Berichte

Können Raupen unseren Planeten retten?

  • Plastik ist ein Material, das nicht nur uns in der Community ständig beschäftigt. Mittlerweile haben viele die Probleme erkannt, die mit Kunststoffen zusammenhängen: Auf der ganzen Welt setzen sich Leute dafür ein, die Umweltverschmutzung durch Plastik zu verringern. Ständig gibt es neue Erkenntnisse und Möglichkeiten, die Welt ein kleines bisschen plastikfreier zu gestalten. Einige davon möchte ich euch hier kurz vorstellen.

    Das gibt es diesen Monat:

    -  Keine Fasern in die Kiemen

    -  Kleine Raupe nimmersatt

    -  Kiel tütet um

    -  Vancouver macht Schluss!

    -  Selbst aktiv werden

     

     

    © pixabay.com/ Pexels

    Keine Fasern in die Kiemen

    Mikroplastik ist ein Problem, das uns auch die nächsten Jahrzehnte über noch beschäftigen wird. Kleinste Fasern lösen sich zum Beispiel beim Waschen von Kleidung aus dem Gewebe und gelangen so ins Abwasser. Da aber weder unsere Waschmaschinen, noch die Kläranlagen, in der Lage sind diese Fasern aus dem Wasser herauszufiltern, sammeln sich die giftigen Teilchen in den Gewässern und Meeren des Planeten an und treten in den Nahrungskreislauf ein.

    Ein Team der „University of California“ in Santa Barbara errechnete, dass Berlin täglich (!) 540.000 Plastiktüten in deutsche Gewässer schwemmt, rechnet man die Umweltverschmutzung durchs Waschen am Tag in Tüten um. Dem entgegenwirkend entwickelte die LANGBRETT Interessensgemeinschaft, eine Gruppe von Surfern, Skatern und kreativen Köpfen einen Waschbeutel, der die kleinen Mikroplastikfasern nicht ins Abwasser passieren lässt. 99% der abgebrochenen Fasern können so laut Herstellerangaben aus dem Waschwasser herausgefiltert werden.

    Und so funktioniert’s: 1) Das zu waschende Kleidungsstück wird in den so genannten 'Guppy Friend' Beutel gegeben und normal in der Waschmaschine mit gewaschen. 2) Das nasse Kleidungsstück wird nach dem Waschgang aus dem Beutel entfernt und aufgehängt, die zurückbleibenden Fasern in der Innenseite des Beutels können über den Restmüll entsorgt werden.

    Das Konzept ist so einfach wie genial und wir dürfen neugierig bleiben. Das deutsche START-UP Unternehmen arbeitet nämlich gerade daran, weitere Rückhaltesysteme für schwimmende Kunststofffasern und andere Abfälle zu entwickeln.

    Kleine Raupe nimmersatt

    Die italienische Wissenschaftlerin Federica Bertocchini machte eine womöglich bahnbrechende Entdeckung. Die Hobby-Imkerin entdeckte die fleißigen Würmer beim Säubern eines Bienenstocks. Zunächst verärgert über die Tiere, sammelte sie sie in einer Plastiktüte zum Entsorgen ein. Doch schon nach kurzer Zeit hatten sich die Würmer Löcher durch das Plastik gefressen. Die Neugier der Biologin brachte sie dazu, die Tiere noch einmal genauer zu betrachten.

    Gemeinsam mit andern Wissenschaftlern stellte sie fest, dass 100 Wachsmotten- Larven schon nach 12 Stunden ungefähr 92 Milligramm einer Plastiktüte zerfressen können, sodass man schon nach 40 Minuten erste Löcher in der Tüte erkennen kann. „Das ist ein sehr schneller Abbau, schneller als alles, was zu diesem Thema bisher wissenschaftlich veröffentlicht wurde“ sagt Bertocchini.

    Diese Entdeckung ruft große Hoffnungen im Kampf gegen die Plastikmassen hervor. Die Forscher vermuten, dass ein Enzym oder ein Molekül für die Zersetzung des schwer abbaubaren Polyethylens (PE) verantwortlich ist und arbeiten weiter daran, sich das Können dieser kleinen Tiere zu Nutzen zu machen.

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    Kiel tütet um

    In Kiel gibt es die Möglichkeit, in teilnehmenden Bäckereien Brot und Brötchen in seiner eigenen Tüte zu erwerben. Das Projekt „Umtüten“ verfolgt die Idee den Verbrauch von Einweg- Papiertüten zu reduzieren. Dafür bieten die Initiatorinnen Anja und Christina zwei unterschiedliche Brotbeutel an, mit denen man in der jeweiligen Partner-Bäckerei beim Einkauf sogar noch eine kleine Überraschung erhält. Für diese Projektidee erhielten die beiden sogar einen der Preise des „YOOWEEDOO“- Ideenwettbewerbs 2017.

    Als kleiner Tipp an all diejenigen, die nicht aus Kiel kommen: Ein kleiner Stoffbeutel, Jutesack oder sogar eine Kissenhülle eignen sich prima, um Brot, Brötchen oder Naschereien beim lokalen Bäcker unverpackt zu kaufen. Wenn ihr nett fragt, geben euch sicherlich viele VerkäuferInnen die Backwaren über den Tresen hinweg an und ihr müsst sie nur noch entgegennehmen oder einfach euren Beutel zum Hineingeben hinhalten. Weitere Ideen rund um's Brot präsentiert euch Lisa in ihrem Tipp der Woche.

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    Vancouver macht Schluss!

    Schluss mit Plastik, Schluss mit dem Müll! Vancouver versucht das scheinbar Unmögliche. Bis 2040 soll in der Stadt kein Müll mehr produziert werden. Dies will man mit den Strategien des Zero Waste erreichen, das heißt man plant möglichst keinen unverrotbaren Müll zu produzieren. Während man in Deutschland noch in viele ratlose Gesichter schaut, wenn man Menschen danach fragt, ob sie mit dem Begriff Zero Waste etwas anfangen können, ist in Vancouver nahezu jeder mit der Idee vertraut. Die Stadt versucht durch Kampagnen und Werbung ununterbrochen Werbung für das Großprojekt zu machen und möchte bis 2020 sogar zur grünsten Stadt der Welt werden. Jeden Mittwoch ruft sie daher zum „Waste-free Wednesday“ auf, an dem jeder aufgefordert ist möglichst müllfrei durch den Tag zu kommen. Der Wettbewerbscharakter soll auch Unternehmen dazu anspornen, sich über Müllvermeidung Gedanken zu machen und motivieren, weiter am Ziel der müllfreien Stadt zu arbeiten.

    Probiert's doch auch mal aus! Schafft ihr es, einen Mittwoch lang keinen Müll zu produzieren?

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    Selbst aktiv werden:

    Flaschenwahnsinn stoppen!

    Greenpeace UK schätzt, dass der Softdrink- Riese Coca Cola etwa 3.400 Einwegplastikflaschen pro Sekunde produziert, von denen mehr als 60% schon nach einmaligem Gebrauch wieder entsorgt werden. Coca Cola hält laut Greenpeace sein eigenes Ziel nicht ein, mehr Flaschen aus recyceltem Material herzustellen. Hier könnt ihr dem CEO eine Mail schreiben und ihn auffordern, in der Produktion zu recyceltem Plastik umzusteigen.

     

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    Einfrieren ohne Plastik

    Habt ihr schon mal ausprobiert, Lebensmittel ohne Plastik einzufrieren? 5 sehr praktische Tipps dazu findet ihr hier.

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    Kein Plastik auf die Haut!

    Greenpeace macht sich stark gegen die Verwendung von Mikroplastik in Kosmetikartikeln. Schreib hier eine Protestmail an Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD).

     

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    Ran an die Besen!

    Bis Dienstag, 02.Mai.2017 habt ihr noch die Chance euch für das Projekt „Let’s clean up Europe“ zusammen zu schließen und euch mit anderen Menschen bei einer Aufräum- bzw. Müllsammelaktion in eurer Umgebung beteiligen.

     

     

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    Zero Waste Vereinsgründung

    In Erfurt laufen die Planungen für einen Zero Waste Verein auf Hochtouren! Ein Treffen findet am 03.Mai.2017 in Erfurt statt im „Louise genießt – Unverpackte Lebensart“

    Mitschwimmer gesucht!

    Noch bis Ende Mai läuft die Ocean Film Tour durch Deutschland, bei der verschiedene Filme zum Meer und Wasser gezeigt werden. Bewirb dich hier dafür im 'Trail Team' zu arbeiten, bei dem du für einen reibungslosen Ablauf eines Filmabends auch in deiner Stadt verantwortlich bist.

    Und sonst?

    Die IG Metall feiert am 1. Mai den Tag der Arbeit und wir vom WWF feiern mit! Mit einer Upcycling Bude auf dem Markt der Möglichkeiten am Schützenplatz in Dresden, bei dem zum Beispiel auch „Via con Acqua“, „Quartiermeister“ und „Seashepard“ dabei sein werden, um auf die Misstände der Welt aufmerksam zu machen. Kommt doch mal vorbei!

    © pixabay.com/ rawpixel

     

    Wenn ihr erfahren wollt, warum man überlegt, demnächst Gemüse zu lasern und was ihr aus vermeidlichem Müll noch so alles rausholen könnt, dann schaut euch das letzte Plastik-Update von Anne an.

     

    Quellen:

    https://www.kickstarter.com/projects/820419024/guppy-friend-washing-bag/description

    http://guppyfriend.com/sample-page

    http://www.codecheck.info/news/Plastik-fressende-Raupe-entdeckt-197219

    https://wettbewerb.yooweedoo.org/entry/2017/umtuten-2/

    https://www.umtueten.org/

    http://vancouver.ca/green-vancouver/zero-waste-vancouver.aspx

    http://www1.wdr.de/radio/cosmo/magazin/specials/zero-waste-vancouver-100.html

     

Kommentare

4 Kommentare
  • Sunlight
    Sunlight Danke Dir für dieses spannende und mutmachende Update!
    30. April 2017 - 1 gefällt das
  • Cookie
    Cookie Liebe Tanja, dein erstes Plastik-Update ist einfach super geworden! Ich freue mich so sehr über deine tolle Unterstützung und hoffe, dass dem noch viele weitere Updates folgen werden.
    30. April 2017 - 1 gefällt das
  • Marcel
    Marcel Total interessant! Danke!
    2. Mai 2017 - 1 gefällt das
  • Luke24
    Luke24 Ich kann mich den vorstehenden Kommentaren nur anschließen.

    Ich persönlich sehe hinsichtlich der u.a. thematisierten Einwegflaschen das Problem jedoch weniger bei den jeweiligen Konzernen, sondern vielmehr bei den Verbrauchern, die ebensolche Produkte kaufen.
    14. Mai 2017 - 1 gefällt das