Berichte

Forschungsergebnisse der Ernährungsgruppe

  • Liebe Leserinnen und Leser!

    Der Klimawandel und seine Folgen werden zunehmend relevant. Extreme Wetterbedingungen, wie starke Stürme nehmen zu, der Meeresspiegel steigt, Permafrostböden drohen, aufzutauen und auch die Tierwelt verändert sich. Für uns steht allemal fest: Wir müssen etwas ändern und anfangen können wir dabei bei unserem Konsumverhalten! 

    Ca. 30 % der weltweiten THG-Emissionen werden durch die Landwirtschaft verursacht (FAO 2014). Dabei sind die Landnutzungsänderungen, der Einsatz von Mineraldünger und die industrielle Tierhaltung als wichtige Emissionsquellen zu betrachten (Greenpeace 2008). Ferner kommen additiv die weiten Transportwege und die Verpackungen dazu. Folglich lassen sich in der Landwirtschaft massiv Emissionen einsparen.

    In diesem Jahr hat sich die Ernährungsgruppe des 2 Grad Campus mit der Thematik der solidarischen Landwirtschaft beschäftigt. Als Ziel hatten wir uns die Beantwortung der Frage, welchen Beitrag die solidarische Landwirtschaft zum Klimaschutz im Rahmen des 2 Grad-Limits leistet, gesetzt. Um dieses Ziel zu erreichen, haben wir Literaturrecherchen durchgeführt, Expert*innen interviewt, Daten erhoben und Verbraucher*innen befragt, woraufhin wir die solidarische Landwirtschaft auf die Kriterien einer zukunftsfähigen Landwirtschaft überprüft haben. Aber was ist solidarische Lnadwirtschaft überhaupt? 

    Das Netwerk Solidarische Landwirtschaft beantwortet diese Frage so: „Ein Hof ernährt die Menschen und alle teilen sich die damit verbundene Verantwortung, das Risiko, die Kosten und die Ernte.“ In den vergangenen acht Jahren ist die Anzahl der SoLaWis in Deutschland von fünf Betrieben auf 150 Betriebe gestiegen. Mithin sind 95 weitere SoLaWis in Planung. Insofern stellt das Prinzip der solidarischen Landschaft eindeutig einen Trend dar. Bei der Beantwortung unserer Forschungsfrage fragten wir uns insbesondere, inwiefern SoLaWis Teil einer zukunftsfähigen Landwirtschaft sind, welche Herausforderungen und Chancen sich aus der Besonderheit des solidarischen Konzeptes ergeben und welches Wachstumspotenzial für SoLaWis besteht.

    Durch unsere Literaturrechereche erfuhren wir, dass eine zukunftsfähige Landwirtschaft einige Kriterien erfüllen muss. Unter diese fallen der Ökolandbau und der damit verbundene Verzicht auf Pestizide und Mineraldünger, kleinbäuerliche Strukturen, der Verzicht auf Verpackungen, keine Lebensmittelverluste aufgrund von Normen zur Form und Größe und geringere Transportwege. Die solidarische Landwirtschaft erfüllt all diese Kriterien.

    Mithilfe einer Datenerhebung kamen wir hinsichtlich der Transportwege zu folgendem Ergebnis: Bio-Möhren und Möhren aus der konventionellen Landwirtschaft legen schon allein vom Verpackungsort bis zum Verbraucher durchschnittlich 351 km beziehungsweise 375 km zurück. Der gesamte Weg ist jedoch noch höher, da der Weg vom Hof zum Verpackungsort und der individuelle Weg vom Supermarkt zum Verbraucher hinzugerechnet werden muss. Bei der SoLaWi beträgt der durchschnittliche Weg vom Erzeuger zum Verbraucher lediglich 51 km. Andererseits muss auch hierbei beachtet werden, dass der Weg zum Verbraucher sehr individuell ist und von der Entfernung des Verbrauchers zur Abholstelle abhängt. Letztlich stellen SoLaWis jedoch eindeutig eine zukunftsfähigere Alternative dar.

    Das Konzept muss sich jedoch ebenfalls, wie wir durch Expert*innen erfuhren, vielen Herausforderungen stellen. Bei der Kommunikation zwischen den Verbrauchern und des Hofes kommt es für die Landwirt*innen zu einem hohen Zeit- und Personalaufwand. Der Ursprung darin liegt in der Anwerbung von Mitgliedern, der Ankündigungen von Mitgliedertreffen, der Organisation der Erntehilfe, etc. Auch für die Mitglieder ist die Mithilfe am Hof ein zusätzlicher Aufwand. Auch müssen diese sich an die Situation auf dem Hof anpassen und sich auf geringere Ernteerfolge einstellen können. 

    Dennoch existieren auch enorme Chancen. Der Landwirt profitiert beispielsweise von der Existenzsicherung durch die festen Mitgliedschaften. Zusätzlich lässt sich die Mithilfe der Verbraucher*innen als große Chance ansehen, da beide Seiten voneinander lernen und sich begegnen, wodurch ein stärkeres Bewusstsein für die eigene Ernährung entsteht, was im starken Kontrast zum modernen Konsumwahn steht. Ebenfalls besteht die Transparenz über die Ausgaben, die Produkte und die Herstellungsprozesse, wodurch die Verbraucher*innen die Produkte mit gutem Gewissen konsumieren können. Letztlich werden die lokalen Wirtschaftskreisläufe gestärkt und die Natur durch die Beachtung von natürlichen Kreiläufen geschützt. 

    In Folge einer Befragung von 97 Verbraucher*innen stellte sich heraus, dass ein hohes Wachstumspotenzial besteht. Dies schlossen wir daraus, dass über 50% der Befragten das Konzept nicht kannten, aber 87% das Konzept als gut erachteten. Demnach könnte eine höhere Bekanntheit des Konzeptes zu vermehrten Mitgliedschaften führen. 

    Zusammenfassend lassen sich durch SoLaWis THG-Emissionen immens einsparen. Diese Einsparungen basieren auf dem Düngemanagement, den kürzeren Transportwegen, dem Verzicht auf Verpackungen und der Reduktion von Lebensmittelverlusten. Ferner bringen SoLaWis die Menschen zusammen, ein Konsumbewusstsein entsteht und lokale Strukturen werden gestärkt. Insofern ist das Konzept der solidarischen Landwirtschaft unbedingt zu fördern, da es einen großen Beitrag zum Klimaschutz leisten kann. Fördern könnte man das Konzept unter anderem durch eine verstäkte Präsenz der SoLaWis in der Öffentlichkeit, durch Subventionen und Verbesserungen in der Kommunikationen innerhalb der SoLaWis.

     

    Quellen:

    FAO - Food and Agriculture Organisation. (11. April 2014). Agriculture's greenhouse gas emissions on the rise. Abgerufen am 31. Juli 2017 von FAO News: http://www.fao.org/news/story/en/item/216137/icode/

    Greenpeace. (2008). Cool Farming: Climate impacts of agriculture and mitigation potential. Amsterdam: Greenpeace International.

    Haerlin, B., & Beck, A. (2013). Wege aus der Hungerkrise. Die Erkenntnisse und Folgen des Weltagrarberichts. Berl+in: Zukunftsstiftung Landwirtschaft.

    Heuser, Alessa et al. (2016). Besser anders, anders besser. Mit Agrarökologie die Ernährungswende gestalten. Aachen und Berlin: INKOTA, Oxfam und MISEREOR.

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    Mayring, P. (2010). Qualtitative Inhaltsanalyse. Grundlagen und Techniken. Weinheim und Basel: Beltz. Netzwerk Solidarische Landwirtschaft. (2017). SoLaWis finden. Abgerufen am 1. August 2017 von Solidarische

    Landwirtschaft: https://www.solidarische-landwirtschaft.org/de/solawis-finden/solawi-hoefe-initiativen/

    Netzwerk Solidarische Landwirtschaft. (2017). Was ist SoLaWi. Abgerufen am 1. August 2017 von Solidarische Landwirtschaft: https://www.solidarische-landwirtschaft.org/de/was-ist-solawi/sofunktionierts/

    Statista. (2017). Weltweiter CO2-Ausstoß. Abgerufen am 31. Juli 2017 von Statista: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/208750/umfrage/weltweiter-co2-ausstoss/

     

     

     

     

     

Kommentare

3 Kommentare
  • FranziL
    FranziL Voll die coole Sache :) Wisst ihr eigentlich, ob es die SoLaWis auch in anderen Ländern gibt oder woher die eigentlich kommen?
    6. Dezember
  • LiaLioky
    LiaLioky Allerdings sind die Mengen, die bei den Solawis bis zum Verbraucher gebracht werden, oft auch kleiner. Ich könnte mir vorstellen, dass die 51 km, die ja durch die Fahrt von der Solawi zum Verbraucher entstehen, durch ein Auto zurückgelegt werden und viell...  mehr
    6. Dezember 1 gefällt das
  • Puma
    Puma Ich muss sagen, dass ich seit diesem Jahr, so seit 2-3 Monaten, Teil einer SoLaWi bin. Hier an meiner Uni wird das angeboten. Mir macht's tatsächlich Spaß. Ok, ich hole mir nur das Gemüse ab, aber ich weiß, wo's herkommt und ich kann viel ausprobieren, we...  mehr
    10. Dezember 1 gefällt das