Berichte

Verdammt, ist das so schwer?

  • Eine Sache beschäftigt uns in der WWF Jugend Community immer wieder: Sind wir alleine mit unserer Weltanschauung? Sind wir eigentlich nur umgeben von Idioten, die nicht mitkriegen, dass sie die Erde mit Füßen treten? Oder ist es vielleicht so, dass Umweltschutz von immer mehr Menschen gelebt wird? Sind wir die Generation, in der sich alles wandelt?

    Studien zeigen, dass der Öko-Lifestyle hip wird. Konsumforscher behaupten, dass zehn bis zwanzig Millionen Deutsche auf dem Weg seien, "Lohas" zu werden. Schon mal gehört? "Lohas" steht für "Lifestyle of Health and Sustainability". Gemeint ist also ein neuer, moderner Lebensstil, der Gesundheit und Nachhaltigkeit in den Mittelpunkt rückt. Und das finden immer mehr Deutsche richtig schick.

    Vielleicht ist das ja schon unser Siegeszug… Aber retten wir mit Lohas schon die Welt? Und warum gibt es trotzdem immer wieder Rückschläge? Reicht ein Trend vielleicht nicht aus? Denn viele Erzählungen, die hier in der Community gepostet werden, erzählen vom Gegenteil. Vom Kampf gegen Windmühlen. So zum Beispiel Cata, die schreibt: "Vielleicht kennst du das auch: Du erzählst, wie sehr es dir Spaß macht, wenn du die Natur retten kannst und die Tiere und von den anderen kommt nur ein verständnisloses Gesicht, oder du wirst ausgelacht."

    "Oh, ich kenne das“, sagt L0leka. "Da steht man dann da und denkt sich - alles umsonst. Egal was ich mache, sie werden es ja doch nie kapieren… Aber Kopf hoch, es gibt immer noch die kleinen Erfolge. Zum Beispiel musste ich neulich ERNSTHAFT meiner 18jährigen Freundin die Mülltrennung erklären... ARG! Aber sie hat sich dann glaub ich echt Gedanken drüber gemacht! Man kann nur hoffen, dass wir irgendwann mehr kleine Erfolge als achtlose Lebenseinstellungen haben!"

    Tja, die Lebenseinstellung. Einfach mal sein Leben ändern. Das klingt einfacher, als es ist. Meistens fängt man bei sich selbst an. Die Leute hier in der Community haben diesen Schritt schon getan. So wie Freitag, die sagt: "Ich habe mich komplett daran gewöhnt und habe mein ‚anders sein‘ völlig akzeptiert." Doch dann trifft man auf die Menschen in seiner Umgebung, und da läuft alles anders. So ging’s zum Beispiel Julchen96: "Ich hab meiner Klasse in Biologie mal Earthlings gezeigt. Jeder hat gesagt: OMG! Wie schlimm ist das denn?! …und danach haben sie dann ihr Salamibrot gegessen."

    "Die wenigsten hören einem wirklich zu - aber manchmal schaff ich's trotzdem." Das war die häufigst genannte Antwort bei unserer letzten kleinen Community-Umfrage. Rund die Hälfte der Leute kommen demnach nur gelegentlich mit ihren Argumenten durch. 28 Prozent verzweifeln gar regelmäßig am Unverständnis der anderen. Nur 18 Prozent haben die Erfahrung gemacht, dass es einfacher wird, für den Umweltschutz zu werben.

    Wieso scheinen nicht alle Umweltschutz so ernst zu nehmen wie wir? Bonsaifreak meint: "Die anderen sagen: Die müssen doch sowieso sterben. Du alleine kannst das nicht ändern! ...und dann denke ich nur: Wo ist der Wille etwas zu verändern?" Killari berichtet, auch für die anderen ist es eine Frage des Way of life: "Ein Freund warf mir mal vor, ich und andere Leute, die MacDonalds boykottieren, würden seinen Lebensstil gefährden... Allerdings bin ich mir zumindest halbwegs sicher, dass er das nicht ernst gemeint hat, sondern mich nur provozieren wollte." Aber in jedem Scherz steckt ja oft auch ein Stück Wahrheit…

    Vielleicht werden wir auch falsch verstanden? Falsch wahrgenommen? Chaya stellt sich vor, was die anderen in uns sehen: "Alles, was diese Menschen sehen, sind 'Ökos', die vermutlich noch nie ein Steak gesehen haben, Kuh und Hase abends gute Nacht sagen und Tag ein Tag aus irgendwelche naturfreundlichen Gebete halten und ihren Namen tanzen."

    "Ich konnte mir schon von einigen anhören, dass Umweltschutz sinnlos und nur eine Sache zum Wohlfühlen ist", erzählt Anne, "so nach dem Motto: Wenn ich ein paar Euro hinblättere, fühle ich mich als Weltenretter und alles ist paletti. Man hört sich dann stundenlange Monologe an und fragt sich, für welchen moralischen Fehltritt man hier eigentlich belangt wird. Da werden die Leute, die sich für etwas einsetzen, auch noch belehrt, sie würden es ja nur tun, weil sie ihr schlechtes Gewissen bereinigen wollen." Für Anne kein Problem. Sie findet: "Wir haben wenigstens ein Gewissen, das anspringt, wenn wir Umweltzerstörung und Artensterben sehen. Den anderen geht's ja sonstwo vorbei."

    Was sagt die Studie eigentlich dazu, die ich am Anfang erwähnt habe? Angeblich gibt’s doch immer mehr Lohas. Die Ergebnisse sind ernüchtern! Denn es wurden auch diejenigen untersucht, die von ihrer Einstellung her den Lohas recht nahe stehen - für den Umweltschutz also recht leicht überzeugt werden sollten. Die Ergebnisse in einem Satz zusammengefasst: Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach. "Der gute Wille ist da. Aber Bequemlichkeit und Eigennutz fordern ihren Tribut", sagt equity-Chefin Cordula Krüger, die die Studie im Auftrag der Berliner Nachhaltigkeitsagentur Stratum und der Deutschen Bundesstiftung Umwelt durchgeführt hat.

    Am liebsten ist ihnen eine Win-win-Situation - Gut für mich und gut für die Umwelt. Was sie überhaupt nicht mögen: Verzichten müssen oder sich als Verbraucher engagieren. Sie wollen weder boykottieren noch Protestkarten an Unternehmen oder Ministerien schreiben. Sie würden nicht sagen: "Die Welt darf nicht untergehen". Sondern: "Es wäre schon schade, wenn die Welt unterginge." Oder: "Nur noch Bio kaufen" - das würden sie nie unterschreiben. "Nach Möglichkeit Bio kaufen", das finden sie gut und unverbindlich genug.

    Also doch kein Trend? Um uns herum entweder Gegner oder - noch schlimmer - 'Öko-Egoisten'? Was können wir machen, um aus dem Trend doch eine Bewegung zu machen?

    Neulich ist Gina blöd angemacht worden, weil sie sich in der WWF Jugend engagiert. Was hat sie geantwortet? "Ich hab zu ihm gesagt wenn ALLE diese Einstellung haben würden oder früher gehabt hätten gäbe es ihn und uns wahrscheinlich nicht mehr." Knobel schreibt: "Solche Situationen kenn ich zur Genüge, leider. Aber ich habe auch schon viele zum Nachdenken angeregt, bei denen ich niemals gedacht hätte, dass das klappt. Ich habe mit vielen gesprochen, was sie denn gegen Engagement hätten und oft haben die Leute nix gesagt. Ich schätze aus Verlegenheit."

    "Viele von denen", ergänzt Urmel88, "die uns diese blöden Sprüchen drücken, haben oft ein schlechtes Gewissen, weil wir etwas tun und ihnen damit zeigen, dass sie nichts tun. Da würde ich auch ein schlechtes Gewissen bekommen." Und Cata meint: "Ich finde man sollte sich von so etwas nicht runter machen lassen. Immerhin machen wir was, andere sitzen auf dem Sofa und sagen sich, warum soll gerade ich was machen, sollen die anderen doch anfangen."

    Vielleicht müssen wir gar nicht die ganze Gesellschaft verändern? Vielleicht können wir die Welt auch aus eigener Kraft verbessern. So wie Evegana, die fest dazu entschlossen ist: "Ich bin fest davon überzeugt, dass wir die Welt retten werden :) auch wenn es Leute gibt die einen einfach nicht verstehen…“ Urmel88 sieht es ähnlich:

    "Nicht aufgeben! Wir werden immer mehr und dadurch immer lauter!"

    Wie gehst du an die Sache ran? Bist du Einzelkämpfer? Überzeugungstäter? Mitreißer?

    Willst du die große Welle oder die heimliche Veränderung? Was findest du realistisch, was utopisch?

    Wie sieht für dich die Umweltkampagne der Zukunft aus?

Kommentare

7 Kommentare
  • Killari
    Killari Einen Trend zum umweltbewussteren Leben gibt es in Deutschland schon. Zumindest habe ich den Eindruck, wenn ich Deutschland mit Erfahrungen vergleiche, die ich in anderen Ländern gemacht habe. Bio-Lebensmittel gibt es bei uns ins den meisten Supermärkten,...  mehr
    23. Juli 2010
  • Juliaaa
    Juliaaa Toll wenn es ein Trend ist, aber ist es wirklich ein Erfolg wenn die Leute nur Umweltbewusstsein entwickeln weil es Trend ist? Meiner Meinung sollte man umweltbewusst leben, weil man den späteren Generationen eine würdige Welt überreichen will und weil ma...  mehr
    23. Juli 2010
  • Killari
    Killari Find ich ne schöne Einstellung, Chaya.
    @ Julchen96: Mit Trend meinte ich eine Entwicklung, nicht eine Mode. Aber selbst wenn, ist hier nicht das Ergebnis wichtiger als die Motivation? Wenn Menschen die Umwelt schützen, weil es \"in\" ist, ist das doch be...  mehr
    24. Juli 2010
  • Cata
    Cata Der artikel ist super marcel. Und vielen dank, dass du mich da mit einbezogen hast, das ehrt mich total. Ich kenne jemanden, der auch hier ist, und an dem einem videowettbewerb für kopenhagen von der wwf-jugend mitgemacht hat. dieses video ist in youtube ...  mehr
    2. August 2010