wohingegen auf PET-Flaschen eine Flasche mit einer kleinen Dose aus einem geschwungenen Pfeil zu sehen ist. 
    Es gibt auch schon ein paar innovative Ideen, die umgesetzt wurden wie z.B. RECUP, der deutschlandweite Pfandsystem für To-Go-Mehrwegbecher und-schüsseln. Das Startup VYTAL dagegen entwickelte Mehrwegboxen für Fast-Food und Essen-to-Go. An der Uni München (LMU) wurde sogar ein Pfandsystem ausgetestet. Studierende können sich aus einem Automaten einen StuCup für einen Euro Pfand nehmen. Dieser kann beliebig lang benutzt oder an einem Rückgabeautomaten zur Reinigung und Wiederverwendung zurückgegeben werden. 


    Dann ging es weiter mit dem Thema Unverpackt, wie innovative Abfüllsysteme in Unverpacktläden funktionieren und bei welchen Produkten man problemlos auf eine Einwegverpackung verzichten kann. 


    In Deutschland und auch in anderen Ländern nimmt die Zahl der Unverpackt-Läden zu. Statt Plastiktüten, nimmt man ganz einfach seine Glasbehälter mit, notiert das Gewicht und schon kann das Abfüllen anfangen. Nudeln, Reis, Hülsenfrüchte, Kaffee, Süßwaren, Seife oder Waschmittel, alles ohne Verpackung. Zumindest fast. Manche Hygieneartikel und fetthaltige Produkte benötigen trotzdem eine Verpackung. Im Unverpackt-Laden gibt es aber immerhin 84 Prozent weniger Verpackungen als herkömmliche Läden. Ob es in deiner Nähe bereits einen Unverpackt-Laden gibt, kannst du hier herausfinden.

    ©Jasmin Sessler auf Unsplash


    Anschließend folgte ein interessanter Vortrag vom Gastreferent Tobias Haider, Chemiker und Mitarbeiter im Projekt PlastX. Er arbeitet an sinnvollen Anwendungsmöglichkeiten von bioabbaubaren Kunststoffen, insbesondere im Bereich Lebensmittelverpackungen.


    PlastX beschäftigt sich mit der Rolle von Kunststoffen in der Gesellschaft und ihre Auswirkungen auf die Umwelt. Klar ist, dass Kunststoffe ein wichtiges Material für die Weltwirtschaft und für den Alltag darstellt. Gleichzeitig sind enorme Umweltrisiken damit verbunden. Die Forschung will deshalb herausfinden, wie diese Risiken produziert und wahrgenommen werden. Das Ziel ist es, nachhaltige Lösungsmöglichkeiten zu entwickeln. Insgesamt gibt es vier Forschungsfelder: Verbrauch, Biokunststoffe, Toxizität und Meeresmüll.
    Im Bereich Verpackungen wird auch geforscht. Wie wir bereits wissen, verlängern Verpackungen die Haltbarkeit von Lebensmitteln und erleichtern den Transport und die Lagerung. Außerdem befinden sich darauf wichtige Informationen für den Verbraucher. Bisher werden aber vor allem erdölbasierte Materialien wie Polyethylen (PE), Polystyrol (PS) oder Polyethylenterephthalat (PET) verwendet. Die Forschung bezieht sich daher auf die Verwendung von Biopolymeren für nachhaltigere Lebensmittelverpackungen. Das Ziel ist es die Synthese, also Zusammenführung neuer biologisch abbaubarer Polymere und die Analyse der Eigenschaften sowie die biologische Abbaubarkeit. 


    Im letzten Webinar war die Gastreferentin Carina Frings, Geschäftsführerin und Erfinderin des ersten Mehrwegdeckels für Coffee-to-go vom Startup udo mit dabei. 


    In Deutschland werden jährlich 2,8 Milliarden Einweg-Kaffeebecher verbraucht. Dadurch entstehen 40.000 Tonnen nicht recyclebarer Abfall durch Einweg-Kaffeebecher. Eine riesen Menge an Abfall, der sich durch die innovative Lösung von diesem Startup vermeiden lässt. Der Mehrwegdeckel udo ermöglicht nämlich die eigene Tasse in ein To-go-Gefäß zu verwandeln und leistet somit einen wichtigen Beitrag zu einer nachhaltigeren Welt. 


    Wettbewerb

    ©istockphoto.com/Mukhina1


    Zum Schluss hatten Schüler*innen und junge Menschen die Möglichkeit, ihre eigenen Ideen und Lösungsmöglichkeiten vorzustellen. Dies waren zum Beispiel Mehrwegsysteme für Drogerieprodukte, Abfüllstationen oder Snackverpackungen, die komplett aus nachwachsenden Rohstoffen bestehen. Tierfutter, Algen und Seegrasnetzt sind nur einige von vielen Verpackungsalternativen.
    Die neu entwickelten Ideen für eine verpackungsärmere Zukunft konnten in einem Wettbewerb eingereicht werden. Es gab insgesamt drei Kategorien: 


    1. NoWaste-Botschaft für eine verpackungsärmere Welt

    2. Idee für eine umwelt- und klimafreundliche Verpackung

    3. Idee für Verpackungseinsparung an der Schule/im Jugendtreff


    Einer fachkundigen Jury wird die eingereichten Projekte bewertet. Im Herbst 2021 werden die Gewinner beim "Festival der guten Ideen" prämiert. 


    Meine Botschaft für die Welt findet ihr in diesem Film. Inspiriert von meinen Berichten: “Schöne, neue Welt” und “Ich habe einen Traum”. 


    Welche Ideen hast du? Was würdest du erfinden, um die Welt ein kleines Stückchen besser zu gestalten? Schreibt es gerne in die Kommentare.

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